Ein Mord, ein Geständnis und ein Anwalt, der zweifelt.Elvira Castell hat den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen.Die Indizien sind schwerwiegend, sie selbst gibt die Tat zu. War es kaltblütiger Mord oder Notwehr? Avvocato Guerrieri weiß: Die Strategie der Verteidigung ist entscheidend, Vorsatz bedeutet lebenslänglich. Während der Prozess seinem Höhepunkt entgegenstrebt, verliertGuerrieri den Glauben an die Gerechtigkeit. Bei Streifzügen durch die nächtlichen Gassen von Bari befragt er sich selbst. Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin? Wie erlange ich Gewissheit über mich und über die Taten anderer? Ist Schuld relativ? Beharrlich versucht er zu den menschlichen Abgründen und zum Kern seines Ich vorzudringen, auf der Suche nach Wahrheit und Glück.Eine Geschichte, die wir in unsicheren Zeiten dringend benötigen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
AB
aus MUC
5/5
09.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
still tiefgründig und spannend
„Der Horizont der Nacht“ ist für mich einer dieser Romane, bei denen der eigentliche Fall irgendwann fast in den Hintergrund tritt – nicht, weil er uninteressant wäre, sondern weil die Fragen, die dahinterstehen, sehr viel weiter reichen.
Elvira Castell hat den Mann getötet, den sie für den Tod ihrer Zwillingsschwester verantwortlich macht. Sie leugnet die Tat nicht. Und doch ist damit längst nicht geklärt, was geschehen ist. War es Mord oder Notwehr? Wie weit darf Vergeltung gehen? Und wie eindeutig kann Schuld überhaupt sein, wenn man die Geschichte eines Menschen wirklich verstehen will?
Carofiglio erzählt diesen Prozess nicht als spektakuläres Gerichtsdrama, sondern mit einer bemerkenswerten Ruhe. Gerade daraus entsteht eine Spannung, die mich sehr angesprochen hat. Man liest nicht nur mit, um zu erfahren, wie das Verfahren ausgeht, sondern weil man immer wieder über die Grenzen von Recht, Moral und persönlicher Verantwortung nachdenkt.
Besonders stark fand ich Guido Guerrieri. Er ist hier ein ausgesprochen nachdenklicher, beinahe melancholischer Mann, der den Fall zunehmend mit seinen eigenen Fragen verbindet. Die Gespräche mit seinem Psychotherapeuten haben mir dabei ausgesprochen gut gefallen. Sie geben dem Roman eine zweite Ebene und machen aus dem Anwalt, der einen schwierigen Fall zu lösen versucht, einen Menschen, der selbst nach Orientierung sucht.
Überhaupt ist es diese Verbindung aus äußerer Handlung und innerer Bewegung, die den Roman für mich so besonders macht. Bari bei Nacht, Guerrieris Spaziergänge durch die Stadt, seine Erinnerungen und die Gespräche über das Leben schaffen eine Atmosphäre, die gleichzeitig ruhig und von einer gewissen Schwere geprägt ist. Trotzdem wirkt das Buch nie pathetisch.
Carofiglios Sprache ist dabei von einer angenehmen Klarheit. Kein Wort scheint zu viel, und gerade die scheinbare Einfachheit vieler Passagen entwickelt ihre Wirkung oft erst ein paar Zeilen später. Es ist ein Buch, das man nicht unbedingt schnell lesen möchte, weil manches nachklingt und sich erst beim Weiterdenken vollständig entfaltet.
Für mich ist „Der Horizont der Nacht“ deshalb weit mehr als ein Legal Thriller. Es ist ein kluger und sehr menschlicher Roman über Schuld, Verlust, Erinnerung und die schwierige Suche nach Gewissheit – und vielleicht auch darüber, wie man irgendwann lernt, mit den Dingen zu leben, auf die es keine eindeutige Antwort gibt.
Bewertung
4/5
11.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegend und Anders
Eine großartige Erinnerung daran, dass auch Juristen nur Menschen sind. Man begleitet Spannendes aus dem Gerichtssaal sowie die Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen und Stärken im Rahmen einer Therapie. Einfühlsam, ehrlich und sehr berührend.
Jürg K.
4/5
21.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende Gerichtsgeschichte
Elvira Castell hat den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen. Die Indizien sind schwerwiegend, sie selbst gibt die Tat zu. War es kaltblütiger Mord oder Notwehr? Dies ist ein Roman, der mich nicht nur wegen seines Kriminalfalls gefesselt hat, sondern vor allem wegen der inneren Erschütterungen, die er auslöst. Avvocato Guerrieri ist eine Figur, die mich sofort für sich eingenommen hat. Nicht, weil er unfehlbar wäre, sondern weil er sich seiner eigenen Risse bewusst ist. Der Fall um Elvira Castell, ein Geständnis, ein erschossener Mann, eine Schwester, die vielleicht Opfer, vielleicht Täterin ist, zwingt ihn, seine Rolle als Verteidiger neu zu betrachten. Guerrieri merkt, dass selbst ein Geständnis keine Wahrheit garantiert, sondern nur eine Version davon. Besonders eindrucksvoll sind seine nächtlichen Streifzüge durch Bari. Diese Passagen wirken wie ein zweiter Roman im Roman: ein Mann, der durch die engen Gassen wandert, begleitet von seinen eigenen Schatten. Diese Selbstbefragung verleiht dem Buch eine melancholische Tiefe, die weit über den Kriminalfall hinausreicht. Meine Meinung zu diesem Buch ist, dass man einen leisen, aber nachhaltigen Roman über Zweifel, Verantwortung und die fragile Konstruktion von Wahrheit liest. Ein sehr eindrücklicher Roman.
Bewertung
aus Buchen
4/5
20.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gerichtsdrama
Der Horizont der Nacht von Gianrico Carofiglio ist aus meiner Sicht wirklich ein guter Roman. Es ist ein fast klassisches Anwalts- und Gerichtsdrama.
Eine Frau hat den gewalttätigen Freund ihrer Schwester erschossen und muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Icherzähler und Hauptfigur ist ihr Anwalt Avvocato Guerrier. Er ist 57 Jahre alt und gewissermaßen in einer Lebenskrise. Er sucht häufig einen Psychologen auf und diese Gespräche nehmen einen wichtigen Teil im Buch ein und das psychologische Moment wertet den Roman auf. Gianrico Carofiglios intelligenter Schreibstil ist zugänglich und eindringlich zugleich.
Höhepunkt des Buches ist dann das lange Gerichtsverfahren, das auf mich fast filmisch wirkte.
Edith Berger
aus Graz
5/5
11.08.2026
eBook (ePUB 3)
Kluges, elegantes, spannendes Krimivergnügen
Der Anwalt Guido Guerrieri ist mit einem aussichtslosen Fall betraut. Seine Mandantin Elvira Castelli hat, so scheint es, den Selbstmord ihrer Zwillingsschwester gerächt. Sie hat den Lebensgefährten ihrer Schwester mit ihrer eigenen Waffe getötet. Die Indizien sprechen eine deutliche Sprache. Elvira Castelli wurde zum Zeitpunkt der Tat am Tatort gesehen und von ZeugInnen identifiziert. Außer der verschwundenen Waffe spricht auch das Mordmotiv klar gegen Guerrieris Mandantin, die die Tat nicht leugnet. Sie ist allerdings fest davon überzeugt, dass ihre Schwester in den Selbstmord getrieben wurde. Außerdem stellt sich Guido Guerrieri seinen eigenen seelischen Gespenstern.
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