Hamburg – St. Pauli: Anfang der 1980er-Jahre für viele Sehnsuchtsort. Eine Symbiose aus Großstadtromantik und Auffangbecken für Gestrandete. Kein Tag glich dem anderen. Die Nächte schon gar nicht. Dann konnte dort, wenn das Mondlicht durch das Rotlicht ersetzt wurde, von gepumpter Zärtlichkeit über Drogen und Mord alles erworben werden. Der Kiez kannte keine Grenzen. Auch der 21-jährigen Esther Lindemann, aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Südschwarzwald, erging es so. Auch sie wollte Grenzen hinter sich lassen und der heimischen Enge entkommen. Nach dem Abitur bewarb sie sich bei der Polizei Hamburg um eine Ausbildungsstelle, wurde angenommen und die erste Schutzpolizistin im Polizeirevier 15, besser bekannt als die berühmt-berüchtigte Davidwache am Spielbudenplatz 31 auf der Hamburger Reeperbahn.
Doch der Dienst verlief für Esther anders als erwartet und verlangte ihr alles ab. Schnell verstrickte sie sich in den Fängen des hiesigen Milieus - einem Sumpf aus Männerdomäne, Zuhälterei und „Organisierter Kriminalität“.
Dies ist ihre Geschichte.
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spannende Geschichte einer der ersten Schutzpolizistinnen
Bewertung aus Oberursel am 31.03.2024
Bewertungsnummer: 2166883
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Hamburger Krimiautor Rob Lampe hat sein Genre erneut verlassen und mit seinem neuen Buch eine Biographie geschrieben: in „Mitten im Rotlicht“ erzählt er die Geschichte der ersten weiblichen Polizistin im Hamburger Rotlichtviertel, Esther Lindemann. 1979 wurden in einem Modellversuch erstmals aus Frauen als Schutzpolizistinnen ausgebildet, und eine davon war Esther Lindemann, eine 21jährige junge Frau aus dem Schwarzwald, die sich die Hamburger Amüsiermeile St. Pauli als ihr Revier ausgesucht hat. Rob Lampe erzählt hier ihren Weg nach: vom Bewerbungsprozess über die verschiedenen Stationen der Ausbildung bis hin zu ihren ersten Jahren als Polizistin – wir begleiten, so der Autor im Vorwort, Ester auf Streife und auf ihrem Weg, wie sie als erste Frau in Deutschlands bekanntestem Polizeirevier, der Hamburger Davidwache auf St. Pauli, lernen musste, ihren Mann zu stehen.
Und bevor ich jetzt auf den Inhalt eingehe, muss ich jetzt erst mal einiges zur Aufmachung des Buches sagen, denn hier hat sich der Verlag echt Mühe gegeben. Farblich cooles Cover, und vorne und hinten die Klappenseiten sind mit einem geographischen Überblick der Schauplätze des Buches versehen. Fand ich echt gut gemacht. Im Innenteil gibt es dann noch ein paar Fotoseiten, auf denen Esther Lindemann ihre Ernennungsurkunden und persönliche Fotos zur Verfügung gestellt hat. Das Buch ist also absolut authentisch, und das macht es zu einem rundum gelungenen Ereignis.
So, zurück zum Inhalt. Für uns, die wir weibliche Polizei im Straßenbild gewöhnt sind, ist diese Geschichte schon fast historisch, aber man muss es ich mal klarmachen, Ende 1979 haben sich erst die ersten Frauen überhaupt auf diesen Job bewerben dürfen, und 1980 ging dann der erste Ausbildungsjahrgang an den Start, und das auch nur in ausgewählten Bundesländern. Ester aus dem Schwarzwald musste sich hoch im Norden in Hamburg bewerben, und durchlief ihre Ausbildung und Praktika mit einigen wenigen anderen Frauen – und war dann auf der Hamburger Davidwache die einzige Frau überhaupt. Esthers Geschichte ist nicht nur ihre persönliche Geschichte, sondern auch ein Teil der Geschichte der Emanzipation hier in Deutschland. Man kann es sich vorstellen, einige Kollegen waren nicht wirklich begeistert von weiblicher Präsenz, und wenn Esther erzählt, was für üblen Sexismus sie gerade auch von Kollegen erfahren musste, dann rollen sich einem (also mir!9 beim Lesen teils die Fußnägel hoch. Komischerweise konnte ich mir das aber haargenau auch so vorstellen. Esther ist hart im Nehmen und lässt sich wenig annehmen – ich habe mir hier öfters gedacht, nur die Harten kommen in den Garten, also Chapeau Frau Lindemann, sie waren ein echtes Vorbild und eine Vorreiterin!
Der Roman ist einerseits chronologisch geschrieben, und berichtet Esthers private und berufliche Entwicklung, andererseits sind da auch mehr oder weniger spontan viele kleine und größere Erinnerungen eingepflegt, an denen sie und der Autor uns teilhaben lassen, und dementsprechend kurz sind teilweise auch die Kapitel. Wir lernen viele Typen vom Kiez kennen, liebenswerte und weniger liebenswerte, aber immer völlig skurrile Persönlichkeiten. Und natürlich ist die Prostitution allgegenwärtig. Anfang der 80er wurde auf der Reeperbahn der Ton auch härter, und Esther wurde Zeugin vieler Gewaltverbrechen … war nicht alles nur Aufregung und Action, oder zumindest nicht nur im positiven Sinne….und Esther selbst muss auch schauen, dass sie sich nicht im Milieu verstrickt…..
Mein Leseeindruck: Wow, das war spannend. Ich habe schon einiges vom Autor gelesen, und mag seinen Stil, von daher sage ich mal, dieses Buch lässt sich gewohnt flott und mitreißend lesen. Mir ging die Story dieses Mal aber echt nah, eben weil sie echt ist, und ich in vielen Dingen mit Esther mitgefühlt habe. Sie muss immer doppelt und dreifach gut sein, um sich zu beweisen, und einiges geht ihr an die Substanz – aber sie beißt sich trotzdem durch. Ich wiederhole mich: sehr bewundernswert.
Spannende Geschichte der jüngeren Geschichte. Und interessante Kiez-Mileustudie, wenn auch gefühlt ein wenig romantisiert.
Ja, und persönlich ganz witzig für mich: einer der richtigen A******kollegen ist mein Namensvetter – wo ich immer dachte, ich kenne alle Leute mit diesem Nachnamen hier im Lande, aber dem ist wohl nicht so, hahaha, ich kenne bestimmt nur die Netten .
Also, ich komme mal zu einem Schluss: Große Leseempfehlung. Für alle true crime-Fans, für alle Reeperbahngänger, und für alle Krimifans, die wir immer weibliche Ermittlerinnen feiern, und ganz vergessen, dass es diese noch gar nicht so lange gibt.
Rotlicht sonstwo
Bewertung am 12.01.2025
Bewertungsnummer: 2384726
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich bin schockiert, ein interessantes Thema so zu vermasseln. Eine langweilige Geschichte ebenso langweilig und unmodern erzählt mit Floskeln eines Berichts aus irgendwann. Das Buch ist nicht schön gebunden, aber teuer! Nichts für zu viel Geld. Die Dame hinter dem ganzen ist inzwischen eine alte graue Lady, die nicht zu dem Thema passt und nicht vermarktbar wäre.
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