Puppen sind eines der ältesten Spielzeuge der Menschheit. Sie bestanden aus Wachs, Knochen, Stoff oder Holz, aus Porzellan und Kunststoff. Puppen leisten Gesellschaft und spenden Trost, werden geliebt, gesammelt, geschlagen und verunstaltet. Sie sind magische Gegenstände, Sex- und Angstobjekte, stehen auf Bühnen und in Ausstellungen, sie sind Dummys bei Crashtests. Stets sind Puppen ein Bild unserer Gesellschaft und unserer Wünsche: Im Puppenzimmer sollen Mädchen die Mutterrolle üben, im Puppenheim werden sie selbst zur Baby-Doll gemacht, doch Puppen sind auch machtvolle weibliche Selbstbilder und beste Freundinnen. Tanja Raichs Buch offenbart uns eine schillernde Vielzahl verschiedener Puppenkörper und Puppengeschichten.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Majo C.
aus Wien
5/5
19.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch über Spielzeug, but make it political
Raich hat hier etwas ganz Feines geschaffen.
Dieses Buch beginnt als eines, das einem allerlei Wissenswertes zu Puppen vermitteln möchte, als ein Buch über Spielzeug, über Bräuche. Wir lernen wie sich die Puppe als Kinderspielzeug im Laufe der Jaher entwickelt hat, welche Auswirkungen die Gesellschaft auf sie hatten und welche sie wiederrum auf die Kinder hatte, die sie bespielen. Und - darauf war ich nicht ganz vorbereitet, zumindest nicht in diesem Ausmaß - was das Patriarchat und Misogynie damit zu tun haben. Über das Thema Barbie und den dazugehörigen Film sowie die unrealistischen Körperbilder, die diese Puppe vermittelt, tauchen wir ein uns bis kurz vor Schluss kommen wir da auch nicht mehr raus - es ist großartig. Dabei beschränkt sich die Autorin natürlich nicht nur auf Mattel, nein, sie arbeitet die Geschichte der Puppe und all ihre Funktionen und Konsequenzen auf Frauen und Mädchen auf der Welt auf.
Sie zeigt auf, auf welche verschiedenen Arten Puppen anstelle von Frauen misshandelt werden und wann Frauen zu Puppen gemacht werden, wie ihnen die Stimme weggenommen wird und sie nur noch adrett dasitzen und alles über sich ergehen lassen können. Ebenso kommt zur Sprache wie Mädchen zu Sorgearbeit gedrillt werden, wenn sie sich selbst lieber noch in den Puppenkinderwagen legen möchten.
Raich bringt eine durchaus spannende Tendenz zur österreichischen Perspektive mit, nimmt uns aber auch mit in andere Kulturen und räumt mit einigen Missverständnissen und rassistisch motivierten Erzählungen auf.
Auf eine spielerisch Art und Weise, ganz ohne die übliche erdrückende universitäre Sprache, die man von so manch politischem Sachbüchern kennt, macht Raich die Thematik zugänglich und das Lesen leicht und flüssig. So wächst der Nachttischstapel nicht um ein weiteres Sachbuch das mit 10% Lesefortschritt verstaubt.
Von den Illustrationen von Hanna Zeckau bin ich sowieso immer großer Fan, auch hier hat sie wieder tolle Arbeit geleistet. Die schönen Puppenzeichnungen findet man nämlich nicht nur auf dem Cover, sondern auch im Buch verteilt immer wieder, passend zu den Kapiteln.
Ingesamt 1A Werk, gutes Investment. Eignet sich auf alle Fälle auch ideal als Mitbringsel, Last-Minute Geschenk, Lektüre für eine Zugfahrt oder als das eine obligatorische Sachbuch, das man sich vorgenommen hatte diesen Monat/dieses Jahr zwischen der Belletristik zu lesen, weil man sich ja doch noch weiterbilden möchte.
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