Im 15. Jahrhundert wendet sich der transsilvanische Prinz Vlad II, Graf von Dracul, nach dem grausamen Verlust seiner angebeteten Frau Elisabeta, voller Zorn von der Kirche ab. In seiner unbändigen Trauer tötet er einen Priester, verflucht Gott - und wird zum ewigen Leben verdammt. Er wird zu Dracula. Als bluttrinkender Vampir muss er fortan durch die Jahrhunderte irren. Dracula ist von der finsteren Hoffnung besessen, irgendwann mit seiner großen Liebe wiedervereint zu sein. 400 Jahre später scheint er sie in Paris gefunden zu haben, in Gestalt der verführerischen Mina.
Pressezitat: "Dieses Horrordrama ist visuell und schauspielerisch ein Film der Exzesse." (FILM-REZENSIONEN)
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Hat mich emotional komplett erwischt
Bewertung am 03.11.2025
Bewertungsnummer: 2644113
Bewertet: DVD (DVD)
Man kann wahnsinnig viel an «Dracula – A Love Tale» kritisieren: Es ist nicht gruselig. Der Film ist teilweise skurril und eklig, manche Szenen witzig, manche aber leider auch unfreiwillig komisch. Originelle Ideen findet man nur wenige, denn vieles ist stark inspiriert von der Dracula-Version mit Gary Oldman und ein Teil des Plots ist komplett abgekupfert von «Das Parfüm», und dann springt Dracula immer wieder aus seinem Turm in den Tod wie in «Und täglich grüßt das Murmeltier». Es gibt einige Film- bzw. Anschlussfehler, angefangen bei der ersten Schlachtszene, in der es erst Tag, dann Nacht, dann plötzlich wieder Tag ist (ich gehe nicht davon aus, dass Elisabeta 24 Stunden durchgeritten ist), oder der Tatsache, dass Vampire zwingend erst gepfählt und dann geköpft werden müssen, nur eben nicht Dracula himself.
Und trotz all dieser Kritikpunkte hat dieser Dracula mich wahnsinnig berührt. Luc Besson hat damit in erster Linie eine herzzerreißende Liebesgeschichte erzählt, was der peinlich-banale deutsche Untertitel «Die Auferstehung» nur verschleiert. Dieser Film ist definitiv «A Love Tale» mit einem Caleb Landry Jones, der eine oscarwürdige Präsenz hat und eine Verletzlichkeit, die mich unglaublich angefasst hat. Caleb hat als Dracula etwas zutiefst Menschliches, Gebrochenes, was mir fast unfertig vorgekommen ist. Er ist ein eher hässlicher Liebender, der sich seit Jahrhunderten verzehrt – und dem man mehr als einmal ein Taschentuch reichen möchte, damit er sich den Rotz vom Gesicht wischt –, und dennoch wird er im Laufe des Films sogar anrührend schön, weil sein Gesicht, seine Augen den puren Ausdruck dieser Sehnsucht widerspiegeln. Das hat mich richtiggehend umgehauen, weil seine Hingabe überhaupt nicht dominant oder heldenhaft ist, sondern emotional total nackt. Wer sich Interviews zum Film mit ihm ansieht, wird feststellen, dass er auch darin in seiner Rolle bleibt und mit einem rumänischen Akzent spricht.
Christoph Waltz spielt den vampirjagenden Priester, wie eben Christoph Waltz spielt. Mina bzw. Elisabeta werden von Zoë Bleu Sidel gut, aber eher unspektakulär dargestellt. Jonathan Harker wirkt größtenteils wie der naive Sidekick und ist fast schon eine Karikatur, und Lucy, die in dieser Version Maria heißt, nervt unfassbar in ihrer überdrehten Verehrung für ihren Meister. Dazu kommt noch, dass die herumhüpfenden Gargoyles mit ihren Goldschätzen an einen Kinderfilm erinnern. Manche Dialoge («Tu es, bevor ich es mir anders überlege» oder «Er ist ein vollendeter Kavalier») sind absurd stereotypisch, und fast schon anachronistisch sind die Tanzchoreografien, die an TikTok-Videos erinnern.
Das klingt nach einem eher schlechten Film. Das ist er aber nicht. Die Bilder sind opulent, die Ausstattung und die Kostüme schön, aber nicht überladen, und so verzeiht man es auch, wenn die Heldin 1480 nach Christus Nagellack trägt oder Ende des neunzehnten Jahrhunderts ihre Röcke lupft und man anstelle langer Unterhosen ihre nackten Beine sieht. Die Musik von Danny Elfman unterstreicht die Stimmung perfekt, und mich hat die Handlung trotz Logiklücken durchgehend gefesselt. Nach dem Kinobesuch musste ich lange über den Film nachdenken. Ich habe ihn dann zweimal in Folge gesehen, weil er mich einfach nicht losgelassen hat, und ich würde es auch ein drittes Mal tun. Und wenn ich versuche, dieses Gefühl zu packen, kann ich mir das nur so erklären, dass Caleb Landry Jones in diesem Film eine Liebe zeigt, die zwar als leidenschaftlich-rohes Begehren beginnt, sich dann aber in eine fast schüchterne Dankbarkeit entwickelt. Er zeigt bei ihrer Wiederbegegnung nach vierhundert Jahren eine stille, selbstaufopfernde Liebe, die altmodisch und einfach sehr berührend ist. Es ist mir bei aller Kritik fast peinlich, denn es gibt rational keinen Grund, diesem Film fünf Sterne zu geben, außer dass er mich emotional komplett erwischt hat.
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