Nach einem Flugzeugabsturz finden sich 20 Frauen auf einer abgelegenen Insel wieder und fragen sich, ob sie im Paradies oder in der Hölle gelandet sind.
Sophie möchte Yoga machen und eine Menstruationshütte für alle bauen, Aurelia findet, das sei Cultural Appropriation, Bente will Lesbos ausrufen, Else ein Matriarchat errichten, hat aber kein Gegenüber, Noëlla möchte den Kommunismus ausprobieren, Nykki sucht ihr Drogentäschchen, Billie ist gar keine Frau, Evren ist wütend, Cara erscheint eine feministische Göttin, Nadja vermisst ihre Firma, Anne findet das alles nervig und Betty weiß nicht, wovon die anderen überhaupt sprechen, und will einfach nur nach Hause.
Die Welt steckt in einer Krise – die 20 Frauen nach dem Absturz auch. Wie viel Sinn machen ihre Grabenkämpfe und was braucht es, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen? Und die vielleicht wichtigste Frage: Werden sie überleben?
1. Auflage mit Farbschnitt!
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
krissys_moodbooks
5/5
19.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
50 shades of feminism – Herzlich willkommen auf der „Insel der Korrektheit“
Medusa in Paradise – Laura Melina Berling
ok wow. Wo bin ich hier eigentlich gelandet?
Das denkt Cara, die Protagonistin dieses Romans. Und ich fühl’s sehr. Bereits der Klappentext verrät, dass es in Sachen feministischer Diskurs hier richtig heiß her geht und kaum ein Thema unangetastet bleibt.
Nach einem Flugzeugabsturz stranden 20 Frauen – oder nein lasst es mich sprachlich korrekt definieren – 20 Personen auf einer abgelegenen Insel. Jetzt müsste es vorrangig ums Überleben gehen: Trinkwasserquellen ausfindig machen, Nahrung und Schutz suchen, auf Rettung hoffen, gemeinsames Brainstorming für einen Weg zurück, runter von der Insel, back to real life. Ich denke natürlich als erstes an eine feministische Adaption von ‚Cast Away‘ bzw. ‚Robinson Crusoe‘ und zack tappe ich ins erste feministische Fettnäpfchen. Denn Robinson Crusoe? „Sorry, das ist total rassistisch.“ Findet jedenfalls Aurelia. Oder Au. Oder Auli. (S. 51)
Cara hat durch den Absturz ihr Gedächtnis verloren und findet sich mitten in dieser Gruppe wieder. Überfordert. Orientierungslos. Umgeben von Menschen, die alle sehr genau wissen, was richtig ist. Oder zumindest sehr genau wissen, was falsch ist. IIm „Stuhlkreis aus Treibholz“ (S. 47) wird ihr schwindelig bei all den Grundsatzdebatten über Abhängigkeit, Begriffe, Bodyshaming, Care-Arbeit, Diskriminierung, Femizide, gewaltfreie Sprache, Gleichstellung, Inklusion, Klassismus, Konsens, kulturelle Aneignung, Macht, Männerhass, Matriarchat, Menstruation, Mutterschaft, Patriarchat, Privilegien, Pronomen, Queerfeindlichkeit, Religion, rassistisches und ableistisches Verhalten, Scham, Schuld, Trauma und Wut.
50 shades of feminism.
Welcome to Medusa Paradise Club. Herzlich willkommen auf der „Insel der Korrektheit“. (S. 146)
Laura Melina Berling entwirft mit dieser Konstellation kein cozy Survival-Setting, sondern ein feministisches Versuchslabor. Nina Lagrande schreibt in ihrem Blurb zurecht: „Laura Melina Berling richtet ein Brennglas auf sämtliche feministische Kämpfe unserer Zeit: scharfzüngig, pointiert und klug. Fast schade, dass das hier Fiktion ist.“
Auf engstem Raum wird alles verhandelt, was Feminismus ohnehin oft vorgeworfen wird: zu laut, zu viel, zu wütend, zu verbissen, zu emotional, zu kompliziert, zu anstrengend.
Laura Melina setzt sich mit feministischer Streitkultur auseinander, sie zeigt nicht nur, wie Feminismus von außen abgewertet wird, sondern behandelt eine emanzipatorische Bewegung, die innerhalb feministischer Räume Finger pointing betreibt und ihre Waffen gegen sich selbst richtet: Wer spricht legitim, wer darf welche Begriffe benutzen. Ein Diskurs der sich verschiebt, Korrektheit und sensitive speaking sind wichtiger als der eigentliche Kerngedanke des Feminismus: der gemeinschaftliche Kampf gegen das Patriarchat, das Banden bilden, die Schwesternschaft.
Die Dialoge sind scharf, überspitzt, oft witzig und herrlich absurd, die Situationskomik on Point. Gleichzeitig war das Buch für mich stellenweise auch herausfordernd und anstrengend zu lesen. Einfach weil so viele Themen, Stimmen und Positionen aufeinandertreffen.
Diese 20 Figuren wirken dabei nicht immer wie voll ausgearbeitete Charaktere, sondern eher wie Stereotype, politische Haltungen oder Debatten auf zwei Beinen.
Das kann Distanz schaffen. Gleichzeitig passt das genau zu Caras (und auch meiner) Überforderung und damit ziemlich gut zu dem, was das Buch aussagen will: Wie schwer es ist, solidarisch zu bleiben, wenn alle kritisiert werden, verletzt sind, alle etwas zu sagen haben und alle glauben, den richtigen Weg zu kennen und andere für ihre Meinung canceln. Dieses ständige Korrigieren, Erklären, Einordnen, Rechtfertigen. Dieses Gefühl, nie genug zu wissen und trotzdem ständig Position beziehen zu müssen.
Mein Learning aus diesem wilden, klugen, diskussionsfreudigen Gedankenexperiment: Es geht um Schwesternschaft, Banden zu bilden. Support unter Frauen, „Empowerment“ –übrigens auch so ein Begriff der im Buch diskutiert wird (S. 55).
Lasst uns nicht im Kreis drehen, nicht gegeneinander kämpfen. Wir kennen unseren gemeinsamen Gegner. Das Patriarchat schaut sonst nur zu und lacht sich eins.
Bewertung
5/5
01.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein mutiger Debütroman
Laura Melina Berling wirft 20 grundverschiedene Frauen nach einem Flugzeugabsturz auf eine einsame Insel und lässt sie dort das tun, was Menschen eben tun: streiten, träumen, scheitern, kämpfen und vielleicht doch zusammenwachsen.
Was das Buch so besonders macht, ist die unglaubliche Bandbreite an Charakteren. Von Sophie mit ihrer Menstruationshütte über Noëlla, die den Kommunismus ausprobieren möchte, bis hin zu Betty, die einfach nur nach Hause will – jede Figur steht für eine andere Haltung, eine andere Weltanschauung, und trotzdem (oder gerade deswegen) fühlen sie sich alle lebensecht an. Berling gelingt es, die Grabenkämpfe des modernen Feminismus mit trockenem Humor und echter Schärfe zu beleuchten, ohne dabei belehrend zu wirken. Das ist eine Kunst für sich.
Besonders lobenswert ist der Mut, sich der Debattenkultur innerhalb feministischer Kreise so offen und ehrlich anzunehmen. Anstatt Konflikte zu glätten oder Widersprüche zu verschweigen, stellt Berling sie ins Zentrum – und macht genau dadurch deutlich, wie viel Kraft im ehrlichen Austausch stecken kann.
Der Schreibstil ist direkt, pointiert und oft herrlich böse – man merkt, dass hier eine Autorin schreibt, die ihre Themen wirklich kennt und lebt. Das Buch ist keine leichte Kost, es fordert heraus und lässt einen nachdenken. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird belohnt: mit Witz, Tiefgang und Fragen, die noch lange nach der letzten Seite nachhallen.
Klare Leseempfehlung – besonders für alle, die Literatur mit Haltung mögen!
Bewertung
5/5
28.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
lieben wir!
Ich habe das Buch verschlungen. Ja, es ist anders, es ist wild und es ist vor allem unterhaltsam. Als links grün versiffte Feministinnen Maus habe ich hier und da meine Struggle mit den Diskursen und diese werden hier ganz nebenbei humovoll aufgearbeitet.
Bewertung
5/5
27.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bin ich Feministin?
Das bin ich, aber ebenso wie in diesem Buch, bin ich oft müde und ausgelaugt von der Strenge und den Diskussionen, die immer wieder das Eigentliche übersehen. Die vielen Vorwürfe aneinander, die Wut, die am Patriarchat vorbei läuft und sich gegeneinander richtet. Deshalb konnte ich die überspitzt wirkenden Charaktere mit viel Humor nehmen und auch mir die Frage stellen, ob ich auf dieser Insel sein möchte? Brauchen tun wir sie momentan eigentlich mehr denn je!
Bewertung
5/5
27.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wo bin ich denn hier gelandet?
Das fragt man sich als Leserin und das fragt sich auch die Protagonistin, die auf einer einsamen Insel mit 20 Frauen strandet. Dann liest die Geschichte sich schnell und ist voller feministischer Ideale, aber auch Streits, in denen die Frauen die feindliche Umbegung vergessen und sich vor allem aneinander aufreieben, anstatt gemeinsam überleben zu wollen. Der Feminismus braucht mehr gelingende Streitkultur und Zusammenhalt, genauso wie die Inselbewohner*innen.
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