Berlin 1921: Das Hotel Adlon ist ein Ort der Träume und des Glamours. Für die junge Irabella Keller bedeutet die Stelle als Zimmermädchen die Chance auf ein besseres Leben. Klug und unerschrocken bringt sie frischen Wind ins Haus, überzeugt den Hotelbesitzer Louis Adlon mit ihren Ideen und erobert die Herzen von Gästen und Kollegen. Doch als Maxim, ein charmanter Restaurant-Erbe, und Charles, ein sensibler Dichter, ihren Weg kreuzen und die Ungewissheit der Zeit ihren Tribut fordert, muss Irabella entschlossen dafür kämpfen, ihr Leben weiterhin selbst zu bestimmen.
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Eine faszinierende Zeitreise in die 1920-er Jahre
B. R. aus Krefeld am 22.04.2026
Bewertungsnummer: 3117391
Bewertet: eBook (PDF)
>>>MEINE LESEEMPFEHLUNG AUF 1 BLICK
Ein historischer Roman, der zur Zeitreise in die sogenannten wild-goldenen 1920-er Jahre ins berühmte Hotel Adlon nach Berlin einlädt: wundervoll zählt, spannende Figuren, große Gefühle, sorgfältig recherchiert und mit erstaunlich vielen Parallelen zur Gegenwart. Also? Lesen. Unbedingt!
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>>> INHALT
Die Beerdigung des Seniorchefs des Adlon bildet den Einstieg in die Handlung - sein Sohn Louis muss in schwierigen Zeiten die Leitung des Hauses übernehmen. Obwohl das renommierte Hotel eine Vielzahl von Mitarbeitern hat, versteht es Anett Diell, uns behutsam mit ihnen und ihren vielfältigen Aufgaben bekannt zu machen, also ohne zu überfordern.
Irabella (Ira) Keller bewirbt sich als Zimmermädchen im Adlon, d. h. recht weit unten in der Hierarchie. Sie tanzt allerdings vom ersten Augenblick an aus der Reihe - obwohl sie nicht gern auffällt. Als Zimmermädchen wird sie engagiert, doch ihre umfassende Bildung (das Beherrschen von Fremdsprachen beispielsweise) und der "frische Wind im Rücken" in Form ungewöhnlich kreativer Ideen, den sie als für sie typisches Attribut beschreibt, sorgen dafür, dass sie bald deutlich mehr tut, als lediglich Betten zu machen. Sie übernimmt Aufgaben an der Rezeption, DER Schaltstelle und Informationsbörse eines jeden Hotels, wo sie sehr bald das Vertrauen des Concierge Julius gewinnt.
Nach und nach erfahren wir, was die Berliner Luxusherberge auszeichnet, sowohl in Bezug auf technische Errungenschaften, außergewöhnlichen Service, wie auch den einmaligen Stil des Hauses: "Was im Adlon geschieht, bleibt im Adlon!"
Obwohl Ira ihr Herz nicht riskieren will, verliert sie es an Maxim, der unter der Knute seines Vaters mehrere Restaurants in Berlin leitet - und verliebt sich wider Willen, aber gründlich. Maxim ist es, der aus Iras Leidenschaft fürs Tanzen buchstäblich ein zweites Standbein macht: eine Karriere als "Solo-Performerin" in den vergnügungssüchtigen Tanzsälen der brodelnden Stadt, die sich bemüht, die wirtschaftliche Not der Inflation und die Verzweiflung der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Champagner zu ersäufen, mit Kokain zu überpudern und mit Nacktheit zu verkleiden, damit nur ja niemand zum Nachdenken kommt ...
Kein Wunder, dass der eher still-verträumte Dichter Charles - zunächst Dauergast im Adlon, - dessen Bett Irabella gelegentlich macht, geradezu untergeht auf dem grellbunten Hintergrund des Zeitgeschehens mit seinen Gefühlen für das Zimmermädchen.
Der Druck, der von allen nur möglichen Seiten - Wirtschaft, Politik, Soziales - die Menschen bedrängt, verändert sie. Iras Beziehung zu Maxim steht dadurch nach einiger Zeit infrage, Charles tritt wieder in ihr Leben ...
>>>SPRACHE
Die Sprache, in der Anett Diell ihre Geschichte erzählt, ist ungeheuer präzise, verwendet Vokabeln, die sich unheimlich freuen, nach langer Zeit einmal wieder aus der Versenkung geholt und zum Leben erweckt worden zu sein. Damit entsteht eine Sprachathmosphäre, die uns aus unserem stetig verflachenden Alltagsdeutsch zurückkatapultiert in eine vergangene Zeit. Ob man im Berlin der 1920-er so gesprochen hat? Möglich, aber völlig egal - der Ausdruck im Werk zieht mich aus meiner Gegenwart unwiderstehlich hinaus! Ich liebe und schätze es, wenn Deutsch als eine der bestausgebauten Sprachen der Welt einmal - schillernd wie ein pailletten- und fransenbesetztes Kleid - seine ganze Pracht entfalten kann!
>>>PLOT
Das Werk bildet eine Schnittmenge unterschiedlicher Genres, die fließend ineinander übergehen, um ein harmonisches großes Ganzes zu bilden: Da lassen sich historischer Roman, zwei Lovestorys oder ein Lovetriangle, ein Hauch Familiengeheimnis, eine Prise Sachbuch übers Adlon identifizieren, ja sogar der Hauch einer Crimestory wartet am Ende auf uns. All das ist säuberlich in den historischen Kontext eingebettet, ohne dass Verwerfungslinien entstehen. Gutes Handwerk!
>>>DETAILVERLIEBT & MIT DICKEN PINSELSTRICHEN MALEND
Das Erzähltempo im Roman variiert in einer geradezu erstaunlichen Bandbreite während der Lektüre: Manchmal zeichnen flächige Pinselstriche die Landschaft im Großen und Ganzen; dann wieder greift Anett Diell zur Lupe und zerlegt einen kurzen Augenblick in alle nur denkbaren Facetten von Ereignissen, Beobachtungen und Emotionen - entsprechend entfaltet sich die Handlung mal im Hinter-, mal im Vordergrund, bisweilen langsam, dann wieder schnell. Sehr gekonnt.
Ich hatte den Eindruck, bald die hitzige, vollkommen überzogene und überreizte Atmosphäre der Ballsäle & Tanzveranstaltungen fiebrig mitzuerleben. Dann wieder knirschten die Bremsen, wenn das Erscheinen von Haribos klebrig-süßen Gummibärchen eine liebenswert kleinteilige Darstellung im Hinblick auf ihren Auftritt auf der Weltbühne erhielt.
>>>DIE ATMOSPHÄRE
In der ersten Hälfte des Werks blitzen die Hinweise auf den aufkommenden Nationalsozialismus nur gelegentlich auf - und doch erzeugten die Hinweise darauf bei mir beim Lesen früh das Gefühl einer sich schließenden Schlinge, die sich unweigerlich zuziehen, einengen, würgen und in letzter Konsequenz töten wird: Ich kenne die deutsche Geschichte. Stolpersteine unterbrechen nicht grundlos meine Schritte immer wieder. Das habe ich persönlich als bedrückend empfunden - weil die Gefahr von Rechts auch heute wieder ihr widerwärtig braunes Haupt erhebt.
Der Spagat damals zwischen politischer & wirtschaftlicher Not sowie vollkommen hemmungslosem Sich-Gehen-Lassen gleicht im Hinblick auf das entstehende Spannungsfeld im Roman fatal der heutigen Situation, in der ich Individuen zerrissen erlebe zwischen tiefer innerer Einsamkeit und dem inneren Zwang zur Offenbarung teils intimster Dinge auf Social Media während ihrer verzweifelten Jagd nach einem Gefühl von Zugehörigkeit in Form (anonymer) Klicks: Da wird in Kameras geheult, was das Zeug hält, in der Hoffnung, auf diese Weise Empathie zu ernten und die Vereinsamung zurückdrängen zu können. Funktioniert ebenso wenig, wie eine Hyperinflation wegzuschnupfen oder vor ihr davonzutanzen. Auch dieser Umstand trug dazu bei, dass ich manchmal beim Lesen ein Gefühl der Beklemmung empfand: Anett Diells Roman unterhält, gleichzeitig legt die Autorin den Finger in so manche Wunde, sodass insgesamt keine einfache Unterhaltung geboten wird, sondern eine mit Tiefgang, voll Mahnung, mit vielen Denkanstößen.
Der Ausgang des Werks versöhnt, hat mich als Leserin nicht unglücklich oder unzufrieden zurückgelassen - mein Dankeschön dafür!
>>>WERTVOLLE ZUGABE
Gerade bei historischen Romanen weiß ich es besonders zu schätzen, wenn Autor:innen aufschlüsseln, wo sie Fakten servieren und wo sie fabulieren. Anett Diell hat das getan, ihre Quellen benannt und zudem noch Informationen mit biografischem Hintergrundmaterial über im Buch auftauchende Figuren geliefert, wo das möglich war, es sich also um historische Personen handelte. Das rundet für mich das Werk wunderbar ab! Danke dafür.
>>> FAZIT
Ein Buch, das meine Lesezeit absolut wert war mit vielen, wenn auch nicht immer einfachen Denkanstößen. Nichts für mentale Leichtgewichte bzw. den Wunsch nach oberflächlicher Unterhaltung, würde ich sagen, sondern eine in mehrerlei Hinsicht wertvolle Lektüre für Menschen, die sich auseinandersetzen wollen. Daher vergebe ich gerne 5 Sterne: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐
Sehr schöner historischer Roman
Ursula Inamaka aus Vöhringen am 27.05.2026
Bewertungsnummer: 3150467
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich bin begeistert, wie schnell die Autorin es schafft, mich in dieser Zeit um 1921 einzufinden. Ich sah mich in der Hotellobby stehen, ich habe den Glamour des Adlon‘s gespürt, ohne jemals dieses Hotel betreten zu haben.
Auch die Gedanken, Ängste, Hoffnungen und die Liebe kann ich ganz nachempfinden.
So bin ich eingetaucht in eine frühere Zeit, mit dem Schönen, aber auch den härteren Zeiten. Ich habe mitgetanzt, mitgefeiert und auch den Schmerz und Trauer gefühlt.
Dass man auch noch ein wichtiges Ereignis aus Irabellas Kindheit erfährt und im Epilog ein kleines bisschen in die Zukunft mitgenommen wird, macht die ganze Geschichte rund und stimmig.
Für mich ist dies ein sehr gut geschriebener, ins Herz gehender historischer Roman, den ich absolut empfehlen kann.
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