Vor Jahren ist Neo heimlich aus einem Leben verschwunden, das nicht seins war. Endlich er selbst, ist er nun bereit, sich mit Yannik an seiner Seite seiner Familie zu stellen und in das Dorf seiner Kindheit zurückzukehren. Doch dabei scheucht er Geister der Vergangenheit auf, die Ereignisse ungeahnter Tragweite in Gang setzen. Wie werden Familie und Freunde mit seinem wahren Ich zurechtkommen? Und kann Yannik Neo vor neuen Wunden beschützen?
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Yes or No 2: Down the Rabbit Hole von Nadine Schwager / Yves Flavian
SoBeJe am 24.03.2026
Bewertungsnummer: 3087549
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der zweite Teil der Yes or No - Trilogie des Autor*innenduos Schwager / Flavian konzentriert sich nur noch auf ein Themengebiet und wirkt dadurch tiefer, komplexer und eindringlicher, als der Vorgängerband. Auch die Figuren sind sympathischer gezeichnet, sodass der zweite Teil trotz des guten ersten Teils diesen übertrifft.
Nadine Schwager und Yves Flavian haben sich für die Yes or No - Trilogie zusammengetan, schreiben aber auch seit geraumer Zeit getrennt voneinander. Nadine Schwager wurde 1987 geboren und schreibt nach eigenen Angaben gerne Queer / Achillean Liebesgeschichten. Sie hat bereits einige Romane veröffentlicht. Yves Flavian wurde 1986 geboren und schreibt ebenfalls gerne Queer / Achillean Liebesgeschichten. Unter einem alten Pseudonym hat er ebenfalls diverse Romane veröffentlicht.
Nach den Ereignissen aus dem erste Teil der Trilogie sind Neo und Yannik endlich glücklich und sogar verlobt miteinander. Doch bevor sie heiraten, möchte Neo in das Dorf zurückkehren, dem er vor neun Jahren als fälschlicherweise gelesene Frau den Rücken gekehrt hat. Nun, gefestigt in seiner Identität und kurz vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnitt, möchte er versuchen, seine Eltern, Großeltern und Geschwister wieder zu treffen. Doch auch sein ehemaliger Verlobter und diverse Nachbarn erfahren von seiner Rückkehr.
Es handelt sich bei dem vorliegenden Buch um eine Achillean Romance, wobei die Besonderheit ist, dass das Paar bereits vorhanden und gefestigt ist. Ihre Liebe zueinander ist zwar wichtig für die Figuren, aber nicht für die Handlung. Das macht den Roman zu etwas Besonderen. Vielleicht könnte man es auch als Familienroman ansehen, da es um die Auseinandersetzung einer Familie mit der trans Identität des zurückgekehrten Sohnes geht? Dass es keine klassische Achillean Romance ist, hat mir sehr gefallen. Wie viele Bücher lesen wir über ein Paar, das zueinander findet und wie viele Bücher stehen dem entgegen, die die Zeit nach dem Happy End aufzeigen? Ich freue mich, dass wir Yannick und Neo auch innerhalb ihrer Beziehung erleben dürfen.
Mit Yannick und Neo haben wir zwei schwule Männer als Repräsentation. Auch eine weitere schwule Nebenfigur gibt es. Neo ist außerdem trans Mann und seine trans Identität wurde aus meiner (nicht Betroffenen-) perspektive sehr feinfühlig und sensibel behandelt. Statt der schwulen Nebenfigur hätte ich mir auch gut eine queere Frau oder eine bisexuelle Figur vorstellen können - aber das ist Jammern auf hohem Niveau bei dem vielfältigen Cast.
Der Hintergrund des Covers ist hellblau mit rosa Wolken (die Farben der trans Flagge). In schnörkeliger Schrift steht quer über dem Cover der Titel der Trilogie: Yes or No. In Druckbuchstaben unten der Untertitel: Down the Rabbit Hole, sowie kleiner: Band 2. Die Namen der beiden Autor*innen stehen oben in der linken Ecke: Nadine Schwager und Yves Flavian. Wir sehen links unten zwei Männer, einer mit roten Haaren, der andere etwas größer mit braunen Haaren. Sie stehen eng beieinander und tragen legere Klamotten, während sie auf ein weißes Brautkleid sehen, das weit über ihnen ragt - wie ein böses Omen?
Die Reaktion auf Neos Rückkehr der Familie und der Dorfgemeinschaft ist Hauptbestandteil des Romans. Was ich etwas unglaubwürdig fand, war die Tatsache dass die Figuren entweder unglaublich positiv oder abgrundtief boshafte auf Neo reagieren. Eine Art Mittelweg gibt es kaum (bis auf eine Figur, die weder extrem in die eine, noch in die andere reagiert!). Neo war neun Jahre lang nicht in dem Dorf und niemand wusste von seiner Transidentität. Er ist gegangen, ohne Erklärung und, so weit ich weiß, auch ohne ein Lebenszeichen zwischendurch. Auch ohne sein verändertes Erscheinungsbild glaube ich nicht, dass es Menschen geben, die einfach so positiv und liebenswert reagieren würden. Ich bin wirklich eine sehr herzliche Person und bin ein großer Ally der trans Community, aber darauf würde auch ich verstört, wütend, verzweifelt reagieren. Neun Jahre ist eine sehr sehr lange Zeit und verständlicherweise hätte man sich zumindest ein schriftliches Lebenszeichen gewünscht. Das fand ich etwas ... unrealistisch. Wieso reagieren nicht mehr enttäuscht, verletzt ohne dabei ins transphobische abzugleiten? Das eine hat mit dem anderen ja erst einmal nichts zu tun. Figuren können der trans Identität positiv gegenüberstehen, trotzdem aber verärgert reagieren. Am besten fand ich die Reaktion von Neos Bruder. Er hat seine Verletzung und seine Wut offen gezeigt, später aber das Gespräch gesucht. Eine sehr realistische und verständliche Reaktion. Deswegen mochte ich Neos Bruder auch wirklich sehr und hätte mir noch mehr dieser Darstellungen gewünscht.
Gefallen hat mir alles andere jedoch sehr sehr gut. Ich war so gut unterhalten und gegen Ende steigerte sich der Roman sich in der Spannungsschraube nochmal erheblich. Ich mochte die Beschreibung des dörflichen Lebens, der Umgebung, die emotionale Überforderung von Neo, Yanniks Hilflosigkeit, der Actionanteil gegen Ende des Buches. Ich mochte auch die Figur Yannik sehr gerne. Er war in Band 1 noch mein Kritikpunkt, aber durch den Wegfall von Claudias Figur konnte seine Persönlichkeit reifen. Er ist immer noch sehr impulsiv und nicht nur immer sympathisch, aber ich konnte mich in ihn einfühlen und seine Charakterschwächen machten ihn sehr menschlich. Ich mochte das Thema, die Fokussierung auf dieses eine Thema, der einfühlsame Umgang des Autor*innenduos mit Neos transmännliche Perspektive und Yanniks unbedingte Unterstützung seines Partners. Es gibt jede Menge Spice im Buch, aber bedeutend weniger als noch im ersten Teil und auch das hat mir sehr gefallen. Wir können die Liebe zwischen den Männer über das rein körperliche hinweg greifen. Mega süß fand ich zum Beispiel, dass Yannik die Regale in Neos Kinderzimmer auseianderbaut.
Wie gesagt fand ich einige Nebenfiguren unrealistisch, abgesehen von Neos Bruder, eine Figur, die ich als sehr komplex aufgebaut empfand. Auch Yanniks Geschwister haben kurze Auftritte und jedes Mal, wenn sie kamen, habe ich mich gefreut. Ich mag diese Meute einfach total und hoffe, dass sie in Band 3 nochmal wichtiger werden. Vor allem hat es mich aber gefreut, dass ich Yannik endlich als Figur greifbar empfand und mich in ihn einfühlen konnte. Neo ist sowieso eine wunderbare Figur, sehr geduldig mit Yannik, sehr gerechtigkeitsliebend, selbstkritisch aber trotzdem selbstbewusst. Von allen mochte ich Neo wirklich am Liebsten.
Nach dem ersten Band (Wake up, Yannik) und dem vorliegenden zweiten Band (Down the Rabbit Hole) wird es noch einen abschließenden (?) letzten (?) Band geben. Veröffentlicht wurde dieser dritte Roman am 14.03., ist also zum Zeitpunkt der Rezension noch ganz frisch auf dem Markt und trägt den Namen: Mr. & Mr. Smith. Natürlich werde ich auch diesen dritten Band lesen und ich bin gespannt, was die beiden (Nadine und Yves) zusammen oder getrennt voneinander noch veröffentlichen werden.
Auch wenn ich die Reaktion der Nebenfiguren etwas unrealistisch empfand, war das Buch für mich ein gutes Buch und ich möchte es gerne empfehlen. Man könnte es eventuell auch als eigenständiger Roman lesen, aber ich würde dennoch empfehlen, Band 1 vorher zu lesen. Mit dem zweiten Band sind den beiden Autor*innen zum ersten Teil, der mir auch schon gefallen hat, eine enorme Steigung gelungen. Es hat mir wirklich sehr gefallen und ich habe die Zeit mit Neo und Yannick sehr genossen.
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