Eva Herbergen, engagierte Strafverteidigerin, will sich langsam aus ihrer Arbeit zurückziehen und mit Ehemann Peter das Alter genießen. Doch die düsteren Schatten ihrer Fälle reichen bis in ihr Privatleben hinein. In packenden Tableaus leuchtet Elisa Hoven in Feine Risse juristische wie biographische Dunkelzonen aus: Sicherheit ist Illusion, ein Urteil bleibt immer nur eine Annäherung an die Wahrheit. Feine Risse führt ins Dickicht der Zufälligkeiten bei der Entstehung von Straftaten. Die Ursachen verstecken sich oft tief in einer Vorgeschichte - und liegen manchmal so nahe, dass sie umso leichter übersehen werden.
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Eine wohl konstruierte und klug zusammengestellte Justizkrimi-Sammlung
hallobuch, Silke Schröder aus Hannover am 02.06.2026
Bewertungsnummer: 3156131
Bewertet: Hörbuch-Download
Durch ihre Strafverteidigerin Eva Herbergen berichtet Elisa Hoven in “Feine Risse” von Fällen, in denen Recht und Gerechtigkeit manchmal verschiedene Wege gehen. Nicht alle haben etwas miteinander zu tun, aber eines haben sie gemeinsam: in allen hat ihre Heldin als Anwältin eine Rolle gespielt. Die Geschichten sind oft recht vertrackt und erfreuen uns durch überraschende Twists, auch wenn das Urteil am Ende nicht immer die ganze Wahrheit ans Licht bringt. Elisa Hoven lehnt sich dabei auch an bekannte Fälle an, wie z.B. an die Erschießung einer Figur am Filmset oder an die Entführung eines Kindes, die durch die Anwendung von Folter beendet werden sollte. Ihre Figur muss das Für und Wider solcher Praktiken abwägen. Das macht sie auf eine intelligente und unaufgeregte Art, ohne dass die Spannung darunter leidet. So ist “Feine Risse” von Elisa Hoven nach “Dunkle Momente“ erneut eine wohl konstruierte und klug zusammengestellte Justizkrimi-Sammlung gelungen, die zum Diskutieren und Nachdenken anregt. Sehr lesens- und hörenswert. Hervorragend gelesen von Nina Kunzendorf.
Absolutes Highlight!!
Fee04 am 29.05.2026
Bewertungsnummer: 3152855
Bewertet: Hörbuch-Download
Wie verteidigt man jemanden, von dem man selbst nicht weiß, ob man ihm verzeihen könnte?
Mit „Feine Risse“ schafft Elisa Hoven erneut einen Roman, der weit über klassische Justizfälle hinausgeht.
Die verschiedenen Fälle bewegen sich ständig zwischen Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Mitgefühl, Wahrheit und Verschweigen, und genau diese moralischen Grauzonen machen das Buch so intensiv und eindringlich.
Besonders beeindruckt hat mich, wie verständlich juristische Themen vermittelt werden. Die rechtlichen Abläufe, die Arbeit der Strafverteidigung und die klare juristische Vorgehensweise wirken authentisch und nachvollziehbar, ohne jemals trocken zu werden. Gleichzeitig zeigt die Autorin aber auch die emotionale Seite aller Beteiligten. Denn hinter Akten, Paragraphen und Urteilen stehen immer Menschen mit Schuldgefühlen, Ängsten, Wut und persönlichen Grenzen.
Die Geschichte hat mich gerade wegen dieser emotionalen und moralischen Konflikte sehr berührt und immer wieder zum Nachdenken gebracht. Jeder der Fälle bringt eigene schwierige Fragen mit sich und zeigt, wie komplex Schuld, Verantwortung und Mitgefühl sein können.
Gerade diese Vielfalt an Perspektiven und Schicksalen macht das Buch so eindringlich und sorgt dafür, dass man viele Situationen noch lange mit sich herumträgt.
Besonders gelungen fand ich dabei die differenzierte Darstellung strafrechtlicher Grundprinzipien und der anwaltlichen Verantwortung. Der Roman macht deutlich, dass Strafverteidigung nicht bedeutet, eine Tat gutzuheißen, sondern die rechtsstaatlichen Garantien eines fairen Verfahrens zu sichern.
Gerade dieser Spannungsbogen zwischen persönlicher Moral und beruflicher Pflicht wird fachlich überzeugend und zugleich sehr nachvollziehbar dargestellt.
Auch die Frage, wie weit objektive juristische Bewertung und subjektives Gerechtigkeitsempfinden auseinanderliegen können, zieht sich konsequent durch die einzelnen Fälle und verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe.
Die Strafverteidigerin Eva Herbergen als Hauptfigur ist dabei unglaublich spannend. Sie versucht, professionell und sachlich zu handeln, doch man spürt immer wieder ihre innere Zerrissenheit. Genau das macht sie so authentisch.
Der Roman zeigt eindrucksvoll, dass auch Strafverteidiger nicht nur ihre Mandanten sehen, sondern selbst mit moralischen Konflikten kämpfen. Besonders gelungen fand ich zudem die Verknüpfung zwischen ihrem Berufsleben und ihrem privaten Umfeld rund um Peter und dessen Familie.
Die kurzen Kapitel sorgen für ein enormes Tempo, wodurch ich kaum aufhören konnte, weiterzuhören. Man merkt in jeder Szene die fachliche Kompetenz der Autorin, was die Fälle noch glaubwürdiger und intensiver wirken lässt.
Vielleicht hat mich das Buch auch deshalb so abgeholt, weil ich selbst früher beim Gericht gearbeitet habe und diese schwierige Gratwanderung zwischen Gesetzestexten und menschlichen Emotionen gut nachvollziehen kann.
Oft wirkt ein Urteil auf den ersten Blick eindeutig und trotzdem bleiben Fragen zurück, die sich nicht einfach in richtig oder falsch einteilen lassen.
In Zeiten, in denen Entscheidungen von Gerichten häufig kritisch hinterfragt werden, wirken Geschichten wie diese besonders relevant.
„Feine Risse“ erinnert daran, dass unser Rechtssystem klare Regeln braucht, gleichzeitig aber jeder Fall menschliche Schicksale mit sich bringt. Die verschiedenen Fälle regen immer wieder zum Nachdenken an und zeigen, wie schmal der Grat zwischen juristischer Bewertung und persönlichem Empfinden sein kann.
Auch Nina Kunzendorf als Sprecherin war für mich eine perfekte Wahl. Sie transportiert die Spannung, die Schwere und die emotionalen Zwischentöne der Geschichten unglaublich intensiv.
Wie schon „Dunkle Momente“ konnte mich auch „Feine Risse“ komplett überzeugen: emotional aufwühlend, spannend und voller Fragen, die noch lange nachwirken.
Klare Empfehlung und für mich ein absolutes Highlight.
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