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Maria hat sich in ein Haus in einem kleinen Ort an der katalanischen Küste zurückgezogen und trauert um ihre große Liebe. Alles hier erinnert sie daran, wie glücklich sie war, ehe das Schicksal ihr den geliebten Menschen nahm. Doch dann kündigt sich überraschend Besuch an. Emma, ihre jüngere Schwester, zu der sie kaum Kontakt hat. Ist Emma nur ein unerwünschter Eindringling, der die von Maria gezogenen unsichtbaren Grenzen überschreitet? Wird sie nur schmerzhafte Erinnerungen an die Kindheit heraufbeschwören, die für beide nicht glücklich war? Oder ist es die Chance für einen Neuanfang? Vor der Kulisse der wilden Schönheit der Mittelmeerküste im Nordosten Spaniens erzählt Linda Olsson in ihrem neuen Roman die bewegende Geschichte zweier Schwestern, die nach langen Jahren der Entfremdung wieder zueinander finden.
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Treffender könnte der Titel…
YukBook aus München am 04.03.2019
Bewertungsnummer: 2747258
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Treffender könnte der Titel dieses Romans nicht sein. Er beschreibt nicht nur die Situation, in die die Ich-Erzählerin Maria wider Willen hineingerät, sondern auch wie fremd ihr ihre Schwester Emma ist. Hätte sie doch auf der Beerdigung ihrer Mutter bloß nicht Emma spontan nach Cadaqués eingeladen, einem kleinen Ort an der katalanischen Küste, wo sie zurückgezogen lebt. Entsprechend qualvoll läuft das Wiedersehen ab. Es ist, als ob sich zwei Unbekannte gegenseitig vorsichtig abtasten und ja nicht zu viel von sich preisgeben. Andererseits spürt man durch ihre Andeutungen, dass viel Unausgesprochenes zwischen ihnen vorgefallen sein muss. So entsteht während ganz einfacher gemeinsamer Tätigkeiten wie beim Frühstück auf der Terrasse oder auf Spaziergängen durch den Ort immer wieder ein Spannungsfeld zwischen den beiden. Warum Maria der Besuch so unangenehm ist, wurde für mich immer nachvollziehbarer. Zum einen beansprucht sie ihr Terrain ganz für sich allein und will sich auch nicht rechtfertigen müssen, warum sie seit einiger Zeit so plan- und ziellos lebt. Zum anderen sträubt sie sich dagegen, mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden. In den Gesprächen mit ihrer Schwester ist sie jedoch über ihre zunehmende Offenheit selbst überrascht. So haben die zwei Frauen nicht nur die Gelegenheit, verdrängte Erinnerungen ans Licht zu holen und ihre traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten, sondern auch zu erkennen, dass sie sich teilweise über all die Jahre ein falsches Bild des anderen gemacht hatten. Bald ist das Haus nicht nur von den zwei Schwestern, sondern von vielen verstorbenen Seelen bevölkert, die in den Gesprächen zum Leben erweckt werden. Eine Familiengeschichte auf dieses Art und Weise zu erzählen und sie in das malerische Setting einzubetten, fand ich sehr originell. Die wirklich spannenden Dinge spielen sich allerdings auf psychologischer Ebene ab und stehen zwischen den Zeilen.
Dieser Roman hat mich trotz der schönen Sprache nicht berührt
sommerlese am 18.02.2019
Bewertungsnummer: 1173999
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Linda Olssons Roman "Eine Schwester in meinem Haus" erscheint als deutsche Erstausgabe in der Übersetzung von Kerstin Schöps am 11.02.2019 im btb Verlag.
In einem kleinen Ort an der katalanischen Küste lebt Maria zurückgezogen und allein in einem Haus. Sie trauert ihrer großen Liebe nach. Täglich wird sie von ihrer Umgebung daran erinnert, wie glücklich sie hier mit ihrer Liebe war. Als ihre Schwester Emma zu Besuch kommt, zu der sie kaum Kontakt hatte, kann Maria sich nicht richtig freuen. Sie empfindet Emma als Eindringling in ihr Reich. Wird dieser Besuch schmerzhafte Erinnerungen zutage fördern, wenn sie an ihre unglückliche Kindheit denken?
Diese Geschichte wird sehr ruhig erzählt und spielt sich hautsächlich in Gesprächen und Gedanken zweier Schwestern ab. Maria ist eine Frau, die in ihrem Leben viel Leid erfahren hat, aber nicht in der Lage ist, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Sie schließt ihren Kummer in sich ein und lässt niemanden nah an sich heran. Stets hat sie ihre eigene vorgefasste Meinung und hat nicht die Empathie, sich auf ihr Gegenüber einzustellen, geschweige sich für die Person zu interessieren und deren Meinung zu hören. Das hat zur Folge, dass es häufig zu Missverständnissen und falschen Interpretationen Marias kommt. Aber als ihre Schwester Emma sie besucht, fängt sie an, ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, langsam bricht ihre harte Schale auf und sie entdeckt, wie sehr sie Emma braucht.
Emma ist die kleine Schwester, die aufopfend bei ihrer Mutter geblieben ist, als eine gemeinsame große Schwester starb. Maria verschwand einfach. Emma hat eine Familie gegründet, konnte das Trauma ihrer Kindheit überwinden. Sie ist auch in der Lage, Maria Zeit zu lassen und die Erlebnisse der Vergangenheit nicht direkt anzusprechen. Sie vermeidet persönliche Fragen und damit lässt sie Maria die Möglichkeit, Gedanken zu wecken und sich allmählich zu öffnen.
Die Sprache gefällt mir gut, sie ist ruhig und einfühlsam und sehr auf die Empfindungen gelenkt. Linda Olsson zaubert mit ihren bildhaft genauen Beschreibungen der Schauplätze, Vorgänge, Gedanken und Stimmungen eine leicht melancholische Atmosphäre herbei. Sie beschreibt die Hoffnungen und Wünsche der Schwestern, lässt sie Blicke in die Vergangenheit werfen, die dem Leser Einsichten in die familiäre Situation erlaubt. Die Schwestern nähern sich langsam wieder an, es entwickelt sich ein neu gewonnenes Vertrauen, indem sie sich über die Vergangenheit, die Todesfälle und ihre verletzten Gefühle austauschen. Die erlittenen Verluste und Schmerzen der Seele werden fühlbar, die Distanz bleibt lange zwischen Emma und Maria bestehen. Immer wieder versucht Emma, Maria die Hand hinzuhalten. Es dauert lange, bis Maria sie ergreift. Diese Entwicklung streckt sich sehr langsam über endlose Gespräche dahin.
Von dieser gefühlvollen Tiefe gesehen, hat mir der Roman gefallen, allein davon kann die Handlung allerdings nicht leben.
Es ist eine Art Erinnerungsroman, bei dem man sich sehr mit den Figuren beschäftigen muss, auch wenn man sie eigentlich nicht unbedingt sympathisch findet. Deshalb kann man schnell die Lust am Lesen verlieren. Hier hat mich ein Hoffnungsschimmer weiterlesen lassen.
Am Ende hat man erfahren, welches Leid den Schwestern auf der Seele brennt. Doch richtig berührt hat mich dieses Buch leider nicht. Das liegt an der schwer zugänglichen Maria, die ich mir nicht als Freundin aussuchen würde und auch an den vielen Meinungen und verletzten Gefühlen, die hier nach und nach ausgesprochen werden müssen.
Am Ende siegt der Mut, sich für das gegenwärtige Leben zu öffnen. Auch wenn Maria sich weiterhin schwer tut, jemanden teilen zu müssen, so lässt sie doch mit Emma eine neue Chance für ihre gemeinsame Beziehung als Familie zu. Sie öffnet sich für ihre Verhältnisse enorm und sie erkennt, dass sie die Vergangenheit ruhen lassen muss, um weiter zu leben.
Gemeinsame Erinnerungen schmerzen, können aber auch zusammen schweißen.
In diesem Familiendrama geht es um Verrat, Trauer und die Hoffnung auf Vergebung. Die scheinbar perfekte Kulisse der schönen Umgebung steht im kompletten Gegensatz zu der unterkühlten Beziehung der Schwestern.
Wer Trauer, Verlust und Beziehungen in Familie und Partnerschaft analysieren möchte, wird in diesen Gedanken des Romans vielleicht aufschlussreiche Erklärungen finden. Für mich gab es einige unzugängliche Szenen, die mich mit ihrer Problematik nicht erreicht haben.
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