»Enrique Vila-Matas zündet […] ein literarisches Feuerwerk, das in unzähligen geistreich-witzigen intertextuellen Fäden auf uns LeserInnen herabregnet.« – Thomas Plaul, LesartNach dem Tod des Vaters kümmert sich Simon Schneider Reus um das verfallene Elternhaus in Cadaqués und um seine literarische Tätigkeit: Er beliefert Autoren mit literarischen Zitaten. Einer dieser Schriftsteller ist sein Bruder Rainer, der 20 Jahre zuvor nach New York ausgewandert, dort mit der Publikation seiner Romane zu einem der größten Stars der Literaturszene geworden ist und eine Art pynchoneske Existenz lebt. Es gibt keine Fotos von ihm, niemand weiß, wo er wohnt, zu seinem Werk äußert er sich, wenn überhaupt, nur schriftlich.Auf der Suche nach Inspiration unternimmt Simon an einem Oktoberwochenende 2017, als die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen ihren Höhepunkt erreichen, einen Spaziergang. Auf diesem sinnt er nicht nur seinem Leben und seinem Beruf nach, sondern muss sich auch mit der Nachricht seines Bruders auseinandersetzen, dass dieser auf dem Weg nach Barcelona sei und ihn unbedingt sehen müsse. Bei diesem Treffen prallen nicht nur zwei gegensätzliche Charaktere aufeinander, sondern auch zwei gegensätzliche Ansichten, wie es um die Originalität in der Literatur bestellt ist. Mit stilistischer Eleganz und feinem Humor lotet Vila-Matas in diesem Roman die Fragen nach Originalität sowie nach dem Verhältnis von Realität und Fiktion in der Literatur aus.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Alrik Gerlach
Thalia Book Circle Community
4/5
26.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Literarischer Nebel zwischen Genie und Verwirrung
Gedankenspiele, literarische Spielereien und irgendwo dazwischen ein Mann, der eigentlich nur spazieren gehen will und plötzlich in seinem eigenen Kopf verloren geht. Genau so fühlt sich dieser Roman an. Kein klassischer Plot, eher ein leises Herumirren durch Ideen, Erinnerungen und diese seltsam melancholische Herbststimmung, die sich wie feuchter Nebel über alles legt.
Simon lebt davon, anderen Autoren Zitate zu liefern. Schon diese Idee hat mich grinsen lassen. Irgendwie genial, irgendwie absurd und genau der Ton, den das Buch durchzieht. Während er durch Cadaqués läuft, schweifen seine Gedanken ständig ab. Literatur, Bruder, Vergangenheit, Politik, Realität. Alles fließt ineinander, manchmal brillant, manchmal auch ein bisschen anstrengend.
Stark ist die Atmosphäre. Dieser ruhige Spaziergang, der eigentlich keiner ist. Eher ein innerer Monolog mit Blick aufs Meer. Man merkt schnell, dass hier weniger passiert, dafür umso mehr gedacht wird. Wer Action sucht, wird nervös. Wer Literatur liebt, nickt zustimmend und verliert sich selbst ein bisschen in den Abschweifungen.
Der Humor kommt trocken um die Ecke. Kein lautes Lachen, eher dieses leise Schmunzeln, wenn ein Gedanke plötzlich schräg abbiegt. Gleichzeitig wirkt das Buch stellenweise bewusst verkopft. Manche Passagen fühlen sich wie ein intellektueller Drahtseilakt an. Beeindruckend, aber nicht immer leicht.
Unterm Strich ein literarischer Spaziergang mit viel Kopfkino, wenig Tempo und einer sehr eigenen Stimme. Kein Buch für zwischendurch, eher eins für ruhige Abende mit Kaffee und dem Gefühl, gerade etwas leicht Verrücktes gelesen zu haben.
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