Das Inventar, erarbeitet an der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie dem Europäischen Romanik Zentrum Merseburg e. V., erschließt ein Bauwerk von zentraler Bedeutung für die europäische Kunstgeschichte. Vorgelegt wird eine vollständige Bearbeitung von Architektur und Ausstattung des Halberstädter Doms nach Maßgabe der aktuellen Forschung. Als Denkmalmonografie mit überaus umfangreicher Bebilderung erfährt das Ensemble eine seiner Bedeutung angemessene Würdigung.
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VolkerM
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05.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Umfassend und hervorragend strukturiert
Der Dom von Halberstadt ist kunst- und kulturhistorisch einzigartig in Deutschland. Kaum irgendwo sonst ist eine mittelalterliche Raumausstattung in dieser Vollständigkeit und diesem Umfang erhalten, das gleiche gilt für den mittelalterlichen Domschatz. Trotz zahlreicher Brände, Verwüstungen und Kriegsschäden wurde das Gotteshaus immer wieder aufgebaut, wobei die historische Besonderheit der bikonfessionellen Besetzung des Domkapitels das Bauwerk auf einzigartige Weise schützte: Die protestantische Mehrheit hat hier nie zum Bildersturm gerufen, im Gegenteil bewahrte sie die katholische Ausstattung des Doms aktiv vor der Zerstörung.
Trotz der überregionalen Bedeutung ist die vorliegende Publikation das erste Großinventar seit 1902. Die beiden aktuellen Bände liefern eine kritische Gesamtschau auf Bestandsarchitektur, Grabungsergebnisse, sowie die Ausstattung, die in Teilen bereits monografisch publiziert wurde (Glasmalerei 2003, Inschriften 2009, Handschriften/Urkunden 2015/18, Textilien 2025). Hervorzuheben ist die überaus sorgfältige Bearbeitung der wissenschaftlich begleiteten Grabungen seit 1952, die 1984 von Gerhard Leopold veröffentlicht wurden. Im Kontext neuerer Untersuchungen sind viele Annahmen Leopolds heute zu hinterfragen. Das bedeutet nicht, dass alle Befunde wirklich geklärt sind, aber die apodiktische „Sicherheit“ Leopolds ist einer wesentlich differenzierteren Darstellung gewichen, was auch neuere Befunde, z. B. zum postulierten Atrium betrifft. Die Gesamtlage bleibt komplex und kompliziert, die umfassende und hervorragend aufgearbeitete archäologische Synopsis wird aber zukünftigen Generationen immer ein zuverlässiger Startpunkt sein. Sehr hilfreich und übersichtlich ist in dem Zusammenhang z. B. auch die tabellarische Zusammenstellung der Bau- und Ausstattungsgeschichte im Anhang von Band II.
Die Kapitelstruktur folgt einem bereits in anderen Gesamtinventaren bewährten Schema: Der Kopfbogen enthält sämtliche verwendete Quellen (Bibliografie, Bildquellen, Überlieferung), gefolgt von einer systematischen Beschreibung und einer zusammenfassenden Würdigung aus fachkritischer Sicht. Trotz der vielen beteiligten Autoren ist die Sprache erstaunlich homogen und das Erfassungsniveau gleichbleibend hoch.
Das Bildmaterial ist herausragend. Zahlreiche historische Aufnahmen, z. B. der Grabungskampagnen oder auch Messbilder des 19. Jahrhunderts illustrieren die teilweise schwierig zu internalisierenden architektonischen Fachbeschreibungen und vermitteln anschaulich den Zustand des Doms und seiner Begleitbauten in früheren Zeiten. Erwähnt werden muss, dass auch die Klausur in der Monografie erfasst ist. Im Fließtext eingebunden sind die zahlreichen s/w-Abbildungen, ausgewählte farbige Abbildungen finden sich auf den jedem Band separat angehängten Farbtafeln, z. B. die sensationell erhaltenen Farbfassungen vieler Figuren. Die großformatigen Beilagen in Band I zeigen Grundriss, West- und Nordaufriss, sowie Längs- und Querschnitt von Hauptschiff und Querhaus. Einzelpläne z. B. mit Joch- und Pfeilerplänen, synoptischen Grabungsplänen etc. sind im jeweiligen Kontext abgebildet.
Durch das streng eingehaltene Publikationsschema sind gesuchte Informationen leicht wieder aufzufinden, unterstützt durch umfangreiche Querverweise auf inhaltlich verwandte Kapitel, sowie die ausführlichen Personen- und Ortsregister im Anhang von Band II.
Das monografische Gesamtinventar liefert einen aktuellen Sachstand, der einerseits die zuverlässige Grundlage für weitere Untersuchungen sein wird, sich aber auch einem interessierten Laienpublikum empfiehlt, indem es Kenntnisse auf ganz unterschiedlichen Gebieten vertieft.
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