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Ein Roman über die Leidenschaft fürs Schreiben, die Schönheit der Chance und die Liebe zur Literatur. Das literarische Debüt von Hilmar Klute ist voller Sätze, die man am liebsten immer wieder lesen möchte. Ruhrgebiet, 80er-Jahre: Volker Winterberg arbeitet als Zivi im Seniorenheim und schreibt Gedichte. Er träumt davon, ein Dichter zu werden wie Peter Rühmkorf und die Leute von der Gruppe 47. Aber vorläufig muss er noch frühmorgens seine Alten für den Tag vorbereiten. Die übrige Zeit verbringt er trinkend, rauchend und schreibend in Kneipen, die Nächte oft in fremden Betten. Dann gewinnt er die Teilnahme an einem Treffen für Nachwuchsschriftsteller in West-Berlin. Dort lernt er Heiner Müller kennen, den jungen, eigentümlichen Dichter Thomas und vor allem Katja, die mit Volker Ausflüge an die Mauer macht und ihm nach seiner Rückkehr Liebesbriefe schreibt. Als Volker ein zweites Mal nach Berlin reist, beginnt ein turbulentes Abenteuer mit Katja und eine verwickelte Odyssee durch das alte West-Berlin.
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Gute Unterhaltung über das…
Juti aus HD am 16.05.2019
Bewertungsnummer: 2729902
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Gute Unterhaltung über das Schreiben Volker Winterberg beginnt 1986 gerade seine Zivildienst in einem Altenheim im Ruhrgebiet. Während seines Dienstes wird er für eine Woche zu einem Workshop für junge Dichter nach Berlin eingeladen. Die Geschichte des Zivildienst und des Workshops werden in 22 Kapiteln abwechselnd erzählt. Und der Autor erzählt gekonnt. Anfangs wird er als Pfleger beschäftigt bis er sich beschwert, dass er nur zur Unterhaltung der Bewohner eingestellt wurde. Die Arbeit im Altenheim wird witzig (so beantwortet eine Frau die Frage wie der Bundeskanzler heiße gelangweilt mit Adenauer), aber niemals würdelos beschrieben. In „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen pflegt ein Protagonist seine Eltern, was deutlich weniger interessant dargestellt wird. Die Beziehung zu seinen Kollegen wird zunehmend schlechter, da er sich weigert, die Senioren zu beschimpfen. Der andere Zivi scheitert an der Arbeit und landet letztlich in der Psychiatrie. Sexuelle Beziehung unterhält er mit der älteren und verheirateten Erika, die er aber nicht wirklich liebt. In Berlin lernt Volker ziemlich schnell, dass es im Literaturbetrieb wichtig ist, Beziehungen zu knüpfen. So verbündet er sich mit dem schwulen Thomas und fängt mit der Mitorganisatorin Katja eine Liebelei an, für die aber nur Katja brennt, die es wiederum nicht schafft ihren Freund Charles aus der Wohnung zu schmeißen. Diese beiden Stränge verbindet, dass Volker vom Schreiben träumt. Deswegen trampt er real nach Paris und verfasst dort sein erstes, nur mäßiges Gedicht. Immer wieder träumt er sich auch in die Gruppe 47 und trifft sich mit anderen Ruhrpottpoeten, was mich als Nichtgermanisten auf Dauer etwas nervte. Schließlich endet erst der Workshop, dann der Zivildienst und es nicht klar, wie Volkers Leben weitergeht. Klar ist nur, dass Berlin nicht seine Zukunft ist. Dieser Roman bietet gute Unterhaltung, aber die Frage: „Was lerne ich aus diesem Buch?“ muss wohl mit „Nichts“ beantwortet werden. Deswegen ein Stern Abzug. Lieblingszitat: Wer mit dem Schreiben anfängt, kann auch mit dem Schreiben aufhören. (S.181)
Fliegen meine Worte? Als…
Bories vom Berg aus München am 23.02.2019
Bewertungsnummer: 2716579
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Fliegen meine Worte? Als Debüt der besonderen Art thematisiert der Roman «Was dann nachher so schön fliegt» von Hilmar Klute die Dichtung in Form der Coming-of-Age-Geschichte eines angehenden Lyrikers. Der für die anonyme Kolumne «Streiflicht» bei der Süddeutschen Zeitung verantwortliche Redakteur benutzt die Poesie kontrapunktisch, stellt ihr den trostlosen Alltag eines Zivildienst leistenden jungen Mannes gegenüber. Lässt also die als Wortgebilde geradezu «fliegenden», poetischen Ergüsse seines Helden auf den rüden Umgangston in einer Altenpflege-Einrichtung prallen, konfrontiert zukunftheischende Jugend knallhart mit dem finalen Siechtum des Alters. Im Herbst 1986 tritt der Ich-Erzähler Volker Winterberg seinen Zivi-Dienst in einem Seniorenheim im Ruhrgebiet an, - widerwillig, denn er fühlt sich zum Poeten berufen. Vorher hatte er noch einen spontanen, abenteuerlichen Kurztrip nach Paris unternommen und auf dem altehrwürdigen Cimetière du Père Lachaise die Gräber berühmter Dichter besucht, hatte unter dem Titel «Langstieliges Nachtleben» sein bislang bestes Gedicht geschrieben und in verrauchten Bistros vom späteren Ruhm geträumt. In den 22 Kapiteln des Romans wird abwechselnd von seinem beklemmenden Tagesablauf im Seniorenheim erzählt, ferner in vielen trickreich eingeschobenen Rückblenden häppchenweise von der Reise nach Paris, und vom literarischen Wettbewerb in Berlin natürlich, zu dem er wegen seines Paris-Gedichts eingeladen wurde. Während der drei Tage dort taucht er in eine ganz andere Welt ein, Hilmar Klute stellt der Enge des trostlosen Ruhrpotts jener Zeit die Boheme einer weltläufigen, quirligen Metropole gegenüber. Als trinkfester Kneipengänger frönt sein Protagonist auch dort seiner Passion und «zieht um die Häuser», immer rauchend, in sein Notizbuch kritzelnd und mit den schrägen Vögeln fabulierend, die er am Tresen trifft und bei den literarischen Workshops. Darunter ist auch Katja, eine Anglistik-Studentin, die in Liebe zu ihm entbrennt und im Bett mit ihm landet, obwohl sie schon länger mit einem Mann zusammenlebt, - nach seiner Heimkehr erhält er lange Briefe von ihr. In diese Erzählstränge eingewoben sind immer wieder lange Traumsequenzen, in denen der ambitionierte Jungpoet sich im Kreise der Gruppe 47 wähnt. Umgeben von den berühmtesten Autoren und Kritikern jener Zeit also, die ihm gute Ratschläge geben und ihn ermuntern, sich nicht abbringen zu lassen von seinen poetischen Ambitionen. Nicht ohne Ironie plaudert Hilmar Klute da mit Anekdoten angereichert wohlgemut aus dem Nähkästchen deutscher Literatur, karikiert nicht nur die elitäre, arrogante Literaturclique um Hans Werner Richter, sondern auch die knorrigen Typen, aus denen sie sich zusammensetzte während ihres zwanzigjährigen Bestehens. Wer sich als Leser über die Buchdeckel seiner Lektüre hinaus auch für das Milieu interessiert, auf dessen Nährboden sein Lesestoff entstanden ist und aus dem sein Schöpfer stammt, der wird seine helle Freude haben an diesen ebenso bereichernden wie amüsanten Passagen. Und auch an den häufigen Reflexionen und Disputen zu dem alles beherrschenden Thema dieses Romans, der bangen Frage des Poeten: Fliegen meine Worte? Dieser Bildungsroman einer hoffnungsvollen, irrlichternden Dichterseele ist in einem geschliffenen, eleganten Stil geschrieben, mit Wortwitz und Bonmots ebenso angereichert wie mit gelungenen Neologismen. Sein mit Verve vorangetriebener Plot ist klug konstruiert, in den 22 Kapiteln wird der Spannungsbogen bis zum überzeugenden Schluss wohldosiert aufrecht erhalten. Sowohl der Held als auch alle anderen Figuren sind stimmig beschrieben, viele wirken überaus sympathisch, und manche der einstigen Lyrikstars werden geradezu hymnisch gefeiert. Was eingefleischte Romanleser denn doch irritieren dürfte, - aber der Held hat sich nun mal der Poesie verschrieben, schon der aus einem Gedicht von Peter Rühmkorf entlehnte Titel des Romans zeugt ja davon!
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