Anna hat die Gewalt überlebt – aber die Kontrolle nicht. Jahrelang wurde sie von ihrem Ehemann gedemütigt, überwacht, geschlagen. Nun ist er tot. Eigentlich der Moment, in dem alles leichter werden müsste. Doch Freiheit zieht nicht einfach ein. Schon gar nicht in einer Stadt, in der alle dicht an dicht leben – und niemand hinsieht. Die Nachbarschaft weiß Bescheid. Oder behauptet es. Zwischen gespielter Anteilnahme und kalter Distanz wird Anna weiter bewertet: als Witwe, als Frau, die „sich zusammenreißen“ soll, als eine, deren Leben nicht zu sehr von der Norm abweichen darf. Ihr Schwager drängt sich auf – als „Helfer“, der alles bestimmen will. Die Gewalt ist vorbei, doch ihr Echo sitzt tief. Wer ist Anna ohne Erwartungen anderer? Wo beginnt Selbstbestimmung, wenn man nicht weiß, wie sie sich anfühlt? Dann läuft ihr ein Hund zu – stur, verängstigt, unberechenbar. Für Anna ist er zuerst nur Belastung. Ein weiteres Wesen, das Nähe fordert. Doch er stellt keine Fragen. Er urteilt nicht. Er bleibt. Und genau dieses „Bleiben“ rührt etwas in ihr, das sie längst abgeschaltet glaubte. Gleichzeitig begegnet sie Clara – einer Frau, die unbequem ehrlich ist und die Widersprüche des Lebens klar benennt: dass es Mut braucht, schwach zu sein. Dass es Stärke ist, Hilfe anzunehmen. Sie zeigt Anna, dass ein anderes Leben möglich ist – eines, in dem Anna selbst entscheidet. Doch die Stadt vergisst nicht. Kontrolle, Besitzansprüche und subtile Gewalt sind nicht verschwunden – sie haben nur die Maske gewechselt. Je sichtbarer Anna wird, desto stärker werden die Kräfte, die sie zurückdrängen wollen. Freiheit wird gefährlich. Als alles eskaliert, steht Anna vor ihrer härtesten Entscheidung: Bleibt sie in einem Leben, das andere für sie entworfen haben? Oder nimmt sie sich die Macht zurück, die ihr immer abgesprochen wurde? „ÜberLeben LebensKraft“ ist ein intensiver Roman über das Danach der Gewalt – über den Weg vom Überleben zum Leben. Über Selbstwert, Mut und die Frage, wie man die eigene Stimme zurückerobert – wenn so viele wollen, dass man schweigt.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
24.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Wundervoller Schreibstil, 100-prozentige Empfehlung, ein Buch mit Tiefe und Herz
Die Autorin hat es geschafft, einem schwierigen Thema, über das oft geschwiegen wird, eine Stimme zu geben.
Die Du-Perspektive hat mich, entgegen meiner Erwartung, nicht gestört, sondern war wunderbar passend zur Geschichte. Ich liebe es, wie die Autorin, Stimmung aufbaut, Atmosphäre schafft, das Setting und die Gefühle der Protagonistin beschreibt. Ich habe mich sehr gut in sie reinversetzen können, mit ihr mitgefühlt.
Der Humor ist leise und lockert die ernste Thematik auf, sodass die Geschichte einen nicht negativ beeinflusst, sondern zum Nachdenken anregt, genauer hinzusehen. Nicht wegzusehen, sondern auf Menschen zuzugehen, wenn man das Gefühl hat, da stimmt was nicht.
Ich bin begeistert von Agathas Erzähl- und Schreibstil und kann jedem dieses Buch nahelegen, der eine Geschichte mit Tiefe und Herz lesen möchte. Von mir gibt es eine 100-prozentige Empfehlung.
reziprov
5/5
20.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Intensiv, gewürzt mit Humor
Inhalt:
Anna hat ihr halbes Leben lang in einer toxischen Beziehung und in einem toxischen Umfeld verbracht. Als ihr Mann stirbt, ist sie zunächst orientierungslos. Doch dann rettet sie einem kleinen Hund das Leben und plötzlich ergeben sich Möglichkeiten, die Anna nicht einmal in ihren Träumen in Erwägung gezogen hat.
Meine Meinung:
Die Geschichte, die Agatha Huxley hier erzählt ist einerseits traurig und macht andererseits Mut.
Ich konnte Annas Orientierungslosigkeit gut nachvollziehen und es hat mich sehr betroffen gemacht, wie sehr sie von Außen in Denkmuster gepresst wurde, die ihr Selbstwertgefühl gegen null gebracht haben.
Ich denke, Selbstzweifel kennen die meisten Menschen und ebenso die Situation, wenn einem Außenstehende ihre Erwartungen, oder schlimmer noch ihre Enttäuschung über ein Verhalten an den Kopf werfen. Das macht die Figur Anna, die das alles in potenzierter Form erlebt hat, so greifbar und gibt eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich Menschen in toxischen Beziehungen permanent fühlen.
In Form von kleinen Episoden und Begegnungen beschreibt die Autorin Annas Weg aus ihrem persönlichen inneren Gefängnis. Einen Weg der auch immer mal wieder, teils von außen indiziert, teils durch das eigene Gedankenkarussell, Rückschläge bereithält.
Das Buch regt sehr dazu an, darüber nachzudenken, welchen Erwartungen man sich selbst viel zu oft unterwirft, wo man vielleicht kämpfen sollte und wo es gilt, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. Es regt aber auch dazu an, darüber nachzudenken, wo man vielleicht selbst schon einmal einen solchen Druck auf jemanden ausgeübt hat und die eigenen Handlungen zu hinterfragen.
Ein sehr intensives Buch, das sich trotz der ernsten Thematik sehr gut und flüssig lesen lässt und das einem an manchen Stellen durchaus auch ein Lächeln entlockt.
kathrin200578
5/5
17.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Bist du stark genug
Anna ist allein.
Ihr gewalttätiger Mann ist tod.
Eigentlich will Anna nur leben.
Sich frei, unabhängig und endlich wieder sicher fühlen.
Aber das ist gar nicht so einfach, denn alle haben sich abgewendet.
Als ihr auf der Straße der kleine Hund Charly zuläuft, ist eigentlich eher Chaos angesagt.
Denn Charly ist ein ziemlicher Wirbelwind der Annas Leben ganz schön auf den Kopf stellt.
Als sich dann noch eine unerwartete Freundschaft ergibt, muss Anna vor allem eins wieder sein - mutig.
Dies ist mein zweites Buch der Autorin.
Wieder ein gesellschaftskritisches Buch das aufrütteln soll.
Es ist kein leichtes Thema.
Hier geht es um mehr als eine Frau die misshandelt wurde.
Hier geht es darum, dass die meisten wegschauen und nicht handeln.
Besonders der Bruder des Toten entwickelt sich in eine völlig falsche Richtung.
Die Protagonistin hat mir sehr gut gefallen, denn obwohl sie ängstlich und so überhaupt nicht mutig ist, stellt sie sich immer wieder in kleinen Etappen dem Leben - natürlich spielt hier der kleine Hund eine große Rolle.
Eine absolute Leseempfehlung für eine andere Art an Buch, das viel Aufmerksamkeit braucht und gelesen werden sollte.
Bewertung
5/5
15.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Blick auf die vielen kleinen, leisen Momente
Der Roman dreht sich um Anna. Anna ist Opfer häuslicher Gewalt – aber das Buch dreht sich nicht um möglichst gewaltvolle Szenen, um laute Streitereien, denn Annas Ehemann ist verstorben und in der Lücke, die er hinterlässt, versucht Anna sich aufzubauen, was sie so lange nicht hatte: Selbstvertrauen. Vertrauen in die Zukunft. Ein Leben.
So leise für so ein lautes Thema? Ja, denn die vielen kleinen Momente, in denen Anna die Stimme ihres verstorbenen Ehemanns im Kopf hat, in denen die Nachbarn auch heute noch leugnen, was sie damals nicht hören wollten, erzeugen einen Nachhall der laut genug ist.
Auch die Bücher, die sich um das Leben in einer gewaltvollen Beziehung drehen, sind wichtig, aber dass das Leben danach mitnichten einfach weitergeht, zeigt dieser Roman sehr gut auf.
Stilistisch sehr spannend fand ich, dass einige der kurzen Kapitel in der zweiten Person Sg. (Du) geschrieben waren, was die Distanz zu Anna noch einmal verringert und einen sehr tiefen Blick in die Figur gewährt hat, die plötzlich allein in einem Haus sitzt, mit einem Hund, bei dessen Pflege sie sich sorgt, so viel falsch zu machen – aber auch in den Begegnungen mit Menschen, die ihr diese Zweifel nehmen. Sie sind nicht in der Überzahl, aber sie sind da.
Das Buch ist relativ kurz, aber der Abstecher in Annas Realität ist trotzdem tief. Aber gerade dadurch, dass es nicht in epische Breite gezogen wurde, ist es perfekt für Lesende, die sich auf das Thema einlassen wollen, aber eben nicht wochenlang. Die Kapitel sind ebenfalls kurz gehalten und bieten Pausen zum Durchatmen und um das Geschriebene nachhallen zu lassen.
Angela J
aus Neuengörs
5/5
24.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Eine tiefgründige und gesellschaftskristische Story, die mit berührt hat
"Eine Blume, die zeigt, dass man wachsen kann - egal, wie viel Schatten da war."
Anna ist gerade Witwe geworden, eigentlich eine Befreiung für sie ... Michael, der Bruder ihres Mannes, kümmert sich um sie, aber was steckt dahinter?
Die Nachbarin rümpft die Nase, weil ihr das Verhalten der Witwe nicht passt, nur ein Nachbar hält zu ihr und sagt seine Meinung.
Alle haben es gesehen und gehört, jeder hat Augen und Ohren verschlossen.
Ein kleiner Hund und neue Begegnungen machen Anna Mut und geben ihr Kraft.
Mir hat Anna sehr gut gefallen, vor allem ihre Entwicklung kann Betroffenen Mut machen. Die Tabuthemen unserer Gesellschaft über Gewalt in der Ehe und toxische Beziehungen regen zum Nachdenken an. Kann man jemanden helfen kann, der in solch einer Situation steckt?
Anna hat Glück und trifft auf wunderbare Menschen, die sie aufbauen und wachrütteln.
Die Autorin hat mich von der ersten Seite abgeholt und in die Geschichte gezogen. sie hat einen einfühlsamen, kritischen Schreibstil, der irgendwie anders ist und mich immer wieder begeistert.
Für diese Gesellschaftskritische Story gebe ich meine absolute Leseempfehlung, es ist ein Lesehighlight für mich gewesen und wird noch lange nachhallen.
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