Ein Dorf im Moor in den 50er Jahren, ein Bauernhof heute – und wie das Weltgeschehen das Leben der Menschen auf dem Land veränderte. Davon erzählt Uta Ruge am Beispiel ihres Dorfes und ihres Bruders.
Seit ein paar Tagen stehe ich morgens um sechs mit allen auf, um zu sehen, zu hören und zu riechen, wie sich Landwirtschaft heute anfühlt auf dem Hof, auf dem ich aufgewachsen bin. Ich ziehe die Stallklamotten an und gehe nach draußen. Mir fällt auf, dass ich den Blick hier nicht heben muss, um den Himmel zu sehen. Ob
es regnet oder bald regnen wird, wie der Wind geht, ist sofort gewusst, in Auge, Ohr und Nase eingeströmt.
Uta Ruge verwebt in Bauern, Land. Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang die Erinnerung an das Leben auf dem Lande in den 50er Jahren mit der genauen Beobachtung der Veränderungen in der Landwirtschaft heute, mit der Chronik des Dorfes, den welthistorischen Zusammenhängen und der Kulturgeschichte, die das Leben der Bauern geprägt haben und prägen. Sie erzählt von harter Arbeit und Abhängigkeit, von der Besiedelung des Moors, von Entwässerung und den Zumutungen der Obrigkeit und der Bürokratie, von Armut und Auswanderung. Aber auch davon, wie man sich gegenseitig unterstützt und hilft und zusammen feiert, von dem Eifer der kleinen Kinder, die den Eltern zur Hand gehen und lernen, dass gegen Arbeit nichts hilft, außer sie zu tun.
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umfassendes Sachbuch über das…
Juti aus HD am 09.07.2021
Bewertungsnummer: 2746872
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
umfassendes Sachbuch über das Bauernleben 1783 wird begonnen ein Moor im Land Hadeln, heute im Kreis Cuxhaven, in Ackerfläche umzuwandeln, eigentlich weil der Landbesitzer und Kurfürst in Hannover so mehr Steuern generieren will. Aber damals reicht dieses karge Land gerade für die Selbstversorgung. Die Bewohner werden für 14 Jahre von Abgaben befreit. Die dort aufgewachsene Uta Ruge berichtet nicht nur von ihrem Heimatdorf, sie erzählt im Grunde die ganze Geschichte der Bauern, angefangen in römischen Reich über die Entstehung des Adel, der die Bauern anfangs gegen Feinde, also vor allem gegenüber landraubende Nachbarn schützte. Aber die Zeit nach 1783 wird ausführlicher behandelt, selbst die Landwirtschaft der USA - wo auf den großen die Mechanisierung begann, aber auch mit dem „Dust Bowl“ in den 30er Jahren des 20. Jhs die erste Umweltkatastrophe geschah – und in der Sowjetunion, wo der gewaltsame Übergang von der Agrarwirtschaft unter dem Zaren mit Leibeigenschaft zu den Kolchose der Kommunisten nie so hohe Erträge brachte, wie sie ein selbständiger Bauer erreicht hätte. Doch bleiben wir in Dorf der Autorin, in Neubachenbruch. Mit Napoleon kommt das bürgerliche Recht auch ins Land Hadeln. Jetzt müssen auch sie Soldaten abstellen, weil sie ihre Sonderrechte wegen des Deichschutzes an der Elbe verloren haben. So kommt auch Uta Ruge als Kind von Bauern aus Rügen in dieses Dorf, weil ihre Eltern vor der Kollektivierung in Rügen geflohen sind. Der Vater wollte einen Hof nahe der Küste und fand ihn hier, weil der Hoferbe der Vorgänger im Krieg geblieben ist, war hier ein Hof frei, den die Eltern dank staatlicher Kredite erwerben konnten. Und damit sind wir beim ersten Erzählstrang des Buches. Ruges Bruder Waldemar hat den elterlichen Hof übernommen und damit auch die Probleme der heutigen Landwirtschaft. Neben den niedrigen Milchpreisen, die nur ein Wachsen oder Weichen erlauben, leidet der Bauer heute unter bürokratischer Auflagen und vor allem seinem Image als Umweltverschmutzer, dabei werden die Vorschriften für konventionelle Landwirte immer strenger. Bei ihren Besuchen vergleicht die Autorin das Leben heute mit dem Leben damals in ihrer Kindheit, als sie noch zu Fuß zur Dorfschule laufen musste und die Felder ständig von Hochwasser überflutet waren. Weidehaltung gibt es heute fast nicht mehr und wenn, dann müssen die Tiere vor dem zurückgekehrten Wolf geschützt werden. Als ich schon glaubte, der Klimawandel käme nicht vor, berichtet sie sogar über den Dürresommer 2018. Außer dass mir manche Familiengeschichte zu lang war – ich kann mir doch nicht alle Dorfbewohner merken – hat mir nichts gefehlt, ganz im Gegenteil, ich glaube, dass dieses Buch zu einem Touristenansturm in Neubachenbruch führen wird. 5 Sterne
!ein Buchhighlight 2020!…
Kristall86 aus an der Nordsee am 04.10.2020
Bewertungsnummer: 2760026
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
!ein Buchhighlight 2020! Klappentext: „Ein Dorf im Moor in den 50er Jahren, ein Bauernhof heute – und wie das Weltgeschehen das Leben der Menschen auf dem Land veränderte. Davon erzählt Uta Ruge am Beispiel ihres Dorfes und ihres Bruders. Seit ein paar Tagen stehe ich morgens um sechs mit allen auf, um zu sehen, zu hören und zu riechen, wie sich Landwirtschaft heute anfühlt auf dem Hof, auf dem ich aufgewachsen bin. Ich ziehe die Stallklamotten an und gehe nach draußen. Mir fällt auf, dass ich den Blick hier nicht heben muss, um den Himmel zu sehen. Ob es regnet oder bald regnen wird, wie der Wind geht, ist sofort gewusst, in Auge, Ohr und Nase eingeströmt. Uta Ruge verwebt in „Bauern, Land. Die Geschichte meines Dorfes“ im Weltzusammenhang die Erinnerung an das Leben auf dem Lande in den 50er Jahren mit der genauen Beobachtung der Veränderungen in der Landwirtschaft heute, mit der Chronik des Dorfes, den welthistorischen Zusammenhängen und der Kulturgeschichte, die das Leben der Bauern geprägt haben und prägen. Sie erzählt von harter Arbeit und Abhängigkeit, von der Besiedelung des Moors, von Entwässerung und den Zumutungen der Obrigkeit und der Bürokratie, von Armut und Auswanderung. Aber auch davon, wie man sich gegenseitig unterstützt und hilft und zusammen feiert, von dem Eifer der kleinen Kinder, die den Eltern zur Hand gehen und lernen, dass gegen Arbeit nichts hilft, außer sie zu tun.“ Auf dieses Buch habe ich wirklich sehnsüchtig gewartet und es hat sich gelohnt! Das Leben auf dem Land wird immer mit einer Bullerbü-Romantik in Vergleich gebracht, doch ticken die Uhren hier anders (auch ich lebe mitten auf dem platten friesischen Land umgeben von Weiden, Bauernhöfen und Kühen weit und breit) aber sie ticken. Uta Ruge nimmt uns mit in ihre Welt. Es ist eine ganz eigene Welt aber dennoch habe ich extrem viele Vergleiche ziehen können die auch ich so hier erlebe. Uta Ruge hat aber ein ganz großes Kino daraus gemacht! Warum? Sie hat verglichen mit welthistorischen Begebenheiten, Geschehnissen und vor allem hat sie sich mit der Entwicklung der Landwirtschaft bestens auseinander gesetzt und bringt dies hier, zum Teil wortgewaltig, zur Sprache. Ich muss gestehen, ich hätte es zu Beginn des Buches nicht für möglich gehalten, das dieses Buch mich fesselt, aber es hat es getan! Sie erzählt mit viel Gefühl und Inbrunst von längst vergangenen Zeiten, von Dingen die wir mit dem Leben heute kaum noch in Verbindung bringen würden. Ebenso genial ist hier zweideutiger Buchtitel. Auch dieser wirft Fragen auf...Sind Bauern immer gleich nur auf dem Land zu finden? Ist das Leben auf dem Land immer mit einem Bauernhof verbunden? Finden Sie es heraus! Uta Ruge hat für meine Begriffe einen wahren Buchknaller zur richtigen Zeit verfasst. Jeder sollte sich mal fragen und überlegen wie es früher war mit der Milch und der Gülle, den Eiern, den Hühnern, den Pferden, der Wurst....der Klimawandel kommt mit gewaltigen Schritten. Wir haben sehr viel falsch gemacht in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Versuchen wir das Ruder wieder rumzureißen und begeben uns mit Uta Ruge auf’s Land! Dieses Buch ist unheimlich nachhallend und ich werde es in kürze nach ein Mal lesen. Es ist zeitlos, so viel steht fest, denn ist eine persönliche Betrachtung. Ich bin restlos begeistert vin diesem Buch und vergebe sehr gern 5 von 5 Sterne!
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