Edgar Kunz, Controller in Wolkys-Margarinefabrik, führt ein Leben in perfekter Durchschnittlichkeit. Bis er von den Medien über Nacht zum Next Jesus erklärt wird. Alles beginnt, als seine Freundin ihn per SMS abserviert und er kurz darauf eine tote Bloggerin wieder ins Leben zurückruft.
Plötzlich steht er zwischen Fernsehauftritten und Fanatikern, zwischen der Sehnsucht nach Normalität und dem Rausch des Ruhms. Eine bissig-komische Gesellschaftssatire über die Absurdität unserer Zeit. Und die Frage: Wer bin ich, wenn niemand zuschaut?
„Dieser Debütroman schmückt jedes Bücherregal.“ – Dr. Mark Benecke
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Ein Leseerlebnis, das Freude macht. Und nachdenklich.
Bewertung am 25.01.2026
Bewertungsnummer: 3024156
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich bin per Zufall auf dieses Werk gestoßen. Weder Autor noch Verlag sind mir zuvor begegnet. Was im Falle des Autors daran liegt, dass es ein Debüt ist. Und das gelingt!
Micha Krischs "Next Jesus" ist ein Roman, der sich nicht entscheiden will. Und genau darin liegt seine Stärke. Ist es eine Satire auf Spätkapitalismus, Mediencircus und Selbstoptimierungswahn? Ja. Ist es ein surrealer Trip durch die Abgründe des modernen Bewusstseins? Auch. Ist es eine tragikomische Heldenreise eines Mannes, der nie Held sein wollte? Definitiv.
Edgar Kunz, Protagonist wider Willen, arbeitet bei Wolky, einer Margarinefabrik. Sein Leben ist Routine und Resignation. Dann der Sturz. Dann die Vision. Dann der Medienrummel. Aus dem Controller wird "Next Jesus". Eine Rolle, die Edgar nicht sucht, aber auch nicht loswird.
Was Krisch gelingt: Er vermeidet die Fallen des magischen Realismus. Seine surrealen Sequenzen (die bronzenen Skulpturen, der Strudel, die Traumlandschaft) sind keine Effekthascherei, sondern psychologisch motiviert. Sie sind Edgars Unterbewusstsein, materialisiert. Und sie funktionieren, weil Krisch die Balance hält zwischen Metapher und Erzählung.
Die Sprache ist unprätentiös, fast lakonisch. Krisch schreibt nicht "literarisch" im Sinne von gestelzt, sondern präzise und lesbar (inzwischen eine immer seltenere Kunst!). Kurze Sätze. Klare Bilder. Manchmal brutal ehrlich ("Du kannst überhaupt nichts, Edgar!"). Manchmal zärtlich (die Rotkehlchen-Szene). Und immer wieder durchzogen von Popkultur-Referenzen (Horrorfilme, gescheiterte Rockbands, Comics …), die nicht als Nostalgie-Kitsch daherkommen, sondern Edgars Innenleben authentisch zeichnen.
Vergleiche drängen sich auf: Douglas Adams' existenzieller Humor, Kurt Vonneguts tragikomische Weltsicht, Rocko Schamonis Liebe zu gescheiterten Existenzen. Aber Krisch ist kein Epigone. Er hat eine eigene Stimme. Eine, die in der deutschen Gegenwartsliteratur fehlt: warmherzig, aber nicht kitschig. Kritisch, aber nicht zynisch. Absurd, aber nie beliebig.
Schwächen? Ja. Manche Nebenfiguren bleiben skizzenhaft. Die Auflösung könnte radikaler sein. Aber für ein Debüt ist das Nebensache.
"Next Jesus" ist ein Roman für Menschen, die glauben, dass Literatur unterhalten UND denken lassen darf. Dass Humor und Tiefe keine Gegensätze sind. Dass ein Buch, das seinen Protagonisten zwischen Margarinefabrik und Existenzkrise pendeln lässt, skurril im besten Sinne ist – und genau deshalb funktioniert.
In der Hoffnung, dass der Autor hier keinen One-Hit abgeliefert hat, definitiv eine Stimme, auf die man achten sollte.
Eine Satire mit Herz, Hirn und Humor
Bewertung am 05.02.2026
Bewertungsnummer: 3037316
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Edgar Kunz hat es nicht leicht. Von der Freundin verlassen, der Job trist, das Leben langweilig. Eigentlich wäre er viel lieber Musiker. Aber die Zeiten sind längst vorbei. Oder etwa doch nicht?
Denn als er eine tote Bloggerin/Podcasterin/Tochter zum Leben erweckt, flippen die Medien aus. Edgar wird zum Next Jesus. Und das ist alles andere als schmeichelhaft. Soviel sei hier schon verraten.
Es folgt eine abstruse Achterbahnfahrt, die Edgar mächtig durchschüttelt. Und in der hauptsächlich andere Richtung und Geschwindigkeit bestimmen. Zunehmend muss Edgar sich jedoch mit der unbequemen Frage auseinandersetzen: "Was will ich überhaupt?"
Micha Krisch hat eine Gesellschafts-Satire geschrieben, die, ohne Angabe eines Ortes, wohl in jeder Kleinstadt spielen könnte. Die Menschen sind medienbessesen, wundersüchtig und immer auf der Jagd nach dem nächsten großen Ding. So richtig bei der Sache sind sie jedoch nie. Oft ist das lustig. Meistens tragisch.
Stilistisch erinnert Next Jesus an Schriftsteller wie T.C. Boyle. Scharfzüngig, aber eher verzeihend, statt zynisch. Wer Humor ala Big Lebowski mag, wird an der Geschichte ebenfalls seine Freude finden. Spätestens Edgars Nachbar Schorsch schafft Kopfkino! Überhaupt ist die Erzählweise sehr filmisch, was das Lesen sehr angenehm macht.
Trotz aller Absurdität und Komik hat die Geschichte sensible Untertöne. Da gibt es einen Straßenkünstler, der philosophisch daherkommt, wie Diogenes in seinem Fass. Oder ein kleines Mädchen, mit einem wirklich berührenden Hintergrund. Diese Szenen schaffen starke Kontraste und brechen den eher lockeren Tonfall.
Manchmal würde ich mir wünschen, dass Krisch an diesen Stellen nicht einfach weiterrennt. Sondern Tiefe und Schmerz länger stehen lässt. Denn es steckt sehr viel mehr Substanz darin, als nur angedeutet wird. Deswegen 4 Sterne.
Mein finales Fazit:
Kurzweiliges Lesevergnügen mit klugen Gedanken für verregnete Sonntage oder den Urlaub am Strand.
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