Ironisch, tiefgründig, voller Sprachfreude und Witz, zuweilen mit einer Spur Magie, erzählt Gabriel Bornstein die Geschichte des jungen David Dubnow, Waise, Sohn einer Holocaust-Überlebenden, den es auf der Suche nach dem Vermächtnis seines einzigen Angehörigen in die Sowjetunion des Kalten Krieges, nach Riga, verschlägt. Dort begegnet er den Absurditäten des autoritären Systems, der Frage, wem er trauen kann und wer was warum verbirgt - und der schönen, geheimnisvollen Judica. Zusammen mit ihr und einer Handvoll jüdischer Überlebender macht er sich auf eine Suche in den Katakomben der Stadt, die bald zur Obsession wird.
Eine ganz andere Erzählung über das israelische Trauma, die Geschichte der Judenverfolgung, autoritäre Systeme, die, gerade weil sie mit einem ordentlichen Augenzwinkern erfolgt, ganz tief blicken lässt.
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Der Versuch, Simon Dubnow zu gedenken
Bewertung aus Quickborn am 25.01.2026
Bewertungsnummer: 3024752
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Es gibt in Leipzig ein Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur, das den Namen Simon Dubnow trägt. Gabriel Bronstein versucht, diesen bedeutenden Wissenschaftler noch einmal zum Leben zu erwecken, aber tatsächlich ist er in Riga, genauer am 8. Dezember beim Massaker im Wald von Rumbula von den Deutschen umgebracht worden. Sein Werk aber, vor allem die zehnbändige Geschichte des jüdischen Volkes, hat sich der Nachwelt erhalten.
Die Geschichte, die der Autor um Simon Dubnow bzw. um den jungen Israeli David Dubnow, der wähnt, er könnte mit Simon verwandt sein, fabuliert, fühlt sich ein bisschen übertrieben an. "Gefunden" hat sie der Journalist Rafael Shapiro, der sie versehentlich ausdruckt und sich in ihr verstrickt.
Immer wieder las ich bewegende Szenen, die in Riga spielen, Anfang der 1970er Jahre und während des Zweiten Weltkrieges, trotzdem konnte mich dieses Buch nicht vollkommen überzeugen. David Dubnow, der da durch Riga geisterte, blieb für mich immer eine Kunstfigur. Mit Judica, Davids Angebeteter, oder mit Opa Samuel, "vor dem Krieg war er Rabbiner und Kantor. Leute aus ganz Lettland kamen nach Riga, um Rabbiner Samuel Melamed singen zu hören", ging es mir ähnlich.
Trotzdem, was mir sehr gefiel, waren die ausführlichen Anmerkungen im Glossar, die mir das Buch und die jüdische Geschichte von Riga dann doch sehr nahebrachten.
Ich habe bei Recherchen nach der eigenen Familiengeschichte auch Riga betrachtet, der Ehemann meiner Großtante wurde im Wald von Biķernieki, auch ein Wald in Riga, ermordet. Das war auch der ursprüngliche Anlass, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe.
Wer sich für die Geschichte interessiert, dem empfehle ich das Buch, auch wenn es sich nicht sofort erschließt, berührt es doch, wenn man weiß, dass nur ein Prozent der Rigaer Juden den Holocaust überlebt hat. Wie es den wenigen Überlebenden, die in der Sowjetunion blieben, ergangen ist, ist dann schon wieder eine neue Geschichte.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Ein Roman voller tiefem Sprachwitz
Bewertung am 07.03.2026
Bewertungsnummer: 3068304
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Elfte Gebot von Gabriel Bornstein hat mich vor allem durch seine besondere Mischung aus Humor, Nachdenklichkeit und historischem Hintergrund fasziniert. Im Mittelpunkt steht David Dubnow, ein junger Mann, der als Waise und Sohn einer Holocaust-Überlebenden aufwächst. Auf der Suche nach dem Vermächtnis seines einzigen Angehörigen führt ihn sein Weg ausgerechnet in die Sowjetunion des Kalten Krieges, nach Riga. Dort gerät er in eine Welt voller Misstrauen, Geheimnisse und absurder Regeln eines autoritären Systems. Besonders spannend fand ich, wie der Roman große Themen wie Erinnerung, jüdische Geschichte und politische Machtstrukturen behandelt, ohne dabei schwer oder belehrend zu wirken. Die Geschichte ist immer wieder ironisch und voller Sprachwitz erzählt, was den ernsten Hintergrund manchmal sogar noch eindringlicher macht. Die Begegnung mit der geheimnisvollen Judica und die Suche in den Katakomben der Stadt verleihen dem Roman zusätzlich etwas Mysteriöses, fast Magisches. Für mich ist Das Elfte Gebot ein ungewöhnlicher, kluger Roman, der historische Realität, persönliche Suche und einen feinen Humor miteinander verbindet. Für mich sind Buch und Verlag ein guter Geheimtipp.
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