Produktbild: Gregormeister
Band 7

Gregormeister Die ottonische Buchmalerei in Trier und ihre kunsthistorische Galionsfigur

1

89,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

07.04.2026

Abbildungen

mit 1046 Farbabbildungen, 21 s Abbildungenzweisse Abb.

Verlag

Schnell & Steiner

Seitenzahl

632

Maße (L/B/H)

28,7/21,9/5,2 cm

Gewicht

3050 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7954-9051-5

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Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

07.04.2026

Abbildungen

mit 1046 Farbabbildungen, 21 s Abbildungenzweisse Abb.

Verlag

Schnell & Steiner

Seitenzahl

632

Maße (L/B/H)

28,7/21,9/5,2 cm

Gewicht

3050 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7954-9051-5

Herstelleradresse

Schnell & Steiner GmbH
Leibnizstr. 13
93055 Regensburg
DE

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  • VolkerM

    5/5

    11.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Gregormeister

    Den Titel für das Buch hat Daniela Prinz nicht ohne Hintergedanken gewählt: „Gregormeister“ und eben nicht „Der Gregormeister“. Seit im Jahr 1901 von Haseloff der Notname „Gregormeister“ für den ottonischen Buchmaler des Registrum Gregorii geschaffen wurde, wogt die Diskussion um dessen Identität und vor allem die ihm zugeschriebenen Werke. Von einem „Einzeltäter“ mit einer klar umrissenen Werkgruppe, über eine „Gregormeister-Schule“ bis hin zu einem ottonischen Regionalstil, dessen Ursprung wahlweise nach Trier, Echternach, Köln und noch anderen Orten lokalisiert wurde, rankt die kontroverse Diskussion, die Ursula Prinz detailliert aufschlüsselt. Spätestens hier offenbart sich ein grundlegender Mangel in vielen kunsthistorischen Wertungen: Sie basieren oftmals nicht auf messbaren Kriterien, sind bibliografisch schlecht oder auch (wie im Fall „des“ Gregormeisters) gar nicht belegt und viele Schlussfolgerungen, die auf rein stilkritischen oder ikonografischen Überlegungen basieren, werden mit apodiktischer Überheblichkeit dem Rest der Welt als Wahrheit aufgezwungen. Ich erinnere mich an die Reaktion eines Kunsthistorikers, den ich diesbezüglich in die Enge treiben wollte: “Wenn man Experte ist, sieht man das.“ Damit war die Diskussion für ihn beendet. Ursula Prinz wählt einen völlig anderen Weg. Sie verortet die Schöpfer der mittlerweile reichlich ausgefransten „Gregormeister“-Werkgruppe nicht an einem Ort, in einer Region oder gar in einer Person, sondern entwickelt mit bemerkenswerter Präzision einen komplexen Datencluster, in dem u. a. auch diese Aspekte zusammenfließen. Frei von der unscharfen Verklärung eines im 19. Jahrhundert wurzelnden Geniekults besinnt sie sich auf die werkimmanenten, evidenzbasierten Grundlagen. Ausgehend vom historischen Rahmen und den kirchlichen und politischen Netzwerken um den Trierer Bischof Egbert, untersucht sie daran anschließend die Werkgruppe der von ihm beauftragten Prachtcodices ikonografisch, motivisch, stilistisch, paläografisch, kodikologisch und kunsttechnologisch, sofern die entsprechenden Daten z. B. bei Restaurierungen erhoben wurden. Es entsteht eine Matrix, die die Nähe und Distanz der unterschiedlichen Werke voneinander anhand einer hierarchischen Clusteranalyse darstellt. Im Rahmen dieser Untersuchungen kristallisiert sich das heraus, was Prinz „ein hochentwickeltes, arbeitsteilig organisiertes und überregional vernetztes Produktionsmillieu“ nennt. Sie widerlegt den Mythos einer genialen Einzelperson, um die sich die ihm zugeschriebenen Werke gruppieren, sondern löst die einzelnen Produktionsschritte voneinander und bezieht insbesondere die starke Rolle des Auftraggebers mit ein. Auch wenn über die Organisation der ottonischen Skriptorien so gut wie nichts bekannt ist, zeigt Ursula Prinz‘ Analyse, dass es sich um einen hochgradig arbeitsteiligen Prozess von Spezialisten gehandelt haben muss, was sich technologisch, aber auch stilkritisch nachweisen lässt. Denn selbst die einzelnen Malereien stammen nicht aus einer Hand, sondern wurden ganz offensichtlich in einem kleinteilig rationalisierten Ablauf produziert, in dem z. B. die einzelnen Farbnuancen von unterschiedlichen Händen aufgetragen wurden. Prinz diskutiert in diesem Zusammenhang die grundlegenden Unterschiede zwischen unserem modernen Künstlerbegriff und dem als Handwerker verstandenen mittelalterlichen Kunstschaffenden. Gerade dieser Fehlschluss führte in der Vergangenheit zur Illusion des „Gregormeisters“. Ursula Prinz bezweifelt natürlich nicht, dass es einen herausragenden, federführenden Künstler gab, der das Registrum Gregorii anlegte, aber selbst das stilistisch eng verwandte Ottoblatt in Chantilly, das Strahov-Evangeliar oder das Lorscher Sakramentar zeigen im technologischen Detail so viele Abweichungen, dass eine Schöpfung aus nur einer Hand unwahrscheinlich erscheint. Es gibt ernstzunehmende Parallelen zu einem der seltenen Beispiele ottonischer Kolossalmalerei, während Prinz die Nähe zur ottonischen Goldschmiedekunst aus ausbildungstechnischen Gründen verneint. Ursula Prinz zieht die Werkgruppe deutlich enger als viele ihrer Vorgänger, aber sie tut dies mit Bedacht und methodischer Vorsicht. Ihre multifaktorielle Analyse ist tiefgehend und gründlich und durch die außergewöhnlich große Zahl von Vergleichsabbildungen auch für einen nicht vorgebildeten Leser jederzeit nachvollziehbar. Was die Lokalisation des Skriptorium des Registrum Gregorii in Trier angeht, schließt sich Prinz an die herrschende Meinung an, begründet durch politische und projekttechnische Rahmenbedingungen. Bischof Egbert wird in ihrer Untersuchung zur zentralen Figur in der Produktion und damit auch essenzieller Teil der ottonischen „Gregormeister“. Es ist zu wünschen, dass sich dieser Cluster-Ansatz auch in anderen kunsthistorischen Debatten etabliert, denn er stellt die Diskussion argumentativ wieder auf solide Füße. Auch wenn dadurch manche Grenzen unscharf werden, zeigt sich erst hier in aller Klarheit, was wir faktisch (noch) nicht wissen, weit ab vom apodiktischen „Expertenblick“.

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