Noel schlägt sich ziellos von einem Rausch zum nächsten. Bis er Aliéna kennenlernt, die nach welkenden Blumen riecht und behauptet, mit sprechenden Tieren zusammenzuleben. Im herbstlichen Wald verlieren sich Noel und Aliéna ineinander, bis die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Als ein Mord Aliéna zwingt, ihre vertraute Umgebung zu verlassen, wird aus Liebe eine Obsession, die das Leben beider in Gefahr bringt.
Sanjina Kashikars Romandebüt „Rattenkönig“ lädt zu einem ebenso morbiden wie von opulenter Bildsprache getragenen Trip in eine Welt psychischer Grenzgänge ein.
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Rattenkönig Wenn Worte zu Bildern werden
Manuela Hahn am 18.04.2026
Bewertungsnummer: 3113074
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Rattenkönig ist ein Roman, der mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Sanjina Kashikar schafft es, gleich mit den ersten Sätzen Worte in Bilder zu verwandeln, eine Welt zu entwerfen, die zugleich poetisch und düster ist. Wenn ich an Aliéna dachte, sah ich immer eine zarte, fast durchscheinende junge Frau in einem lichtdurchfluteten Wald, umgeben von Waldtieren, vor mir, doch mit den allseits bekannten Märchenverfilmungen hat diese Geschichte absolut nichts zu tun.
Im Mittelpunkt steht Aliéna, die gemeinsam mit Lea und Waldtieren, die sie als ihre Freunde bezeichnet, in einem alten Haus mitten im Wald lebt. Lea verlässt dieses Haus nie, während Aliéna nur gelegentlich hinausgeht, um im Wald zu sein oder Einkäufe zu erledigen. Besonders eindrucksvoll ist Aliénas besondere Beziehung zur Natur. Mit dem Wald fühlt sie sich verbunden, hier ist ihr wahres Zuhause. Mit dem Haus ohne Strom und warmes Wasser verbindet sie nur Lea, die sie liebt, seit sie Kinder waren, die sie vor ihren Mitschülerinnen beschützte und die von ihrer alkoholkranken Mutter bei Ulrich, dem Eigentümer des Hauses, zurückgelassen wurde. Aliéna und Lea sind untrennbar miteinander verbunden, wie ein Rattenkönig.
Bei ihren seltenen Einkäufen begegnet Aliéna Noel, der in einem Laden für Künstlerbedarf arbeitet. Ihre Begegnung entwickelt sich zu einer intensiven, beinahe unwirklichen Beziehung. Noels Leben ist, gelinde gesagt, verpfuscht. Die Beziehung zu seiner Familie ist schwierig, seine zwei Jobs reichen kaum für die Miete, seine Wohnung gleicht einer Müllhalde, in der der ehemalige Kunststudent malt, wenn er nicht gerade seinen letzten Rausch ausschläft. Seine letzte Beziehung zu Eva ging an seiner Überforderung mit dem Leben in die Brüche, und doch vermittelt sie ihm den Kontakt zu einer Galeristin, als sie Bilder von Aliéna in seiner vermüllten Wohnung sieht. Das könnte Noels Chance sein, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Soweit zum Offensichtlichen.
Was mich darüber hinaus beeindruckt hat, ist die Art, wie Sanjina Kashikar mich immer tiefer in Aliénas Welt hineingezogen hat. Vieles bleibt angedeutet, manches erschließt sich erst nach und nach. Genau das hat mich beim Lesen nicht losgelassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt, sondern eher, dass ich eingeladen wurde, genauer hinzusehen.
Rattenkönig ist ein Roman für alle, die literarische Sprache, surreale Bilder und eine Atmosphäre zwischen Traum und Verstörung schätzen. Für mich erzählt dieser Roman seine eigentliche Geschichte nicht nur in Worten, sondern in den Bildern, die die Autorin mit eben diesen Worten vor meinem inneren Auge zu erzeugen vermochte.
Sowohl sprachlich als auch inhaltlich ist dieses Buch außergewöhnlich und faszinierend, die Geschichte entfaltet eine Atmosphäre, die lange nachwirkt. Sanjina Kashikar schafft es, eine Welt zu entwerfen, die zugleich poetisch, düster und zutiefst eigenständig ist.
Und nicht alles ist wie es auf den ersten Blick scheint, das Offensichtliche verbirgt eine erschütternde Wahrheit.
Surreal & morbide
Bewertung am 17.04.2026
Bewertungsnummer: 3112446
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
ich habs geliebt.
Ein buch für fans von surrealem, grotesken, morbiden horror. Durch den schreibstil hat es sich genauso beklemmend angefühlt, wie es sollte.
Dieses Buch hat in mir das gleiche gefühl ausgelöst wie filme wie "tideland" & "heavenly creatures"
ich habe lange nicht mehr so gefesselt gelesen und bin so tief in eine äußerst düstere, mit Metaphern und Symboliken gespickte welt abgetaucht.
Ein winzig kleiner Minuspunkt für das ende, das ich mir anders gewünscht hätte.
Aber für mich schon jetzt eines meiner jahreshighlights.
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