Mar ist ein Teenager aus Frankreich, sie ist mit dem Internet und den sozialen Medien aufgewachsen und kann sich kaum vorstellen, darauf zu verzichten. Als sie mit ihrer Mutter an einer humanitären Mission im Senegal teilnimmt, wird sie mit einer Welt konfrontiert, die sich radikal von ihrer eigenen unterscheidet: Zwischen Stereotypen und Befürchtungen, Vorurteilen und Unwissenheit entdeckt sie eine sinnliche Kultur, Landschaften von sagenhafter Schönheit und eine Gesellschaft mit ganz besonderen Problemen. Sie erlebt nicht nur Wochen ohne Internet, sondern vor allem Menschen, die dem Besitz und der Individualisierung von Dingen wenig Bedeutung beimessen.
Núria Tamarit schöpft aus persönlichen Erfahrungen: Sie selbst nahm 2017 an einem humanitären Hilfseinsatz in Gandiol, Senegal, teil. Ihr Comic TOUBAB wurde 2019 in Spanien als »Beste Graphic Novel« ausgezeichnet und bereits in sieben Sprachen übersetzt. Ihre Geschichte, die unsere Gewissheiten und Errungenschaften sanft erschüttert, ist eine Ode an Toleranz und Offenheit.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Nico aus dem Buchwinkel
5/5
10.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auf dem Cover des Comics…
Auf dem Cover des Comics “Toubab – Zwei Münzen” findet sich eine rothaarige weiße Frau inmitten Schwarzer Frauen, von denen viele ein Kopftuch tragen. Der Klappentext bezeichnet “Toubab” als preisgekrönte Ode an Toleranz und Offenheit. Das hat große Erwartungen in mir geweckt, aber auch ein wenig Sorge, ob der Comic diese Worten gerecht werden könne oder ob die Geschichte zu sehr in Stereotype und Vorurteile absinkt. Worum gehts? Mar ist eine medienaffine Teenagerin, die für drei Monate aus ihrem alltäglichen Leben herausgerissen wird. Sie soll ihre Mutter auf eine humanitäre Mission in den Senegal begleiten und beim Bau eines Kulturzentrums helfen. Bock hat sie darauf wenig. WLAN und fließend Wasser sind nicht vorhanden – die absolute Hölle für Mar. Nach und nach freundet sie sich mit Astou an. In der persönlichen Begegnung lösen sich die Vorurteile von beiden Seiten auf und Mars anfangs grenzenlose Naivität lässt irgendwann zumindest Grenzen erkennen. So bricht der Kontakt auch nach dem Ende der humanitären Mission nicht ab. Was es mit den titelgebenden zwei Münzen auf sich hat, sei aber an dieser Stelle nicht verraten. Dazu braucht es schon einen Blick in den Comic. Gezeichnet ist “Toubab” in kräftigen, oft erdigen Tönen, die Personen sind leicht stilisiert mit aufs Wesentliche reduzierten Gesichtszügen dargestellt. In vielen Panels wird der Blick erst einmal auf die farbenprächtig gemusterten Kleider der senegalesischen Frauen gelenkt, die sofort ins Auge stechen. Der Zeichenstil hat mir gut gefallen und alles in allem die Geschichte ansprechend untermalt, stellenweise hätte ich mir aber eine ausdrucksstärkere Mimik gewünscht, da ich die Gefühle nicht immer treffsicher herauslesen konnte. Auch die Geschichte konnte mich nicht restlos überzeugen. Laut Klappentext schöpft die Autorin aus ihren persönlichen Erfahrungen, da sie 2017 selbst an einem humanitären Hilfseinsatz im Senegal teilnahm. Wie sehr der Senegal im Comic durch die Brille einer privilegierten weißen Person auf Hilfsmission portraitiert wird, vermag ich nicht zu sagen. Die Message hinter der Geschichte, “Begegnung entkräftet Vorurteile”, finde ich gut dargestellt und überzeugend transportiert. Allerdings fühlte es sich für mich stellenweise wie eine “Überromantisierung” der senegalesischen Lebensverhältnisse dar. Zum Beispiel sagt Mar an einer Stelle zu Astou: "Ich hatte Angst herzukommen. Ich dachte, ich sehe hier Leute sterben. Leute, die verzweifelt unsere Hilfe erwarten. Aber manchmal denke ich… euch geht es besser als uns. Ja, sogar… ihr seid besser als wir. Ich weiß nicht." Astou entgegnet etwas und relativiert die Aussage vielleicht, vielleicht auch nicht. Wie bei den Emotionen der Figuren blieb ich hier mit einigen Fragezeichen zurück. Wenn es tiefergehende Bedeutungsebenen gab, so haben sie sich mir nicht erschlossen.
LeLiPä
4/5
29.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über ein Mädchen, das die Liebe zum senegalesischen Leben entdeckt
Die Entwicklungshelferin Sabine und ihre Tochter Mar planen einen drei Monate dauernden Aufenthalt im Senegal. Während Sabine die Bewohner eines kleinen Dorfes beim Bau eines Kulturzentrums unterstützt, hat Mar mit der Überwindung diverser Berührungsängste zu tun. Zunächst hält sie sich von den Menschen fern, ist genervt von der Hitze und kann das Engagement ihrer Mutter nicht nachvollziehen. Ihr einziges Interesse gilt einem stabilen Handy-Empfang, damit sie den Kontakt zu ihren Freunden in Deutschland aufrecht halten kann.
Mars Leben spielt sich digital ab. Ständig auf der Suche nach drei Balken.
Außerdem irritiert sie der Gedanke, dass Alles allen gehören soll. Zumindest lässt sich dadurch das Verschwinden ihrer Lieblingsschuhe erklären...
Erst mit der Zeit lernt sie die Besonderheiten der afrikanischen Kultur lieben. Anders als in Deutschland, wird hier immer gesungen und überall getanzt. Gelassenheit setzt sich bei ihr nach und nach durch, als sie sich von der anderen Lebensart anstecken lässt und die senegalesischen Sitten und Gebräuche kennenlernt.
Mit Respekt und Interesse beschäftigt sie sich im Laufe der Geschichte sogar mit dem Projekt ihrer Mutter, deren Bau des Zentrums auf der Wiederverwertung von Plastikmüll gründet.
„Aber manchmal denke ich, euch geht es besser als uns“, stellt Mar fest.
Am Ende schließt sie Freundschaft mit Land und Leuten. Aber am meisten mit sich selbst...
In klar umrandeten Panels und einer überwiegend gleich bleibenden Struktur nimmt die Graphic Novel die LeserInnen mit auf Reisen auf den afrikanischen Kontinent.
Und wer herausfinden möchte, was Toubab bedeutet, sollte das Buch lesen und wirken lassen.
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