Mit anderen Worten: ich
Ausgezeichnet mit dem Buxtehuder Bullen 2016. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Kategorie Preis der Jugendlichen
Worte sind nicht Samanthas Freunde. Im Gegenteil: In endlosen Gedankenschleifen verfolgen sie Sam und hindern sie daran, ein normales, unbeschwertes Leben zu führen. Aus Angst, als verrückt abgestempelt zu werden, verheimlicht Sam ihren täglichen Kampf sogar vor ihren Freundinnen.
Nur die unkonventionelle Caroline sieht hinter Sams Fassade und lädt sie ein, sich einem geheimen Dichterklub anzuschließen. Hier erlebt Sam zum ersten Mal die befreiende Kraft von Worten und kommt sich seit langer Zeit selbst wieder nahe. Als sie sich in den klugen, zurückhaltenden AJ verliebt und gerade beginnt, vorsichtig auf ihr neues Glück zu vertrauen, stellt eine unerwartete Entdeckung alles infrage.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
4 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
Authentisch, berührend und charmant
Madita Hofmann am 20.08.2020
Bewertungsnummer: 1365895
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Samantha ist Teil der beliebten Mädchenclique "Die verrückte Acht" und hat damit das erreicht, wovon viele träumen. Nur dass Sam das nicht so empfindet, denn jeden Tag führt sie einen unsichtbaren Kampf gegen sich selbst, gegen ihre Gedanken und Zwänge und ist sorgsam darauf bedacht, dass niemand von ihrer "Verrücktheit" etwas erfährt. Denn selbst ihre Freundinnen dürfen davon nichts wissen, denn sie würden es nicht verstehen, davon ist Sam überzeugt. Die Sommerferien sind wie ein kurzer Befreiungsschlag, aber allzu sehr hängt die Rückkehr in die Schule wie ein Damoklesschwert über ihr. Als sie Caroline kennenlernt und diese ihr den geheimen Dichterclub zeigt, begreift Sam immer mehr, dass sie sich nicht weiter verstellen kann und will und dass es vielleicht wichtiger ist, man selbst zu sein als die beliebtesten Freundinnen zu haben, die man zwar seit dem Kindergarten kennt, mit denen man aber eigentlich nichts mehr gemein hat. Caroline bringt sie dazu, Gedichte zu schreiben und mit jedem Wort, das sie aufs Papier bringt, findet sie ein Stück von sich selbst. Aber wird sie auch den Mut aufbringen, außerhalb ihrer Gedichte sie selbst zu sein?
„Ausprobieren ... Fehler machen. Das gehört zusamen. Durch Fehler haben wir alle laufen gelernt und dass wir uns an heißen Sachen die Finger verbrennen. Du machst schon dein ganzes Leben lang Fehler und das wird auch so bleiben. Der Trick besteht darin, deine Fehler als solche zu erkennen, um eine Lehre daraus zu ziehen und nach vorne zu blicken."
S. 108
Großartig finde ich auch das NatürlichMagellan-Logo, denn das zeigt, dass fair produziert und Bäume gepflanzt wurden, sowie dass das Buch aus FSC-Papier, lösungsmittelfreiem Klebstoff und Drucklack auf Wasserbasis besteht. Das finde ich absolut hervorragend und ich denke, daran sollten sich viele andere Verlage ein Beispiel nehmen!
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen. Der Roman ist in der Ich-Perspektive von Sam geschrieben, wodurch man einen guten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt bekommt, was hier sehr wichtig ist, denn dadurch kann man ihr Verhalten besser nachvollziehen, ebenso wie die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hat. Sams Zwangsstörung ist ein wichtiger Teil von ihr, den sie aber vor aller Welt versteckt - nur ihre Therapeutin und ihre Familie wissen davon, nicht aber ihre Freunde. Dadurch, dass man weiß, was Sam in bestimmten Situationen fühlt und denkt, weiß man aber auch, warum das so ist und kann sich sehr gut in sie hineinversetzen.
Das Thema psychische Erkrankung ist durchaus nicht einfach und als Betroffene bin ich auch nicht gerade unkritisch, wenn ich Bücher zu diesem Thema lese. Man hat jedoch sehr deutlich gemerkt, dass sich die Autorin mit dem Thema ausführlich beschäftigt hat und dass es ihr sehr am Herzen liegt.
„Ich würde ja gerne aufhören zu denken, glaub mir. Ich wünschte, das wäre so einfach."
S. 196
Die Story handelt von Sam und ihrer Zwangsstörung, aber auch davon, wie schwierig es ist, echte Freunde zu finden; wie wichtig es ist, etwas zu haben, was einem dabei hilft, mit seinen Gedanken und Gefühlen klarzukommen; darüber, sich selbst zu finden; wie schön und wie schwierig zugleich Liebe ist und wie schwer man es sich selbst machen kann. All das ist sehr einfühlsam, authentisch und nachvollziehbar geschrieben und ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hineinfühlen, besonders, weil ich mich oft selbst so gefühlt habe, wie sie.
Schön fand ich auch, dass die Liebesgeschichte zwar ihren Raum bekommt, aber nicht überhand nimmt, genauso wenig wie alle anderen Themen, die angesprochen werden. Alles hat seinen Platz, aber nichts davon wird "zu Tode geredet" oder überlagert alles andere. Als sich Sam verliebt, ist das natürlich ein Thema und sie macht sich Gedanken darüber, aber es ist eben nicht so, dass sich plötzlich nur noch alles darum dreht. Nicht einmal die Zwangsstörung selbst wird allzu aufdringlich behandelt, sie ist natürlich immer da und man merkt sie beim Lesen entweder unterschwellig oder mal auch sehr deutlich, aber nie so, dass man sich denken würde "Ja, wir habens kapiert..." Dadurch ist das Buch sehr ausgewogen, hat viele verschiedene Konflikte, mit der die Protagonistin fertig werden muss und wird nie langweilig. Mal ganz abgesehen davon, dass die Wendung gegen Ende des Buches für viele sehr überraschend kommen könnte. Ich habe sie schon eine Weile kommen sehen, zumindest ansatzweise, weil ich weiß, wozu der eigene Geist in der Lage ist, aber für die meisten Leser*innen dürfte das vollkommen überraschend sein - hat mir gut gefallen, auch wenn es herzzerreißend ist!
„Ich will ja damit aufhören, aber es geht einfach nicht, weil, na ja - sagt einem Menschen mit Zwangsstörung mal, er soll aufhören, sich kirre zu machen. Da könnt ihr gleich einem Asthmatiker raten, er soll einfach mal ganz ruhig atmen."
S. 255
Als ich dieses Buch im Newsletter des Verlages gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen. Ich finde es als Betroffene immer wieder spannend, wie Autor*innen psychische Erkrankungen umsetzen und ob sie diese authentisch darstellen. Besonders wichtig finde ich auch immer die Frage, ob man nach dem Lesen ein positives Gefühl hat oder ob die Lektüre einen eher ratlos, traurig oder leer zurücklässt. Vielleicht leistet auch dieses Buch einen kleinen Beitrag dazu, das Thema "psychische Erkrankungen" zu entstigmatisieren und dafür zu sorgen, dass man sich irgendwann nicht mehr dafür schämt "kaputt" oder "anders" oder "nicht normal" zu sein, sondern dass man sich so akzeptiert wie man eben ist - auch wenn das eigene Gehirn vielleicht manchmal seltsame Dinge macht.
Fazit
Dieses Buch erzählt nicht nur die Geschichte einer Jugendlichen mit psychischer Erkrankung, es macht auch Mut, ist berührend, authentisch, witzig, herzzerreißend, charmant und einfach toll. Ein mehr als lesenswerter Roman, der mitten ins Herz geht, zum Nachdenken anregt und mir als Betroffene sehr gut gefallen hat.
Sehr feinfühlig und in wunderbar...
Bewertung am 29.06.2018
Bewertungsnummer: 284950
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Sehr feinfühlig und in wunderbar Sprachgewandt! Ein Buch, das mich restlos begeistert hat!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.