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Arcanjo, der letzte Sohn einer berühmten Großwild-jägerdynastie, macht sich auf in ein mosambikanisches Dorf, das von menschenfressenden Löwen heimgesucht wird. Er wird begleitet von einem plappernden Möchtegern-Schriftsteller, der im Auftrag eines internationalen Erdölkonzerns, welcher seine Investitionen in der Region bedroht sieht, eine Reportage schreiben soll.
Nach und nach entdeckt Arcanjo die dunklen Geheimnisse der Dorfgemeinschaft: Die Frauen sind Opfer bruta-ler Rituale, unter ihnen Mariamar, Arcanjos einstige Geliebte. Sein eigenes Leben in der fernen Hauptstadt liegt in Trümmern. Er liebt Luzilia, die Frau seines Bruders, der nach einer Schreckenstat verrückt geworden zu sein scheint. Eines Nachts wird das Dorf erneut von Löwen angegriffen – und Arcanjo erfährt, dass um ihn herum nichts so ist, wie er es sich vorgestellt hat.
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Die Macht der Magie, der…
Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 24.06.2024
Bewertungsnummer: 2867019
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Macht der Magie, der Mythen und der Geister. Mia Couto ist hierzulande nicht sehr bekannt. Das ist bedauerlich, schreibt er doch als weißer Portugiese über das hauptsächlich schwarze Mozambik, sein Geburtsland. Er wuchs also in zwei Kulturkreisen auf. Er ist Schriftsteller und Biologe und bewegt sich in zwei verschiedenen Milieus. Er lehrt als Professor an der Uni Biologie, bei seinen Feldforschungen schließt er die Geschichten der Bewohner mit ihren Mythen ein, sie sind Grundlage seiner Romane. Der Roman beginn mit „Gott war mal eine Frau, der Himmel war noch nicht endgültig fest, Frauen weben seit Jahrtausenden an diesem grenzenlosen Schleier. Wenn eine Frau schwanger ist, kommt ein Stück Himmel dazu, bei Verlust eines Kindes schrumpft das Gewebe.“ Diese Aussage beinhaltet eines der Themen des Romans, fast feministisch, denn er beschreibt die Situation der Frauen im abgelegenen Dorf Kulumani: sie sind unterdrückt und wertlos, taugen nur zur Arbeit, zum Kinderkriegen und für die Gelüste des Mannes. Sie leben, als ob sie begraben wären. Archaische Elemente, die Magie der Geister, Traum und Realität, das Diesseits und das Jenseits vermischen sich mit modernen Gegebenheiten: die Ankunft des Jägers in Begleitung eines Schriftstellers. Tradition und Moderne treffen aufeinander, das Hier und Jetzt vermischt sich mit der Macht der Mythen und der Geister aus ewiger Vorzeit. Auch hier benutzt Mia Couto wieder alternierende Kapitel: das Tagebuch des Jägers Arcanjo Baleiro und die Versionen von Mariamar. Tragische Einzelschicksale verbinden sich mit der Welt des großen Ganzen. Und die Löwenjagd ist ein Beispiel. Couto war im Jahre 2008 bei der Jagd im Norden dabei, als Jäger die Löwen erlegten, die 28 Menschenleben äuf dem Gewissen hatten. Für die Dörfler aber waren es die Geister, die töteten. Aber „Solange die Löwen nicht ihre eigenen Geschichten schreiben, werden die Jäger immer die Helden sein. Denn Geschichtsschreibung ist immer die Geschichte der Sieger“. Die Jagd ist auch ein Symbol der Macht: wer Waffen besitzt, ist mächtig. Für Leserinnen und Leser, die tiefer in die afrikanische mythische Welt eindringen wollen, ist der Roman ein guter Einstieg. Dazu muss man sich aber mit dem doch etwas verwirrenden Wechsel der Erzählungen von Arcanjo und Mariamar anfreunden. Warum fallen Löwen Menschen an und fressen sie? Sie gehören ja nicht zu ihrem originären Beuteschema. Ein interessantes Detail entdeckte ich bei entsprechender Recherche, abgesehen von Nahrungsknappheit: sie hatten meistens ein desolates Gebiss, so dass sie „ihr normales Wild“ gar nicht mehr richtig reißen konnten. Und warum sollten sie eigentlich keine Menschen töten? Die Menschen töten sie ja auch….
Die Macht der Magie, der Mythen und der Geister
Almut Scheller-Mahmoud aus 21109 Hamburg am 22.06.2024
Bewertungsnummer: 2228310
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Mia Couto ist hierzulande nicht sehr bekannt. Das ist bedauerlich, schreibt er doch als weißer Portugiese über das hauptsächlich schwarze Mozambik, sein Geburtsland. Er wuchs also in zwei Kulturkreisen auf. Er ist Schriftsteller und Biologe und bewegt sich in zwei verschiedenen Milieus.
Er lehrt als Professor an der Uni Biologie, bei seinen Feldforschungen schließt er die Geschichten der Bewohner mit ihren Mythen ein, sie sind Grundlage seiner Romane.
Der Roman beginn mit „Gott war mal eine Frau, der Himmel war noch nicht endgültig fest, Frauen weben seit Jahrtausenden an diesem grenzenlosen Schleier. Wenn eine Frau schwanger ist, kommt ein Stück Himmel dazu, bei Verlust eines Kindes schrumpft das Gewebe.“
Diese Aussage beinhaltet eines der Themen des Romans, fast feministisch, denn er beschreibt die Situation der Frauen im abgelegenen Dorf Kulumani: sie sind unterdrückt und wertlos, taugen nur zur Arbeit, zum Kinderkriegen und für die Gelüste des Mannes. Sie leben, als ob sie begraben wären.
Archaische Elemente, die Magie der Geister, Traum und Realität, das Diesseits und das Jenseits vermischen sich mit modernen Gegebenheiten: die Ankunft des Jägers in Begleitung eines Schriftstellers. Tradition und Moderne treffen aufeinander, das Hier und Jetzt vermischt sich mit der Macht der Mythen und der Geister aus ewiger Vorzeit.
Auch hier benutzt Mia Couto wieder alternierende Kapitel: das Tagebuch des Jägers Arcanjo Baleiro und die Versionen von Mariamar.
Tragische Einzelschicksale verbinden sich mit der Welt des großen Ganzen. Und die Löwenjagd ist ein Beispiel. Couto war im Jahre 2008 bei der Jagd im Norden dabei, als Jäger die Löwen erlegten, die 28 Menschenleben äuf dem Gewissen hatten. Für die Dörfler aber waren es die Geister, die töteten. Aber „Solange die Löwen nicht ihre eigenen Geschichten schreiben, werden die Jäger immer die Helden sein. Denn Geschichtsschreibung ist immer die Geschichte der Sieger“. Die Jagd ist auch ein Symbol der Macht: wer Waffen besitzt, ist mächtig.
Für Leserinnen und Leser, die tiefer in die afrikanische mythische Welt eindringen wollen, ist der Roman ein guter Einstieg. Dazu muss man sich aber mit dem doch etwas verwirrenden Wechsel der Erzählungen von Arcanjo und Mariamar anfreunden.
Warum fallen Löwen Menschen an und fressen sie? Sie gehören ja nicht zu ihrem originären Beuteschema. Ein interessantes Detail entdeckte ich bei entsprechender Recherche, abgesehen von Nahrungsknappheit: sie hatten meistens ein desolates Gebiss, so dass sie „ihr normales Wild“ gar nicht mehr richtig reißen konnten.
Und warum sollten sie eigentlich keine Menschen töten? Die Menschen töten sie ja auch….
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