Deutliche Gebrauchsspuren z.B. Notizen. Könnte ein Mängelexemplar sein, aber voll funktionsfähig und lesbar. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
"Zehn Tage, nachdem der Krieg zu Ende war, fuhr meine Schwester Laura einen Wagen von der Brücke." Das ist der erste Satz von diesem Roman. Laura Chases ältere Schwester Iris, die mit achtzehn Jahren einen wohlhabenden und politisch einflussreichen Unternehmer geheiratet hat, jetzt aber 82 Jahre alt und verarmt ist, lebt in einer Stadt, die vor dem Ersten Weltkrieg von ihrer Familie dominiert wurde. Iris blickt auf ihr Leben und vor allem auf die Ereignisse um den frühen Tod ihrer Schwester zurück. Laura war durch die postume Veröffentlichung eines Romans berühmt geworden. Iris lebt, wie sie selbst sagt, im langen Schatten ihrer toten Schwester.
Dies ist ein Roman mit der Weite eines Epos und der Konzentration eines Familiendramas. Lauras und Iris' Liebesgeschichte, die gegen alle Konventionen ihrer Herkunft und ihrer Zeit verstößt, gibt Margaret Atwood breiten Raum, ihre Gaben der dramatischen Darstellung, des Sarkasmus und der Ironie, des Humors und der Tragik, auszubreiten.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
aus Halbturn
5/5
08.10.2019
Buch (Taschenbuch)
Der blinde Mörder
M. Atwood in bester Form. Gute Literatur, interessante Geschichte, nichts für Banausen!
Kaffeeelse
5/5
27.08.2019
Buch (Taschenbuch)
Menschliche Abgründe
Mit dieser Rezension möchte ich mich einem Buch widmen, welches mich in letzter Zeit beschäftigt hat, welches mir die Zeit extrem versüßt hat, welches mich schwer begeistern konnte. Nun ist das bei Frau Atwood sicher nicht schwer! Ich kannte von ihr bisher nur "Die Giftmischer" und "Der Report der Magd". "Die Giftmischer" hatte ich mir mal vor einiger Zeit zugelegt, eine gute Freundin hatte von Frau Atwood geschwärmt und ich war neugierig. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die scharfe Zunge und der bitterböse Humor der Margaret Atwood konnten mich definitiv begeistern. Eigentlich hätte ich danach sofort alles weitere von ihr lesen wollen/sollen. Aber es gibt so viele interessante und wunderbare Bücher und Autoren. Und die verfügbare Zeit ist begrenzt. Nun gut, es verging einige Zeit und in diesem Jahr konnte ich das so wunderbare Buch "Der Report der Magd" genießen. Erzählkunst vom Feinsten und ein Buch, welches man definitiv gelesen haben muss! Und damit platzierte sich Frau Atwood auf der Liste meiner Lieblingsautoren noch einige Stellen höher. Ich habe mir nun vorgenommen von dieser Autorin nach und nach alles zu lesen. Von daher war dann die Zeit für das Buch "Der blinde Mörder" recht rasch gekommen. Ein Buch, welches im Jahre 2000 den Booker Prize bekam und welches vom Magazin "Time" in einer Liste der 100 besten englischsprachigen Romane aufgenommen wurde, Romane, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. Und das ist nach der Lektüre dieses Buches in meinen Augen vollkommen gerechtfertigt. Ich will nicht sagen, dass "Der blinde Mörder" besser ist, als "Der Report der Magd". Beide Bücher kann man sicher nicht miteinander vergleichen. Im Report herrscht eine Düsternis, die die Leserin auch etwas erdrückt und erschreckt. Und noch mehr erschreckt die Düsternis des Romans durch ihre etwaige Nähe zur Realität. In "Der blinde Mörder" begeisterte mich dieses Verwobene; es werden mehrere Geschichten erzählt, die nach und nach zueinander finden, den Leser aber immer wieder neue Theorien aufstellen lassen und einen immensen Sog erzeugen. So ein Konstrukt zu erfinden/zu ersinnen/zu erstellen, da kann man einfach nur den Hut vor Frau Atwood ziehen und tosenden Applaus spenden. Chapeau!!!
Doch um was geht es eigentlich in diesem Roman? Iris Griffen, geborene Chase, schaut als alte Frau auf ihr Leben und das Leben der Familie Chase. Der nicht chronologisch aufgebaute Roman ist eine mäandernde Familiengeschichte und auch ein historischer Roman/ein Sittengemälde, genauso ist das Buch aber auch ein Blick auf die Stellung der Frau in vergangener Zeit und damit eine Gesellschaftskritik. Dies ist sicher etwas, was Frau Atwood gut kann, die Stellung der Frau gut ausloten und gleichzeitig auch eine berührende Kritik an dieser Stellung erschaffen. Genauso kann Frau Atwood aber auch wunderbar Menschen beobachten und ihre Handlungen sezieren, hier in diesem Buch so wunderbar gelungen im Beschreiben des Miteinanders der Schwestern Iris und Laura Chase in jüngeren Jahren und ebenso gut gelungen im Beschreiben der alten Iris Chase, in ihren Sichten auf die Vergangenheit und dem Umgehen mit dem Älterwerden, dem eigenen Verblassen. Ja, und natürlich geht es auch um die Liebe und ihre Irrungen und Wirrungen, die Fabrikantentöchter Iris und Laura Chase und der Gewerkschaftsagitator Alex Thomas tanzen umeinander herum. Und es geht um ein Manuskript, "Der blinde Mörder" von Laura Chase, ein sehr parabelhaftes Fantasy- und Science-Fiction-Stück und um die Frage, wer dieses Manuskript schlussendlich wirklich geschrieben hat.
Ich gebe eine unbedingte Leseempfehlung!
Bewertung
4/5
20.03.2018
Buch (Taschenbuch)
Wie immer ein großartig. Frau...
Wie immer ein großartig. Frau Atwood hat einfach tolle Ideen.
Bewertung
4/5
20.03.2018
eBook (ePUB)
Großartiges Buch
Margret Atwood ist immer wieder großartig. Auch dieses Buch besticht durch Stil und Schreibweise.
Bories vom Berg
aus München
3/5
19.11.2021
Buch (Taschenbuch)
Ambivalente Familiensaga Die…
Ambivalente Familiensaga Die im englischsprachigen Raum vielfach geehrte, kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood hat für den Roman «Der blinde Mörder» im Jahre 2000 ihren ersten Booker Prize erhalten. Im Jahre 2019 erhielt sie dann ihren zweiten, sie gehört damit zu den vier Autoren, die ihn zweimal verliehen bekamen. Obwohl also hochgeehrt im englischen Sprachraum, ist die Rezeption im deutschen eher verhalten, insbesondere das Feuilleton zeigt sich hier skeptisch. Warum eigentlich? Wie immer bei Atwood stehen in dieser drei Generationen umfassenden Geschichte die Frauen und ihre Rolle in der Gesellschaft im Mittelpunkt. In Rückblenden erzählt die 84jährige Iris als Ich-Erzählerin, wie sie und ihre jüngere Schwester Laura in den 1930er Jahren als wohlbehütete Töchter eines erfolgreichen Fabrikanten in Ontario aufwachsen. Als in der Depression die Firma an den Rand des Ruins gerät, heiratet Iris auf Druck des Vaters den neureichen Geschäftsmann Richard. Die fünfzehnjährige, als schwierig geltende Laura hat derweil eine heimliche Affäre mit Alex, einem gesuchten kommunistischen Aktivisten, dem eine Brandstiftung angelastet wird. Aber auch Iris verfällt ihm sexuell. Er lebt im Untergrund und zieht später mit einer kanadischen Brigade in den Krieg. Gegen Kriegsende fällt er, und als Laura erfährt, dass er auch mit Iris ein Verhältnis hatte, bringt sie sich um. Die schon einige Zeit getrennt von ihrem Mann lebende Iris entdeckt ein skandalträchtiges Roman-Manuskript von Laura mit dem Titel «Der blinde Mörder». Darin wird auktorial und mit namenlosen Figuren sehr freimütig von ihrer skandalösen Affäre erzählt, die hier als zweite Erzählebene eingeflochten ist. Nicht genug damit, ist in dieser Binnen-Geschichte eine weitere enthalten, in der Alex nach dem Sex der Geliebten Teile seiner dystopischen Story erzählt, mit Frauen in einer grotesk untergeordneten Sklavenrolle, er hält sich damit finanziell über Wasser. Ergänzend werden für die politischen Hintergründe und gesellschaftlichen Ereignisse immer wieder fiktive Zeitungs-Meldungen eingefügt, die dem Erzählten einen authentischen Touch verleihen. Das Ganze ist das handgeschriebene Manuskript von Iris, die 1999 stirbt. Sie wendet sich damit direkt an ihre in der Welt herumgeisternde Enkelin, um ihr all ihre Erinnerungen nun eben in Schriftform zu hinterlassen, wenn sie ihr schon nicht persönlich davon erzählen kann. Mit ihrer kunstvoll verschachtelten Erzähl-Struktur breitet die Autorin in diesem Roman das üppige Panorama einer tragischen Familien-Geschichte vor dem Leser aus, angereichert mit einem interessanten sozialen und historischen Hintergrund. Gleichzeitig ist diese Saga vom allmählichen Niedergang einer einst stolzen, reichen und glücklichen Familie auch ein opulentes Sittenbild des zwanzigsten Jahrhunderts, das motivisch unwillkürlich an Thomas Mann erinnert. Der Roman ist überfrachtet mit Nebensächlichem, man weiß als Leser genau, dass die Zigaretten in einer silbernen Schatulle im Wohnzimmer verwahrt werden, weil man es gefühlt hundert Mal gelesen hat. Für männliche Leser fast unerträglich sind die ausufernden Schilderungen der Garderobe aller weiblichen Figuren, ihr Seelenleben wird hingegen sträflich vernachlässigt. Besonders die Ich-Erzählerin Iris bleibt als Mensch farblos, eine blutleere Figur ohne nennenswerte Entwicklung, und das über Jahrzehnte hinweg. Beeindruckend jedoch ist die funkelnde Sprache, in der hier erzählt wird, angereichert mit stimmigen Metaphern und wunderbar schwarzem Humor, der besonders in der Rahmen-Geschichte der betagten Iris mit sarkastischen Anmerkungen überzeugt. Die für klare Worte bekannte Autorin spart auch nicht mit harscher gesellschaftlicher Kritik, so wenn sie zum Beispiel vom protzigen abstrakten Gemälde eines Neureichen spricht, «zusammengesetzt aus kostspieligen bunten Klecksen». Da verzeiht man dieser ambivalenten, aber auch unterhaltsamen Familiensaga dann gern ihre unübersehbaren, kleinen Schwächen.
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