Eine Analyse der Inszenierung und Gestaltung von Krisen in Österreich im Vergleich mit anderen europäischen Staaten (insbesondere Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien) auf der Basis von breit angelegten qualitativen und quantitativen Studien. Sowohl in der Corona-Krise als auch in der aktuellen Finanzkrise zeigt sich, wie Akteure aus Ministerien, Ämtern und der Wissenschaft versuchen, die Krise aus eigener Sicht zu steuern, wobei ein Gesamtbild von geradezu erstaunlicher Inkompetenz entsteht.
Rechtsaußenparteien wie die FPÖ in Österreich konnten das kommunikative Versagen der Politik geschickt ausnützen. Im Zuge der Anti-Impf-Kampagne wurden faschistische Themen Teil des »normalen« Diskurses, vom angeblich »gesunden Volkskörper« bis zum offenen Antisemitismus. Die Debatte zur Impfpflicht erklärt auch, warum die FPÖ nach Abschaffung des Gesetzes im Sommer 2022 als Gewinner aus der Krise hervorging und seither bei Wahlen ebenso wie bei Meinungsumfragen an erster Stelle liegt.
Demokratische Politiker könnten aus ihren Fehlern lernen. Dieses Buch stünde ihnen dabei zur Seite.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Bewertung
5/5
18.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wichtig und Hilfreich
Für mich ein sehr wichtiges und hilfreiches Buch. Es nimmt das Wirken heimischer Medien mittels sprachwissenschaftlicher Analyse unter die Lupe und hilft dadurch, die selbst erlebte Covid-Zeit mit ihren Phasen von Aufregung, Angst und Irritationen (niemand konnte ahnen, wie unglaublich rasch die Impfstoffentwicklung erfolgreich sein würde!) zu ordnen und darüber hinaus Erkenntnisse zu möglichen Ursachen weiterer gesellschaftlicher Entwicklungen und allgemeiner Stimmungszustände zu gewinnen.
Durch vollständige Anführung der jeweiligen Fundstellen wird es der Leserin und dem Leser hier in beispielhafter Weise leicht gemacht, ja geradezu aufgedrängt, die getroffenen Behauptungen Absatz für Absatz zu überprüfen und so zumindest im Nachhinein zu verstehen, wie wichtig gerade in einer Phase ereignisbedingter grosser Verunsicherung eine um neutrale Vermittlung des aktuellen Wissenstandes bemühte Berichterstattung ist und wie sich eine Berichterstattung auswirkt, die abseits der im Covid-Fall seitens der Wissenschaft laufend gewonnenen Erkenntnisse ebendiese Verunsicherung weiter hegt und pflegt.
Für entsprechende Sortierung und Offenlegung durch diese gewiss äusserst mühevolle, akribische Recherche bin ich dem Autorenduo jedenfalls nachhaltig dankbar.
Bewertung
5/5
16.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Äußerst lesenswert und hochaktuell!
Ein beeindruckendes, kluges und ausgesprochen wichtiges Buch! Babyelefant und Hausverstand schafft es, ein komplexes und kontroverses Thema verständlich, pointiert und zugleich wissenschaftlich fundiert aufzubereiten.
Ruth Wodak und Markus Rheindorf verbinden fundierte Analyse mit einer bemerkenswert klaren Sprache. Man merkt beim Lesen, wie viel Recherche und wissenschaftliche Arbeit hinter diesem Buch steckt – und trotzdem liest es sich keineswegs trocken. Im Gegenteil: Es regt immer wieder zum Nachdenken an und lässt einen viele politische und gesellschaftliche Entwicklungen aus einem neuen Blickwinkel betrachten.
Besonders gelungen finde ich den europäischen Vergleich und die Verbindung von Sprache, Kommunikation und politischem Handeln. Das Buch zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung Kommunikation in Krisenzeiten hat – und welche Folgen es haben kann, wenn Vertrauen verspielt oder gesellschaftliche Debatten falsch eingeschätzt werden.
Ein aufklärendes, engagiertes und äußerst anregendes Buch, das weit über die Corona-Krise hinausweist. Wer verstehen möchte, wie Krisenkommunikation funktioniert und welchen Einfluss Sprache und politische Kommunikation auf eine Gesellschaft haben können, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Eine klare Leseempfehlung – spannend, erkenntnisreich und ausgesprochen relevant!
Eternal-Hope
aus Österreich
1/5
24.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unzugänglich und einseitig
Die Autoren möchten in ihrem Werk die Kommunikation, vor allem jene in verschiedenen österreichischen und zum Teil internationalen Medien, sowie durch die Politik, während der Corona-Zeit analysieren. Erhofft hätte ich mir dabei eine ausgewogene Perspektive, die Empathie für verschiedene Teile der Bevölkerung und ihre Betroffenheit durch die damals sehr zugespitzte, polarisierende Rhetorik zeigt. Stattdessen wird aber wieder mal, wie auch damals schon so häufig, deutlich, auf welcher Seite die Autoren stehen und dass auch sie nicht sehen möchten, wie sehr damals impfkritische Menschen diffamiert, massiv unter Druck gesetzt und durch 2G und die tatsächlich in Kraft getretene Impfpflicht in Österreich gesetzlich und gesellschaftlich ausgeschlossen und an den Rand gedrängt wurden.
Ich kann ein Buch nicht ernst nehmen, das einerseits nur so mit elitär-akademischer Sprache und einem Zitat nach dem anderen um sich wirft, sich dabei oberflächlich betrachtet wissenschaftlich geben will, aber damit nur für wenige Bevölkerungsgruppen zugänglich ist und alle anderen von der Lektüre ausschließt (Beispiele dafür sind etwa nativistisch, manichäisch etc., - Fachbegriffe, die ohne Erklärung auch viele sehr gut gebildete Akademikerinnen und Akademiker ohne weiteres Nachrecherchieren nicht unbedingt sofort verstehen) und andererseits so schlampig recherchiert, dass behauptet wird, die Impfpflicht in Österreich sei nie in Kraft getreten (wie jeder leicht nachrecherchieren kann, ist sie das sehr wohl; nur wurde sie ausgesetzt, bevor das rechtliche Konsequenzen haben hätte können; individuelle Konsequenzen auf Beruf und gesellschaftliche Position vieler Menschen hatte sie dennoch) und wiederum das oft medial wiederholte, aber empirisch wenig haltbare Narrativ bedient wird, das Problem sei die mangelnde Umsetzung der Impfpflicht und nicht die vorhergehende Polarisierung und überhaupt die Einführung dieser gegen den Widerstand großer Bevölkerungsteile gewesen.
Dazu kommt auch hier wieder der Versuch der Diskreditierung der erlebten Ausgrenzungserfahrung vieler Menschen in Österreich, indem behauptet wird, Menschen ohne Impfung seien während 2G nicht tatsächlich von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen gewesen, sondern das hätten nur die bösen Boulevardmedien behauptet (auch hier kann man nur von mangelhafter Recherche, gepaart mit wenig Verständnis und Empathie, sprechen).
Es ist also insgesamt ein Buch, das sich von außen her als wissenschaftlich und faktenbasiert darstellen möchte, dem aber eine klare politische Positionierung zugrunde liegt, die aber nicht offen gelegt wird, weil es sich scheinbar neutral geben will. Damit ist es ein weiterer Baustein, um gesellschaftliche Polarisierung zu verstärken und das bekannte Narrativ der bösen Rechten zu bedienen, statt zu versuchen, Menschen mit anderen Positionen zu verstehen und zur Versöhnung und Aufarbeitung beizutragen, was unsere Gesellschaft dringend nötig hätte. So gesehen ist es ein Glück, dass das Buch in weiten Teilen sprachlich so unzugänglich geschrieben ist, dass es vermutlich nicht viele Menschen erreichen wird. Empfehlen kann ich es keinem.
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