Die zweitgrößte Liebe
Roman | Nach »Die schönste Version« das neue Buch der Bestseller-Autorin. Ein moderner Liebesroman über die kleinen und noch größeren Gräben unserer Gesellschaft
»Er brauchte sie, damit es funkelte. Und sie brauchte ihn, um ungestört funkeln zu können.«
Reicht die Liebe im Zweifel? Ein Roman über die Liebe, die Freiheit, die Abhängigkeit:
Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie steigt auf ihre Vespa, lässt alles hinter sich und fängt von vorne an: Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Ein sorgenfreies Leben scheint Michelle erstmals möglich – nur zu welchem Preis?
Ruth-Maria Thomas erzählt von der bösen Zufälligkeit, die darüber entscheidet, in welches Leben man hineingeboren wird – und von der Liebe dazwischen. Ein Buch, in das man tief hineinfällt und aus dem man verändert wieder auftaucht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Katrin
aus Kiel
5/5
17.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geld oder Liebe
Michelle ist ziemlich am Ende, als sie in einer norddeutschen Stadt neu anfängt: Sie musste ihren Schmuckladen in ihrer Lausitzer Heimat schließen, hat Schulden und steht ohne jeden Rückhalt da. Die Arbeit im Nobelhotel, in dem sie anheuert, ist meistens erträglich, trotzdem kommt sie kaum über die Runden. Doch dann trifft sie Henry, und alles wirkt plötzlich fast zu schön, um wahr zu sein. Er scheint ein guter Typ zu sein, ist nett und sieht dazu noch gut aus. Allerdings stammen Michelle und er aus zwei ganz unterschiedlichen Welten, sie aus prekären Verhältnissen in einer ostdeutschen Kleinstadt, er aus einer gut situierten Akademikerfamilie, die zwar bestimmte Erwartungen an ihn hat, aber auch für ein Sicherheitsnetz sorgt, das ganz andere Entscheidungsspielräume zulässt. Während für Michelle Geld schon immer ein wichtiges Thema gewesen ist, weil einfach nie genug zur Verfügung stand, ist Henry oft irritiert von der Bedeutung, die sie allem Materiellen zuspricht. Und schnell wird klar, dass keine*r von den beiden so einfach den gelernten Habitus hinter sich lassen kann. Dabei lieben sie sich wirklich, besonders Henry möchte am liebsten den Rest seines Lebens mit Michelle verbringen. Und er möchte ihr helfen, ihren Traum vom eigenen Schmuckladen wiederzubeleben. Doch ist es wirklich die bedingungslose Unterstützung von Michelle, die ihn antreibt? Oder würde vielleicht eine Michelle, die eigene Schmuckkollektionen entwirft, viel besser in Henrys Leben passen als eine, die an einer Hotelrezeption arbeitet? Ruth-Maria Thomas zeichnet ihre beiden Hauptfiguren vielschichtig und teilweise widersprüchlich, ihre Sprache ist direkt und manchmal vulgär, wenn es um Michelle geht, überbordend und häufig zweifelnd, wenn sie aus Henrys Perspektive schreibt. Die Autorin zeigt gekonnt, dass man die eigene Herkunft nicht einfach hinter sich lassen kann und Klassenunterschiede auch im Privaten zu unüberbrückbaren Hindernissen werden können. Liebe ist eben kein Märchen mit Happyend, sondern etwas, das nicht im luftleeren Raum entsteht und entsprechend kompliziert ist. Mir hat dieser Roman wirklich gut gefallen, ich mochte schon Thomas’ erstes Buch und habe mich gefreut, hier wieder in ihren Kosmos eintauchen zu können.
galaxaura
Thalia Book Circle Community
5/5
17.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Urlaub von sich selbst in Zimmer 407
„Die zweitgrößte Liebe“, der von mir sehr erwartete neue Roman von Ruth-Maria Thomas, erschienen 2026 bei dtv, schafft es qualitativ absolut an seinen Vorgänger „Die schönste Version“ anzuschließen und hat mich sehr gepackt und berührt.
Wir begleiten Michelle und Henry bei einer Lovestory der Unmöglichkeit: Michelle verlässt ihr Leben in den neuen Bundesländern auf allen Ebenen gescheitert und mit großen Schulden im Gepäck, findet einen Job in einem Hotel im Norden Deutschlands, lebt ein Leben am unteren Rand der Existenz und schlägt sich tapfer durch – ohne wirklich eine Chance zu sehen, ihre Schulden abbauen zu können. Eines Abends lernt sie im Hotel Henry kennen – den jungen, attraktiven Mann aus gutem Hause, der sich eh nicht um viele Dinge Sorgen machen muss: und schon gar nicht um Geld. Was als lockere Affaire beginnt, gewinnt schnell tiefere Dimension, die Anziehung ist groß und irgendwie berühren beide einen Punkt beim anderen, der sie beieinander bleiben lässt – doch mit dem Bleiben steigen Abhängigkeit und offene Fragen und so ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis der Märchentraum zerplatzt.
Was auf der Oberfläche wirkt wie eine Romantasy, ist meilenweit davon entfernt. Thomas schreibt dicht, emotional und schmerzhaft, Zeitsprünge lassen einen immer wieder in die Vergangenheit eintauchen, Sorge und Angst bilden einen Untergrund, dem man sich nicht entziehen kann, was dem Lesen einen hohen Puls verleiht. Die Autorin findet schöne Bilder und ungewöhnliche, sehr besondere Formulierungen, sie schafft es, den Klassen-Gap nahezu körperlich erlebbar zu machen. Natürlich schreibt sie auch, wie man es von ihr kennt, sexuell durchaus explizit, nicht unbedingt jedermanns Sache, aber sie bleibt sich damit selbst treu. Und sie zeichnet ihre Figuren ehrlich – was diese nicht immer sympathisch wirken lässt.
Vor allem aber schreibt Thomas hier eine Geschichte über eine Klassengesellschaft, über Armut und was sie wirklich bedeutet, über Klassismus, der nicht abgelegt werden kann, auch wenn die Liebe groß ist, über die noch immer vorhandene Trennung in Deutschland, die aufzuheben es viel mehr Bemühungen bräuchte, eine Geschichte darüber, dass Geld allein nicht glücklich macht, aber so sehr dabei hilft, sich glücklich zu fühlen. Eine Geschichte darüber, es besser haben zu müssen, es herausschaffen zu sollen, über die Frage, ob Geld die Liebe zerstört, über Erwartungen von Eltern und Familie, über Moral und ob man sie sich leisten können muss, über Objektifizierung und Patriarchat, über auf die Füße kommen und dennoch weiter Straucheln, über Sprachlosigkeit und nicht enden wollende Traurigkeit, über Rache auch und: über Freiheit. Und sie schont uns nicht. Sie schont uns wirklich überhaupt nicht. Wem diese Geschichte nicht das Herz rausreißt – der hat vermutlich keins.
Unter der Geschichte einer unwahrscheinlichen Liebe serviert uns Ruth-Maria Thomas eine messerscharfe Sozialstudie im Hier und Jetzt unseres Landes mit einem realistischen Ende – denn wir können nicht auf Dauer Urlaub von uns selbst im Leben einer anderen Person machen, die Tage im Paradies sind abgezählt und unsere Herkunft müssen wir stark reflektieren wollen, um uns von ihr zu distanzieren – ganz ablegen können wir sie nie, weshalb Chancengleichheit auch nach wie vor ein Mythos ist, was dieses Buch zerstörerisch berührend zeigt. Lesen!
Bewertung
5/5
17.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liebe zwischen Macht, Geld und wahren Gefühlen
In „Michelle und Henry“ von Ruth-Maria Thomas geht es um eine große Liebe, die von Anfang an unter einem schwierigen Stern steht: Michelle kämpft mit Schulden und finanziellen Sorgen, während Henry aus einer reichen Familie stammt und sich nie Gedanken über Geld machen musste. Die Frage, ob eine Beziehung funktionieren kann, wenn Geld eine so unterschiedliche Rolle spielt, steht im Mittelpunkt. Die Geschichte zeigt, wie soziale Herkunft, finanzielle Abhängigkeiten und Machtgefälle eine Beziehung belasten können – und ob Liebe allein ausreicht, um diese Hindernisse zu überwinden.
Die Autorin schafft es, die Dynamik zwischen den beiden Protagonist:innen einfühlsam und authentisch darzustellen. Henry stürzt sich leidenschaftlich in die Liebe, während Michelle das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein. Die finanziellen Unterschiede und die damit verbundenen Erziehungs- und Lebenswelten zwingen das Paar, sich mit Abhängigkeit, Selbstständigkeit und Vorurteilen zwischen Gesellschaftsschichten auseinanderzusetzen.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, sodass man direkt in die Geschichte eintaucht. Die Charaktere sind so lebendig gezeichnet, dass man mitfiebert und sich gut in sie hineinversetzen kann. Das Buch wirft wichtige gesellschaftliche Fragen auf und regt zum Nachdenken an – auch noch lange nach dem Lesen. Das Ende ist emotional und lässt einen nicht so schnell los.
Fazit: Eine moderne Version von Aschenputtel, in der die Prinzessin sich nicht retten lassen will. Absolute Leseempfehlung für alle, die eine fesselnde Liebesgeschichte mit Tiefgang suchen!
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
17.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr fesselnd ...
DIE ZWEITGRÖẞTE LIEBE
Ruth-Maria Thomas
ET: 30.07.26
„Ich musste immer gucken, wo ich bleibe, ich bin zu abgelenkt, ich glaub, ich kann nicht >einfach so< lieben um der Liebe willen, ich …“ (S. 235)
Michelle arbeitet im Norden in einem großen Luxushotel. Doch sie hat keinen festen Arbeitsvertrag und ist jederzeit kündbar. An ihre Schulden mag sie gar nicht erst denken. Dabei lief doch alles so gut damals, in der Stadt im Osten der Republik. Dort hatte sie sich einen kleinen Laden aufgebaut, stellte Silberschmuck her und verkaufte ihn. Ihr Schmuck kam gut an und sie dachte, dass sie zum ersten Mal Glück im Leben hätte. Sie nahm einen Kredit auf, renovierte ihren Laden – und dann kam die Pandemie.
Doch auch jetzt, trotz ihres Jobs im Luxushotel, hören die Existenzängste nicht auf. Im Gegenteil: Sie hat Angst, dass alles noch schlimmer werden könnte und sie irgendwann, wie das Pärchen am Hauptbahnhof, auf der Straße landen würde. Und dann lernt sie ihn kennen: Henry. Einen Mann, der ihre Nöte überhaupt nicht kennt. Der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde und zu dem sie eigentlich überhaupt nicht passt.
Ob die Liebe Zukunft hat und ob Michelle sich auf die zweitgrößte Liebe ihres Lebens einlassen kann – und zu welchem Preis –, müsst ihr wie immer selbst herausfinden.
Ein Roman über Herkunft, gesellschaftliche Unterschiede und all die Zwänge, die damit einhergehen und in dessen Mittelpunkt eine Protagonistin steht, die es einem nicht leicht macht. Ruth-Maria Thomas zeichnet Michelle messerscharf und schonungslos. Oft habe ich ihre Entscheidungen hinterfragt, und trotzdem konnte ich mich ihrer Geschichte nicht entziehen. Wegen Thomas’ eindringlichem Schreibstil und ihrer Ehrlichkeit bin ich förmlich durch die Seiten geflogen.
Für mich ein sehr gutes Buch, das ich euch gerne empfehlen möchte.
4,5/5
lines
5/5
16.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
She did it again!
Ruth Maria Thomas did it again und hat mit „Die zweitgrößte Liebe“ ein absolut glaubwürdiges und authentisches Bild zweier Personen gezeichnet, die aus völlig unterschiedlichen Welten kommen: Michelle ist in prekären Verhältnissen aufgewachsen, all ihre Gedanken drehen sich um Geld und wie sie ihre Schulden begleichen und die Miete für den kommenden Monat auftreiben kann. Als sie die Kosten für ihr Juweliergeschäft nicht mehr stemmen kann, beginnt sie, in einem Hotel zu jobben, wo sie auf Henry trifft. Dieser wuchs sicher und behütet auf, seine Zukunft ist abgesichert und Geldsorgen könnten ihm nicht ferner sein. Die Beziehung der beiden ist geprägt von einem ständigen Ungleichgewicht und trotz der Liebe, die sie füreinander empfinden, fehlt ein grundlegendes gegenseitiges Verständnis. Was ich dem Roman sehr zugute halte ist, dass es keinen Feind gibt. Es ist eine Geschichte über zwei Personen, die ihr bestes versuchen. Beide wollen die Beziehung, dennoch gibt es diese Kluft, die sie trennt.
„Sie fragte sich, wie lange das noch anhielt, diese Faszination für sie, ob sie sich bald erschöpfen würde, und wie sehr es ihr wehtun würde und wie sehr es sie erleichtern würde, wenn es so wäre.“ (S. 131)
Obwohl ich nicht in Michelles Haut stecke und ihre Lebensrealität und die damit einhergehenden Sorgen nur bedingt nachvollziehen kann, habe ich mich dennoch in einigen Beobachtungen wiedergefunden. Als sie beispielsweise im Gespräch mit Henry erklärt, dass sie sich nie sicher sein könnte, ihn aus Liebe und nicht aus Vernunftgründen zu heiraten, war das für mich ein kleiner Aha-Moment. Wie geht man mit einer solchen Situation um, wie kann man sich jemals sicher sein? Und was passiert, wenn die Beziehung doch nicht hält? Für mich war Michelle eine wahre Heldin, die sich selbst nie verloren und sich nie auf der vermeintlichen Sicherheit, die die Beziehung zu Henry beduetet hätte, ausgeruht hat.
Mit „Die zweitgrößte Liebe“ hat Ruth-Maria Thomas einen sehr eindringlichen Roman geschrieben, der Klassismus und soziale Ungleichheiten auf sehr nachvollziehbare Weise schildert. Eine Roman, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen kann.
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5/5
13.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach nur wow!!!
Wie viel Gefühl passt eigentlich zwischen zwei Buchdeckel? Wie viel auf und ab hält ein Mensch aus? Und was machen Armut und Reichtum mit einem Herz und einer Seele? ...atemlos habe ich dieses Buch zu Ende gelesen. Wow!!!!
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5/5
02.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Klug gezeichnetes Psychogramm eines Paares
Ruth- Maria Thomas geht in ihrem neuen Roman der Frage nach, ob die Liebe nachhaltig Bestand hat, wenn Mann und Frau aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen und die finanziellen Verhältnisse immens auseinanderklaffen.
Bemerkenswert gut erzählt fand ich es extrem spannend, die Beziehung von Henry und Michelle mitzuerleben.
Auf jeden Fall ein Roman, der nachklingt! Große Leseempfehlung!
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