Dies ist die Geschichte von Luzia - Ururenkelin der Matriarchin Bibiana. Fernab der ursprünglichen Fazendas der Großfamilie, die in den ersten beiden Bänden der Trilogie im Mittelpunkt standen, muss sie ihren Platz in einer Welt behaupten, in der die engsten Kreise bedroht sind. Nachdem ihr Vater die vertraute Welt der Kaffeeplantagen hinter sich gelassen hat, erzählt dieser Roman vom Erwachsenwerden unter dem Diktat der Verluste.
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Dabei werden Schienen und Bahnsteige zu Orten der Reflexion und zum Symbol für Veränderung. Bevor die Schatten der Weltgeschichte Luzias Leben erreichen, darf sie das pulsierende Rio de Janeiro der 1920er-Jahre erleben - ein Ort, an dem tropische Sinnlichkeit auf den Aufbruch der Moderne trifft. Doch ihr Weg führt sie weiter, weg von der Wärme Brasiliens, bis an den Rand der Schwäbischen Alb. In der Abgeschiedenheit Süddeutschlands erlebt sie als Brasilianerin die Kriegs- und Nachkriegsjahre - eine Perspektive, die in der Literatur bisher kaum eine Stimme fand.
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Wie schon in den ersten Bänden verwebt Noa Moreira auch hier die großen Linien der Geschichte mit einem literarischen Slice of Life. Es ist eine wahre Familiengeschichte, fiktiv zu einem packenden Zeitzeugnis verdichtet - eine Erzählung über die Suche nach Heimat, Migration und eine Liebe, die wortlos zum Fundament des Überlebens wird.
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DEINE EXTRAS ZUM BUCH:
Zur Orientierung in der Generationenfolge enthält der Roman einen ausführlichen STAMMBAUM sowie ein HISTORISCHES GLOSSAR zu Brasilien und Deutschland. Auf der Webseite der Autorin erwartet dich zudem ein KULINARISCHES LOGBUCH mit Rezepten der brasilianischen Gerichte sowie eine HÖR-ÜBERSICHT der portugiesischen Namen und Begriffe in ihrer authentischen brasilianischen Aussprache.
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DIE BRASILIEN-SAGA IM ÜBERBLICK: . Band I "Santa Delfina: Aufbruch" . Band II "Santa Delfina: Die Nachkommen" . Band III "Petrópolis: Die Saga geht weiter".
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Der große Traum vom kleinen Glück
Bewertung aus Quickborn am 30.04.2026
Bewertungsnummer: 3124681
Bewertet: eBook (ePUB)
Brasilien, es geht mir nicht mehr aus dem Kopf, mit diesem Buch habe ich erfahren, wie grün, wie warm, wie sonnig, wie lebendig, wie schön das Land ist. All die Geräusche, Vogelrufe, Gerüche nach überreifer Mango oder großer Armut habe ich mit diesem Buch erlebt, als wäre ich dabei gewesen. Noa Moreira lässt ihre Leser aber nicht nur Brasilien erleben, sie nimmt sie auch mit in die Familie von José Martinho und Ricardina Moreira, die sich 1891 auf dem Anwesen ihres Vaters César Augusto Moreira zum ersten Mal begegnen. José Martinho arbeitet für die Eisenbahn, erkundet mögliche Schienenwege und ist bereits in jungen Jahren ein anerkannter Ingenieur. All das erfährt man in den ersten Kapiteln von „Petrópolis“ und ich war von der ersten Seite an gefangen. Der poetische Schreibstil der Autorin hüllte mich ein wie in einen Seidenkokon, ließ mir regelrecht den Atem stocken bei jeder Szene. Bereits zu Beginn stellte ich fest, dieses Buch fesselt mich und wird mich festhalten bis zum Schluss. Es gibt bereits zwei Bände dieser „Brasilien-Saga“, aber der Geschichte in diesen dritten Band kann man ohne jegliche Vorgeschichte mühelos folgen, fast unmerklich helfen kleine Details aus der Vergangenheit der Protagonisten, den Fortgang einzuordnen.
José Martinho und Ricardina Moreira werden heiraten, Kinder bekommen, Freude empfinden und Schicksalsschläge ertragen, das Leben in Brasilien hat nicht nur sonnige und warme Momente für die Familie übrig. Die jüngste Tochter Luzia entwickelt sich zur wichtigsten Protagonistin dieses fesselnden Romans. Doch auch für die Lebensgeschichten ihrer Geschwister Davi, Pedro, Guilherme genannt Lelete und für die einzige Schwester Maria das Dores, genannt Liquinha, bleibt genügend Raum. Die Autorin berichtet mit viel Liebe und Genauigkeit von jedem einzelnen, die Charaktere aller im Roman auftretenden Protagonisten sind gezeichnet von einem Familienzusammenhalt und vollkommener Hingabe, dass es mich auf manchen Seiten zu Tränen rührte.
Schon im Text der Umschlagrückseite kann man erahnen, dass der Roman nicht nur in Brasilien beheimatet sein wird, sondern die Schicksalswege auf die Schwäbische Alp führen werden. Luzia, Liquinha, auch ihr Baby Airam, und ihre deutschen Ehemänner reisen gemeinsam nach Deutschland. Für mich war allein die Vorstellung, die brasilianische Heimat für das kalte Deutschland zu verlassen, grauenvoll und unvorstellbar, aber die vier hatten ihre Träume und Ziele, nahmen den Wechsel auf Zeit in Kauf. Luzia und ihr Gotthilf versuchen das Beste aus den durchaus nicht so glücklichen Umständen zu machen, für sie wie auch für Liquinha und ihren Mann Fritz ist die Rückkehr nach Brasilien trotzdem ein festes Ziel. Dass die Weltgeschichte sich nicht nach den kleinen und großen Hoffnungen der Menschen richtet, müssen sie auf die härteste Weise erkennen.
Beide Schwestern könnten unterschiedlicher nicht sein, Luzia mit ihrem durchsetzungsstarken Optimismus und Liquinha, der das Unglück des Auswanderns jeden Tag tiefer ins Gesicht geschrieben steht. Beide werden Kinder bekommen, aus diesen neun ragt dann Luiza Louise, genannt wird sie Luz, als weitere Hauptperson des Romans weit heraus.
Der Roman folgt der zeitlichen Abfolge der Ereignisse, teilweise werden mit wenigen Sätzen fünf Jahre erzählt, es ist kein taggenaues Tagebuch, das man liest, es ist ein Ereignisbuch und es lässt ausreichend Platz für die eigenen Empfindungen, Erfahrungen und Vergleiche, die der Leser ziehen kann, wenn er sich auf diesen lebensprallen Text einlässt. Zum Beispiel werden die Jahre von 1917 bis 1926 mit Leichtigkeit übersprungen, aber es fehlte mir nichts. Das Leben nahm einfach seinen Lauf. Mir gefiel die Struktur dieses Romans, das Benennen von Ort und Zeit, von besonderen Ereignissen, sehr gut.
Für das Verständnis der Familienbeziehungen enthält das Buch vorn einen zweiteiligen Stammbaum, für das Verständnis insbesondere der brasilianischen Worte, die im Text verwendet werden, gibt es ein Glossar, auch das Schwäbische wird erklärt, der Anhang wird durch eine Zeitleiste noch weiter aufgewertet.
Der Schreibstil von Noa Moreira ist bewundernswert, ihre oft kurzen Sätze scheinen sich im Rhythmus der Eisenbahnen zu bewegen, die in diesem Roman eine große Rolle spielen. Würden ihre Sätze wie Gedichte in ein Versmaß gebracht, käme man nicht auf den Gedanken, es wäre ein Roman, so z. B. auf Seite 24:
„Manchmal
stieg in ihm noch
der süße, schwere Duft
der Mangoblüten von der Fazenda
seiner Kindheit auf.
Ein Geruch,
der nach Sommer und Überfluss
schmeckte.“
Auch das Cover hat, wie die Worte, eine geheimnisvolle Anziehungskraft, das Gesicht der jungen Frau, das zwischen Angst und leichter Vorfreude scheint, zeigt wahrscheinlich Luzia – jetzt, nach dem Lesen, zeigt es mir die Trauer um ein Leben, das sich jede Minute Glück hart erarbeiten musste, und den Stolz dieser Frau, nie aufgegeben zu haben.
Fazit: Ich lege jedem, der Interesse an Geschichte, Familiengeschichten und an poetischer deutscher Sprache hat, dieses Buch ans Herz. Die Gegensätze zwischen dem bunten, lauten und warmen Brasilien und der herben, dunklen und kalten Schwäbischen Alp sind so authentisch geschildert, dass man sich im Buch wie auf einer großen, weiten Reise fühlt. Menschen mit Herzenswärme jedoch findet man überall.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
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