Rezension
»Das Berlin der fiebrigen zwanziger Jahre: Tingeltangel, Inflationsrausch und Boheme. Dorthin wird ein naiver junger Türke aus der Provinz von seinem Vater geschickt, damit er Weltkenntnis erwerbe, bevor er zu Hause die Familienfirma übernehmen soll. Doch der schüchterne Tor gerät in den Bann eines Gemäldes, dem er in einer Galerie begegnet, und bald noch tiefer in den Bann der jungen Malerin ... Eine so souveräne, so kühl emanzipierte Frauenfigur hat es in der türkischen Literatur wohl nicht gegeben, bevor 1943 Sabahattin Alis Buch Die Madonna im Pelzmantel erschien. Deshalb wirkt der Roman bis heute nach und vermittelt, erstmals auf Deutsch übersetzt, einen reizvoll verfremdeten Eindruck vom Berlin jener Jahre.« Urs Jenny / Der Spiegel
»Raif ist ein Träumer und Zauderer, der sich wenig zutraut und der einer ungleich willensstärkeren Frauengestalt verfällt. Freilich bietet sich die Frau ihrem Verehrer nur an, um ihn praktisch mit der gleichen Geste - was bei Raif umso besser funktioniert, als ihn vermeintliche Avancen der stolzen und eigenwilligen Unnahbaren schon von selbst aus dem Konzept werfen. Das beglückend-quälerische gegenseitige Umkreisen durchbricht dann - einmal mehr - die Frau und führt damit die Katharsis der Beziehung herbei. Alis zutiefst verletzliche Liebende haben einiges nach wie vor Bedenkenswerte zu sagen - und sei es nur ein Juwel wie der Satz: 'Ich war einfach zu glückselig, um lachen zu können; ich nahm mein Glück ernst.'« Angela Schader / Neue Zürcher Zeitung
»Alis Zeitgenossen werden in Die Madonna im Pelzmantel eigene und nationale Erschütterungen durch Atatürks gewaltiges Modernisierungsprogramm erkannt haben, gespiegelt in einem Berlin, das nach dem Ersten Weltkrieg jeden Halt verloren hat. So schenkt das Buch heutigen Lesern eine dreifache Perspektive: auf die damalige Türkei, das damalige Berlin und eine zeitlose und ergreifende Liebesgeschichte.« Jörg Plath / Deutschlandradio Kultur