Wohin gehst du, wenn die Welt keinen Platz für dich hat?
Banjo und Finlay können sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal umarmt worden sind oder gespürt haben, dass sie jemandem etwas bedeuten. Vor drei Jahren teilten sie sich ein Zimmer im Jugendwohnheim und gaben einander Halt – bis ein schlimmer Streit ihre Freundschaft zerstörte. Jetzt studiert Finlay Krankenpflege und verliebt sich in den Medizinstudenten Akash. Banjo jobbt in einem Café und lernt die warmherzige Alena kennen. Doch beide tragen zu tiefe Wunden mit sich, als dass sie sich einfach so in ihr Glück fallen lassen könnten. Während Finlay Hausarbeiten, Nebenjob und Geldsorgen jongliert, hat Banjo Schwierigkeiten, sich an seiner neuen Schule und in seiner neuen Pflegefamilie einzugewöhnen. Können die beiden den Mut finden, den Schmerz ihrer Vergangenheit endlich loszulassen?
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Ilona
aus Tübingen
5/5
08.09.2026
Buch (Taschenbuch)
so roh, so wertvoll!
Ich habe selten ein Buch gelesen, was gleichzeitig so roh und selbstreflektiert war. Die Autorin hat hier ein emotionales Meisterwerk geschaffen.
Die beiden Hauptpersonen Banjo und Finlay haben sich vor drei Jahren ein Zimmer in einer Wohngruppe der Jugendhilfe geteilt. Jetzt lebt Banjo in einer neuen Pflegefamilie während er sein letztes Schuljahr absolviert und Finlay fängt als junger Careleaver ein Studium an. Beide in Glasgow, gar nicht so weit voneinander entfernt und doch ohne voneinander zu wissen.
Die beiden Erzählstränge stehen nebeneinander, verbunden durch die eingeschobenen Rückblicke in die Vergangenheit und das Nachwirken ihrer gemeinsamen Zeit in die Gegenwart hinein. Die Autorin schafft es diese beiden Zeitebenen und Erzählstränge gut auszubalancieren und sowohl jedem sein Spezifisches zu lassen, als auch das Verbindende deutlich zu machen.
Wir erleben beim Lesen die beiden Charaktere von Anfang an aus ihrer Innenperspektive und dürfen ihnen sehr nah sein. Die Erzählstimme ist dabei sehr ehrlich und tritt für die Selbstverständlichkeit von Banjos und Finlays Lebenswelten so ein, dass diese Haltung wie ein Fluss die Erzählung trägt. Mir ist das erst zum Ende hin wirklich aufgefallen, so angenehm und subtil läuft das ab. Ich finde es vor allem deswegen bemerkenswert, weil gerade die rohe Emotionalität des Buches auf dieser sehr selbstreflektierten Grundlage ihre volle Wucht entfaltet. So wird wirklich Raum für Angst, Wut, Scham. Ich weine selten beim Lesen – „Glasgow boys“ musste ich mehrfach aus der Hand legen, weil ich vor Tränen nichts mehr sehen konnte. Stilistisch tragen die langen Dialoge und die beschreibenden Verhaltensbeobachtungen zu der Direktheit der Gefühle bei.
Die Entwicklungen der Hauptpersonen werden so natürlich entwickelt, dass es mir im Leseverlauf gar nicht recht aufgefallen ist, Es passt einfach zu den Charakteren und natürlich würden sie sich so verhalten. Durch den Erzählstil werden mögliche Vorurteile und stigmatisierende Annahmen von Anfang an umschifft. Und dann ist das Ende da und ich denke an den Anfang und es ist so ein Unterschied, so eine krasse Charakter- und Lebensentwicklung zu sehen, die mich das ganze Buch nochmal Revue passieren lässt. Aber es stimmt eben, nichts ist aufgesetzt, es ist so nachvollziehbar und trotzdem zu schön – so gut, dass es wehtut.
Ich bin sehr berührt und mitgenommen von diesem Buch und mag es gerne empfehlen. Bei weitem nicht nur im Jugendbuchsegment. Inhaltlich und Stilistisch hat die Autorin hier Großes geleistet.
Bewertung
5/5
07.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Glasgow Boys – Margaret McDonald ⭐⭐⭐⭐⭐
Glasgow Boys ist für mich eines dieser Bücher, bei denen man schon nach wenigen Kapiteln merkt, dass hinter der Geschichte viel mehr steckt, als der Klappentext zunächst vermuten lässt. Margaret McDonald erzählt von Banjo und Finlay, zwei jungen Männern, die bereits viel zu früh erfahren mussten, wie es sich anfühlt, keinen wirklich sicheren Platz im Leben zu haben. Beide haben einen Teil ihrer Jugend im Fürsorgesystem verbracht und waren einmal so eng miteinander verbunden, dass sie sich gegenseitig den Halt gegeben haben, den ihnen sonst kaum jemand geben konnte. Ein Streit hat diese Verbindung jedoch zerstört. Drei Jahre später versuchen beide unabhängig voneinander, irgendwie ihren Weg ins Erwachsenenleben zu finden.
Besonders gelungen fand ich, dass die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Banjo und Finlay erzählt wird. Die beiden könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Finlay wirkt eher ruhig, unsicher und zurückgezogen. Er studiert Krankenpflege, kämpft mit Geldsorgen und versucht gleichzeitig, mit seinen Gefühlen für Akash zurechtzukommen. Banjo dagegen trägt seine Verletzungen viel stärker nach außen. Seine Wut, seine impulsiven Reaktionen und seine Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen, machen ihn zunächst zu einem deutlich kantigeren Charakter. Gleichzeitig merkt man immer stärker, wie viel Verletzlichkeit sich hinter dieser Fassade verbirgt.
Gerade diese Charakterzeichnung hat mich besonders berührt. Das Buch versucht nicht, schwieriges Verhalten einfach zu entschuldigen. Stattdessen zeigt es, woher bestimmte Schutzmechanismen kommen können. Je mehr man über die Vergangenheit der beiden erfährt, desto verständlicher werden viele ihrer Reaktionen. Die Rückblicke in ihre gemeinsame Zeit im Jugendwohnheim sind dabei sehr wirkungsvoll eingesetzt. Nach und nach setzt sich ein Bild davon zusammen, was Banjo und Finlay miteinander verbunden hat und warum der Verlust dieser Freundschaft für beide so schwer wiegt.
Dabei geht es längst nicht nur um die Freundschaft der beiden. Glasgow Boys beschäftigt sich mit Einsamkeit, Vernachlässigung, Trauma, psychischer Belastung, finanziellen Sorgen, Sexualität, erster Liebe und vor allem mit der Frage, was Familie eigentlich bedeutet. Besonders schön fand ich den Gedanken der „Found Family“: Familie muss nicht zwangsläufig durch Blutsverwandtschaft entstehen. Manchmal sind es Menschen, die sich bewusst dafür entscheiden, zu bleiben, die einem zum ersten Mal das Gefühl geben, irgendwo dazuzugehören. Auch andere Besprechungen des Romans heben diese Verbindung von Freundschaft, Liebe, Trauma und Zugehörigkeit als einen seiner zentralen Aspekte hervor.
Trotz der teilweise wirklich schweren Themen empfand ich die Geschichte nicht als durchgehend bedrückend. Zwischen all dem Schmerz gibt es Wärme, Hoffnung und kleine Momente, die umso bedeutender wirken, weil für Banjo und Finlay Dinge wie Vertrauen, Nähe und Geborgenheit keineswegs selbstverständlich sind. Gerade diese kleinen Gesten haben mich teilweise mehr berührt als die großen dramatischen Szenen.
Auch sprachlich hat mir das Buch sehr gefallen. Es liest sich flüssig und gleichzeitig emotional, ohne dass die Gefühle künstlich erzwungen wirken. Besonders interessant ist Banjos Sprache: Im englischen Original verwendet die Autorin bewusst eine Mischung aus Scots und Englisch und lässt ihn je nach Situation seine Sprache verändern. Dadurch wird Sprache sogar zu einem Teil seiner Persönlichkeit und seines Schutzmechanismus.
Was mir außerdem gefallen hat: Die Liebesgeschichten bekommen ihren Raum, übernehmen aber nicht die gesamte Handlung. Im Mittelpunkt stehen für mich vielmehr zwei junge Menschen, die lernen müssen, dass ihre Vergangenheit zwar ein Teil von ihnen ist, aber nicht zwangsläufig bestimmen muss, wie ihre Zukunft aussieht. Das macht die Geschichte wesentlich tiefgründiger als eine klassische Coming-of-Age-Romanze.
Glasgow Boys hat mich wirklich berührt. Banjo und Finlay sind keine perfekten Figuren – und genau deshalb wirken sie so menschlich. Sie treffen falsche Entscheidungen, stoßen Menschen von sich, obwohl sie eigentlich Nähe brauchen, und müssen erst lernen, Hilfe und Zuneigung überhaupt anzunehmen. Ich habe mit beiden mitgefühlt, mich über ihre kleinen Fortschritte gefreut und mir während des Lesens immer wieder gewünscht, dass sie endlich einen Ort und Menschen finden, bei denen sie sich sicher fühlen können.
Für mich ist Glasgow Boys eine intensive, authentische und gleichzeitig hoffnungsvolle Geschichte über zwei verletzte junge Menschen, über Freundschaft und erste Liebe, aber vor allem über Zugehörigkeit, Vergebung und die Erkenntnis, dass jeder Mensch es verdient, geliebt zu werden. Ein Buch, das schwierige Themen nicht beschönigt und trotzdem zeigt, dass die eigene Geschichte nicht mit dem enden muss, was einem in der Vergangenheit widerfahren ist.
Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung. ⭐⭐⭐⭐⭐
mel_en
5/5
07.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Absolute Leseempfehlung!
Diese Geschichte hat in mir ganz komische und unterschiedliche Gefühle ausgelöst. Man erlebt Trauer, Humor, Hoffnung und bekommt gleichzeitig ganz viel Einblick in die Geschichte zweier Jungs, die in ihrem Leben wirklich nicht besonders viel Glück hatten.
Es geht um Finlay und Banjo, zwei Teenager bzw. junge Erwachsene, die ihren Platz im Leben erst noch finden müssen und auf dem Weg sind, endlich Liebe, Vertrauen und vielleicht auch ein Stück Glück zu erfahren. Dabei spielen ihre Vergangenheit, Freundschaft und vor allem die große Angst vor Nähe eine wichtige Rolle.
Die Geschichte hat mich teilweise wirklich berührt und nachdenklich gemacht. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Gerade diese Mischung aus schweren Themen und leichteren Augenblicken hat mir unglaublich gut gefallen. Die Charaktere haben sich für mich sehr echt und menschlich angefühlt – mit all ihren Fehlern, Ängsten und Unsicherheiten.
Ich möchte gar nicht zu tief in die Handlung einsteigen, weil man dieses Buch meiner Meinung nach einfach selbst erleben und das ganze Setting auf sich wirken lassen sollte.
Ein wirklich, wirklich toller Coming-of-Age-Roman, der bei mir definitiv etwas hinterlassen hat. ❤️
Ganz wichtig: Informiert euch vorher über mögliche Trigger. Diese sind praktischerweise direkt am Anfang des Buches aufgeführt.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
04.09.2026
Buch (Taschenbuch)
berührend, intensiv und authentisch
Die Geschichte um Banjo und Finlay hat mich tief bewegt. Beide hatten es nicht leicht und wurden durch ihre Kindheit und Jugend stark geprägt. Gerade Banjo ist kein Protagonist, den man sofort ins Herz schließt. Er ist aufbrausend, ruppig und eigenbrödlerisch. Umso spannender fand ich seine Entwicklung und die Umstände, die ihn zu dieser eigenwilligen Person gemacht haben.
Im Gegenzug ist Finlay sehr still und eher schüchtern. Ihn mochte ich auf Anhieb.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der beiden erzählt, was mir sehr gut gefällt. So bekommt man einen schönen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Super gelungen fand ich auch, dass man erst langsam, nach und nach in Rückblenden mehr über ihre gemeinsame Vergangenheit erfährt und herausfindet, was damals zum Bruch zwischen ihnen geführt hat.
Glasgow Boys ist keine leichte Lektüre, besticht aber durch viel Realismus und starke Charaktere. Ich fand die Entwicklung der beiden sehr gut nachvollziehbar. Das Ende ist wunderschön, ohne dabei kitschig oder übertrieben zu wirken.
Sarah
5/5
01.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Emotional
In dem Buch geht es um Banjo und Finlay, die sich eine Weile ein Zimmer im Jugendheim geteilt haben und Freunde wurden, bis es zum Bruch kam. Die Geschichte spielt drei Jahre später und erzählt abwechselnd vom Leben der beiden. Meist spielt die Geschichte in der Gegenwart aber nach und nach erfährt man wie die beiden Freunde wurden und wie es zum Bruch kam.
Schon lange habe ich in einem Buch nicht mehr so mit den Protagonisten mitgefiebert. Alle Gedankengänge und Handlungen waren dabei für mich so plausibel, dass mir doch das ein oder andere Mal die Tränen kamen. Um dann kurz später wieder laut aufzulachen. Dieses Buch ist wirklich ein Wechselbad der Gefühle und das war gut so. Da es so viele schwere Themen beinhaltet war es gut, dass es zwischendurch auch was zu lachen gab.
Leider hatte ich das Gefühl, dass das was das Buch ausmacht auf den letzten 50 Seiten fehlte. Ich fühlte das Buch nicht mehr. Die Geschichte war bis zum Ende gut. Aber für mich fehlte dann doch etwas und das Buch hing auch nicht so lange nach wie ich es bei der Geschichte erwartet hätte. Darum würde ich dem Buch 4,5 Sterne geben und runde natürlich auf. Es ist also definitiv eine Empfehlung wert, man sollte aber Taschentücher bereit halten.
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