Mara hat nicht damit gerechnet, dass sie mit Mitte zwanzig so viel Geld erben würde, dass sie eine Wohnung in London kaufen kann. Noch weniger hat sie damit gerechnet, dass ihr Freund Tom nicht mit einziehen wird. Der möchte zurück in seine Heimat zu Freunden und Familie. Mara versucht, seinen Wunsch zu respektieren, doch sie kann sich nicht vorstellen, mitzugehen. Sie entschließen sich dazu, eine Fernbeziehung auszuprobieren, denn wie schwer kann das schon sein?
Und so startet Mara allein in diesen neuen Abschnitt, der sich irgendwie richtig und sehr erwachsen anfühlt - und gewöhnt sich vielleicht ein bisschen zu sehr an das Leben ohne Tom ...
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Entscheidungen, die am meisten wehtun - darin liegt die Wahrheit
fogandbooks (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 30.04.2026
Bewertungsnummer: 3124544
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Mit Homesick erzählt Silvia Saunders eine Geschichte, die sich auf den ersten Blick leicht und fast schon unbeschwert liest, dabei aber eine emotionale Tiefe entwickelt, die sich erst nach und nach entfaltet. Besonders der Schreibstil trägt viel dazu bei, dass man schnell in die Handlung eintaucht. Er ist zugänglich, flüssig und gleichzeitig sensibel genug, um auch die leiseren Zwischentöne spürbar zu machen. Genau dadurch entsteht eine Nähe zu Mara, die den gesamten Roman trägt.
Mara als Protagonistin wirkt von Beginn an authentisch und greifbar. Ihre Gedanken sind nachvollziehbar, ihre Unsicherheiten realistisch und ihre Reaktionen wirken nie überzogen. Gerade im Umgang mit ihrem Umfeld zeigen sich immer wieder kleine Momente, die deutlich machen, wie sehr sie darum kämpft, ernst genommen zu werden und ihren eigenen Platz zu finden. Diese alltäglichen Erfahrungen werden nicht überdramatisiert, sondern ruhig erzählt, was sie umso glaubwürdiger macht. Im Zentrum der Geschichte steht jedoch die Beziehung zu Tom, die von Anfang an von einer gewissen Schwere begleitet wird. Seine Depressionen sind dabei kein bloßes Randthema, sondern beeinflussen die Dynamik zwischen den beiden spürbar. Hinzu kommt die schwierige Beziehung zu seiner Mutter, die immer wieder Grenzen überschreitet und damit eine zusätzliche Belastung darstellt. Lange bleibt die Hoffnung bestehen, dass beide einen Weg finden könnten, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Liebe allein nicht immer ausreicht, um zwei Menschen zusammenzuhalten.
Besonders im letzten Teil des Buches wird Maras Entwicklung sehr deutlich. Sie beginnt, sich selbst stärker wahrzunehmen, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und Grenzen zu setzen, die sie zuvor vielleicht übergangen hätte. Diese Entwicklung wirkt weder überstürzt noch konstruiert, sondern ergibt sich logisch aus allem, was zuvor passiert ist. Gerade die Erkenntnis, dass eine Beziehung auch ohne Streit oder Verrat enden kann, sondern schlicht daran, dass zwei Lebensrealitäten nicht mehr zusammenpassen, verleiht der Geschichte eine besondere Ehrlichkeit. Auch die Nebenhandlungen fügen sich stimmig ein und unterstützen Maras Weg. Veränderungen im beruflichen Umfeld wirken wie ein zusätzlicher Impuls, sich neu zu orientieren und sich wieder stärker an dem auszurichten, was ihr wirklich wichtig ist. Dadurch entsteht das Bild einer jungen Frau, die sich Schritt für Schritt von äußeren Erwartungen löst und beginnt, ihr eigenes Leben bewusst zu gestalten.
Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, dass Homesick mehr ist als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Roman über das Erwachsenwerden, über Selbstfindung und über die schwierige, aber notwendige Entscheidung, etwas loszulassen, obwohl noch Gefühle da sind. Genau diese leisen, realistischen Töne machen das Buch so besonders und sorgen dafür, dass es noch lange nachwirkt.
Über die Depression eines jungen Mannes und was sie mit einer Beziehung macht
Eternal-Hope aus Österreich am 29.04.2026
Bewertungsnummer: 3123452
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Mara ist Mitte 20 und seit mehreren Jahren in einer Beziehung mit Tom. Sie verdient ein bescheidenes Einkommen in einer Bibliothek, während er viel Stress als Referendar hat. Altersmäßig befinden sich die beiden in einer Zeit, in der langsam der Druck größer wird, die Unverbindlichkeit zu beenden und herauszufinden, ob es genug Tragfähiges für eine längerfristige gemeinsame Zukunft gibt.
Da bekommt Mara durch ein frühzeitiges Erbe die Möglichkeit, eine Wohnung in London zu kaufen. Schon von Anfang an zeigt sich Tom, der nie ein großer Fan dieser Stadt war und seine Heimatstadt Birmingham, mehrere Zugstunden entfernt, vermisst, nicht sehr begeistert davon. Schließlich macht zieht er aber dann doch halbherzig mit, bis zu seinem psychischen Zusammenbruch, seiner darauffolgenden Krankschreibung und der Rückkehr zu seiner Herkunftsfamilie nach Birmingham. Es stellt sich heraus, dass er an schweren Depressionen leidet. Die Liebe zwischen Mara und Tom ist aber groß und sie versuchen, nach der allerschlimmsten Phase mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen an einer Fernbeziehung festzuhalten... doch kann das irgendeine Zukunft haben?
Das Buch ist leichtgängig und humorvoll geschrieben, doch thematisch sehr tiefgründig. Es besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die sich leicht und schnell lesen, damit ist es deutlich schneller gelesen als die meisten anderen Bücher dieses Umfangs.
Was aus dem Klappentext nicht hervorgeht, ist, wie stark das Thema männliche Depression ein Schwerpunkt des Buches ist. Überhaupt finde ich den Klappentext nicht sehr gut getroffen und er weckt eher einen falschen Eindruck von diesem Buch: es geht auch nicht darum, ob Mara sich zu sehr an ein Leben ohne Tom gewöhnt. Auch der Sticker "Comedy Women in Print Award" führt bei der Einschätzung des Buches eher in die Irre, es ist zwar durchaus zynisch-sarkastisch geschrieben, aber das Hintergrundthema ist doch zu düster und ernst für wirkliche Comedy.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie man gemeinsam mit Toms schwerer Depression und allem, was daraus resultiert, zurechtkommen kann, ob die Beziehung damit noch eine Zukunft haben kann und wie diese aussehen könnte. Denn eine dauerhafte Fernbeziehung, noch dazu unter der Belastung einer psychischen Erkrankung eines Partners, ist keine tragfähige Basis für eine, die sich Verbindlichkeit, Heiraten und Kinder wünscht.
Ich empfehle also, den Klappentext zu ignorieren und bei der Entscheidung für dieses Buch zu überlegen, ob man gerade die psychischen Kapazitäten hat, sich mit dem sehr ernsten Thema Depression in einer Beziehung auseinanderzusetzen. Wenn man das hat, dann ist es durchaus ein lohnenswertes Buch für alle, die gerade selbst in ihren 20ern sind, aber auch durchaus noch für ältere Leserinnen und Leser, die auf diese Lebensphase zurückblicken. Denn es thematisiert tiefgründig reale Entscheidungen und Herausforderungen, vor denen die meisten Menschen in diesem Alter stehen, wenn sich immer mehr die Frage stellt, welche Beziehung langfristig die eigenen Zukunftswünsche tragen kann.
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