Von der gefeierten Autorin von 'Das Lieben danach': Wie gut kennen wir unsere eigenen Eltern - ihre Leidenschaften und Abgründe?
Tief berührend, weitreichend: Helene Bracht, die erst mit fast siebzig Jahren zum Schreiben fand, erzählt von uns allen, indem sie von ihrer Mutter erzählt. Voller Wucht und Schönheit beschreibt sie den Sommer des Abschieds von ihrer alten Mutter Irma. Und damit eine zutiefst vom 20. Jahrhundert versehrte Biografie, deren Bedingungen der Tochter erst jetzt klar werden. Trotz Kriegs- und Gewalterfahrungen, trotz bürgerlicher Enge hielt Irma immer am Lachen und an der Sehnsucht fest. Vor der letzten gemeinsamen Zeit sah die Tochter sie sogar noch einmal tanzen, voller Leichtigkeit und Andacht. Was bleibt davon? Was von der Fülle eines ganzen gelebten Lebens? Es bleiben Erinnerungen wie dieses ungeheuer wahrhaftige Buch voller Trost.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Shilo
aus Ulm
4/5
21.08.2026
eBook (ePUB)
Ein Leben voller Spuren
Dieses Buch hat mich auf eine ruhige Art beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Irma, eine alte Frau, deren Leben von den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Krieg, Gewalt und die engen Vorstellungen ihrer Zeit haben Spuren hinterlassen. Trotzdem hat Irma sich ihre Freude am Leben und ihre Sehnsucht bewahrt.
Die Verbindung zwischen Irma und ihrer Tochter fand ich besonders interessant. Erst mit der Zeit wird deutlich, was die Mutter alles mit sich getragen hat. Für die Tochter ist es nicht immer einfach, auf das Leben ihrer Mutter zu schauen. Vieles lässt sich erst später einordnen. Dabei wird Irma immer mehr als Frau mit ihren eigenen Wünschen und Erfahrungen sichtbar und nicht nur als Mutter.
Eine Szene ist mir besonders nahegegangen. Irma tanzt noch einmal und wirkt dabei für einen kurzen Moment ganz leicht. Dieser Augenblick sagt für mich mehr über diese Frau aus als viele Erklärungen. Trotz ihrer schweren Erfahrungen ist da noch diese Freude, die sie sich bewahrt hat.
Die Geschichte ist nicht leicht, aber sie wird ohne große Worte erzählt. Einige Gedanken habe ich nach dem Lesen noch mitgenommen. Vor allem die Frage, wie wenig man manchmal über das Leben der eigenen Eltern weiß und wie spät manches erst verständlich wird.
Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen erreicht, deshalb sind es für mich vier Sterne. Trotzdem ist es ein Buch, das einen Menschen und sein Leben sehr persönlich betrachtet. Irma mit ihrer Lebensgeschichte wird mir sicher noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. 4 Sterne
Bewertung
4/5
14.08.2026
eBook (ePUB)
Über eine Frau, die es von Anfang an im Leben schwer hatte..
Helene Bracht erzählt in diesem Buch biografisch über ihre Mutter Irma. Warum war sie wie sie war und wie hat sie es geschafft, trotz aller Schicksalsschläge und Hürden im Leben nicht die Kraft zu verlieren.
Der Schreibstil war schön und verständlich, aber nicht merkbar hervorzuheben. Es kam mir etwas wie ein Versteckspiel vor: meine Mutter war soundso und dann folgen z.B. etliche Briefwechsel zwischen ihr und ihrem Mann, in dem die häusliche Drangsalierung offenbart wird. Auch wenn es furchtbar ist, gefiel es mir gleichzeitig, dass die Autorin die Gräueltaten überhaupt und direkt angesprochen hat und nicht um den heißen Brei.
Bewertung
5/5
06.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Sicht auf die eigene Mutter
„Das Leben danach“ hat mich schon nachhaltig beeindruckt. Helene Bracht hat dort einen Missbrauch, der ihr in früherer Kindheit widerfahren ist, in Relationen zu ihrem späteren Umgang mit Liebe und Sexualität gesetzt. Das war sehr tiefgründig, teilweise sogar wissenschaftlich und vor allen Dingen so gut geschrieben, dass diese Reflexion mir wohl nicht aus dem Gedächtnis gehen wird. Mit „Irma tanzt“ hat sie nachgelegt und beschreibt darin die Biografie ihrer Mutter, die später nicht unmaßgeblich an der mangelnden Aufarbeitung des Missbrauchs schuld war.
Irma wächst als ungewolltes Kind in einem Waisenhaus auf. Dort ist die Repressalien und Liebesentzug ausgesetzt. Im späteren Leben hebt sie das auf vielfältige Weise selber glücklich zu werden. Sie heiratet erst sehr spät, einen verwitweten, älteren Mann und beide bekommen in höherem Alter ein Kind, eben unsere Autorin!
Diese entfernt sich schnell von ihrem Elternhaus, kann sich überhaupt nicht mit dem Verhalten ihrer Mutter identifizieren und scheint sie auch nicht wirklich zu kennen, wie sie nun merkt. Die Mutter ist mittlerweile an Demenz erkrankt und Helene ist mit der Überführung in ein Pflegeheim beschäftigt. Dabei kommt sie ihrer Mutter näher, als sie dachte. Beim auflösen des Haushalts kommen Aufzeichnungen zu Tage, die das Leben von Irma in ein anderes Licht rücken. Vieles kann Helene nun besser interpretieren, auch wenn ihr der späteZugang zur Mutter durch die Demenz verwehrt wird.
Die gewohnt schreibt Helene Bracht vielschichtig und mit hoher Professionalität. Sie vermischt die Außen- mit der Innenansicht und versuch, die Lücken mit Inhalt zu füllen. Vor uns breitet sich eine Geschichte über eine Frau aus, die sich selbst den Bedürfnissen anderer untergeordnet hat und zu tiefst gedemütigt und diskriminiert wurde. Was ihr Mann jetzt zugemutet hat, hat mich sehr schockiert. Umso schöner war es mit anzusehen, wie sie in späteren Jahren aufblüht und für sich einen Weg gesucht hat, doch noch glücklich zu werden
Mich hat das sehr berührt. Ich hab mit Irma mitgelitten und hatte das Gefühl, sie sehr gut zu kennen. Bracht hat es geschafft, das Leben ihrer Mutter mit Wert zu füllen, denn diese natürlich schon lange nicht mehr erleben kann. Sie hätte es wahrscheinlich eh abgetan. Sätze wie „So war das eben damals“ und „ das muss man nicht überbewerten“ gehörten zu ihrem relativiere enden Standardprogramm. Ich fand den Kontrast zu ihrem späteren Leben dahingehend erstaunlich.
Und dann gab es eine Abschlussszene, die mich zum weinen gebracht hat
Irma steht sicherlich stellvertretend für viele Frauen, die in den 50er und 60er Jahren ihre Kinder großgezogen haben und selber rechtemäßig mit ihnen auf einer Ebene standen. Das Patriarchat hat sie klein gehalten und von sich abhängig gemacht
Eine wunderschöne Biografie, die einer jeden Mutter würdig ist und sicherlich hilft auch das Bild von sich selbst besser wahrzunehmen. Ich spreche eine große Empfehlung aus für alle, die ihre Mutter vielleicht auch etwas näher kennenlernen möchten und einen hochwertigen Schreibstil zu schätzen wissen
Hornita
aus Augsburg
5/5
21.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beeindruckend
Über 40 Jahre nach dem Tod der Mutter erzählt Helene Bracht vom Sommer am Krankenbett der Mutter und vom Aufenthalt in deren Wohnung. Dabei wird die Beziehung zwischen Mutter und Tochter sehr reflektiert geschildert und wirkt dabei ebenso zeitlos wie die weiteren Themen. Die Autorin spürt dem harten Leben der Mutter nach und beschreibt deren Charakter und Verhalten sachlich und mit Distanz, aber mit fundiertem Fachwissen und beeindruckender Analysefähigkeit. Auch die Erforschung der Ehe ihrer Eltern anhand von Briefen aus den 1950er Jahren ist faszinierend. Die Personen werden sehr treffend und nachvollziehbar geschildert, sie sind Produkte ihrer Zeit und doch kommt man ihnen viele Jahre nach ihrem Leben und Tod so nah. Mir hat die Lektüre sehr gut gefallen, auch der angenehme Schreibstil der Autorin und ihre klugen Kommentare machen das Lesen zu einem Vergnügen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Thema so mitreißen kann.
begine
aus Lemwerder
5/5
18.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutter
Helene Bracht schreibt in dem Roman „
Irma tanzt“ über ihre Mutter.
Nach dem Schlaganfall Irmas findet sie Brefe, die zwischen ihren Eltern geschrieben wurden.
Über die Ansichten des Vaters, bin ich entsetzt. Zwischen uns hätte es richtig gekracht.
Irma hat in ihrem Leben wenig Glück, deshalb hat sie Angst vor Verlusten.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und kann ihn nur weiter empfehlen
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