Produktbild: Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut
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Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Sehr gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

01.06.2024

Herausgeber

Robert Stadlober

Verlag

Verbrecher

Seitenzahl

140

Maße (L/B/H)

17,1/12,1/2 cm

Gewicht

212 g

Farbe

Schwarz

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710004602244

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Sehr gut

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Erscheinungsdatum

01.06.2024

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Robert Stadlober

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Verbrecher

Seitenzahl

140

Maße (L/B/H)

17,1/12,1/2 cm

Gewicht

212 g

Farbe

Schwarz

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710004602244

Herstelleradresse

Verbrecher Verlag
Gneisenaustraße 2a
10961 Berlin
DE

Email: verbrecher.buha@kolibri360.de

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  • Literatursprechstunde

    aus Göttingen

    5/5

    24.01.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein zeitloser Klassiker: Kurt Tucholsky!

    Meine erste literarische Begegnung mit Kurt Tucholsky hatte ich, man kann sagen endlich (!!) in diesem Büchlein, das Texte Tucholskys unter verschiedenen Pseudonymen enthält. Er war ein scharfsichtiger und kritischer Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Weimarer Republik. Unter zahlreichen Pseudonymen veröffentlichte er seine Texte, wie Kaspar Hauser, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel oder Peter Panter. Er wurde 1890 in eine jüdische Familie geboren und man kann schon fast sagen er genoss seine Kindheit und Jugend im Wohlstand im Berlin der Vorkriegzeit. Er wurde gefördert, wo es nur ging, denn seine gut situierte Familie konnte es sich leisten. Wichtig war Ihnen, dass der kleine Kurt auch eine außerordentlich gute kulturelle Bildung erfuhr - seinen persönlichen Gegenpol und Ausgleich fand er dann aber im Varieté und Theater, denn er empfand seine Schule einengend und stur und haderte mit seiner Mutter, einer Autoritätsfigur. Aber was hat mich denn nun so fasziniert an Kurt Tucholsky?! Er traute seinen Leser*innen und seinem Publikum einiges zu, setzte voraus, dass sie intellektuell und kognitiv in der Lage sind, seine Anspielungen zu begreifen, dass sie ihm quasi ebenbürtig sind. Und das wertschätze ich sehr, denn wie oft lesen wir denn bitte Texte, in denen Autor*innen uns ebendies nicht zutrauen?! Meinen liebsten Text, ein Gedicht aus 1931 mit dem Titel „An das Publikum“ möchte ich Euch nicht vorenthalten, daher hier ein Zitat: „O hochverehrtes Publikum, sag mal: bist du wirklich so dumm, wie uns das an allen Tagen alle Unternehmer sagen? Jeder Direktor mit dickem Popo spricht: Das Publikum will es so! Jeder Filmfritze sagt: Was soll ich machen? Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen! Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht: Gute Bücher gehn eben nicht! Sag mal verehrtes Publikum: Bist du wirklich so dumm? So dumm, dass in Zeitungen, früh und spät, immer weniger zu lesen steht? Aus lauter Furcht du könntest verletzt sein; aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein; aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn könnten mit der Abbestellung drohn? Aus Bangigkeit, es käme am Ende einer der zahllosen Reichsverbände und protestierte und denunzierte und demonstrierte und prozessierte… Sag mal verehrtes Publikum: bist du wirklich so dumm? Ja, dann… Es lastet auf dieser Zeit der Fluch der Mittelmäßigkeit. Hast du so einen schwachen Magen? Kannst du keine Wahrheit vertragen? Bist also nur ein Grießbrei-Fresser —? Ja, dann… Ja, dann verdienst du’s nicht besser. Für mich sind die enthalten Texte in „Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut“ zeitlos und sprechen mich absolut an, wie sie wahrscheinlich schon die Menschen vor hundert Jahren angesprochen haben. Kurt Tucholsky hatte damit ein beachtenswertes Talent und ich würde ihn zu den Klassikern zählen. Auf jeden Fall waren das zwar die ersten Texte, die ich von ihm gelesen habe, aber sicher nicht die letzten, denn sie sind zusammengefasst: Zeitlos, klassisch, grandios! Danke Robert Stadlober und dem Verbrecherverlag für das neue herausgeben der Texte! Ich bin ein Fan!

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