Es gibt eine Insel, auf der niemand hungert. Auf der kein Mensch um sein Dach über dem Kopf bangen muss. Auf der Krieg zwar nicht unbekannt, aber tief verachtet ist - und auf der die wenigen Stunden des Tages, die nicht der Arbeit gehören, dem Lernen, dem Gespräch und der Muße gewidmet sind. Klingt verlockend? Im Jahr 1516, als Europa von Kriegen zerrissen und die Kirche von Korruption durchdrungen war, schrieb der englische Staatsmann und Humanist Thomas Morus ein schmales, rätselhaftes Büchlein - halb Reisebericht, halb politische Streitschrift, halb philosophisches Gedankenspiel. Er nannte den Ort seiner Erfindung Utopia: Griechisch für "Nirgendwo". Und mit diesem einen Wort prägte er für alle Zeiten die Art, wie wir über Gesellschaft, Gerechtigkeit und den menschlichen Traum vom besseren Leben nachdenken.
Doch Utopia ist kein naives Wunschbild. Morus war viel zu klug - und viel zu gefährlich lebend, wie sein späteres Schicksal auf dem Schafott beweisen sollte - um einfach fromme Hoffnungen aufs Papier zu bringen. Sein Idealstaat hat Schattenseiten, die den aufmerksamen Leser verblüffen: strenge Regeln, kaum Privatsphäre, eine Uniformität, die an Kontrolle grenzt. Ist das Paradies - oder eine höflich verkleidete Warnung? Morus lässt uns mit dieser Frage allein. Und das ist vielleicht seine größte Leistung.
Diese neue Übersetzung macht Morus' lateinischen Originaltext erstmals in einem frischen, lebendigen Deutsch zugänglich - ohne die gestelzte Schwere älterer Fassungen, aber mit dem vollen Biss des Originals. Für Leserinnen und Leser von heute, die sich fragen, warum die Welt so ist, wie sie ist - und ob es wirklich nicht anders ginge.
Utopia wurde vor mehr als fünfhundert Jahren geschrieben. Es liest sich wie heute Morgen.
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Ein sehr interessantes Büchlein.
Bewertung aus Muntelier am 30.01.2021
Bewertungsnummer: 1433467
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Muss sagen, dass der Inhalt sehr interessant, wenn, logischerweise, auch nicht mehr aktuell ist.
Triumph der Vernunft Das…
Bories vom Berg aus München am 20.11.2020
Bewertungsnummer: 2735231
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Triumph der Vernunft Das unter dem Namen «Utopia» publizierte Buch von Thomas Morus weist bereits im Titel auf seinen satirischen Charakter hin, ein im Englischen homophones Sprachspiel um die griechischen Begriffe Outopia und Eutopia, deutsch ‹Nichtort› und ‹Glücksort›. Das im Original auf Latein verfasste Werk wurde auf Betreiben seines Freundes Erasmus von Rotterdam erstmals 1516 in den Niederlanden herausgegeben. Morus hatte bei ihm während einer diplomatischen Mission mehrere Wochen als Gast gewohnt und bei dieser Gelegenheit den entscheidenden Teil dieses Werkes geschrieben, das den thematisch zentralen Reisebericht umfasst, hin zu jener unbekannten, wundersamen Insel. Mit dem später entstandenen ersten Teil fügte der Autor trickreich eine Rahmengeschichte hinzu, in der er in persona als Gesprächspartner eines Seefahrers namens Hythlodeus auftritt. Der erzählt von seinen weiten Reisen und schwärmt insbesondere von der unbekannten Insel Utopia, die südlich des Äquators liege. Morus nimmt dabei, aus gutem Grund, nur die Rolle eines kritischen Gesprächspartners ein, der aus reiner Höflichkeit dem euphorischen Lobgesang nicht widerspricht. Die staatskritische Thematik seines Buches nämlich war sehr gefährlich, er musste deswegen offenbar literarisch deutliche Merkmale einbauen, um das Fiktionale des Ganzen zu betonen. Denn wie sich später zeigte, wurde er als Lordkanzler unter Heinrich VIII wegen Aufmüpfigkeit ja kurzerhand zum Tode verurteilt, - Rübe ab, schon war er Märtyrer, so schnell ging das! Seine vorsorglich manifestierte, ironische Distanz drückt sich bereits im Namen des Seemannes aus, der übersetzt ‹Possenreiter› bedeutet. Andererseits ist Thomas Morus aber auch neugierig und bedeutet Hythlodeus, ihm die gesamte Geschichte von seinem fünfjährigen Aufenthalt in Utopia zu erzählen. Mit seinem ausführlichen Bericht, der den zweiten Teil dieses satirischen Romans bildet, kommt der ‹Possenreiter› diesem Wunsch erkennbar gerne nach. Geschildert wird ein idealtypisches Staatsgebilde, das man als basisdemokratisch organisierten Kommunismus freier Bürger bezeichnen könnte. Der ganz ohne Geld auskommt, in dem alles allen gehört und jeder gerechterweise das zugeteilt bekommt, was er benötigt. Es gibt also kein Eigentum, aber auch keine Privilegien, alle herausgehobenen Ämter werden, nach einem Rotationsprinzip ständig wechselnd, nur auf Zeit verliehen. Alle arbeiten als Bauern oder Handwerker sechs Stunden am Tag, werden gemeinsam verpflegt und tragen einheitlich eine zweckmäßige Kleidung aus eigener Produktion. Da das viele Gold, das sie besitzen, als Material für sie keinerlei praktischen Nutzen hat, fertigen sie ihr Nachtgeschirr daraus. Es gibt noch viele weitere derart wunderliche Verhaltensweisen und soziale Regeln, dass seit Erscheinen des Buches immer wieder allerlei Deutungen und philosophische Dispute heraufbeschworen wurden über die faszinierende Ideenwelt von Utopia. Unwillkürlich stößt man beim Lesen dieses inzwischen fünfhundert Jahre alten Textes häufig auf Gedanken, die eigentlich naheliegend sind und viele Probleme mit einem Schlage lösen könnten, auch die unserer heutigen Welt. Wenn dem nicht jener aus dem Selbsterhaltungstrieb resultierende Eigennutz unausrottbar im Wege stände. Genau das hatte auch Karl Marx nicht berücksichtigt. Das Glück der Utopier nämlich liegt im Ideellen, nicht im Materiellen. Sie nutzen die reichlich vorhandene Zeit, um den Geist zu bereichern, für alles andere ist ja bestens gesorgt, alle sind gleichermaßen zufrieden mit dem, was sie haben. Die liebevoll editierte Menasse-Ausgabe von 2004 lässt sich in der Übersetzung von Jacques Laager trotz der anspruchsvollen Thematik sehr flüssig lesen. Dabei hilft zum Verständnis der umfangreiche, erschöpfend Auskunft gebende Anmerkungsapparat. Als zeitloser Klassiker kann man diesen Roman, wie ich es getan habe, auch wiederholt lesen, man wird immer wieder erneut bereichert von diesem utopischen Triumph der Vernunft.
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