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»Der Hund ist ein Phänomen. Etwas so Einzigartiges, dass man ihn nicht hätte erfinden können.« Hat er sich also selbst erfunden, als er sich vor Tausenden von Jahren als freier Wolf den sesshaft gewordenen Menschen genähert und angeschlossen, sich also gleichsam selbst domestiziert hat? Was war der Grund dafür, dass er bald als Begleiter bei der Jagd geschätzt und schließlich zu dem Haustier wurde, das uns heute näher ist als jedes andere Tier? Sein ausgeprägtes Sozialverhalten und seine hohe Bereitschaft zur Kooperation? Josef H. Reichholf widmet sich mit Wissen und Herzblut einer der ältesten Beziehungen der Evolution: der beispiellosen Freundschaft zwischen Hund und Mensch.
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Der domestizierte Mensch...
S.A.W am 27.09.2020
Bewertungsnummer: 1382078
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Reichholf zerstört mit viel Sachwissen die gängige Erklärung zur Domestizierung des Wolfes, dessen Junge von Menschenmüttern aufgezogen und zum Hund domestiziert wurden. Warum finden sich aber nur Mythen von Wolfskindern, also vom Wolf gesäugten Babys, aber keine Geschichten von Müttern, die Wölfe säugen, obwohl der Wolf in vielen Kulturen ein verehrtes Tier war? Laut Reichholf ging die Domestikation vom Wolf aus und zwar vor 40.000 Jahren. Damals fraßen ihm die Menschen das Futter weg, indem sie auf allen Kontinenten das Großwild jagten und ausrotteten. Der Wolf konnte nur überleben, indem er fraß, was der Mensch überließ. ER wurde vom Wildfolger zum Menschenfolger. Wolfsrudel fingen an „ihren“ Menschenclan als Teil ihres Territoriums zu verteidigen, denn der Mensch war der Nahrungslieferant und wurde deshalb vor anderen Wölfen und Raubtieren beschützt. Dazu dienten auch die Heulsignale, die die anderen Rudel vertreiben sollten. Die Urmenschen gewöhnten sich an das Heulen und erkannten bald, dass sie von „ihren“ Wolfen beschützt wurden. Dass diese die Aas-Reste beseitigten, störte niemand, ja es war sogar praktisch, wenn kein faulendes Zeug mehr herumlag. Die Wölfe fingen auch an, den Menschen Beute zuzutreiben, so wie es heute noch Delphine in Küstennähe tun, weil sie wissen, dass je mehr die Menschen fangen, desto mehr für die Delphine übrigbleibt. Je mehr Beute die Menschen machten, desto mehr ließen sie den Wölfen übrig. Die gemeinsame Jagd von Menschenclan und Wolfsrudel wurde bald normal, auch wenn sich nicht alle Wölfe auf diese Symbiose einließen, die scheuen blieben halt wild und sind heute noch Wölfe, die zutraulichen wurden zu Wolfshunden und erst nach zirka 30.000 Jahren zu verschiedenen Rassen gezüchtet, als sich mit dem Ackerbau auch die Anforderungen an die Wolfshunde aufsplitterten. Um 8.000 vZ splitterten die Chinesen die Hunde in Hüte-, Jagd-, Kampf- und Haushunde auf, seitdem gibt es verschiedenen Hunderassen.
In Europa hatten die Neandertaler gegen die kombinierten Angriffe von Menschen und Hunden keine Chance, oder die Hund-Mensch-Gruppen fraßen ihnen einfach die Beute weg, weil ihre Jagd effizienter war. Vielleicht starben sie nur deshalb aus, weil die Wölfe vor ihren Speeren mehr Angst hatten und nie ihre Nähe suchten. Mussten sie auch nicht, weil die Neandertaler pfleglicher mit ihrer Beute umgingen und keine Tierarten ausrotteten. Schon damals hat der Mensch also die Ökosysteme so verändert, dass Tiere und Hominiden entweder ausstarben oder lernten, mit dem Menschen zu kooperieren.
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „10.000 BC. Die Menschheitsgeschichte: älter, länger, ander.
Ein interessanter neuer Blick wie der Hund zum Hund wurde
Buchgespenst am 14.09.2020
Bewertungsnummer: 1377062
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eiszeitmenschen, die aus dem Wolf den Hund züchteten – ein Bild, das sich wohl jedem, der sich schon mal mit der Entwicklungsgeschichte des Hundes auseinandergesetzt hat eingeprägt hat. Josef H. Reichholf beginnt mit dieser These und weist dann nach, dass es sich so einfach nicht zugetragen haben kann. Knochenfunde, Züchtungserfahrungen und Forschungsergebnisse der Zoologie widersprechen der märchenhaften Schöpfungsgeschichte und eröffnen dafür ein spannendes, komplexes und noch lange nicht umfassend erkundetes Forschungsfeld.
Josef H. Reichholf schafft es wissenschaftlich fundiert, verständlich und sehr interessant einen weiten Bogen zu spannen, der nicht nur die Entwicklung von Wolf und Hund abdeckt, sondern so ganz nebenher die Menschheitsgeschichte abhandelt, sowie die Entwicklung der Tierwelt in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Menschen – seit er aus Afrika seinen Siegeszug um die Welt begann. Angereichert um persönliche Erfahrungen als Hundebesitzer, die ihm auch als Wissenschaftler einen völlig neuen Blick auf den Forschungsgegenstand eröffneten.
Toll geschrieben und sehr informativ bietet dieses Buch einen großartigen Einblick in ein interessantes Forschungsfeld, das noch viele Überraschungen bereithält. Manchmal hätte ich mir allerdings gewünscht, dass der persönliche Erfahrungsbericht zugunsten der wissenschaftlichen Fakten reduziert worden wäre. Trotzdem langweilt das Buch auf keiner Seite!
4 ½ Sterne für ein schönes Sachbuch, das Lust macht, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Josef H. Reichholf hat eine unnachahmliche Art Sachbücher spannend und kurzweilig zu gestalten und dabei niemals banal zu werden.
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