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Handbuch Bildungsforschung

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Sehr gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

01.03.2010

Herausgeber

Rudolf Tippelt + weitere

Verlag

VS Verlag für Sozialwissenschaften

Seitenzahl

1058

Maße (L/B/H)

25,4/17,6/6,3 cm

Gewicht

1956 g

Auflage

3. durchges. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710005064812

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Erscheinungsdatum

01.03.2010

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VS Verlag für Sozialwissenschaften

Seitenzahl

1058

Maße (L/B/H)

25,4/17,6/6,3 cm

Gewicht

1956 g

Auflage

3. durchges. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710005064812

Herstelleradresse

VS Verlag
buchhandel-buch@springer.com
Abraham-Lincoln-Str. 46, 65189 - DE, Wiesbaden

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Kind oder Schule - was steht im Mittelpunkt?

S.A.W am 18.10.2018

Bewertungsnummer: 1110051

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dr. Rudolf Tippelt, Universität München und Dr. Bernhard Schmidt-Hertha, Universität Tübingen, zeigen im Handbuch Bildungsforschung den Stand der Bildungsforschung auf - national wie international ein stark gewachsener Forschungsbereich. Das Handbuch integriert Erkenntnisse der Disziplinen Psychologie, Soziologie, Fachdidaktik, Politikwissenschaft, Ökonomie, Philosophie und Geschichte, mit der Pädagogik als zentraler Bezugsdisziplin. Die Bildungsforschung liefert seit den 1960er Jahren empirische Daten, die die ungleichen Bildungschancen, bzw. die „soziale Vererbung“ von Bildung belegen, was der gewünschten Chancengleichheit des Bildungssystems diametral widerspricht. Seit 20 Jahren wird die Bildungsforschung zunehmend zum Vorfeld politischer Bildungsentscheidungen. Eckpunkte des Bildungsdiskurses sind dabei Schulautonomie, Verbesserung der Leistungsfähigkeit, neue Steuerung und interne Schulentwicklung. An Lösungen werden genannt: Mehr Autonomie, mehr Selbstverantwortung, mehr Wettbewerb und weniger Staat. Während Bismarck höhere Bildung noch als Flucht vor der Arbeit kritisierte, betrachtet die moderne Gesellschaft Bildung als Humankapital, das es zu fördern gilt. Traditionell wird Bildung als Dauer des Schulbesuchs und Höhe des Abschlusses gemessen. Seit 2000 werden in den Pisa-Studien die Bildungsleistungen genauer gemessen und international verglichen. In den letzten Jahren rückt die Fähigkeit zum selbst-regulierten Lernen in den Vordergrund und verdrängt das traditionelle Ziel der reinen Wissensvermittlung. Langsam rücken auch emotionale und motivationale Prozesse in den Vordergrund. Der Humankapitaltheorie widersprechen kritische Befunde, die einen Zusammenhang von Lernerfolg und Arbeitserfolg nicht feststellen können. Die Segmentationstheorie spricht von abgeschotteten Arbeitssegmenten, zwischen denen kaum Austausch besteht, sodass es zu keinem leistungsbezogenen Preis-Lohn-Verhältnis kommt. Die Filter-Theorie behauptet, dass Schulabschlüsse und Zeugnisse eine Filterfunktion haben, die den Zugang zu bestimmten Tätigkeiten steuern, nicht jedoch die Leistungen steigern, die primär bereits im Individuum vorhanden sind. Die radikale Theorie verneint den Zusammenhang von Bildung und Einkommen. Vielmehr hätten die verschiedenen Bildungswege das Ziel, das Einkommensungleichgewicht im Sinne der Reichen aufrechtzuerhalten und die Stratifizierung in verschiedene Einkommensschichten zu verfestigen. Auf der Makroebene dient die Bildungsrendite als Messeinheit. Die Bildungsrendite misst den Zugewinn an Einkommen, der auf die Ausbildung zurückzuführen ist. Allgemein wird von einem Zusammenhang zwischen Bildungsinvestition und Wirtschaftswachstum ausgegangen. Insgesamt kreist die Bildungsforschung bis dato um politische, ökonomische und gesellschaftliche Konzepte, die aufzeigen, dass die allgemeinen Bildungserwartungen einer empirischen Prüfung entweder noch nie zugeführt worden sind, oder, wenn doch, von der Empirie nicht bestätigt werden. Die Bildungsforschung hat sich daher in den letzten Jahrzehnten auf de facto alle Humanwissenschaften ausgeweitet, um hilfreiche Konzepte zu finden, die den Bildungserfolg erklären könnten. Die allgemeine Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik in Deutschland und Österreich zeigt aber auf, dass dieser Weg bis jetzt nicht erfolgreich war, bzw. noch völlig am Anfang steht. Beim Lesen des Handbuches fällt auf, dass die aufgezeigten Thesen und Theorien vor allem um institutionelle Prozesse kreisen, während auf das Kind, dessen Persönlichkeit geformt und dessen Fähigkeiten gestärkt werden sollen, scheinbar völlig vergessen wird. Dies mag daran liegen, dass vor allem Lehrer mit ihren didaktischen und institutionellen Bedürfnissen bis jetzt die Bildungsforschung geprägt haben und diese daher im institutionellen Schulsumpf versinkt, während Eltern und Kinder außen vor bleiben oder sogar als bildungsbehindernde Außenfeinde gesehen werden, welche die guten Absichten der Lehrer nicht verstehen wollen. Solange die Bildungsforschung sich nicht mehr um die Entwicklungs- Persönlichkeits- und Lebenszielmotivationen der Auszubildenden kümmert, wird sie wohl weiter im Kreis gehen und an der Effizienz der Bildungsoptimierung im Sinne der maximalen Ausschöpfung des Humankapitals scheitern. Diese passiert zwar bereits, aber abseits der Bildungsforschung und oft im Widerspruch zu dieser, meist aus authochtoner, zufälliger Entfaltung von Leistungspotentialen durch die Motivation einzelner Begabter. So gilt der Spruch Senecas „Non vitae, sed scholae diszimus“ noch immer. Seit 2000 Jahren ist das vom antiken Philosophen erkannte Problem der Diskrepanz der individuellen Bedürfnisse und der falschen institutionellen Allokation ungelöst.

Kind oder Schule - was steht im Mittelpunkt?

S.A.W am 18.10.2018
Bewertungsnummer: 1110051
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dr. Rudolf Tippelt, Universität München und Dr. Bernhard Schmidt-Hertha, Universität Tübingen, zeigen im Handbuch Bildungsforschung den Stand der Bildungsforschung auf - national wie international ein stark gewachsener Forschungsbereich. Das Handbuch integriert Erkenntnisse der Disziplinen Psychologie, Soziologie, Fachdidaktik, Politikwissenschaft, Ökonomie, Philosophie und Geschichte, mit der Pädagogik als zentraler Bezugsdisziplin. Die Bildungsforschung liefert seit den 1960er Jahren empirische Daten, die die ungleichen Bildungschancen, bzw. die „soziale Vererbung“ von Bildung belegen, was der gewünschten Chancengleichheit des Bildungssystems diametral widerspricht. Seit 20 Jahren wird die Bildungsforschung zunehmend zum Vorfeld politischer Bildungsentscheidungen. Eckpunkte des Bildungsdiskurses sind dabei Schulautonomie, Verbesserung der Leistungsfähigkeit, neue Steuerung und interne Schulentwicklung. An Lösungen werden genannt: Mehr Autonomie, mehr Selbstverantwortung, mehr Wettbewerb und weniger Staat. Während Bismarck höhere Bildung noch als Flucht vor der Arbeit kritisierte, betrachtet die moderne Gesellschaft Bildung als Humankapital, das es zu fördern gilt. Traditionell wird Bildung als Dauer des Schulbesuchs und Höhe des Abschlusses gemessen. Seit 2000 werden in den Pisa-Studien die Bildungsleistungen genauer gemessen und international verglichen. In den letzten Jahren rückt die Fähigkeit zum selbst-regulierten Lernen in den Vordergrund und verdrängt das traditionelle Ziel der reinen Wissensvermittlung. Langsam rücken auch emotionale und motivationale Prozesse in den Vordergrund. Der Humankapitaltheorie widersprechen kritische Befunde, die einen Zusammenhang von Lernerfolg und Arbeitserfolg nicht feststellen können. Die Segmentationstheorie spricht von abgeschotteten Arbeitssegmenten, zwischen denen kaum Austausch besteht, sodass es zu keinem leistungsbezogenen Preis-Lohn-Verhältnis kommt. Die Filter-Theorie behauptet, dass Schulabschlüsse und Zeugnisse eine Filterfunktion haben, die den Zugang zu bestimmten Tätigkeiten steuern, nicht jedoch die Leistungen steigern, die primär bereits im Individuum vorhanden sind. Die radikale Theorie verneint den Zusammenhang von Bildung und Einkommen. Vielmehr hätten die verschiedenen Bildungswege das Ziel, das Einkommensungleichgewicht im Sinne der Reichen aufrechtzuerhalten und die Stratifizierung in verschiedene Einkommensschichten zu verfestigen. Auf der Makroebene dient die Bildungsrendite als Messeinheit. Die Bildungsrendite misst den Zugewinn an Einkommen, der auf die Ausbildung zurückzuführen ist. Allgemein wird von einem Zusammenhang zwischen Bildungsinvestition und Wirtschaftswachstum ausgegangen. Insgesamt kreist die Bildungsforschung bis dato um politische, ökonomische und gesellschaftliche Konzepte, die aufzeigen, dass die allgemeinen Bildungserwartungen einer empirischen Prüfung entweder noch nie zugeführt worden sind, oder, wenn doch, von der Empirie nicht bestätigt werden. Die Bildungsforschung hat sich daher in den letzten Jahrzehnten auf de facto alle Humanwissenschaften ausgeweitet, um hilfreiche Konzepte zu finden, die den Bildungserfolg erklären könnten. Die allgemeine Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik in Deutschland und Österreich zeigt aber auf, dass dieser Weg bis jetzt nicht erfolgreich war, bzw. noch völlig am Anfang steht. Beim Lesen des Handbuches fällt auf, dass die aufgezeigten Thesen und Theorien vor allem um institutionelle Prozesse kreisen, während auf das Kind, dessen Persönlichkeit geformt und dessen Fähigkeiten gestärkt werden sollen, scheinbar völlig vergessen wird. Dies mag daran liegen, dass vor allem Lehrer mit ihren didaktischen und institutionellen Bedürfnissen bis jetzt die Bildungsforschung geprägt haben und diese daher im institutionellen Schulsumpf versinkt, während Eltern und Kinder außen vor bleiben oder sogar als bildungsbehindernde Außenfeinde gesehen werden, welche die guten Absichten der Lehrer nicht verstehen wollen. Solange die Bildungsforschung sich nicht mehr um die Entwicklungs- Persönlichkeits- und Lebenszielmotivationen der Auszubildenden kümmert, wird sie wohl weiter im Kreis gehen und an der Effizienz der Bildungsoptimierung im Sinne der maximalen Ausschöpfung des Humankapitals scheitern. Diese passiert zwar bereits, aber abseits der Bildungsforschung und oft im Widerspruch zu dieser, meist aus authochtoner, zufälliger Entfaltung von Leistungspotentialen durch die Motivation einzelner Begabter. So gilt der Spruch Senecas „Non vitae, sed scholae diszimus“ noch immer. Seit 2000 Jahren ist das vom antiken Philosophen erkannte Problem der Diskrepanz der individuellen Bedürfnisse und der falschen institutionellen Allokation ungelöst.

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