Rezension
Ich hatte absolut keine Vorstellung auf was ich mich einlasse, als ich zugestimmt habe "Hinter Junas Tür zu lesen". Es hätte mir gefallen können, es hätte nicht meins sein können oder aber es hätte ein Buch eines solch epischen Ausmaßes sein können, an das ich auch in vielen Jahren noch denken werde. Und eben genau das war es…Verführt mnr schwarz uns hier mit einer wilden Story, krassen Plots oder fantasiereichen Welten? Nö…Sie tut mehr als das. So viel mehr. Sie taucht in das Innere eines Menschen ein, der sich selbst nicht mehr fühlt.Ich kann und werde euch ausnahmsweise mal keine Inhaltsangabe zu dem Buch geben. Die ist nicht nötig. Mit knapp etwas über 100 Seiten kann das Buch jeder, den es interessiert, super schnell lesen.Ich will euch meine Gedanken mitteilen:Hättest du einen gebrochenen Fuß, hätte jeder Mitleid. Man wüsste du bist krank. Benötigst Hilfe. Man wäre für dich da. Man wüsste nach 6 Wochen geht es dir besser.Aber wie sieht es mit den Erkrankungen aus, die wir nicht sehen? Was ist, wenn das Licht schwindet. Wenn die Welt kälter wird. Das Lachen versiegt, wenn du dich selber nicht mehr spürst? Was ist das für eine "Erkrankung"? Werden die Menschen Mitleid haben? Dir ihre Hilfe anbieten? Wird man wissen, wann es dir besser gehen wird?Eher nicht. Aber wieso nicht? In unserer heutigen Gesellschaft sind psychische Erkrankungen nach wie vor ein Tabu Thema. Niemand hat sie und doch ist fast niemand mehr gänzlich psychisch gesund? Ohnehin… was bedeutet das eigentlich psychisch gesund zu sein?In diesem Buch geht es darum, wie es sich anfühlt, wieder zu sich selbst zu finden. Die einzelnen "Türen" wie Angst, Schuld und viele weitere zu "öffnen". Sich auf die Reise zu begeben, um den Menschen zu finden, der man einmal war. Oder der man jetzt ist. Um zu lernen, sich selbst (wieder) zu lieben, damit man dazu in der Lage ist auch andere zu lieben.Junas Geschichte ist die Geschichte einer Frau, die aufhört für andere zu leben und sich selbst findet, eigene Bedürfnisse erkennt und wieder Licht ins Leben bringt.Der Weg aus einer Depression heraus ist so viel mehr als das Heilen eines Knochenbruches. Es erfordert Mut. Vertrauen. Stärke - oh ja, unendliche Stärke. Energien, die man eigentlich nicht hat. Und einen unbändigen Willen… vorallem aber ist es eine Sache, die aus einem Menschen selber heraus geschehen muss. Hier hilft kein einfacher Gips. Hier hilft nur Zeit.Ich habe lange mit Menschen mit psychischen Erkrankungen gearbeitet, vielleicht hat eben deshalb dieses Buch mich so unendlich bewegt.Meine Bitte an euch: wenn ihr Menschen kennt, denen es nicht gut geht: seid da! Aber nicht auf eine fordernde, einengende, den Atmen raubende Art. Sondern auf die Art, die Stille aber dennoch Geborgenheit mit sich bringt. Die Art, die sagt, dass Zeit ok ist und man bleibt, egal was passiert. Ohne sich dabei aufzudrängen. Viel schwieriger als nen Gips anzulegen? Aber zu 100%…. Aber mindestens ebenso wertvoll? Ohja.Danke fürs lesen, passt auf euch auf und achtet hin und wieder darauf, ob ihr euch noch wirklich selber fühlt ❤️