Die englische Rockband The Who, ab Mitte der Sechzigerjahre treibende Kraft in der britischen Rockmusik neben den Beatles, Rolling Stones und Pink Floyd, ist wieder da. Hits wie "My Generation", "Happy Jack", "Substitute", "Magic Blues", "Pinball Wizard", "Won't Get Fooled Again" oder "Behind Blue Eyes" haben sich in das musikalische Gedächtnis einer ganzen Generation geprägt und viele nachfolgende Musiker inspiriert. Während das unermüdlich an seinen Grenzen arbeitende Quartett um den genialen Songwriter und Gitarrenzertrümmerer Pete Townshend auf der Bühne kunstvoll Chaos und Anarchie zelebrierte, lauerten hinter den Kulissen reale Katastrophen. Riesige Schuldenberge, gewalttätige Streitereien zwischen den vier sehr unterschiedlichen Bandmitgliedern, Drogen- und Alkoholexzesse sowie die unberechenbaren Eskapaden von Schlagzeuglegende Keith Moon bedrohten den Zusammenhalt und die Existenz der Gruppe über vierzehn wilde Jahre. Als "Moon The Loon" 1978 starb, schien das Ende tatsächlich gekommen.
Pete Townshend, Roger Daltrey und John Entwistle machten gleichwohl weiter. The Who überstanden die Achtzigerjahre, besiegten die Midlife-Crisis und rafften sich in den Neunzigern zu neuer Bühnenkreativität auf, auch auf die Gefahr hin, zu einer "Tribute Band" ihrer selbst zu werden, wie Mastermind Townshend kritisch anmerkte. Der Erfolg gab ihm Unrecht. The Who bestätigten ihren Ruf als großartige Liveband bis ins dritte Jahrhundert. Nicht einmal der überraschende Tod von Bassist Entwistle, am Vorabend der US-Tour 2002, konnte der Band, die stets mehr war als die Summe ihrer Mitglieder, etwas anhaben.
Nach ihrem legendären Debutalbum "My Generation" und der LP "It's Hard", haben die überlebenden Pete Townshend und Roger Daltrey ein neues, viel beachtetes Who-Album "Endless Wire" eingespielt. Verstärkt durch Ringos Sohn Zak Starkey am Schlag zeug (bekannt geworden mit Oasis) und mit dem Superbassisten Pino Palladino, haben sich The Who von ihrem Mythos als Klassiker befreit.
Zeit für Hannibal, der nach Meinung ihrer Fans "Greatest Rock Band Ever", endlich eine umfassende Biografie in deutscher Sprache zu widmen. Der Künstler Christoph Geisselhart hat die Geschichte der Gruppe ausführlich nachgezeichnet und mit den Biografien der Bandmitglieder geschickt verwoben. Beinahe romanhaft, mit vielen sorgfältig recherchierten Details und Originalzitaten, entsteht das eindrucksvolle Bild einer Rockgruppe, die gesellschaftliche Strömungen visionär erahnte und in ihrer Musik zu sehr persönlichen, zeitlosen und charaktervollen Statements umformte.
Roger Daltrey über Pete Townshend:
"Er hat nie erfahren, was normale Kids wirklich interessiert, weil er nicht weiß, wie es ist, wenn man jeden Tag hart arbeiten muss. Pete lag den ganzen Tag im Bett, als er an der Kunsthochschule war; ehrlich gesagt, lag er meistens mit einem Joint im Bett und stand nur auf, wenn er dazu Lust hatte, und zu einem Auftritt hatte er selten Lust. Jemand musste hingehen und an seine verdammte Tür trommeln, und das war ich. Ich konnte es kaum erwarten, aus der Fabrik rauszukommen, und richtete meine gesamte Energie und alle Frustrationen auf die Musik. Ich musste die Ausrüstung aufbauen. Es war unglaublich, man konnte die anderen kaum dazu bringen, auch nur einen Verstärker rauszutragen. Wir hatten ja keine Roadies, das war ich."
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
1 Bewertungen
5 Sterne
(1)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Eine umfassende Rockbiografie
Raumzeitreisender aus Ahaus am 27.04.2026
Bewertungsnummer: 3121359
Bewertet: eBook (ePUB)
Band 1:
Christoph Geisselhart beschreibt die Lebensgeschichte der Band "The Who", die Wurzeln ihrer Mitglieder, ihre Charaktere, ihre Beziehungen, die Entstehungsgeschichte und Bedeutung ihrer Songs, ihr musikalisches und privates Umfeld sowie ihren ausschweifenden Lebenswandel mit allen Höhen und Tiefen, Alkohol- und Drogenexzessen, den einige Rockmusiker ihrer Zeit nicht überlebt haben.
Die Protagonisten sind der Kunststudent Pete Townshend, der Bassist und Multi-Instrumentalist John Entwistle, der um seinen sozialen Aufstieg kämpfende Roger Daltrey und der Selbstbestätigung suchende hyperaktive Schlagzeuger Keith Moon. In den Anfangsjahren gab es viele Machtkämpfe, wer denn die Richtung der Band vorgibt. Als Songschreiber hat sich Pete Townshend durchgesetzt.
Die Entwicklungsgeschichte in Band 1 reicht von der Jugendzeit ihrer Mitglieder und ihren Erfahrungen in ersten Bands bis zum im Jahr 1971 erschienen Album "Who’s Next", das als Kompromiss aus Pete Townshends vergeblichen Versuchen, sein von östlichen Spiritualisten beeinflusstes ganzheitliches die Zuschauer einbeziehendes Projekt "Lifehouse" zu realisieren, entstanden ist.
Ein vergleichbar umfassendes Werk, in dem jede Tour und die Entstehungsgeschichte jeden Songs beschrieben wird, habe ich noch nicht gelesen. Deutlich wird auch die explosive Spannung innerhalb der Band, die jederzeit zu ihrem Ende hätte führen können. Auch beschreibt der Autor, wie das Familienleben unter den ausschweifenden Exzessen der Musiker gelitten hat.
Band 2:
Geisselhart beschreibt Keith Moons exzessiven, selbstzerstörerischen Lebenswandel. Erste Überlegungen über einen möglichen Ersatz tauchen auf. Das nächste Konzeptalbum "Quadrophenia" steht an. Es bewegt sich inhaltlich näher an der Geschichte der Band, da die Jugendbewegung der Mods thematisiert wird. Das Album ist wegen interner Querelen eine schwere Geburt und die Konzerte verlaufen nicht immer wunschgemäß.
"Tommy" wird verfilmt mit vielen Größen der Rockmusik, wenngleich die Verfilmung von der Geschichte auf dem Album abweicht. Bei den vielen Streitereien wundert es, dass die Band nicht explosionsartig auseinanderfliegt. Die einzelnen Mitglieder lenken sich mit Soloprojekten ab. John Entwistle, der sich sehr in den Hintergrund gedrängt fühlt, kümmert sich um das nächste Album "Odds and Sods" mit bislang unveröffentlichtem Material.
Die Band feiert einige große Erfolge. Das Konzert in Charlton wurde ins "Guinness Buch der Rekorde" aufgenommen, aufgrund seiner Lautstärke von hundertzwanzig Dezibel. Es wird immer wieder deutlich, wie unterschiedlich die Charaktere der vier Musiker der Band "The Who" sind und wie sie sich trotz heftiger Streitigkeiten immer wieder zusammenraufen für die jeweils nächste Tournee.
Die Show am 21. Oktober 1976 in Toronto gilt als Keith Moons letzter Auftritt vor zahlendem Publikum. Sein zerstörerischer Lebenswandel und das Ende seines Lebens stehen in Band 2 besonders im Fokus. Auch Pete Townshend zahlt einen hohen Preis für seine Karriere. "Aber schon auf den ersten Stufen vor unserer Eingangstür war ich kein Held mehr. Ich kam zu Kindern zurück, die nicht mal mehr wussten, wer ich war." (271)
Keith Moon starb am 07. September 1978, 32 Jahre alt, an einer Überdosis Tabletten, die ihn von der Droge Alkohol heilen sollte. "Wir warteten eigentlich seit zwanzig Jahren darauf, dass Keith tot umfiel", meinte Pete. "Aber als es tatsächlich geschehen war, wollten wir es einfach nicht wahrhaben. Ich war so traurig; ich hatte einen Menschen verloren, den ich liebte." (346)
Band 3:
Interessant, dass sich Phil Collins als Nachfolger von Keith Moon ins Gespräch gebracht hat. Den Job bekam letztlich Kenney Jones von den Faces, mit dem Roger Daltrey nicht zufrieden war. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahren stehen Tourneen auf dem Programm. Es entstehen zwei neue Alben. Pete Townshend versackt im Alkohol- und Drogensumpf. Mit viel Glück überlebt er diese schwierige Zeit.
1983 löste sich die Band auf. Es folgten Soloprojekte, Benefizkonzerte, Aufführungen von „Tommy“ und „Quadrophenia“ und Auftritte unter einem anderen Namen mit zahlreichen Gastmusikern. Der Autor beschreibt, wie diese Auftritte bei den Fans angekommen sind. Die Forderung der Fans war eindeutig: „Be The Who“. Sie hatten als Solokünstler nie den Erfolg, den sie als Band hatten.
„The Who“ feiern noch Jahrzehnte nach ihrer Gründung große Bühnenerfolge. Sie sind bzw. waren unterschiedliche Charaktere, die sich immer wieder zusammengerauft haben.
Der Autor beschreibt ihre Entwicklung chronologisch, wobei er zwischendurch immer mal wieder künftige Ereignisse kurz einblendet und die Leser neugierig macht. Deutlich wird auch, dass Pete Townshend ein Visionär ist und mit Lifehouse seiner Zeit voraus war.
Es handelt sich bei diesem dreibändigen Werk zwar nicht um eine Autobiografie, dennoch glänzt Christoph Geisselhart mit einer Detailtiefe, die enorm umfangreiche Recherchen voraussetzen und allein aus den Erinnerungen eines Mitglieds der Band nicht entstanden wäre. Zu den Songs gibt es Erläuterungen, wenngleich es in einem so umfangreichen Werk möglich gewesen wäre, diese in Deutsch abzudrucken.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.