Der sensationelle Manuskriptfund - das literarische Großereignis!
Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: „Wer die Nachtigall stört“, erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meistgelesenen Bücher weltweit. Mit „Gehe hin, stelle einen Wächter“ – zeitlich vor „Wer die Nachtigall stört“ entstanden – erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen – bis es eine Freundin der inzwischen 89-jährigen Autorin im September 2014 fand.
In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.
Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend – ein Roman, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
I. Schneider
aus Mannheim
4/5
11.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer die Nachtigall stört...2. Teil
Weltweit ist nun die Fortsetzung von 'Wer die Nachtigall stört' erschienen, ein Buch, das Harper Lee bereits 1957 vor der 'Nachtigall' geschrieben hatte und das von den Verlagen abgelehnt wurde. Das Manuskript war verschollen und wurde erst jetzt durch Zufall wieder entdeckt. Scout ist nun 15 Jahre älter, wird jetzt nur noch Jean Louise genannt, und wohnt in New York. In den Ferien kommt sie in ihre Geburtsstadt Maycomb County zurück und muss feststellen, dass alles, was ihr vertraut und wichtig war, sich geändert hat, unter anderem auch die Einstellung ihres Vaters Atticus Finch, der früher immer ihr großes Vorbild gewesen ist.
Das, was in der Nachtigall so fasziniert hat, Atticus und sein Kampf gegen den Rassismus, hat sich weitgehend verflüchtigt und übrig geblieben ist nur die junge Jean Louise, die vor den Kopf gestoßen ist und mit der Wahrheit über ihren Vater, den Helden,konfrontiert wird. Meiner Meinung nach kommt 'Gehe hin, stelle einen Wächter' nicht an die 'Nachtigall' heran. Leider.
Bewertung
3/5
29.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer das Buch oder auch den Film...
Wer das Buch oder auch den Film "Wer die Nachtigall stört" kennt, geht mit einer gewissen Erwartungshaltung an dieses Buch, das zwanzig Jahre später spielt, aber der Erstling der Autorin ist. Ob Erwartungen erfüllt oder enttäuscht werden, muss jeder Leser für sich entscheiden.
Igelmanu66
aus Mülheim
3/5
11.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wo die Vernunft endet
»Jean Louise hatte Mr. OHanlon noch nie gesehen und auch noch nie von ihm gehört. Seine einleitenden Worte machten ihr allerdings klar, wer er war ein ganz normaler, gottesfürchtiger Mann genau wie jeder andere auch, der seine Arbeit aufgegeben hatte, um sich mit ganzen Kräften für die Aufrechterhaltung der Rassentrennung einsetzen zu können.«
Die Hasstirade, die Mr. OHanlon da im Bürgerrat von Maycomb von sich gibt, bestürzt Jean Louise. Dass ihr Freund und potentieller künftiger Ehemann still daneben sitzt, schockiert sie. Aber dass ihr Vater, der Rechtsanwalt Atticus Finch, der für sie zeitlebens der beste Mensch auf der Welt war, ebenfalls diesem Bürgerrat angehört und nicht nur als normales Mitglied, sondern als Vorstand bringt ihre Welt zum Einsturz.
Jeder, der Wer die Nachtigall stört gelesen hat, kennt Scout. Nun, aus der kleinen Scout ist die erwachsene Frau Jean Louise geworden, die mittlerweile 26 Jahre alt ist, fern der Südstaaten in New York lebt und jährlich ein paar Wochen zu Besuch in die alte Heimat reist. Wochen, auf die sie sich immer gefreut hat, die ihr glückliche Kinderzeiten in einer heilen Welt in Erinnerung rufen. Aber in diesem Jahr ist nichts mehr heil
Die Handlung spielt in der Mitte des 20. Jahrhunderts, das Thema Aufhebung der Rassentrennung ist in aller Munde. Während in New York bereits kleine Fortschritte zu erkennen sind, hat Jean Louise in Maycomb den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß sich drastisch verschlechtert hat. Und auch die Menschen, die sie liebte, die ihr in ihrem Leben Sicherheit gegeben hatten, sind nicht mehr die alten
»Was war das für ein dunkler Schatten, der die Menschen erfasst hatte, die sie liebte? Was verwandelte ganz normale Männer in vulgäre Schreihälse, was ließ ihresgleichen verhärten und »Nigger« sagen, wo ihnen das Wort doch vorher nie über die Lippen gekommen war?«
Rassismus ist natürlich auch in Wer die Nachtigall stört ein großes Thema, aber während es dort in die übrige Handlung eingebettet wird, dominiert es hier. Während die Nachtigall (die zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt) mich am Ende mit einem Gefühl der Hoffnung verabschiedet, habe ich nach der Beendigung des Wächters ein Zorngefühl im Bauch.
Natürlich und unbestritten: Rassismus ist und bleibt ein wichtiges und leider auch ständig aktuelles Thema. Da braucht auch keiner auf die USA zu schielen, Rassismus funktioniert nicht nur mit Schwarzen und Weißen. Wir Deutschen sollten das wissen. Dieses Thema ist mir ein richtiges Herzensanliegen und ich freue mich eigentlich über jedes Buch, das es aufgreift. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Umsetzung hier so gut ist.
Anstatt einfach nur die Tatsachen für sich sprechen zu lassen, wird unglaublich viel diskutiert. Jean Louise ist engagiert und bereit, für ihre Ansichten einzutreten das ist super und verdient Anerkennung. Manchmal können wir beim Lesen einfach nur ihren Gedankengängen folgen, dann ist alles gut, denn die spielen sich auf der emotionalen Ebene ab und erreichen den Leser direkt
»Wieso läuft es ihnen nicht kalt den Rücken runter? Wie können sie andächtig alles glauben, was sie in der Kirche hören, und dann sagen, was sie sagen, und sich anhören, was sie sich anhören, ohne dass ihnen schlecht wird?«
Aber über viele Seiten hinweg wird über amerikanische Geschichte gesprochen, über Demokraten und gestrichene Zusatzartikel in Verfassungen. Mal ganz davon abgesehen, dass sicher nicht wenige Menschen hier Personen, Schauplätze und Artikel der amerikanischen Geschichte erst mal nachlesen müssen, drängt sich doch zwangsläufig das Gefühl auf, dass dies alles weit weg und lang her ist und mit einem selber in der heutigen Situation nichts zu tun hat. Und eben das ist ein Irrtum. Zudem sind solche Abschnitte nicht immer leicht zu lesen und verleiten dazu, sie nicht sorgfältig zu lesen.
In einem anderen Abschnitt ist mir die Lektüre noch erheblich schwerer gefallen. Dabei ging es darum, dass Jean Louise (ja, sogar sie) ein Problem mit den Reformen in ihrer Kirche hat. Sicher, das sollte wohl verdeutlichen, wie tief in beinah jedem Menschen der Wunsch nach gewissen Inseln der Sicherheit, der alten Gewohnheit, vorliegt. Aber die detaillierten Ausführungen über Methodisten, Baptisten, Presbyterianer, Kirchenlieder, Riten und Prediger fand ich im Umfang schon ermüdend.
Versöhnt haben mich die Kapitel, in denen sich Jean Louise an Ereignisse ihrer Kindheit erinnerte. Da war er dann auch, der Charme und das gute Gefühl, das sich bei mir beim Lesen der Nachtigall regelmäßig einstellt. Auch die erwachsene Scout kann Sätze sagen, die so einfach und so klar sind, dass sie direkt ans Herz gehen
»Ich dachte, wir wären einfach bloß Menschen.«
An anderer Stelle enttäuscht sie mich leider, denn auch sie scheint es als gegeben und geradezu normal hinzunehmen, dass den Schwarzen ein niedriges Bildungsniveau attestiert wird. Hier verpasst sie (und damit das Buch) die Chance, auf den Wert einer vernünftigen Schulbildung und das Recht darauf hinzuweisen.
Fazit: Vom Grundansatz her ein gutes Buch, das gerade in der heutigen Zeit deutlich machen kann, dass sich die armen Südstaatler, die mittels ihrer Bürgerräte sich lediglich zu verteidigen suchten, nicht von den besorgten Bürgern unserer Zeit unterscheiden. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass das Buch die Menschen, die es erreichen müsste, auch tatsächlich ansprechen kann. Die sehr viel einfachere, emotionale Art der Nachtigall kann den Wächter im Menschen, sein Gewissen, sicher leichter ansprechen.
»Aber die weißen Rassisten fürchten die Vernunft, weil sie wissen, kühle Vernunft ist stärker als sie. Vorurteile, ein schmutziges Wort, und Glaube, ein sauberes, haben etwas gemein: Sie fangen beide da an, wo die Vernunft endet.«
Bewertung
5/5
02.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Scout kehrt heim
Scout ist erwachsen und kehrt heim in den Süden. Doch etwas hat sich verändert, Scout hat sich verändert. Sie passt nicht mehr hinein in das kleine Städtchen, in dem Schwarze lange als Sklaven behandelt wurden. Scout weigert sich, sich anzupassen, sei es in Bezug auf ihre Kleidung, ihre Einstellung oder ihre Lebensweise. Dies führt nicht nur mit ihrem Vater Atticus zu Konflikten...
Harper Lees zweiter Roman polarisiert und ist ganz anders als "Wer die Nachtigall stört". Er ist aufgebrachter, energischer und intensiver. Scout hinterfragt, versteht nicht und rebelliert und mit ihr der Leser. "Gehe hin, stelle einen Wächter" ist um einiges schwerer zu verarbeiten als das erste Buch, es nimmt mit und wirkt nach. Großartig.
Bewertung
5/5
16.09.2016
Buch (Taschenbuch)
Was für ein zeitloses Buch
Was für eine Sensation! 2015 erschien weltweit ein 2. Buch von Harper Lee. Die meisten von uns haben wohl „Wer die Nachtigall stört“ entweder gelesen und/oder als wundervollen Film mit Gregory Peck angeschaut. Bei mir ist es beides schon etwas her, aber ich habe auch beides in sehr liebevoller Erinnerung behalten. Da erstaunte es doch, dass Harper Lee, die zu dem Zeitpunkt 89 Jahre alt war, anscheinend schon vor „Wer die Nachtigall stört“ ein Buch geschrieben hatte, welches von den Verlagen abgelehnt wurde. Wieso kam es erst 2015 heraus? Wollte die Autorin es wirklich veröffentlicht sehen? Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich den wunderbaren Artikel von Felicitas von Lovenberg den sie am 23.07.2015 in der FAZ veröffentlich hat.
Harper Lees Roman (geschrieben 1957) spielt in den 50er Jahren in Maycomb County, dem Ort, in dem auch „Wer die Nachtigall stört“ gespielt hat. Scout, die Tochter des Anwalts Atticus Finch, ist inzwischen erwachsen und lebt in New York. Sie wird jetzt auch nicht mehr Scout genannt, sondern Jean Louise. Sie kommt zu einem Sommerurlaub nach Hause und macht dort eine erschreckende Entdeckung. Ihr Geburtsort ist ihr fremd geworden. Sie war ja schon immer anders als die anderen Kinder. Und dies hat sich durch ihr Leben in New York noch verstärkt. In Maycomb herrschen noch die alten Sitten und Gebräuche. Die Frauen kümmern sich um die drei Ks. Sie machen sich jeden Tag hübsch für ihre Männer und plappern brav nach, was diese so von sich geben. Jean Louises Tante Alexandra, die inzwischen für ihren Bruder den Haushalt führt, kritisiert andauernd Jean Louises Aussehen. Kein Lippenstift und Hosen! Und dann merkt Jean Louise, dass sich auch die Stimmung vor Ort geändert hat. Während die schwarzen und weißen Mitbürger einigermaßen freundlich miteinander umgegangen sind, herrscht jetzt eine strikte Trennung. Und es hat sich in Maycomb County ein Bürgerrat gebildet, dem sehr zu Jean Louise Entsetzens auch ihr Vater und ihr Freund aus Kindertagen, Henry, angehören. Sie sind gegen die Forderung des Obersten Bundesgerichts, die den Schwarzen die gleichen Bürgerrechte zubilligen wollen. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit ihrem Vater.
Es ist dies ein ganz anderes Buch als „Wer die Nachtigall stört“. Bei dem zuerst erschienenen Buch wurde die Geschichte aus Kindersicht erzählt. Es war eine sehr versöhnliche Sichtweise. „Geh hin, stelle einen Wächter“ ist da ganz anders. Harper Lee wechselt zwischen der Erzählung, wie Jean Louise nach Maycomb County zurückkehrt und den Gedanken, die sich Jean Louise macht. Es ist ein Buch, welches sich sehr intensiv mit der Zeit der Rassenkonflikte in den USA beschäftigt. Jean Louise kann einfach nicht verstehen, wie die Menschen in ihrer Heimatstadt ticken. Es ist ein großartiges Buch, was sehr zum Nachdenken anregt. Das einzige, was mir an diesem Buch gefehlt hat, ist ein Nachwort vom Verlag. Ich hätte gerne noch etwas mehr über die Entstehung des Buches, die Hintergründe und eine geschichtliche Einordnung der Zeit in den USA bekommen. Denn darüber weiß in Deutschland nicht jeder Bescheid.
Als ich dieses Buch schon relativ weit gelesen hatte, hab ich festgestellt, dass dieses Buch einfach zeitlos und damit immer aktuell ist. Denn immer wird es Menschen geben, die Angst vor Menschen haben, die anders sind. Sei es die Hautfarbe, die Religion, die Nationalität, die sexuelle Orientierung oder die Gesundheit der Menschen. Was anders ist macht Angst. Der Mensch muss sich dagegen wappnen. Je nach Temperament kämpft er für oder gegen diese andersartigen Menschen. Besonders schwierig sind aber die Menschen, die einfach ihr Fähnchen in den Wind hängen, die sogenannten Mitläufer. Sie sind nämlich eine Grauzone und sehr schwer zu enttarnen. Sie stützen so manches Unrechtsregime. Und genau in diese Wunde hat Harper Lee schon sehr früh ihre Finger legt. Es war kein Wunder, dass das Buch nicht erschienen ist, als sie einen Verlag dafür gesucht hat. Es hätte nämlich zu vielen Menschen einen Spiegel vors Gesicht gehalten.
Dieses Buch ist einerseits eine ideale Lektüre für Leserinnen und Leser, die gerne durchaus kritische, aber liebevolle Bücher über den Süden der USA mögen. D.h. die gerne „Gute Geister“ von Kathryn Stockett, „Grüne Tomaten“ von Fannie Flagg oder auch „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd gelesen haben. Allerdings ist dies Buch auch gerade jetzt sehr interessant für Menschen, die sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation beschäftigen, denn auch hier kommen wieder unsere Ängste durch.
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5/5
23.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die 26-jährige Jean Louise Finch macht Ferien bei ihrer Familie in ihrer kleinen Heimatstadt in Alabama: Ihr Vater, der unangefochtene Held ihrer Kindheit, wird alt. Ob sie ihren Jugendfreund heiraten möchte, weiß sie nicht und die langjährige Haushälterin hat sich längst in den Ruhestand zurückgezogen. Ihre alte Welt gibt es nicht mehr und die Rassenunruhen der 50er Jahre machen auch vor dem kleinen Ort und ihrer Familie nicht Halt. Der Roman, der schon vor Wer die Nachtigall stört entstanden ist, schildert gleichzeitig den Umbruch einer Gesellschaft und das innere Erwachsenwerden einer jungen Frau. Unbedingt lesen!
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4/5
16.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Gehe hin, stelle einen Wächter
Jean Luise ist 26 und lebt mitlerweile in New York. Als sie während ihres Urlaubs nach Maycomb zurück kommt, wird sie mit dem ungebrochenen Rassismus ihrer Familie und Freunde konfrontiert. Sie muss ihrem eigenen Gewissen folgen und sich gegen ihren Vater behaupten.
Nicht immer löst ein zweiter Band ein, was einem beim ersten so gut gefallen hat - in diesem Fall aber schon.
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