»Post, Post, Post«. Dieser Stoßseufzer, notiert im Kalender unter dem Datum vom Sonntag, dem 4. März 1990, kommt nicht von ungefähr: Christa Wolf war eine ungeheuer produktive Korrespondentin. Ihre Briefe an Verwandte und Freunde, Kollegen, Lektoren, Politiker, Journalisten geben faszinierende Einblicke in ihre Gedankenwelt, ihre Schreibwerkstatt, ihr gesellschaftliches Engagement. Ob sie an Günter Grass oder Max Frisch schreibt, von Joachim Gauck Einsicht in ihre Stasi-Akte fordert oder sich mit Freundinnen wie Sarah Kirsch und Maxie Wander austauscht, wir sind Zeuge von Freundschaften und Zerwürfnissen, Auseinandersetzungen und von Bestätigung, von der Selbstfindung einer der wichtigsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt beeindruckt ihr Umgang mit der Flut von Leserbriefen, die sie mit zunehmendem schriftstellerischen Erfolg erreicht und auf die sie geduldig und kundig - und manchmal auch mit der gebotenen Direktheit - eingeht.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
aus Berlin
5/5
09.12.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Matthias Bath / Thomas Stein / Christa Wolf
Ja, hallo erstmal, wenn ich Rüdiger Hoffmann hieße, dann würde ich sagen: Ich weiß gar nicht, ob Sies wussten, ich stehe mit meinem Buch GRENZTERROR in der Bibliothek des BStU in der Karl Liebknecht Str. zwischen Ihnen und Matthias Bath (Der SD in Dänemark 1940 1945 Heydrichs Elite und der Gegenterror) und da fühle ich mich gut eingebettet.
Was sagt mir der Brief vom 31.05.1965 an Herrn Börner in Warnemünde? Proust, Joyce und Musil kannte ich damals nicht, Kafka las ich im Knast. Ob Uwe Johnson nun der Mann vor oder hinter der Mauer war, weil man auf der Mauer nur in erschossenem Zustand sein könne, will ich hier nicht beurteilen. Ich war bereits im Alter von 15 Jahren auf der Mauer und die Kugeln schlugen neben mir, in eine Hauswand ein. O Deutschland meine Trauer, dich trennt `ne dicke Mauer und wenn man sich der Mauer naht, läuft durch das Mienenfeld, springt über Stacheldraht und rennt dann weiter, unverdrossen, wird man erschossen von Genossen, schrieb ich damals in meiner Zelle in Rummelsburg.
11 Jahre nach dem Brief an Herrn Börner, da war ich 18 Jahre alt, die Konferenz der Kommunistischen Arbeiterparteien Europas, insgesamt 29 Parteien aus aller Welt, traf sich damals in Berlin, fuhr ich im Juni 1976 nach Warnemünde um einen Seenotrettungskreuzer zu kapern. Ob Herr Börner vielleicht in der Nähe wohnte und Ihnen einen Brief schrieb?
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