Die Handlung spielt 1930 bis 1932. Der Buchhalter Johannes Pinneberg und seine Freundin, die Verkäuferin Emma "Lämmchen" Mörschel, erfahren, dass sie im zweiten Monat schwanger ist. Nach der kurzentschlossenen Heirat der beiden Verliebten kündigt sich eine glückliche Ehe an, wenn auch in bescheidenen Verhältnissen. Doch das Glück ist nicht von Dauer ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
27.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Es wird schon irgendwie gehen…
Ich muss zugeben, der Hauptgrund warum dieser Roman auf meiner Leseliste stand war der niedliche Titel. Wie passend er ist, merkt man allerdings erst nach der Lektüre so wirklich.
Wir folgen Johannes Pinneberg - dem sinnbildlichen Kleinen Mann - und seinem „Lämmchen“ dabei, wie sie sich auf Gedeih und Verderb bemühen, im Deutschland der frühen 1930er Jahre über die Runden zu kommen. Geld ist knapp und Arbeit schwer zu bekommen. Die Nazis sind gerade erst am Weg des Aufstiegs, und auch sonst ist die Stimmung sehr angespannt. Und dann ist da auch noch das Baby, das bald kommt…
Bemerkenswert ist, dass Hans Fallada diesen Roman in derselben Zeit schrieb, in der er spielt, also noch vor der Machtergreifung Hitlers und dem Zweiten Weltkrieg. Der Unmut in der Bevölkerung ist schon deutlich spürbar, der Leser weiß natürlich von dem drohenden Gewitter im Hintergrund, die Charaktere (und der Autor, zu diesem Zeitpunkt) haben aber noch keinerlei Ahnung, was da noch kommen wird.
Die Sprechweise der Charaktere (in einem - wie ich nur vermuten kann - damals wohl sehr angesagten Jugendslang) ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch schließt man die Charaktere schnell ins Herz. Die Pinnebergs sind bei Weitem keine Heiligen, aber im Verlauf der Handlung kann man fast nicht anders, als jedem Hoch und jedem Tief mitzufiebern, sich mit ihnen zu freuen und mit ihnen an den Rand der Verzweiflung zu stoßen.
Fallada schreibt mit einem Witz und einer Frische, die ich einem Autor seiner Zeit kaum zugetraut hätte. Die Dynamik zwischen Pinneberg und seiner Frau ist auch eine überraschend moderne, denn „Lämmchen“ (bürgerlich Emma) ist auffällig oft diejenige der beiden, die das Ruder in die Hand nimmt und dafür sorgt, dass es am Ende dann doch irgendwie geht.
Juti
aus HD
5/5
22.05.2018
Buch (Taschenbuch)
Ich habe mit der jetzigen…
Ich habe mit der jetzigen Orginalausgabe zum ersten Mal den Roman gelesen. Und vieles aus dem heutigen Arbeitsleben wiederentdeckt. Mag sein, dass der Unterschied zwischen Arbeiter und Angestellten heute nicht mehr so groß ist, aber Solidarität unter den Arbeitnehmern- wo gibt es sie noch? Nein, als der Junge in Ducherow entlassen wird, war da nicht klar, dass seine Kollegen nicht kündigen würde. Auch als er in Berlin noch die Verkaufsquoten erfüllen will und darum betet, ein Schauspieler kommt und sich Waren für 1.000 Mark zeigen lässt, dann aber nichts kauft. Erinnert das nicht an die Internetgeneration, die im Geschäft sich Waren ansieht und dann im Internet kauft. Wohlgemerkt 1931 ist das Buch erschienen. Groß, sehr groß ist auch die Liebesgeschichte zwischen Lämmchen und dem Jungen. Es kann dir noch so schlecht gehen, wenn du einen Menschen kennst, der zu Dir hält. Auch die Nackterzählung mit Herrn Heilbutt und der Ausflug ins Berliner Nachtleben lassen nichts zu wünschen übrig. Den Anhang habe ich vor der Lektüre des Romans mit Interesse gelesen. Klingt plausibel. Bestnote.
PMelittaM
aus Köln
5/5
16.03.2018
Buch (Taschenbuch)
Ein Werk, das man gelesen haben sollte
1930: Pinneberg und Lämmchen sind noch nicht lange zusammen, als Lämmchen schwanger wird, es folgt die Hochzeit und das Zusammenziehen und eine ganze Reihe neuer Probleme, denn Pinnebergs Gehalt reicht kaum für zwei und seine Arbeitsstelle ist alles andere als sicher.
Erstmals ist Falladas Roman nun so erschienen, wie der Autor ihn zunächst geschrieben hatte, in einem Nachwort erfährt man mehr darüber. Ich kenne die gekürzte Fassung nicht und finde die Ursprungsfassung gut wie sie ist, Längen oder Kürzenswertes habe ich nicht feststellen können.
Fallada hatte ein gutes Auge für die Probleme der Zeit, lässt seine Protagonisten allerhand durchmachen, als junges Ehepaar bzw. junge Eltern, bei der Wohnungssuche, dem Auskommen mit den vorhandenen Geldmitteln, Angst vor Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von den Arbeitgebern, alles wirkt authentisch und manches fast aktuell. Auch das Figurenensemble überzeugt, Lämmchens Arbeiterfamilie mit entsprechender Gesinnung, Pinnebergs halbseidene Mutter und ihr zwielichtiger Lebensgefährte, die Kollegen und Vorgesetzten Pinnebergs …, hier trifft man auf viele damals anzutreffende Menschentypen.
Fallada erzählt ausführlich, treffend und mit viel Humor, die Geschichte ist oft bedrückend, manchmal aber auch hoffnungsvoll, sie lässt sich wunderbar flüssig lesen und unterhält, trotz des deprimierenden Hintergrunds, gut. Der Roman ist ein Zeitzeugnis mit Zeitkolorit und viel Authentizität. '
In einem Nachwort des Literaturwissenschaftlers Carsten Gansel, der an der Wiederentdeckung der Originalfassung beteiligt war, erfährt man einiges über das Leben des Autors und die Entstehung des Romans, ich habe es mit großem Interesse gelesen.
Insgesamt kann ich den Roman (in seiner Originalfassung) uneingeschränkt empfehlen, er gehört zu den Werken, die man gelesen haben sollte. Für mich wird es nicht das letzte Werk Falladas gewesen sein.
Lisega
5/5
13.12.2017
Buch (Taschenbuch)
Hans Fallada wurde Anfang der…
Hans Fallada wurde Anfang der 30er Jahre mit seinem Roman „Kleiner Mann, was nun?“ weltberühmt. Das Schicksal des jungen Paars Johannes Pinneberg und Emma Mörschel - die beiden nennen sich nur „Lämmchen“ und „Junge“ - begeisterte damals nicht nur die Leserschaft in Deutschland. Die Protagonisten des Romans lernen sich im Sommer 1930 in der norddeutschen Provinz kennen und heiraten, als sich Nachwuchs ankündigt. Als Pinneberg seine Stellung als Verkäufer verliert, kommen die jungen Leute zunächst bei seiner ungeliebten Mutter Mia in Berlin unter, deren Lebensgefährte Jachmann ihm auch eine Stelle beim großen Warenhaus Mandel verschafft. Doch die Sorgen reißen nicht ab: Wie soll das Paar mit dem mickrigen Gehalt über die Runden kommen? Wie verkraftet Pinneberg den steigenden Verkaufsdruck im Laden? Wo findet man eine günstige Wohnung? Und wird es den beiden gelingen, den neu geborenen Murkel richtig großzuziehen? Neben all den Alltagssorgen versteht es Hans Fallada, in „Kleiner Mann – was nun?“ immer wieder humorvolle Szenen und Dialoge einzubauen. Seine grundsympathischen Protagonisten wachsen dem Leser schnell ans Herz, und die authentische Schilderung des Milieus der Pinnebergs, die Mischung aus Sentimentalität und Sachlichkeit, beruflicher Ausweglosigkeit und privater Idylle, verleihen dem Roman einen ganz eigenen Charme. In dieser Originalfassung sind auch bis jetzt unveröffentlichte Abschnitte wie z.B. der Besuch verschiedener Nachtclubs, politische Kommentare und innere Monologe Pinnebergs zu lesen. Durch diese Details gewinnen die Charaktere an Tiefe, und die Atmosphäre zum Ende der Weimarer Republik wird noch greifbarer.
Bories vom Berg
aus München
4/5
07.02.2021
Buch (Taschenbuch)
Beklemmend aktuell Mit dem…
Beklemmend aktuell Mit dem Roman «Kleiner Mann, was nun?» gelang Hans Fallada 1932 literarisch der Durchbruch, der Bestseller wurde schon ein Jahr später verfilmt, sein Titel wurde zum geflügelten Wort. Eine ungekürzte Neuauflage mit einem informativen Nachwort ist 2016 erschienen. Wie sich zeigte, war die bisher verbreitete Buchfassung um fast ein Viertel gegenüber dem überraschend aufgetauchten Manuskript gekürzt, vor allem um politisch und moralisch ehedem bedenkliche Textpassagen. Als großartiger Zeitroman zeugt diese im Stil der Neuen Sachlichkeit erzählte Geschichte von der Fähigkeit seines Autors, Lebenswirklichkeit literarisch stimmig zu erfassen. Der kleine Mann des Romans heißt Johannes Pinneberg, er arbeitet als Buchhalter und verliert durch eine Intrige seine Stellung. Als seine Freundin «Lämmchen» schwanger wird, heiratet er sie kurz entschlossen, das verliebte Paar freut sich trotz seiner bitteren finanziellen Nöte auf den «Murkel», wie sie das Ungeborene nennen. Pinnebergs Mutter, mit der er schon vor Jahren gebrochen hat, lädt die Beiden ein, zu ihr nach Berlin zu kommen, sie könnten bei ihr wohnen, und für eine Stellung würde sie auch sorgen. Wie von ihm befürchtet, geraten sie bei ihr jedoch in ein zweifelhaftes Etablissement. Jachmann allerdings, der zwielichtige Freund der Mutter, besorgt Pinneberg tatsächlich eine Stellung als Verkäufer in einem großen jüdischen Kaufhaus. Auch in diesem Job wird er aber nach einem Jahr fristlos gekündigt, das Paar mit dem inzwischen geborenen Sohn wohnt schließlich illegal in der Gartenlaube eines Freundes. Lämmchen verdient mit Näharbeiten ein wenig Geld, Pinneberg bekommt eine spärliche Arbeitslosen-Unterstützung. Am Ende des Romans muss er erleben, dass ihn ein Polizist vom Bürgersteig vor den eleganten Geschäften wegjagt, weil er dort als «Gesindel» nur stört. Er verliert dadurch schlagartig jede Selbstachtung. Als er völlig verzweifelt in die Laubenkolonie zurückkehrt, richtet ihn Lämmchen wieder auf. «Du bist doch bei mir, wir sind doch beisammen». Der versöhnliche letzte Satz lautet: «Und dann gehen sie in das Haus, in dem der Murkel schläft.» In einem Brief hat Hans Fallada seinen Romanhelden als «Garnichts» bezeichnet, als einer von sechs Millionen dahin vegetierenden Arbeitslosen, von dem er erzähle, «was er fühlt, denkt und erlebt». Das sozialkritische Werk hatte während der Weltwirtschaftskrise den Nerv der Zeit getroffen, auch die Machtergreifung der Nazis warf bereits ihre Schatten voraus. Das Figuren-Ensemble enthält die verschiedenartigsten Typen: die Mutter als Lebedame, ihr Freund Jachmann als sympathischer, hilfsbereiter Krimineller, den netten, großzügigen Arbeitskollegen und FKK-Anhänger, die freundlichen Schwestern im Entbindungsheim, die fiesen Vorgesetzten, die desinteressierten Beamten. Von den beiden Protagonisten erweist sich Lämmchen als die Stärkere, ihr Lebenswille bleibt ungebrochen. Sie schöpft trotz der vielen Schicksalsschläge auch im ständigen sozialen Abstieg immer wieder neuen Mut und vermag ihrem verzagten «Jungen» ebenfalls Zuversicht einzuhauchen. Hans Falladas Geschichte ist voller harter Lebenswahrheiten, die auch für sozial Abgehängte unserer Zeit, die heutigen »Garnichtse», unverändert gelten. Seine beklemmend aktuelle Kapitalismus-Kritik verdeutlicht er eindrucksvoll am Umgang der Unternehmer und Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern. Die sind ihrer Willkür und ihren Launen hilflos ausgeliefert angesichts einer jederzeit verfügbaren «Reservearmee» Arbeitsloser. Pinneberg träumt wegen des ewigen Kampfes ums Geld und des Ringens mit einer abstrusen Bürokratie, angeregt durch Robinson Crusoe, von einem Rückzug in die innere Emigration. Das Ehepaar findet sein stilles Glück daheim bei ihrem Murkel, immer ehrlich bleiben ist ihre Maxime, allen Anfeindungen zum Trotz. Der in einer leicht lesbaren Sprache geschriebene, in vier Teile gegliederte und chronologisch erzählte Roman ist in seiner Thematik beklemmend aktuell gebli
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5/5
16.09.2022
Buch (Taschenbuch)
Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück für die Pinnebergs...
In den letzten Tagen habe ich dieses Buch auf dem Lesetisch meines Vaters liegen sehen. Mir hat es aber vor vielen Jahren meine Mutter in die Hand gedrückt. Denn sie liebte die Geschichte vom "Jungen" und seinem "Lämmchen" sehr. Dem jungen Paar, das während der Weltwirtschaftskrise eigentlich nur sein eigenes kleines bisschen Glück aufbauen möchte- aber immer wieder vom Schicksal böse Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt. Einzig ihre tiefe Liebe zueinander hält sie davon ab, zu verzweifeln. Schonungslos, aber dennoch wunderschön und immer mal wieder mit einer Prise aufblitzenden tragikomischen Humors (Stichwort Lachs...).
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