Cihan Acars brisantes Debüt über Heimatlosigkeit und Toleranz in unserer zerrissenen Gesellschaft ist "ein rauschhafter Trip durch Heilbronn, der den Leser sofort in seinen Bann zieht." Benedict Wells
Es sind die heißesten Tage im Jahr, Hundstage, die, so glauben manche, schweres Unheil bringen. Kemal Arslan läuft durch Heilbronn, ein Fußballstar, der nach einem Unfall seine Karriere beenden und von vorn anfangen muss. Unbeteiligt steht er auf einer türkischen Hochzeit herum, geht in ein Striplokal und ins Wettbüro, gerät mitten hinein in eine Straßenschlacht zwischen Rechten und Migranten, trifft seine Exfreundin Sina und besucht seine Eltern, die, wie die meisten Türken der Stadt, in Hawaii wohnen, einem Problembezirk mit heruntergekommenen Hochhäusern und rauem Straßenleben, der rein gar nichts mit dem Urlaubsparadies gemeinsam hat. Cihan Acar erzählt von zwei Tagen und drei Nächten eines jungen Mannes, in denen er alle Stadien von Illusion, Sehnsucht und Einsamkeit durchquert. Ein Buch über all die Heimatlosen, Nachtgestalten und Romantiker, die im Dazwischen leben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
11.11.2021
eBook (ePUB)
Hawaii
Urlaub ist ja nicht so momentan. Wenn, dann mit Sonnenliege auf Balkonien. Und am besten holt man sich „Hawaii“ von Cihan Acar raus. Das spielt tatsächlich nicht im pazifischen Ozean sondern in Heilbronn und wird erzählt aus der Perspektive Kemals, der als verletzungsgeplagter Ex-Fußballstar in die Stadt am Neckar zurückkehren muss und sich dort irgendwie durch die sommerheißen Tage schlängelt.„Ich will nicht nach Berlin“ sangen Kraftklub vor einigen Jahren. Wieso nicht mal Heilbronn, dachte sich Cihan Acar- und denken sich hoffentlich viele weitere Leser!Ein Buch, das sich liest wie ein Rap-Album. Unangestrengt cool und authentisch ohne Ende. Dass ich das mal über ein Buch sagen würde – Hawaiiesk!
fantafee
5/5
31.03.2020
eBook (ePUB)
2 Tage und 3 Nächte in Heilbronn, die Stadt brodelt und Kemal mitten drin
Es ist ein heißer Sommer in Heilbronn, das ja nicht für seine Schönheit bekannt ist, aber Kemal, 21 Jahre ist Deutschtürke und liebt auch die häßlichen Seiten seiner Stadt. Es brodelt in diesen Tagen. Mit dem Ruf "Heilbronn, wach auf!“ scharen sich Rechtsradikale zusammen und zeigen ihren Hass auf Ausländer unverhohlen. Dass da ein Echo nicht ausbleibt ist klar.
Wir begleiten Kemal an zwei Tagen und drei Nächten, sehen was er sieht und hören seine Gedanken dazu. Wir erfahren dabei auch viel von seinem Leben. Wie er als Gastarbeiterkind in Heilbronn aufwächst, seine große Liebe Sina trifft und wieder verliert, lernen seine Familie und Freunde kennen, erfahren wie sein Fußballtalent entdeckt wird und er eine vielversprechende Fußballkarriere in der Türkei beginnt. Ein schlimmer Unfall beendet das alles abrupt. Er ist komplett aus der Bahn geworfen, sein Leben ist ein Trümmerfeld. So läuft er einsam und desillusioniert durch die Straßen Heilbronns und wir sehen und fühlen mit ihm. Auch wenn er antriebslos scheint, möchte er sich nicht von anderen vereinnahmen lassen. Er will ein neues (wahres) Leben beginnen, am liebsten mit seiner Liebe Sina. Er weiss noch nicht wo und wie, aber das ist sein Fixstern.
Die Sprache ist jung, die Sätze sind kurz und schnörkellos. Immer wieder bringt einen der Humor zwischen den Zeilen zum Schmunzeln. Ganz so, als säße Kemal direkt vor einem. Ich mochte den Kerl, auch wenn er gerade einen Durchhängen hat. Mit der türkischen Hochzeit zu Beginn und dem anschließenden Gang durch die Straßen Heilbronns, hatte mich die Story sofort an der Angel. Ohne Zweifel, der Autor Chian Acar ist ein guter Erzähler. Ich habe das Buch mit viel Freude gelesen. Nur der Showdown auf der Theresienwiese /Allee hat mich irgendwie verwirrt? aus der Bahn geworfen? Hier fand ich Kemal nicht immer authentisch. Der Schluß, die letzten 10 Seiten, haben mich aber wieder versöhnt.
Sowieso, alle Szenen/Dialoge mit dem Auto und die mit Sina, ja die habe ich geliebt.
Fazit: Ein Buch über das Nicht-dazu-gehören-(wollen), für die Dazwischen-Menschen oder die Romantiker, die auf dem Wartegleis auf ihren Zug warten. Ein Buch auch über Heimat und die Frage „Wer bestimmt darüber was ich als Heimat empfinde"
Es war für mich sehr interessant eine deutsche Geschichte aus dieser Perspektive zu sehen. Auch wenn das Thema nicht lustig ist, die Sprache hatte echt Humor.
Und für alle, die Spotify haben gibt es noch eine Playlist von Cihan Acar zum Buch: https://open.spotify.com/playlist/0y0k7rbP0a3gLUegNhMm2O
INHALT:
„Hawaii“ - Statt um Sonne, Strand und Meer, handelt es sich bei diesem Buchtitel um ein Problemviertel in Heilbronn. Warum das Viertel namentlich einem Urlaubsparadies gleicht, weiß niemand. Vielleicht Ironie? Arbeitslose und Menschen mit Migrationshintergrund wohnen hier. Armut und Kriminalität stehen an der Tagesordnung, man muss aufpassen, um nicht an die falschen Leute zu geraten. „Eine kleine, abgeschlossene Welt im Quadrat, mitten im Industriegebiet“, umgeben von zahlreichen Fabriken. „In Heilbronn riecht es jeden Tag nach Suppe. Das war schon immer so. Die von Knorr haben hier ihr Hauptwerk. Dort entsteht dieser Geruch, der sich jeden Tag über die ganze Stadt legt.“
Hier zieht Kemal Arslan ziellos durch die Straßen. Er war einmal Profifußballer in der Türkei, spielte dort in der ersten Liga gemeinsam mit Einheimischen, Ausländern und mit Leuten wie ihm, die sich irgendwo „dazwischen“ befanden. Das Abitur hat er für seine Karriere damals aufgegeben.
Doch ein Unfall beendete diese schlagartig. Daher ist er nun wieder zurück nach Deutschland gegangen. Hier leben auch seine türkischen Eltern.
Mit seinen 21 Jahren weiß Kemal nicht, was er nun mit seinem Leben anfangen soll. In welche Richtung soll es beruflich gehen? Ob er bei seiner Ex-Freundin Sina noch eine Chance hat?
Kemal begibt sich zu einer Hochzeit, auf der er nicht bleiben mag, in den Stripclub, zu seinen Bekannten, zu Sina und zu dubiosen Wetten.
Gleichzeitig regt sich in der Stadt eine immer stärker werdende rechtsradikale Gruppierung. Ein Türke wird schließlich „abgestochen“. Doch die Gegenseite schläft nicht. Und Kemal muss sich die Frage stellen, wo er eigentlich hingehört…
MEINUNG:
Anfangs hatte ich kurz Bedenken, ob ein Buch über einen ehemaligen Fußballspieler thematisch etwas für mich sein würde. Doch der Autor hat es geschafft, dass mein Interesse am Geschehen gewachsen ist und ich nach einiger Zeit mittendrin angekommen bin. Vielleicht haben auch die ein oder anderen schwäbischen Dialoge dafür gesorgt, dass ich mich direkt ein bisschen heimisch fühlen konnte.
Sehr atmosphärisch schildert Cihan Acar vom Problemviertel Hawaii, wo der Putz von den Wänden bröckelt und ein Graffiti mit Hyänen die Fassaden ziert. Als Leser entstanden bei mir direkt Bilder von den Örtlichkeiten vor den Augen, sodass ich Kemal wie in einem Film durch die Straßen begleitet habe.
Immer wieder wird er als ehemaliger Fußballstar in der Stadt erkannt und blickt zurück auf frühere Zeiten. Auf mich wirkten sehr viele Szenen wunderbar authentisch, wie aus dem Leben gegriffen.
Dass Kemal so ziellos durch die Stadt streift, nicht weiß, was er machen möchte oder wo er hingehört, zeigt, wie sehr er auf der Suche nach sich selbst ist.
Dies und auch seine einfache und manchmal etwas flapsige Ausdrucksweise (z. B. „Nur Freaks in dieser Stadt, ohne Witz.“), ließen das Buch auf mich oftmals mehr wie ein Jugendbuch oder eine Coming-of-Age-Geschichte wirken. Das in seinen Gedanken ihm antwortende Auto, empfand ich als etwas zu kindisch und zu künstlich, diese Stellen hätte ich nicht benötigt.
Dafür gab es aber auch eindrückliche und sehr ehrlich wirkende Szenen. Zum Beispiel fand ich Kemals Moscheebesuch sehr schön geschildert.
Neben Kemals Selbstfindung spielt Rassismus (vor allem gegenüber Migranten) im Buch eine große Rolle, wodurch der Autor Bezug auf das aktuelle politische Geschehen bei uns nimmt und dem Leser nochmals vor Augen führt, wie schnell das alles manchmal eskalieren kann. Zudem stellt er unterschiedliche gesellschaftliche Schichten einander eindrucksvoll gegenüber.
FAZIT: Bei der Thematik hätte ich mir gewünscht, dass mich das Buch emotional noch mehr beeindruckt hätte. Der Schreibstil war mir teilweise etwas zu einfach gehalten. Ansonsten war es ein interessanter und dynamischer Lauf durch die Stadt an der Seite von Kemal, sehr atmosphärisch beschrieben.
Wer eine Coming-of-Age-Geschichte lesen möchte, könnte sich das Buch durchaus mal genauer anschauen. 4/5 Sterne!
Bewertung
aus Kyritz
3/5
14.04.2020
eBook (ePUB)
Das Problemviertel Hawaii in Heilbronn
Kemal ist ein junger Deutschtürke in den besten Jahren. Er lebt in einem Viertel in Heilbronn, das von den Einheimischen Hawaii genannt wird. Er hat einen mächtigen Nackenschlag kassiert, denn er war auf den besten Weg ein Fussballprofi zu werden, ja währe da nicht dieser Unfall gewesen, der nicht nur seine Kariere und damit seine Träume sondern auch seinen Fuß kaputt gemacht hat. Nun sitzt er in eben jenen heruntergekommenen, tristen Viertel fest. Das Geld ist ihm gerade ausgegangen, ohne Job und seine alten Freunde aus besseren Zeiten in besseren Wohngegenden haben ihn schon fast vergessen. Sein Vater besorgt ihm einen Job bei einem zwielichtigen Geschäftsmann. Der Hacken daran, sein Vater zahlt eben jenen zwielichtigen Geschäftsmann eine nicht unerhebliche Summe, das der Sohnemann überhaupt dort arbeiten kann. Zu allem Überfluss brechen die Temperaturen mal wieder sämtliche Rekorde und promt gehen sich eine Bürgerwehr und eine rechtsradikale Vereinigung auf einander los. Stürzen Heilbronn ins Chaos und Kemal mitten drin. Dabei will er weder mit den einen noch mit den anderen was zu tun haben. Fast orientierungslos irrt er durch die Straßen und trifft eine Entscheidung.
Der Autor schafft es zwar den Leser mit flüssigen Schreibstil und den einen oder andern Witz bzw. komische Einlage zu fesseln. Jedoch reicht ein Witz eben nicht aus, um den Leser dauerhaft an ein Buch zu binden.
Die Handlung ist auf wenige Tage beschränkt, in der der Leser Kemal durch sein Leben und seine Stadt begleitet. Man lernt ihn durch etliche Rückblenden und auch durch aktuellen Geschehen und Verhalten kennen. Der Autor bedient wirklich jedes Klischee von trister krimineller Wohngegend, über kriminelle Geschäftsmänner, Bürgerwehren, Rechtsradikale und der Zwickmühle in der sich so manche Deutschtürken befinden. Beschreiten sie einen ehrlichen Weg oder begeben sie sich in das kriminelle Milieu.
Die Figuren sind zwar gut beschrieben, jedoch wachsen sie einen nicht wirklich ans Herz. Zumal man nur sieht wie sich die Hauptfigur treiben lässt ja regelrecht rumeiern und nicht wirklich ein Ziel vor Augen hat. Selbst die Chance einen Schulabschlusses auf das Abi hat er einfach sausen lassen, weil er älter war als alle anderen in der Gruppe. Und dann am Ende zieht der Autor sich ganz einfach raus indem er die Figur auf eine Reise schickt. Und was ist danach? Er kehrt womöglich in dieses Viertel zurück und steht wie auch am Beginn des Buches vor den gleichen Problemen. Mir fehlt hier einfach eine dauerhafte Entwickelung. Er will sich offensichtlich aus dem kriminellen Milieu heraushalten, aber hat damit seine liebe Not. Dabei gibt es garantiert auch in dieser Stadt einen Weg einen rechtstreuen Weg zu gehen.
Fazit: Eine Milieustudie über ein Problemviertel mit allen ihren Schattenseiten. Zeitweise ist es wirklich unterhaltsam. Nur dreht sich irgendwie alles im Kreis und eine wirkliche Entwicklung des Protagonisten, der dann das Weite sucht findet kaum statt. Eigentlich schade man hätte mehr aus diesem Buch machen können. Denn auch in Problemvierteln gibt es auch immer positive Geschichten. Insgesamt also recht einseitig und klischeehaft erzählt. Ein Witz kann nun mal nicht eine ganze Geschichte tragen.
Bewertung
5/5
06.10.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bei Hawaii denken wir doch an Sonne, Strand, Aloha und das Meer. Das Hawaii in diesem packenden Roman ist jedoch der Problembezirk der baden-württembergischen Stadt Heilbronn. Kemal ist im Hawaii aufgewachsen. Er war ein großes Sporttalent und Fussballstar beim türkischen Erstligisten Galatasaray Istanbul. Bis ein Unfall seine Träume platzen ließ und er seine Karriere früh beenden musste. Zurück in seiner Heimatsadt lebt er nun zwischen den Zeiten und Kulturen. Er streift durch Bars und Spielhallen, trifft auf seine Ex-Freundin und besucht seine Eltern, die sich sehr um ihren Sohn sorgen. Kemals Geld geht zur Neige und wer Freund oder Feind ist, ist nicht immer gleich zu erkennen. Nicht nur für Heilbronn Kenner ist Hawaii ein absolut spannender Roadtrip duch eine Stadt im Umbruch.
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