"Die ehrgeizige Berkeley-Studentin Parvin Schams fühlt sich zwischen den liberalen Ideen ihrer charismatischen Professorin und den Erwartungen ihres konservativen afghanisch- amerikanischen Umfelds hin- und hergerissen. Da eröffnet ihr ein Buch eine ungeahnte Möglichkeit, die Theorie in die Praxis umzusetzen und ihre Bestimmung zu finden: Ein Arzt erzählt darin von seinem humanitären Engagement für afghanische Frauen. Parvin ist so begeistert, dass sie für seine Stiftung arbeiten und zugleich ihre Wurzeln erkunden will. Doch vor Ort entdeckt sie, dass die von ihm erbaute Geburtsklinik leer steht und die Bewohner des Dorfes sich seltsam abweisend verhalten. Nach und nach findet Parvin im Gespräch mit ihnen heraus, was es damit auf sich hat. Als Parvins Professorin vertrauliche E-Mails ungefragt veröffentlicht, eskaliert der schwelende Konflikt zwischen Einheimischen und ihren selbsternannten Wohltätern. Erneut muss Parvin entscheiden, wo sie steht.Was bestimmt, wer wir sind und wo wir hingehören? Wie formen die Medien unseren Blick auf die Welt? Und können wir unsere Vorurteile je ablegen? Wie in ihrem gefeierten Roman "Der amerikanische Architekt" stellt sich Amy Waldman den brennenden Fragen unserer Gegenwart in einer packenden und überraschenden Geschichte."
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Spannend, informationsreich und vielschichtig, wäre da nicht diese Hauptfigur
Bewertung aus Zürich am 13.09.2022
Bewertungsnummer: 1785804
Bewertet: eBook (ePUB)
Parvin reist auf den Spuren von Gideon Cranes Buch «Mutter Afghanistan» in ein afghanisches Bergdorf, um zu helfen. Gideon Crane ist ebenso fiktiv wie der Roman selbst. Die Konstruktion des Romans ist interessant und erzeugt Spannung. Man erfährt vieles über die Stellung der Frauen und das dörfliche Leben in Afghanistan - allerdings wie bei Crane aus einer Aussensicht.
«Wie sollte sie [Parvin] sich erklären, dass ihre ursprüngliche Wahrnehmung derart manipulierbar gewesen war, ihre Erinnerung an einen Abend derart revidiert werden musste? Dass Wahrnehmungen so zweifelhaft und Erinnerungen so formbar waren, ängstigte sie. Konnte sie sich selbst überhaupt noch trauen?» (Kapitel 20, Neuraths Schiff).
Völlig missglückt scheint mir die Figur der Protagonistin. Sie ist allzu voreingenommen und naiv gezeichnet. Sie nervt regelrecht im ersten Teil des Romans. Sie erschwert dadurch den Zugang zu tiefer gehenden Fragestellungen, die im Roman angelegt wären.
Ich freue mich, dass ich…
Isabel (engi) aus Bietigheim-Bissingen am 28.07.2024
Bewertungsnummer: 3010573
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich freue mich, dass ich aufgrund einer Lesechallenge zu diesem Buch greifen durfte, denn ich gestehe, das sehr triste Cover – auch wenn es für die sandige Berglandschaft Afghanistans stehen soll – hätte mich eher abgeschreckt. Und genauso trist oder besser gesagt ein wenig schleppend zog sich der erste Eindruck dann auch durch die Anfangskapitel des Buchs. Doch aufgeben stand für mich nicht zur Debatte und so las ich mich immer tiefer in die Geschichte Parvins, die mit sich mit ihrer jugendlichen Naivität, angefeuert durch ein Buch des selbsternannten Gutmenschen Dr. Gideon, auf den Weg nach Afghanistan macht, um dort ihrerseits Gutes zu tun. Da sie selbst afghanische Wurzeln hat und zudem die Sprache beherrscht, fühlt sie sich befähigt, das humanitäre Engagement des Arztes weiterzuführen und zu vertiefen. Vor Ort angekommen ist sie überrascht, wie wenig offen und herzlich sie aufgenommen wird und muss bald feststellen, dass Welten zwischen der Lektüre Dr. Gideons und der Wahrheit liegen. Trägt sie am Ende sogar selbst dazu bei, die Konflikte in dem kriegsgebeutelten Land zu befeuern? Ich sitze hier nun nach beendeter Lektüre und muss sagen WOW! Selten hat mir ein Buch eine solch stimmige Erklärung zu einem Krieg mit Einmischung aus dem Ausland – und hier ist nicht immer nur die USA gemeint – geliefert. Während ich mich während des Lesens immer wieder auf Parvins Seite und dann doch wieder gegen sie stellte … während ich versuchte LTC Trotter und seine Hintergründe zu verstehen, musste ich mir am Ende doch eingestehen, dass keine Einmischung, egal welcher Art, vielleicht besser gewesen wäre. Was hat es nur mit unseren westlichen Kulturen auf sich, dass wir immer meinen, unsere Lebensweise sei das einzig selig machende? Sehr aufschlussreich fand ich auch die Darstellung der Mudschahedin gegenüber der Taliban und musste doch wieder feststellen, wie wenig Ahnung ich von diesem Thema habe und wie ich mich freue, durch dieses Buch ein wenig Licht in dieses Dunkel gebracht zu haben. Alles in allem habe ich aus diesem Buch viel gelernt, die unerwartete Reise nach Afghanistan begrüßt, mit gefiebert, mitgelitten und mitgeweint. Ich denke, ich werde die sogenannten „Erfolge“, die wir westlichen Länder im Ausland erzielen, in Zukunft mit kritischeren Augen betrachten. Trotz oben genannter Schwächen bekommt das Buch von mir mit dicken fünf Sternen die volle Punktzahl und hoffentlich noch viele Leser und Leserinnen. Ein wichtiges Thema, ein „Augenöffner“, dem ich von Herzen noch viel Aufmerksamkeit wünsche!
Meinung aus der Buchhandlung
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Die Wahrheit ist immer subjektiv! Parvin, afghanischstämmige Amerikanerin und frischgebackene Medizinanthropologin, reist naiv und voller Elan in ein kleines afghanisches Dorf, um im Krankenhaus einer amerikanischen Stiftung zu arbeiten. Vor Ort ist alles völlig anders als erwartet. Doch sie ist Wissenschaftlerin genug, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ein Lehrstück über Information, Manipulation und Gutgläubigkeit, Vorurteile, Korruption und Realpolitik. Nie hatte ich mir vorher Gedanken gemacht über die schwierige Rolle eines Dolmetschers, der als erster den Clash der Kulturen abzufedern hat.
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