Warum hat sie diese Einladung bloß angenommen? Weihnachten ist ja bekanntermaßen das Fest der Familie. Daher nimmt sie ihre beiden Kinder mit zu ihrem Cousin, der die alleinerziehende Mutter großmütig eingeladen hat, sich mit seiner Musterfamilie und der Familie eines befreundeten Bankers an den üppig gedeckten Tisch zu setzen. Ein Essen in seliger Eintracht im Glanz des Weihnachtsbaumes? Nicht ganz … Denn lauscht man dieser jungen Frau von heute, offenbart sich, was sie angesichts der virulenten Themen unserer Gesellschaft fühlt und denkt. Doch sie wird sich nicht unterkriegen lassen. Schließlich hat sie zwei Kinder in diese Welt gesetzt und wird alles dafür tun, dass sie eine Zukunft haben.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
4/5
09.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mitreißend auf den Punkt gebracht
In diesem Buch erleben wir im Inneren Monolog die Gedankengänge einer alleinerziehenden Mutter, die zum Essen eingeladen wurde. Jeder kennts, die typischen Gespräche zu Tisch, denen man am liebsten aus dem Weg gehen würde. Mit viel Witz und zynischen Worten bringt die Autorin die angesprochenen Themen auf den Punkt. Das Lesevergnügen ist zwar kurz, spricht einem aber doch aus der Seele.
Bewertung
4/5
30.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Kammerspiel
Die Hauptfigur, eine alleinerziehende Mutter, 36 Jahre alt, befindet sich bei einem Weihnachtsessen ihres Cousins Martin und dessen Frau Francoise. Ebenfalls eingeladen sind dessen Freund Phillippe nebst Gattin Muriel. Aus der Sicht unserer Protagonistin bekommen wir ein Gespräch über Politik, Kinder und persönlichem Wetteifern geschildert: entlarvend, bisweilen auch zynisch..
Das Faszinierende an diesem Kammerspiel ist, dass wir alle schon derlei unangenehmen Gesprächen beigewohnt haben und uns die Hauptfigur oftmals aus der Seele spricht. Nach Dieudonnés erstem Buch “Das wirklich wahre Leben”, habe ich mich direkt auf ihr neues Werk gestürzt, auch wenn es sich eher um ein schmales Bändchen handelt. Das aber hat es in sich und liefert Gesellschaftskritik auf den Punkt.
Bewertung
aus Freudenberg
4/5
26.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gelungene Gesellschaftskritik, die gerne etwas länger hätte sein können
Das Cover gefällt mir recht gut, wahrscheinlich vor allem, weil es so auffällig ist und ohne Probleme aus der Masse heraussticht. Man erkennt zudem direkt den Bezug zu ihrem anderen Buch und obwohl sie inhaltlich nicht direkt miteinander in Zusammenhang stehen.
Die Story als solche ist schnell erzählt, auch weil sie einfach nur wenige Seiten umfasst: Eine alleinerziehende Frau wird zusammen mit ihren Kindern von ihrem Cousin Martin zu Weihnachten eingeladen, ebenso wie dessen erfolgreicherer Freund Philippe nebst Frau Muriel und den gemeinsamen Kindern. Während des Essens kommen unangenehme Themen auf den Tisch, die ein neues Licht auf die Menschen wirft.
Ich habe erst vor kurzem „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonne gelesen und wirklich sehr geliebt. Ich fand sowohl die sprachliche als auch die literarische Gestaltung dieses Buches unglaublich gelungen und hatte gehofft, dass es mir mit diesem Buch ebenso geht. Vom Schreibstil her gibt es hier auch keinerlei Unterschiede. Ich war mit dem ersten Satz in der Geschichte drin und obwohl man wenig über die Protagonistin erfährt, mochte ich sie direkt. Der Schreibstil ist wirklich gut, pointiert, witzig und dennoch gut verständlich, sodass man die Geschichte trotz der teilweise schweren Themen wirklich gut lesen kann.
Auch die Geschichte ist wirklich gut gelungen, auch wenn sie mir mit 112 Seiten (noch sehr viel weniger sind es beim eBook) definitiv zu kurz ist. Es ist natürlich eine Art Weihnachts-Kurzgeschichte der etwas anderen Art und absolut gelungen, aber ich habe zu Beginn des Lesens nicht damit gerechnet und war etwas enttäuscht, wie kurz es war. Auch weil es ansonsten wirklich sehr unterhaltsam war, man hatte fast das Gefühl, gemeinsam mit den Personen am Weihnachtstisch zu sitzen. Jeder kennt diese Situationen, wenn man mit seiner Familie an einem Festtisch sitzt und über die diversen politischen Entwicklungen redet und streitet. So fühlt sich auch dieses Buch an, man hat den Eindruck, als würde man ebenfalls an diesem Tisch neben der Protagonistin sitzen und ihren sarkastischen Kommentaren lauschen und sich mit jedem Wort von Philippe mehr über ihn zu ärgern.
Alles in allem habe ich diese Kurzgeschichte wirklich gerne gelesen, einfach weil gefühlt jeder solche Situationen schon erlebt hat, wenn man zu einer Feier mit seiner Familie an einem Tisch sitzt und es immer den einen Mann gibt, der zu allem etwas zu sagen hat. Das finde ich hier einfach unglaublich treffend gestaltet, musste immer wieder darüber schmunzeln, es hat aber gleichzeitig aber auch zum Nachdenken angeregt und mich gut unterhalten.
Bewertung
4/5
17.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein schnell zu lesendes Büchlein,...
Ein schnell zu lesendes Büchlein, das allerhand zu denken gibt! Kaum ein wichtiges, aktuelles Thema lässt die Autorin aus, sehr zu empfehlen! Gewohnt trocken und scharfsinnig und doch teilweise sehr humorvoll!
Miss.mesmerized
4/5
17.11.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Adeline Dieudonné - Bonobo Moussaka
Das alljährliche Weihnachtsessen verbringen die Erzählerin und ihre beiden Kinder wie immer mit ihrem Cousin Martin, dessen Frau Françoise und deren drei Töchtern, sowie dem befreundeten Paar Philippe und Muriel, die mit ihren drei Söhnen ebenfalls in das Vorstadtreihenhäuschen kommen. Es dauert nicht lange, bis sich die eklatanten Differenzen zeigen und der Kampf um die verbale Vorherrschaft beginnt. Jedoch nicht nur zwischen den Männern, sondern auch die Paare selbst treten in einen subtilen Abrechnungskampf miteinander, der über die großen gesellschaftlichen Themen geführt wird und der bei der Erzählerin auch alte Wunden wieder aufreißt. Ein Weihnachtsfest im Kreis der Liebsten, bei dem man sich fragt: wenn die Liebsten schon so miteinander umgehen, wozu wären die ärgsten Feinde dann fähig?
Die belgische Autorin Adeline Dieudonné ist in Deutschland im vergangenen Jahr mit ihrem Roman „Das wirkliche Leben“ der Durchbruch geglückt, auch ihr Roman „Kérozène“ konnte mich restlos überzeugen. „Bonobo Moussaka“ ist unschwer erkennbar als Theaterstück konzipiert und bereits 2018, noch vor ihrem großen, vielfach ausgezeichneten Debutroman, erschienen. Tatsächlich fällt es auch viel leichter, sich die Handlung auf einer Bühne um eine gedeckte Tafel vorzustellen als den Text in Buchform zu genießen. Nichtsdestotrotz kommt auch beim Lesen die pointierte Zuspitzung der zivilisierten Runde, die hinter verschlossener Tür so manche Maske fallen lässt, gut zu tragen.
Kein großes Thema lassen die Gäste aus. Der unweigerliche Vergleich, wer das schönere Haus hat, mehr im Beruf erreicht hat, wessen Kinder wohlgeratener sind – man kennt die und die gönnerhafte Verachtung, überspielt mit nonchalanter Lässigkeit der vorgeblichen Irrelevanz, für diejenigen, die eben nur Platz 2 oder 3 im internen Ranking belegen. Die Frage nach dem Alphatier ist schnell geklärt, wenn auch noch nicht abschließend abgerechnet.
Das Gespräch dreht sich um den Platz von Frauen in der Gesellschaft, oder eher: am Herd, Umweltschutz, Migration, die politischen Ansichten – die politisch korrekten Antworten auf die großen Fragen kennt jeder, aber im intimen Kreis wird man ja wohl mal sagen können... Aber man erfährt auch einiges über die Familie der Erzählerin, deren Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen, was durch das schlechte Verhältnis eher eine Randnotiz wird, die durch eine ganz andere Enthüllung um Längen getoppt wird.
Die Autorin führt etwas vor Augen, was doch jeder kennt: das zwanghafte Zusammentreffen mit Verwandten und vermeintlichen Freunden, zu einem gesellschaftlich diktierten Anlass, zu dem niemand Lust hat und doch jeder den Schein wart und das Spiel mitspielt. Den Ausbruch wagt keiner, nur gelegentliche Risse offenbaren die Wahrheit hinter der Fassade des freundlichen Miteinanders.
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5/5
01.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bist du schon ein Labrador oder noch im Bonobomodus?
Weihnachtsabend bei der Famile, Pflichttermin, an dem die Kultiviertheit ein klein wenig eskaliert - huch! haha, ach, so war das doch nicht gemeint... Ihr innerer Monolog zu diesem Abend: charmant und trocken-direkt. Ob situative Beobachtung, Rückblende in die Jugend oder aktuelle Themen, mit witzig - ironischen - kritischen Unterton kommentiert sie treffend das Geschehen. Allein ihr Quichebeispiel - großartig!
Ursprünglich als Ein-Frauen-Theaterstück konzipiert, liest sich das schmale Bändchen mit großem Vergnügen in einem Rutsch durch. Und macht Lust auf Filme wie "Der Vorname" oder "Gott des Gemetzels".
Lesenswert! Absolute Empfehlung!
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4/5
17.01.2023
eBook (ePUB 3)
Leider viel zu kurz ist diese tolle "Weihnachtsgeschichte" der anderen Art.
In ihrem Debut-Roman Bonobo-Moussaka beschreibt Adeline Dieudonné eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art. Zu Heiligabend trifft sich die Verwandtschaft alljährlich zum traditionelle Weihnachtsessen. Wie so viele Weihnachtsfeste entwickelt sich dieses zur beinahe Katastrophe. Jeder ist von seiner Meinung überzeugt und will die andern in allem übertrumpfen.
Kurzweilig, aktuell und lustig. Allerdings vielleicht nicht das beste Weihnachtsgeschenk.
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