Lucas ist elf Jahre alt, als er das erste Mal online einen Porno guckt. Mit 14 schaut er die Filme bis spät in die Nacht. Er vernachlässigt seine Hobbys, seine Noten rauschen in den Keller. Lucas braucht immer mehr für den Kick. Als ein Virus sowohl sein Handy als auch seinen Laptop lahmlegt, kommt die Sucht jedoch ans Licht. Und zum ersten Mal muss sich Lucas mit seiner Sexualität und seinen Gefühlen auseinandersetzen …
Ein bewegender Roman über Internetpornosucht bei Jugendlichen
In seinem Thementaschenbuch für Jugendliche
ab 14 Jahren beschreibt Patrick Bard eindrücklich, wie sich die
Sucht nach Internetpornografie und
Cybersex auf junge Menschen auswirkt – auf ihr
Gefühlsleben , ihre
Sexualität und ihr
Frauenbild . Zugleich bietet Bard
Gesprächsansätze und
macht Betroffenen Mut , sich zu öffnen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
06.10.2022
Buch (Taschenbuch)
#Tabuthema
Lucas hat ein ziemliches Problem. Er hat seinen Laptop und sein Smartphone geschrottet. Beides ist so von Viren verseucht, dass sich die Geräte nicht mehr einschalten lassen. Bei Gen Z schon eine kleine Katastrophe, aber bei Lucas wiegt das Problem schwerwiegender: Mit dem Verlust der Geräte ist ihm das Tor zu seinem emotionalen Druckventil genommen worden. Lucas digitaler Rückzugsort sind nämlich P0rnoseiten im Netz, auf denen er stundenlang bis spät in die Nacht nach dem Moment des allerersten Kicks sucht, den er mit 11 Jahren zuerst auf diesen Seiten erlebt hat. Aber nicht nur, dass er diese Seiten im Netz nicht mehr besuchen kann, nun drohen seine Netzaktivitäten auch aufzufliegen, denn sein Vater als IT-Fachmann besteht darauf, dass er die Geräte wieder zum Laufen bekommt. Lucas fürchtet nicht nur gewaltige Schwierigkeiten, sondern auch was seine Eltern über ihn denken werden, wenn sie den Inhalt seiner Festplatte zu Gesicht bekommen...
Dieser emotionale Jugendroman nimmt sich eines absolut tabuisierten Themas an und verdient deshalb wesentlich größere Resonanz. Durch den kostenlosen Zugang zu visuellem Material, der Unwissenheit der Eltern darüber, was ihre Kinder eigentlich so am Smartphone oder Computer treiben werden die meist männlichen Konsumenten immer jünger. Heute sehen sich P0rnos schon Kinder an, meist in einem Alter, in dem sie noch nicht einmal eine andere Person geküsst haben. So sind diese Filme häufig der erste Zugang zu Sexualität. Die sexuelle Sozialisation durch den Konsum solcher Medien führt zu großer Unsicherheit.
So ergeht es auch Lucas im Roman. Durch das ihm vermittelte Frauenbild weiß er nicht, wie er sich den Mädchen, die er mag, nähern soll. Lucas' Leidensdruck wird so groß, dass er sich immer mehr zurückzieht, dass am Ende nur professionelle Hilfe als Ausweg scheint.
Dieses Buch sollte als Lektüre im Unterricht behandelt werden!
Bewertung
aus Bergisch Gladbach
5/5
04.10.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein Tabu wird gebrochen: Internetpornos zerstören Kindheit und Jugend
Lucas Leben ist vollständig durcheinander. Er kann nicht mehr schlafen, seine Schulnoten sind unterirdisch, und er verliert völlig den Kontakt zu seinen Freunden. In seinem Kopf sind ständig diese Bilder und Szenen.
„... Das Problem ist: Nur die Flucht in die Pornowelt lässt ihn zur Ruhe kommen. Dabei kann er loslassen und alles vergessen.“ (S. 88, 89)
Irgendwann erkennen auch seine Lehrer und Eltern, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Lange glauben sie, Strenge und Gespräche könnten helfen. Natürlich weiß Lucas aus eigener Erfahrung, dass das Aufhören nicht so einfach ist. Wie kann man mit etwas aufhören, das seine Gedanken vollständig beherrscht.
An dem Tag, an dem seine Eltern mit ihm eine neue Maßnahme ausprobieren wollen, trifft Lucas selbst eine Entscheidung, die drastisch und folgenreich wird.
„... Er hatte sich von uns zurückgezogen“, wird die einzige vernünftige Antwort sein, die der Richter von Lucas Eltern herausbekommen wird, um zu erklären, warum Lucas ... auf der ... A11 ... bei 110 Stundenkilometern ... die hintere Autotür geöffnet hat und ... gesprungen ist.“ (S. 108)
Patrick Bards Romane wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Autor, Reiseschriftsteller und Fotojournalist aus Frankreich bearbeitet meistens die Themen Grenzen und Frauenfragen. Sein aktueller Jugendroman widmet sich dem Tabu der Internetpornosucht bei Jugendlichen. Diese baut auf den schon seit einer Weile gängigen Begriff der Generation Porno auf. Allein die Annahme, es gäbe nur eine ganz normale Neugier auf Sexualität, wenn Kinder und Jugendliche bereits vor der ersten Liebe und dem ersten Kuss Pornos sehen, verharmlost das Betrachten von nicht jugendfreien Bildern und Filmen.
In einer sehr nüchternen Sprache erzählt der Autor, was passieren kann, wenn aus der Neugier ein Drang nach mehr entsteht, und dieser Drang nach verbotenen Reizen immer stärker und stärker wird.
Der häufige Blick in die Welt des Pornos gaukelt eine Sexualität vor, in der angeblich jeder der Beteiligten voller Freude und aus eigenem Antrieb seine Geschlechtsteile der Kamera präsentiert. Was geschieht in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen, wenn das Fehlen von Scham Freiräume für alle Arten von Sexualpraktiken geschaffen hat, wenn Mädchen und Frauen angeblich stets Sex wollen und nie ein Nein sagen und wenn die unterschiedlichsten Formen der Gewalt scheinbar gewollt sind?
Ein Verständnis für die Gefühle und Würde eines Menschen geraten bei der Darstellung von Sexualpraktiken schnell in den Hintergrund, wenn die Einnahmen und Klickzahlen wichtiger sind. Dies alles hat Lucas begriffen, und trotzdem kann er seinem Drang, Pornos anzuschauen nicht widerstehen. Es gibt bei ihm Momente, in denen er begreift, einem Zwang zu folgen. Er kann jedoch mit der Erkenntnis weder umgehen, noch den Zwang aus eigener Kraft beenden. Schon lange hat er den Überblick verloren, genauso, wie er sich verloren hat. Als ein IT-Fachmann seinen von Viren verseuchten Computer aufräumt, erfährt Lucas‘ Vater, dass sein Sohn in der Nacht durchschnittlich 140 Pornos ansieht mit der Tendenz zu immer gewalttätigeren Filmen. Und trotzdem bleibt eine Hilflosigkeit in der Familie, mit Lucas‘ unkontrollierbaren Veränderungen umzugehen.
Patrick Bard gelingt ein glaubwürdiger und packender Einblick in die Welt des süchtigen Lucas, bei dem stellvertretend die Tragweite deutlich wird. Der Autor gibt ebenfalls einen kleinen Einblick in die Situation der Opfer vor der Linse und wie Pornos das Verständnis von Sexualität bei Kindern und Jugendlichen manipuliert. Einige Beispiele zeigen Kinder und Jugendliche, die ihre eigene Sexualität in dem Glauben ausleben, der Umgang zwischen den Geschlechtern müsse wie in den Pornofilmen verlaufen. Aus Fake ist eine neue und zugleich traurige Wahrheit geworden, die ernüchtern, erschrecken und auch mögliche Ungereimtheiten im eigenen Umfeld zu erklären vermag.
Die Übersetzung aus dem Französischen schrieben Ann Lecker und Bettina Arlt.
Der Duft von Büchern und Kaffee
4/5
23.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Eine Geschichte über ein Tabuthema
Inhalt:
Als Lucas eines Morgens nach dem Aufwachen zum Handy greift und dieses nicht mehr funktioniert, gerät er in Panik. Der Laptop zeigt nur noch ein blinkendes Fragezeichen an. Beide Geräte sind, das wird Lucas schnell klar, von einem Virus befallen. Warum, das kann er sich erklären.
Als Lucas Vater von den funktionsunfähigen Geräten erfährt, lässt er nicht lange mit sich handeln. Handy und Laptop soll sich sein Kollege Jérôme anschauen. Sébastien arbeitet in einer Computerfirma, dort hat man Ahnung. Das Problem wird vermutlich schnell gelöst sein.
Durch das,was Sébastien jedoch kurze Zeit später erfährt, droht er vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren. Jérôme zeigt ihm ein Foto seines Sohnes, das diesen vollkommen rasiert, mit Öl eingerieben abbildet. Ob Lucas Opfer eines Pädophilen geworden ist? Sébastien wird schnell von seinem Kollegen und langjährigem Freund beruhigt. Denn der zwar sorgfältig gelöschte, aber für Jérôme noch zugängliche Browserverlauf zeigt, dass Lucas alleine in einer Nacht über 140 Pornos angeschaut hat. Lucas ist pornosüchtig.
Lucas Zensuren sind unterdessen immer schlechter geworden. Die Lehrer berichten davon, dass er mitten im Unterricht einschläft. Er isst ungesund und zu viel, hat stark zugenommen und interessiert sich kaum noch für seine Körperhygiene. Er hat keine Freunde, sitzt nur noch zu Hause in seinem Zimmer und schläft zu wenig. Ist all dies seiner Pornosucht geschuldet? Sébastien scheut das Gespräch mit dem Sohn. Aber es scheint wohl unvermeidbar.
Meinung:
Patrick Bard spricht mit seinem Roman, „Point of View – Wenn du nicht wegschauen kannst“, kein leichtes Thema an, soviel steht fest. Völlig unverblümt, offen und unverstellt nähert sie sich Themen, die für die meisten mit Tabus behaftet sind. Lucas ist pornosüchtig. Mit elf Jahren hat er sich illegal Filme und Serien auf den PC geladen und ist dabei durch ein Pop-Up auf seinen ersten Pornofilm aufmerksam geworden. Vielleicht war es die Neugierde, die ihn weitergeführt hat. Mit vierzehn Jahren zeigt er bereits signifikantes Suchtverhalten.
Immer auf der Suche nach dem einen Mädchen mit dem bestimmten Merkmal, klickt er sich von einem Video zum nächsten. Er hat bereits tausende Pornos gesehen. Er kennt mittlerweile Praktiken, die er in seinem Alter nicht kennen sollte. Es gibt Filme zum Thema Cosplay, die ihn aktuell sehr beschäftigen. Da sieht man Wonder Woman, Vampire, Zombies oder Androide beim Akt. Es fallen Worte, die Lucas anfangs vielleicht noch nichts sagten. Also klickt er auf den Link.
Das zentrale eskalierende Moment in seiner Sucht. Das Buch nimmt sich das Recht, dabei auf Triggerwarnungen zu verzichten. Hier fragte ich mich, ob die Altersempfehlung, ab 14 Jahren, angemessen ist. Denn natürlich ist man auch als Leser/in neugierig. Wie schnell ist so ein Wort gegoogelt?
Jugendbücher sollen den Erfahrungshorizont der Gegenwart abbilden. Das tut Patrick Bard mit seinem Buch, das steht fest. Denn Lucas durchlebt seinen persönlichen Albtraum. Durch das Schauen von Pornofilmen findet er eine innere Sicherheit, eine Routine. Er kommt zur Ruhe. Ohne diese Filme findet er nicht mehr in den Schlaf. Ihm fehlt etwas. Er fühlt sich leer, einsam und unsicher. Der Autor stellt hier sehr gut dar, was eine Sucht bewirken kann. Daraus auszubrechen ist nicht einfach. Für Lucas ist das ein Ding der Unmöglichkeit.
Lucas benötigt die Hilfe seiner Eltern. Doch die Mutter leidet unter Depressionen und findet kaum Kraft den eigenen Alltag zu bewältigen. Der Vater ist resolut, er kämpft sich für seine Familie durch den Alltag. Das zusätzliche Problem ist eine Last für Sébastien. Ein Gespräch mit dem Sohn ist für ihn keine einfache Sache. Stellenweise greift Patrick Bard die Perspektive von Lucas Vater auf, was hilft, sich auch in dessen Perspektive zu versetzen. Sicher macht Sébastien auch Fehler, doch diese bleiben für den Leser nachvollziehbar.
Die Pornos prägen Lucas sexuelles Wissen, seine sexuelle Praxis und vor allem seine sexuelle Imagination. Sein erster Kontakt zu einem Mädchen verläuft nach dem game plan, den er durch die Videos vermittelt bekommen hat. Das mag auf den Leser schockierend und vielleicht auch kurzzeitig amüsant wirken. Lucas jedoch versteht die Welt nicht mehr. Er wird abgewiesen, ausgelacht und noch weiter ausgegrenzt. Und das ist vermutlich noch ein relativ harmloser Verlauf der Dinge, im Vergleich zu dem, was wohl passiert wäre, hätte das Mädchen, dem er ein Nacktfoto von sich schickt, dieses vielleicht noch im Internet geteilt.
Patrick Bard erzählt aber nicht nur von Lucas Sucht und den Auswirkungen dieser auf sein gesamtes Leben. Der Autor setzt zu dem Zeitpunkt an, in dem Lucas Suchtverhalten von seinen Eltern entdeckt wird. Psychologisch akkurat wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei Zeitsprünge und Perspektivwechsel die Spannung erhöhen.
Gelegentlich werden kurze Blicke in die Zukunft eingeworfen. Beispielsweise wie sich Sébastien vor einem Richter wiederfindet, der ihn damit konfrontiert, dass er nicht gleich einen Therapeuten aufgesucht hat. Das macht neugierig.
Patrick Bard berichtet bis zu dem Zeitpunkt, als Lucas Sucht ein Ende findet. Und das in einem Buch, das lediglich 224 Seiten umfasst. Die Erzähl-Dynamik ist also hoch. Manchmal ging es mir persönlich aber ein wenig zu schnell.
Fazit:
Patrick Bards Romane wurden mehrfach ausgezeichnet. Bereits auf den ersten Seiten von Point of View ahnt man warum. In diesem Buch geht es um einen Jungen, der auf einen Link klickt und nach und nach in die Pornosucht abgleitet. Es erzählt von der Erotisierung einer Kindheit. Von Gewalt- und Pornographie-Darstellungen, die Ängste auslösen und mittelfristig zu Abstumpfung und Empathieverlust führen.
Dass der Leser, auch wenn es sich um einen Roman handelt, viel über extreme Pornografie lernen kann, wird schnell klar. Es ist sicherlich immer ein Balanceakt bei solchen Büchern. Eine kleine Triggerwarnung wäre aber sicherlich angezeigt gewesen.
Dennoch ist dieses Buch eine Bereicherung im Bereich Jugendbuch, zumal Pornosucht noch immer zu den absoluten Tabuthemen gehört.
Das Buch ist sicherlich ein Instrument der Reflektion und der Erkenntnis. Junge Menschen sollten dabei aber begleitet werden.
Olivia Grove
2/5
18.10.2022
Buch (Taschenbuch)
Erschreckendes & wichtiges Thema – schlechte Umsetzung, da unrealistisch & nicht authentisch
Was für ein extrem wichtiges Thema, doch leider wurde es absolut nicht spannend umgesetzt.
Die Dialoge sind miserabel unauthentisch und der erklärende Schreibstil liest sich wie von einem Anfänger. Einem unfassbar unerfahrenen, unbelesenen Neuling, für den ein eloquenter Stil ein Fremdwort ist.
"POV" sollte ein Weckruf sein, eine unerschrockene Sezierung eines Psychogramms, der Sucht und der Jugend, doch es bleibt gefühlt zu distanziert und ist dabei wirklich sehr unrealistisch – sowohl wegen der Storyline, der Charakterdarstellungen als auch wegen des unglücklichen Schreibstils.
Daher kann ich das Buch leider nicht weiterempfehlen, da es so desaströs geschrieben ist. Super schade.
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5/5
09.10.2022
Buch (Taschenbuch)
Unterhaltsam trotz äußerst heiklem Thema- ein gelungener Balanceakt!
Nein, zum Stapeltitel wird es "POV" nicht bringen. Aber: gut, dass es auch zu solch schwierigem Thema etwas für Interessierte Leser*innen gibt. Ehrlich und direkt wird der Weg von Lucas in die Sucht beschrieben. Pornoseiten wie Sand am Meer, kostenlos und oft ohne Altersschutz machen es möglich. Bei Lucas kommt noch dazu, dass seine Eltern, die selber ständig am Handy hängen, mit ihren eigenen Problemen so beschäftigt sind, dass sie viel zu lange zu wenig unternehmen, um ihm zu helfen- aber schließlich darf man eine heile Familie nicht voraussetzen. Nach Lucas´ persönlichem Tiefpunkt konnte ich mich aber mit ihm freuen: er schafft es wieder raus!
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