Produktbild: Die November-Schwestern

Die November-Schwestern Roman | Ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis

8

22,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.09.2023

Verlag

Aufbau

Seitenzahl

222

Maße (L/B/H)

22,2/13,8/2,5 cm

Gewicht

326 g

Farbe

Anthrazit / Camel

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Now In November

Übersetzt von

Bettina Abarbanell

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-351-03976-9

Beschreibung

Rezension

»›Die November-Schwestern‹ mutet bei aller Tragik der Geschehnisse leicht an. Das liegt an der Schönheit der Sprache, aber auch an der unbestechlichen frischen klugen Art, in der das Buch erzählt ist.« ("SRF Schweizer Radio und Fernsehen")
»Die November-Schwestern erscheint im Licht heutiger Debatten modern und die literarische Qualität des Romans (...) ist damals wie heute unbestritten.« ("Deutschlandfunk - Büchermarkt")
»Bildreiche Naturbeschreibungen, differenzierte Charakterbeschreibungen und ein feines Gespür für zwischenmenschliche Schwingungen machen die Lektüre so einnehmend.« ("Kleine Zeitung")
»›Die November-Schwestern‹ ist fast 90 Jahre alt, mit seiner fesselnden Erzählweise und der Auseinandersetzung mit kritischen Themen wie Emanzipation und dem notwendigen Erhalt natürlicher Ressourcen ist der Roman seiner Zeit jedoch weit voraus.« ("Westfalenpost")
» ... poetisch erzählt und es liest sich ganz spannend.« ("Radio SRF")
» Vor knapp 90 Jahren geschrieben, war Johnsons Werk seiner Zeit weit voraus.« ("Altmühl Bote / Wochenanzeiger")
»Johnson (..) ist eine Meisterin der feinen Zwischentöne.« ("Altmühl Bote / Wochenanzeiger")
»Johnson gelingen grandiose Naturbeschreibungen, außerdem ist sie eine Meisterin der feinen Zwischentöne.« ("Altmühl Bote / Wochenanzeiger")
»Ein Schatz aus Wörtern.« ("Iserlohner Kreisanzeiger")

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.09.2023

Verlag

Aufbau

Seitenzahl

222

Maße (L/B/H)

22,2/13,8/2,5 cm

Gewicht

326 g

Farbe

Anthrazit / Camel

Auflage

1. Auflage

Originaltitel

Now In November

Übersetzt von

Bettina Abarbanell

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-351-03976-9

Herstelleradresse

Aufbau Verlage GmbH
Prinzenstraße 85
10969 Berlin
DE

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  • dracoma

    aus LANDAU

    5/5

    01.01.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Josephine Johnson versetzt…

    Josephine Johnson versetzt uns in ihre Zeit und in ihr Land: in das Amerika der 30er Jahre, das durch die Große Depression gebeutelt wird. Ihr erster Satz „Jetzt im November sehe ich unsere Jahre im Ganzen. “ zeigt nicht nur das Erzählen aus dem Rückblick, sondern vor allem schon die elegische Grundstimmung, die über dem ganzen Roman liegt. Im Mittelpunkt steht die Familie Haldmarne: Vater, Mutter, drei Töchter, wobei die mittlere die Ich-Erzählerin ist. Der Vater hat seine Arbeitsstelle und sein Geld verloren und versucht nun, als mittelloser Farmer auf einer vernachlässigten Farm über die Runden zu kommen. Er ist glücklos und oft verzweifelt und dem ständigen Kampf gegen die Tücken des Wetters kaum gewachsen. Die Angst vor dem drohenden Bankrott, die Abhängigkeit von den Marktbedingungen und die Aussichtslosigkeit seiner Lage machen ihn zu einem launischen und mürrischen Menschen. Darunter leidet vor allem die ältere Tochter Kerrin. Im Unterschied zu ihren Schwestern entzieht sie sich immer wieder der harten Arbeit auf der Farm und auch dem familiären Miteinander. Sie macht ihren glücklosen Vater für die Situation der Familie und vor allem für den Verlust ihrer Zukunftsträume verantwortlich, aber sie findet keine Möglichkeit, ihre Situation zu ändern. Die Anstellung eines Knechts wirkt in dieser gespannten Situation wie ein Katalysator, der unterdrückte Aggressionen freisetzt. Der Blick der jungen Autorin auf ihre Zeit und die aktuellen Lebensbedingungen ist erstaunlich scharf, trotz ihrer Jugend. Sie schlägt deutliche sozialkritische Töne an, wenn sie zeigt, wie die wirtschaftlichen Bedingungen die Entfaltungsmöglichkeiten eines jungen Menschen verhindern und was der ständige Kampf ums Überleben mit dem inneren Gefüge einer Familie macht. Dazu kommt, dass die Familie Haldmarne kein Einzelfall ist. Auch ihre Nachbarn befinden sich in einer ähnlichen Situation. Die Lage verschärft sich durch Steuerforderungen, für deren Begleichung die Familie den halben Rinderbestand verkaufen muss und damit weiter in eine Armut rutscht, aus der sie sich kaum mehr selber befreien kann. Die Nachbarn versuchen sich gegenseitig zu helfen, aber ihre Mittel sind beschränkt und wirken nur kurzfristig. Eine grundlegende Hilfe ist nicht in Sicht, im Gegenteil: der Kapitalismus blüht, indem die Landbesitzer immer reicher werden und ihre Pächter ums Überleben kämpfen müssen. Mit eindringlichen Bildern vermittelt Johnson ihrem Leser einerseits die Schönheit der Natur, aber andererseits vor allem die Not der Zeit, die Ausweglosigkeit der Lage, das entbehrungsreiche Leben und den Fatalismus ihrer Zeitgenossen. Passend zum bäuerlichen Leben organisiert Johnson ihren Roman wie den Kreislauf eines Bauernjahres: ein schöner Kunstgriff! Im Unterschied zu ihren eher wortkargen Figuren kann sie erzählen und Emotionen vermitteln, sie kann wortgewaltig dramatische Naturereignisse wie Dürre, Sturm und Feuer beschreiben, und so spricht der Roman über die fast hundert Jahre hinweg seine Leser eindringlich und unvermittelt an.

  • Kristall86

    aus an der Nordseeküste

    5/5

    29.11.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein wunderbarer Klassiker!

    !ein Lesehighlight 2023! Klappentext: „Die Anstellung eines jungen Mannes auf der elterlichen Farm bringt das Leben der drei Haldmarne-Schwestern durcheinander, das im fragilen Gleichgewicht der Jahreszeiten verläuft. Als dann der Regen ausbleibt und damit die Ernte im Herbst, wird der November zu einem Ende und zugleich zu einem Anfang. Nicht nur Margets Blick auf die älteste Schwester Kerrin verändert sich grundlegend, nachhaltig verändert ist ihr Blick auf das eigene Leben und die Chancen, die es zu ergreifen gilt.“ Autorin Josephine W. Johnson schrieb diesen Roman mit gerade mal 24 Jahren und somit ist die Geschichte rund um die November-Schwestern knapp 90 Jahre alt. Sie erhielt für dieses Debüt den Pulitzer-Preis und alleine das sagt bereits alles. Stellt sich die Frage: Hat die Geschichte an Aktualität verloren? Und ich finde, dass es keinesfalls so ist! Wir lernen Familie Haldmarne mit all ihren Familienmitgliedern kennen. Die Zeiten sind gerade nicht unbedingt lebenswert aber sie schlagen sich durch. Die Hypothek lastet schwer auf ihren Schultern, die Ernten sind immer wieder wahre Vabounquespiele mit dem Wetter und die Not mit dem Geld kreist allgegenwärtig um sie herum. Die drei Schwestern Kerrin, Marget und Merle könnten unterschiedlicher nich sein aber jede hat ihre Aufgabe und macht soweit ihr Ding, wie man heute so schön sagt. Das Farmleben wird recht detailliert beschrieben. Mir ist das keineswegs fremd da wir selbst auf dem Land leben. Erstaunlich ist nur, wieviel sich doch bis heute so gehalten hat und welche Nöte nach wie vor noch da sind. Die Familie hat es nicht leicht aber sie kämpfen mit allen Mitteln. Die Gegend, in der sie neu leben, ist anders als ihre alte Heimat. Dennoch erobern die Mädchen die Gegend. Es ist schön zu lesen wie sie mit welchem Blick durch die Welt streifen aber dennoch ihren Stolz halten und sich entwickeln, jede für sich. Johnson zeichnet ihre Figuren sehr detailliert und wir lernen alle Familienmitglieder recht tief kennen sowie auch Nebendarsteller. Schnell ist auch deutlich erkennbar: es fehlt ein männlicher Erbe für das Anwesen. Die Zeit war wirklich noch nicht reif für starke Frauen (gerade auf dem Land) und Grant solle das Ruder später herumreißen. Der junge Mann wird zu einer Art rechten Hand des Vaters und auch wenn es vorhersehbar war, die Mädchen sind ganz verückt darüber. Johnson beschreibt aber nicht nur die Menschen sehr detailliert sondern auch die Gegend. Dennoch bleibt immer eine gewisse Distanz bestehen, die ich gar nicht so verkehrt empfand. Schlussendlich spiegelt dies die Lebensweise der Familie nur excellent wieder! Die nächsten Nachbarn wohnen weit entfernt, für einen kurzen Austausch ist es einfach zu weit (man bleibt für sich), vor der Natur muss man sich blank machen um mit ihr eine Verbindung einzugehen. Man muss auf sie hören, sie bestimmt das Leben auf der Farm und nicht umgedreht. Man muss mit diesem Leben versuchen klar zu kommen oder daraus ausbrechen. Die Mädchen gehen jedenfalls jede für sich ihren Weg so wie sie es für richtig erachten. Wie gesagt, fühlte ich mich im Buch sehr zu Hause, denn genau so ist es auch heute noch und genau so lebe ich. Vermutlich war ich deshalb auch sehr verbunden mit dem Roman. Johnson‘s Schreibstil und auch ihr Ausdruck sind einnehmend, aber auch fordernd. Es ist kein Buch was man so weg-liest, sondern muss eben nur verstehen und kann dabei auch noch sehr gut analysieren! Einerseits ist die Geschichte recht ruhig, die Verbindung zu den Figuren bleibt, wie gesagt, recht kühl bis zum Schluss aber dennoch fühlt man mit ihnen, geht mit ihnen ihren Weg und ist gespannt, wann das harte Leben etwas weicher wird. Fazit: Dass so eine alte Geschichte immer noch so aktuell und vor allem einnehmend ist, zeigt doch, welch Klassiker hier vor uns liegt! Die Geschichte rund um die November-Schwestern war ein Genuss von der ersten bis zur letzten Seite und verdient eigentlich mehr als 5 Sterne!

  • Kristall86

    aus an der Nordsee

    5/5

    29.11.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    !ein Lesehighlight 2023!…

    !ein Lesehighlight 2023! Klappentext: „Die Anstellung eines jungen Mannes auf der elterlichen Farm bringt das Leben der drei Haldmarne-Schwestern durcheinander, das im fragilen Gleichgewicht der Jahreszeiten verläuft. Als dann der Regen ausbleibt und damit die Ernte im Herbst, wird der November zu einem Ende und zugleich zu einem Anfang. Nicht nur Margets Blick auf die älteste Schwester Kerrin verändert sich grundlegend, nachhaltig verändert ist ihr Blick auf das eigene Leben und die Chancen, die es zu ergreifen gilt.“ Autorin Josephine W. Johnson schrieb diesen Roman mit gerade mal 24 Jahren und somit ist die Geschichte rund um die November-Schwestern knapp 90 Jahre alt. Sie erhielt für dieses Debüt den Pulitzer-Preis und alleine das sagt bereits alles. Stellt sich die Frage: Hat die Geschichte an Aktualität verloren? Und ich finde, dass es keinesfalls so ist! Wir lernen Familie Haldmarne mit all ihren Familienmitgliedern kennen. Die Zeiten sind gerade nicht unbedingt lebenswert aber sie schlagen sich durch. Die Hypothek lastet schwer auf ihren Schultern, die Ernten sind immer wieder wahre Vabounquespiele mit dem Wetter und die Not mit dem Geld kreist allgegenwärtig um sie herum. Die drei Schwestern Kerrin, Marget und Merle könnten unterschiedlicher nich sein aber jede hat ihre Aufgabe und macht soweit ihr Ding, wie man heute so schön sagt. Das Farmleben wird recht detailliert beschrieben. Mir ist das keineswegs fremd da wir selbst auf dem Land leben. Erstaunlich ist nur, wieviel sich doch bis heute so gehalten hat und welche Nöte nach wie vor noch da sind. Die Familie hat es nicht leicht aber sie kämpfen mit allen Mitteln. Die Gegend, in der sie neu leben, ist anders als ihre alte Heimat. Dennoch erobern die Mädchen die Gegend. Es ist schön zu lesen wie sie mit welchem Blick durch die Welt streifen aber dennoch ihren Stolz halten und sich entwickeln, jede für sich. Johnson zeichnet ihre Figuren sehr detailliert und wir lernen alle Familienmitglieder recht tief kennen sowie auch Nebendarsteller. Schnell ist auch deutlich erkennbar: es fehlt ein männlicher Erbe für das Anwesen. Die Zeit war wirklich noch nicht reif für starke Frauen (gerade auf dem Land) und Grant solle das Ruder später herumreißen. Der junge Mann wird zu einer Art rechten Hand des Vaters und auch wenn es vorhersehbar war, die Mädchen sind ganz verückt darüber. Johnson beschreibt aber nicht nur die Menschen sehr detailliert sondern auch die Gegend. Dennoch bleibt immer eine gewisse Distanz bestehen, die ich gar nicht so verkehrt empfand. Schlussendlich spiegelt dies die Lebensweise der Familie nur excellent wieder! Die nächsten Nachbarn wohnen weit entfernt, für einen kurzen Austausch ist es einfach zu weit (man bleibt für sich), vor der Natur muss man sich blank machen um mit ihr eine Verbindung einzugehen. Man muss auf sie hören, sie bestimmt das Leben auf der Farm und nicht umgedreht. Man muss mit diesem Leben versuchen klar zu kommen oder daraus ausbrechen. Die Mädchen gehen jedenfalls jede für sich ihren Weg so wie sie es für richtig erachten. Wie gesagt, fühlte ich mich im Buch sehr zu Hause, denn genau so ist es auch heute noch und genau so lebe ich. Vermutlich war ich deshalb auch sehr verbunden mit dem Roman. Johnson‘s Schreibstil und auch ihr Ausdruck sind einnehmend, aber auch fordernd. Es ist kein Buch was man so weg-liest, sondern muss eben nur verstehen und kann dabei auch noch sehr gut analysieren! Einerseits ist die Geschichte recht ruhig, die Verbindung zu den Figuren bleibt, wie gesagt, recht kühl bis zum Schluss aber dennoch fühlt man mit ihnen, geht mit ihnen ihren Weg und ist gespannt, wann das harte Leben etwas weicher wird. Fazit: Dass so eine alte Geschichte immer noch so aktuell und vor allem einnehmend ist, zeigt doch, welch Klassiker hier vor uns liegt! Die Geschichte rund um die November-Schwestern war ein Genuss von der ersten bis zur letzten Seite und verdient eigentlich mehr als 5 Sterne!

  • Christian1977

    aus Leipzig

    5/5

    02.10.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Geschwisterliebe in traurigem Gewand

    Irgendwo in den USA zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise: Das Leben der Familie Haldmarne ist geprägt von Entbehrungen, Armut und harter Arbeit. Die drei ungleichen Schwestern Marget, Merle und Kerrin unterstützen ihre Eltern dabei so gut sie können. Als mit Grant ein junger Mann auf der Farm angestellt wird, gerät das ohnehin fragile Gleichgewicht aus den Fugen. Eine zusätzliche Belastung ist der ausbleibende Regen. Während ein benachbarter Farmer von seinem gepachteten Gut vertrieben wird, rückt das Unglück auch für die Haldmarnes immer näher... "Die Novemberschwestern" ist der Debütroman von Josephine W. Johnson (1910 - 1990) aus dem Jahre 1934. 1935 erhielt sie dafür den Pulitzer-Preis und ist damit bis heute die jüngste Preisträgerin. Umso überraschender, dass es bisher keine deutsche Übersetzung des Romans auf dem Markt gab. Der Aufbau Verlag hat dies nun glücklicherweise geändert und eine hervorragende Übersetzung von Bettina Abarbanell veröffentlicht. Es ist ein besonders aus sprachlicher Sicht bemerkenswerter Roman. Gleich die ersten Wörter geben den traurig-poetischen Tonfall vor, den das Werk während seiner gut 220 Seiten auch nicht mehr verlieren wird. "Jetzt im November sehe ich unsere Jahre im Ganzen", lautet der erste Satz und nimmt damit direkt Bezug auf den Originaltitel "Now In November". Josephine W. Johnson erschafft mit ihrer Sprache eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Einen ansatzweise ähnlichen Sound las ich zuvor höchstens bei Maria Borrélys „Mistral“ oder „Chita“ von Lafcadio Hearn. Jedem Satz merkt man ihre Liebe zur Natur an, ohne dass dabei etwas verklärt oder beschönigt wird. Denn gerade die Beschreibungen der Natur sind voller Intensität. Sei es der bedrohliche Wirbelsturm, der die Hoffnung auf Regen mit sich bringt. Sei es der Herbst mit seinen welkenden Blättern oder die Sommerhitze, die die Natur mehr und mehr austrocknet. Johnson kann sich getrost als Vorläuferin des modernen "Nature Writing" bezeichnen lassen. Doch die explizite Darstellung klimatischer Verhältnisse ist nicht das einzige heute noch aktuelle gesellschaftliche Thema. Auch Rassismus oder der Umgang mit Diversität machen aus "Die Novemberschwestern" ein überraschend zeitgemäßes Werk. Erstaunlich sind auch die Erzählperspektive und die daraus resultierende Figurenkonzeption. Denn alles, was wir lesen, erfahren wir lediglich aus der Sicht von Ich-Erzählerin Marget, der mittleren Schwester. Sie ist diejenige, die ihre ältere Schwester Kerrin als krank bezeichnet. Sie ist diejenige, die sich selbst permanent als eine Art Mauerblümchen präsentiert und den Wettbewerb mit ihrer kleinen Schwester Merle um den Farmangestellten Grant scheut, obwohl sie klammheimlich an fast jedem Kapitelende von ihrer Liebe zu diesem erzählt. Wer sich auf die „Novemberschwestern“ einlässt, und das ist dringend empfohlen, sollte auf jeden Fall geduldig sein. Denn über weite Strecken ist das Erzähltempo sehr langsam, fast entschleunigend, was wegen der fantastischen Sprache aber kein Nachteil ist. Und nach einem kleineren Durchhänger in der Mitte des Romans nimmt die Dramatik im letzten Drittel gewaltig zu, um in einem wahrlich bewegenden Finale zu enden. Josephine W. Johnson gelingt es auf grandiose Art, ihren tieftraurigen, teils fast schon deprimierenden Inhalt in eine so funkelnd-furiose Sprache zu kleiden, dass durch diesen Kontrast ein wunderbar gelungener Roman entsteht, dem ich viele Leser:innen wünsche. Ein wenig bedauerlich ist nur, dass dem Buch ein einordnendes Nachwort zu Werk und Autorin fehlt.

  • Christian1977

    aus Leipzig

    5/5

    02.10.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Irgendwo in den USA zu Zeiten…

    Irgendwo in den USA zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise: Das Leben der Familie Haldmarne ist geprägt von Entbehrungen, Armut und harter Arbeit. Die drei ungleichen Schwestern Marget, Merle und Kerrin unterstützen ihre Eltern dabei so gut sie können. Als mit Grant ein junger Mann auf der Farm angestellt wird, gerät das ohnehin fragile Gleichgewicht aus den Fugen. Eine zusätzliche Belastung ist der ausbleibende Regen. Während ein benachbarter Farmer von seinem gepachteten Gut vertrieben wird, rückt das Unglück auch für die Haldmarnes immer näher... "Die Novemberschwestern" ist der Debütroman von Josephine W. Johnson (1910 - 1990) aus dem Jahre 1934. 1935 erhielt sie dafür den Pulitzer-Preis und ist damit bis heute die jüngste Preisträgerin. Umso überraschender, dass es bisher keine deutsche Übersetzung des Romans auf dem Markt gab. Der Aufbau Verlag hat dies nun glücklicherweise geändert und eine hervorragende Übersetzung von Bettina Abarbanell veröffentlicht. Es ist ein besonders aus sprachlicher Sicht bemerkenswerter Roman. Gleich die ersten Wörter geben den traurig-poetischen Tonfall vor, den das Werk während seiner gut 220 Seiten auch nicht mehr verlieren wird. "Jetzt im November sehe ich unsere Jahre im Ganzen", lautet der erste Satz und nimmt damit direkt Bezug auf den Originaltitel "Now In November". Josephine W. Johnson erschafft mit ihrer Sprache eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Einen ansatzweise ähnlichen Sound las ich zuvor höchstens bei Maria Borrélys „Mistral“ oder „Chita“ von Lafcadio Hearn. Jedem Satz merkt man ihre Liebe zur Natur an, ohne dass dabei etwas verklärt oder beschönigt wird. Denn gerade die Beschreibungen der Natur sind voller Intensität. Sei es der bedrohliche Wirbelsturm, der die Hoffnung auf Regen mit sich bringt. Sei es der Herbst mit seinen welkenden Blättern oder die Sommerhitze, die die Natur mehr und mehr austrocknet. Johnson kann sich getrost als Vorläuferin des modernen "Nature Writing" bezeichnen lassen. Doch die explizite Darstellung klimatischer Verhältnisse ist nicht das einzige heute noch aktuelle gesellschaftliche Thema. Auch Rassismus oder der Umgang mit Diversität machen aus "Die Novemberschwestern" ein überraschend zeitgemäßes Werk. Erstaunlich sind auch die Erzählperspektive und die daraus resultierende Figurenkonzeption. Denn alles, was wir lesen, erfahren wir lediglich aus der Sicht von Ich-Erzählerin Marget, der mittleren Schwester. Sie ist diejenige, die ihre ältere Schwester Kerrin als krank bezeichnet. Sie ist diejenige, die sich selbst permanent als eine Art Mauerblümchen präsentiert und den Wettbewerb mit ihrer kleinen Schwester Merle um den Farmangestellten Grant scheut, obwohl sie klammheimlich an fast jedem Kapitelende von ihrer Liebe zu diesem erzählt. Wer sich auf die „Novemberschwestern“ einlässt, und das ist dringend empfohlen, sollte auf jeden Fall geduldig sein. Denn über weite Strecken ist das Erzähltempo sehr langsam, fast entschleunigend, was wegen der fantastischen Sprache aber kein Nachteil ist. Und nach einem kleineren Durchhänger in der Mitte des Romans nimmt die Dramatik im letzten Drittel gewaltig zu, um in einem wahrlich bewegenden Finale zu enden. Josephine W. Johnson gelingt es auf grandiose Art, ihren tieftraurigen, teils fast schon deprimierenden Inhalt in eine so funkelnd-furiose Sprache zu kleiden, dass durch diesen Kontrast ein wunderbar gelungener Roman entsteht, dem ich viele Leser:innen wünsche. Ein wenig bedauerlich ist nur, dass dem Buch ein einordnendes Nachwort zu Werk und Autorin fehlt.

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    Clarissa Laicher

    RavensBuch Osiander Ravensburg

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    5/5

    31.01.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Beeindruckende Wiederentdeckung

    Mit gerade mal 24 Jahren verfasst die Autorin ihr Romandebüt und erhält dafür bereits 1935 den Pulitzerpreis, sie ist damit die jüngste Preisträgerin, bis heute. Und dies völlig verdient, denn durch ihren einzigartigen Sound, wird das existentielle Thema der Wechselwirkung zwischen Natur und Mensch für den Leser spürbar. Margret und ihre zwei ungleichen Schwestern ziehen mit ihren Eltern währende der Weltwirtschaftskrise auf eine verlassene Farm und versuchen dort unter unterbittlich harter Arbeit zu überleben. Schließlich bringt die Anstellung eines jungen Mannes das fragile Leben der drei Schwestern durcheinander, bis die knisternd Spannung in der Luft unweigerlich in einer Katstrophe mündet. Mit ihrer bildgewaltigen, kraftvollen und poetischen Sprache schafft die Autorin einen Roman, der originell und seiner Zeit weit voraus war.

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