Christian Dietrich Grabbes Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung ist ein Lustspiel, das die Gattungskomödie sprengt: bürgerliche Intrige, phantastische Teufelskomödie, parodistische Gelehrsamkeit und gesellschaftliche Groteske geraten in einen bewusst disharmonischen Zusammenhang. Der Titel, eine ironische Anspielung auf romantische Poetik, bezeichnet zugleich das Verfahren des Stücks: Witz wird zur Erkenntnisform, Satire zur Demaskierung leerer Ideale, Ironie zur Zerstörung dramatischer Konventionen. Im literarischen Kontext zwischen Spätromantik, Vormärz und frühem Realismus erscheint das Werk als erstaunlich modernes Experiment. Grabbe, 1801 in Detmold geboren und 1836 früh verstorben, war Jurist, Theaterpraktiker wider Willen und einer der radikalsten Dramatiker seiner Zeit. Seine schwierige soziale Stellung, seine Konflikte mit Bühneninstitutionen und seine Bewunderung für Shakespeare verbanden sich mit einem scharfen Blick auf provinzielles Bildungsbürgertum, politische Erstarrung und ästhetische Selbstzufriedenheit. Gerade diese biographische Spannung erklärt die aggressive Energie des Stücks. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die Komödie nicht als bloße Unterhaltung, sondern als intellektuelle Herausforderung verstehen. Grabbe bietet ein funkelndes, unbequemes Theater der Entlarvung, dessen Kühnheit bis in die Moderne nachwirkt.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Richard Josef Schindler
5/5
03.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Christian Dietrich Grabbe ein Genie des Sprachspiels
Christian Dietrich Grabbe fand nach einer Sinnkrise den Weg wie man mit den Unsinn der Welt umzugehen hat nur eine positive Lebenseinstellung hilft. Jetzt kann man Definitionen aus der Literaturgeschichte heranziehen und sich als Selbstdarsteller ausweisen wie viel man weiß. Aber das Bestätigt nur Ludwig Wittgenstein Standpunkt. Christian Dietrich Grabbe hat die griechische Komödie oder gleichwertig den Carneval verstanden und dies in seiner Komödie dargestellt. Deshalb werden ja auch die Begriffe Scherz Satire und Ironie nicht nach ihrer tieferen Bedeutung verwendet sondern legen offen das Welt- und Menschenbildes des Verwenders.
Bewertung
aus Zürich
5/5
14.08.2019
Buch (Taschenbuch)
ein Schenkelklopfer
durchgehend witzig und dabei niemals flach, stichelt gegen die Weimarer Klassik und sonstige deutsche Literatur, ist aber ebenso selbstironisch
Bewertung
5/5
22.12.2010
Buch (Taschenbuch)
Für Lacherer besonders geeignet
Im zarten Alter von 20 Jahren schrieb Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) bereits sein zweites großes Stück. Sein Erstling, "Herzog Theodor von Gothland", war ein fast unaufführbarer Monolith nach Art von Shakespeares "Titus Andronicus" oder "Hamlet" gewesen, in dem am laufenden Band gemordet wurde. Blut, Haß und Hölle waren sowas wie die Leitmotive.
Die Reaktion darauf - es ist die Zeit des Biedermeier und der Romantik! - war vorprogrammiert: Obwohl man Grabbes Talent anerkannte, zeigte man sich verstört und riet von einer Veröffentlichung ab.
Gekränkt nahm sich Grabbe vor, mit einem Lustspiel einen schnellen Publikumserfolg zu erringen. Zu diesem Zweck schickte er seinen Erstling samt Blut, Haß und Hölle auf's Clown-College, und schwuppdiwupp war "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" geboren.
Darin, so könnte man den Inhalt zusammenfassen, schickt er den Teufel aus, um in der Provinz unter allen Ständen und Umständen Unheil zu stiften. Aber wie es sich für eine anständige Posse gehört, ist die Handlungsführung schablonenhaft und vernachlässigt. Hauptsache ist, dass die Pointen sitzen. Und für Spaß ist denn auch tatsächlich reichlich gesorgt! Ich beschränke mich auf zwei Beispiele:
Da ist zum einen der Freiherr von Mordax. Der verliebt sich 'unsterblich' in Liddy:
"Die Liddy ist ein prächtiges Tier und behagt mir superbe! [...] Ich will sie heiraten oder totstechen!"
Der Teufel nun verspricht, diesem die Angebetete zuzuspielen, wenn er, um sich ihrer als 'würdig' zu erweisen, zwölf Schneidergesellen um die Ecke bringt. - Liebe vermag alles, denkt sich Mordax und legt los!
An anderer Stelle werden zeitgenössische Autoren seichter Unterhaltungsliteratur genüßlich durchgehechelt. Grabbe nimmt sich dafür so viel Zeit, dass man fast meinen möchte, er glaube, sich schriftstellerisch ausgerechnet ihnen gegenüber behaupten zu müssen. Später aber heißt es plötzlich:
"Das ist der vermaledeite Grabbe, oder wie man ihn eigentlich nennen sollte, die zwergige Krabbe, der Verfasser dieses Stücks! Er ist so dumm wie'n Kuhfuß, schimpft auf alle Schriftsteller und taugt selber nichts, hat verrenkte Beine, schielende Augen und ein fades Affengesicht!"
So geht es hier zu. Selten musste ich beim Lesen eines Lustspiels so oft wirklich auflachen wie hier! Dass so mancher Witz allzu platt ist, sieht man Grabbe da gerne nach.
Den erhofften Durchbruch konnte Grabbe übrigens auch mit dieser Komödie nicht feiern und wurde in der Folge mehr und mehr zum Säufer. Lediglich Heinrich Heine war von Grabbe derart angetan, dass er sein Talent Shakespeare nahe rückte.
Aber selbstverständlich hinkt der Vergleich: - - - So turbulent komisch war Shakespeare nie!
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5/5
25.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was hat Grabe denn da nebenher bloß geraucht? ;-)
Bitte nochmal- wie war gleich der Titel?? Tja, das war dann viellelicht das durchgeknallteste Theaterstück, das ich je gelesen habe! Und trotzdem ein Klassiker, wenn er auch eher selten zur Aufführung kommt. Autor Grabbe lässt nicht nur sich selber (ganz am Schluss) auftreten, sondern auch den Teufel, dessen Großmutter, den Kaiser Nero, einen verstörte Dichter, diverse Naturwissenschaftler und nicht zu vergessen die dreizehn Schneidergesellen- und das sind nur die, die mir so auf die Schnelle einfallen! Trotzdem, sollte mal wieder ein Regisseur so tollkühn sein, das Ding auf die Bretter zu stellen- ich würde es mir wieder anschauen!
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