Produktbild: Halbtier

Halbtier Psychologischer Realismus über Trieb, bürgerliche Moral und weibliche Selbstbestimmung in der wilhelminischen Gesellschaft

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10,10 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.02.2023

Verlag

E-artnow

Seitenzahl

100

Maße (L/B/H)

22,9/15,2/0,7 cm

Gewicht

228 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-80-273-6942-3

Beschreibung

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

19.02.2023

Verlag

E-artnow

Seitenzahl

100

Maße (L/B/H)

22,9/15,2/0,7 cm

Gewicht

228 g

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1. Auflage

Sprache

Deutsch

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978-80-273-6942-3

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  • rockchickdeluxe

    5/5

    16.01.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Das Bürgertum ergiesst sich…

    Das Bürgertum ergiesst sich im fin-de-siècle. Die so genannten Künstler stecken fest im Überdruss, zwischen überholten Traditionen und dem erspähen eines neuen Zeitalters. Die Frösche der Jugend wirkt seltsam festgefahren in der Larmoyanz, dem selbstauferlegtem Leiden und dem Hauch des Untergangs am Ende des 19. Jahrhunderts. Die männlich dominierte (Künstler-) Gesellschaft hält fest an ihrer Rollenverteilung. Doch ob in den Kreisen der Bohème, der bürgerlichen oder jeder anderen Familie, in Halbtier ist die Frau degradiert zur Bediensteten, Wirtschafterin, dient dem Manne und steht ihm rund um die Uhr für jegliche Sinneswandlungen zur Verfügung. Sie wird herumkommandiert, verlacht, als dumm bezeichnet. Zeigt sie sich in seltenen Fällen schön, emanzipiert und selbstbestimmt, so wird sie als Halbtier zur Schau gestellt. Das Bild, das Helene Böhlau von Frauen in jedweden ihnen zugedachten Schubladen zeichnet, ist niederschmetternd. Auch Kinder dienen als Spiegel oder Instrument für Lebensinhalt oder die Fortsetzung männlicher Dominanz. Dass Frauen frei sein können, frei im Geiste und in ihren Entscheidungen, kommt in der patriarchal geprägten Welt, in der sich die Kreise um die Protagonistin Isolde bewegen, nicht vor. Wie kann die Gegenwehr der Frau gegen die ihr zugedachten Rollen aussehen? Wie wird Selbstbestimmung möglich? Extrem, rabiat und laut fordert Helene Böhlau das Recht der Frau ein, als gleichberechtigter Teil der geistigen kulturschaffenden Szene anerkannt zu werden. Halbtier ist harter Stoff. Pointiert, spielerisch, intelligent beobachtend aber auch schwer zu ertragen. Dieser Roman ist eine laute Forderung mit sprachlicher Wucht. Ich bin zutiefst fasziniert von der Radikalität der Darstellung und den verschiedenen Interpretationsebenen, die der Text anbietet. Er rüttelt auf, verstört und zeigt eine weibliche Sicht auf einen fast romantisch verklärten Zeitabschnitt. Der Roman schreit nach Selbstbestimmung und Befreiung, nach einer neuen Gesellschaftsordnung und Egoismus im besten Sinne des Wortes. Mit einem Nachwort von Helene Falk erschien der Roman 126 Jahre nach Ersterscheinung neu im Reclam Verlag. Ein fest!

  • Eva

    5/5

    15.01.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Feminismus im Fin-de-Siècle

    Das Bürgertum ergiesst sich im fin-de-siècle. Die so genannten Künstler stecken fest im Überdruss, zwischen überholten Traditionen und dem erspähen eines neuen Zeitalters. Die Frösche der Jugend wirkt seltsam festgefahren in der Larmoyanz, dem selbstauferlegtem Leiden und dem Hauch des Untergangs am Ende des 19. Jahrhunderts. Die männlich dominierte (Künstler-) Gesellschaft hält fest an ihrer Rollenverteilung. Doch ob in den Kreisen der Bohème, der bürgerlichen oder jeder anderen Familie, in Halbtier ist die Frau degradiert zur Bediensteten, Wirtschafterin, dient dem Manne und steht ihm rund um die Uhr für jegliche Sinneswandlungen zur Verfügung. Sie wird herumkommandiert, verlacht, als dumm bezeichnet. Zeigt sie sich in seltenen Fällen schön, emanzipiert und selbstbestimmt, so wird sie als Halbtier zur Schau gestellt. Das Bild, das Helene Böhlau von Frauen in jedweden ihnen zugedachten Schubladen zeichnet, ist niederschmetternd. Auch Kinder dienen als Spiegel oder Instrument für Lebensinhalt oder die Fortsetzung männlicher Dominanz. Dass Frauen frei sein können, frei im Geiste und in ihren Entscheidungen, kommt in der patriarchal geprägten Welt, in der sich die Kreise um die Protagonistin Isolde bewegen, nicht vor. Wie kann die Gegenwehr der Frau gegen die ihr zugedachten Rollen aussehen? Wie wird Selbstbestimmung möglich? Extrem, rabiat und laut fordert Helene Böhlau das Recht der Frau ein, als gleichberechtigter Teil der geistigen kulturschaffenden Szene anerkannt zu werden. Halbtier ist harter Stoff. Pointiert, spielerisch, intelligent beobachtend aber auch schwer zu ertragen. Dieser Roman ist eine laute Forderung mit sprachlicher Wucht. Ich bin zutiefst fasziniert von der Radikalität der Darstellung und den verschiedenen Interpretationsebenen, die der Text anbietet. Er rüttelt auf, verstört und zeigt eine weibliche Sicht auf einen fast romantisch verklärten Zeitabschnitt. Der Roman schreit nach Selbstbestimmung und Befreiung, nach einer neuen Gesellschaftsordnung und Egoismus im besten Sinne des Wortes. Mit einem Nachwort von Helene Falk erschien der Roman 126 Jahre nach Ersterscheinung neu im Reclam Verlag. Welch ein Fest!

  • zeilen_echo

    5/5

    15.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Roman als Urteil

    „Halbtier!“ liest sich nicht leicht, aber legt den Finger in eine immer noch schwärende Wunde. Es ist dennoch eines der besten Bücher gewesen, die ich in diesem Jahr lesen durfte! In dem Buch begleiten wir Isolde, eine junge Frau, die schon sehr früh weiß, was sie will und interessiert. Leider stößt sie genau damit immer wieder gegen die Grenzen und Beschränkungen, die ihr ihr Geschlecht im späten 19. Jahrhundert auferlegt. Wie viele Frauen ihrer Zeit wächst Isolde in dieses System hinein, ohne es zunächst in Frage zu stellen. Als sich Isolde in den Künstler Henry Mengersen verliebt, eskaliert die Geschichte endgültig. Mengersen nutzt Isoldes Bewunderung gezielt aus, um Macht über sie zu gewinnen - emotional, körperlich aber auch sozial. Missbraucht und anschließend weggeworfen erscheint es als würde Isolde endgültig aufwachen und beginnt die patriachalen Strukturen nicht nur zu sehen sondern auch dagegen anzukämpfen. Böhlau erzählt mit einer rohen Brutalität, wie Frauen in diesem System ausgenutzt werden. Hier gelten Frauen als Ressource oder notwendiges Übel. Sie haben hübsch auszusehen, den Haushalt zu führen, Kinder zu kriegen und v.a. natürlich dem Mann zu dienen. Eine eigene Meinung, die die Frauen auch noch kundtun? Um Gottes Willen, NEIN! Auf ewig dazu verdammt, die ihnen zugedachte Rolle zu erfüllen, ohne jemals selbst wirklich gesehen und anerkannt zu werden. Dieser Roman macht wütend und gleichzeitig auch unfassbar traurig und bedrückt. Am Ende steht Isoldes Freitod. Diese Entscheidung wirkt weniger wie Selbstermächtigung sondern eher wie die bittere Erkenntnis, dass innerhalb dieser Gesellschaft kein Raum für weibliche Autonomie existiert. Der Roman bietet keine Lösung, keinen Ausweg, kein tröstliches Narrativ, sondern zeigt Zustände und überlässt das Urteil den Lesenden. „Halbtier!“ ist ein absoluter Klassiker des Feminismus, den man selbst gelesen und erlebt haben muss.

  • Rina

    aus Mannheim

    4/5

    02.01.2026

    eBook (ePUB)

    Ein feministischer Klassiker

    Dieses Buch war für mich keine einfache Lektüre. Zwar ist der Schreibstil an die Moderne angepasst, dennoch ist er deutlich von der Sprache und dem Denken des 19. Jahrhunderts geprägt, was den Einstieg zunächst erschwert. Hat man sich jedoch erst einmal eingelesen, lohnt sich Halbtier sehr. Der Roman erweist sich als eindrucksvoller feministischer Klassiker. Im Mittelpunkt steht Isolde, eine junge Frau und Freigeist, die trotz schwieriger Umstände ihren eigenen Weg geht. Mit einem mittellosen Künstler als Vater wächst sie in einer Umgebung auf, in der weibliche Intelligenz kaum Anerkennung findet. Dennoch wird sie selbst Künstlerin. Aus Bewunderung für dessen Kunst nähert sie sich Henry Mengeseren, doch das erhoffte Glück bleibt aus. Während er geistige Tiefe in der Kunst schätzt, bevorzugt er privat eine Frau, die sich unterordnet und sich nicht in die Gespräche der Männer einmischt. Isolde lebt fortan innerlich distanziert von ihrer Familie und betrachtet ihren Alltag mit einem beobachtenden, oft schmerzhaften Blick. Sie erlebt die zusehende Zermürbung ihrer Mutter durch ihren Vater und das Leid ihrer Schwester, bis sie schließlich ein Ventil für ihre Gefühle findet und sich aus der Gefangenschaft patriarchaler Machtstrukturen befreit. Das Buch ist stellenweise brutal, wütend machend und schwer auszuhalten. Betrachtet man die Zeit, in der es geschrieben wurde, wird deutlich, wie extrem eingeschränkt die Möglichkeiten von Frauen damals waren. Frauen wurden oft nur als notwendiges Übel gesehen -zuständig für Haushalt und Kinder, während die Männer außer Haus ihren anspruchsvollen Geschäften oder ihren Vergnügungen nachgingen. Man spürt die Hoffnungslosigkeit, die Isolde zunehmend ergreift, je mehr sie erlebt, wie Frauen in ihrer nahen Umgebung behandelt werden - sei es durch ihren Bruder, ihren Vater oder den vormals angebeteten Künstler. Zwar befreit sie sich aus dem Gefängnis der Männer in ihrer Umgebung, doch wirkliche Freiheit scheint ihr nur im selbstgewählten Tod möglich zu sein. Halbtier ist ein Buch, das nicht mit einer Lösung oder einem Happy End aufwartet. Ja, wir sind heute viel weiter, aber noch lange nicht weit genug. Das zeigt dieser Klassiker auf eindrucksvolle Weise. Absolute Leseempfehlung!

  • Jürg K.

    4/5

    01.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Interessante Künstlergeschichte

    Im Zentrum steht Isolde, eine eigenwillige Frau, die im Schatten eines autoritären, mittellosen Künstlers aufwächst und sich gegen alle Widerstände ihren Weg als Künstlerin bahnt. Ihr Kampf gilt nicht nur der Kunst, sondern auch dem Recht, Mutterschaft und Beruf zu vereinen. Ein Aufschrei nach weiblicher Selbstbestimmung, der seiner Zeit weit voraus war. Doch die zerstörerische Kraft des Patriarchats hinterlässt Spuren: Erniedrigung, Missbrauch und die Erfahrung männlicher Macht führen Isolde in eine Spirale aus Gewalt und Verzweiflung. Als ihr Idol Mengersen sie sexuell belästigt, greift sie zur Waffe und vollzieht einen Akt der radikalen Befreiung, bevor sie selbst den Freitod wählt. Helene Böhlaus ist ein radikales Werk gelungen, das mit psychologischer Präzision und erzählerischer Wucht gesellschaftliche Konventionen sprengt. Beim Lesen muss man schon einiges aushalten können. Böhlau entwirft ein kompromissloses Porträt weiblicher Autonomie, das zugleich erschüttert und fasziniert. Die Sprache ist scharf, die Figuren komplex, die Handlung von bedrückender Intensität. Die Wiederentdeckung dieses Klassikers zeigt, wie aktuell die Fragen nach Freiheit, Körper und Selbstbestimmung geblieben sind. Eine faszinierende weibliche Stimme, die bis heute nachhallt. Für mich ist dieser Roman ein Klassiker über Selbstbestimmung und Befreiung. Sehr empfehlenswert.

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