Sisterhood is powerful! Die Erkundung eines politischen Prinzips
Ob #metoo oder die Proteste im Iran: In den letzten Jahren gab es zahlreiche Anlässe, bei denen Frauen füreinander eintraten. Ein Prinzip, das schon die Feminist:innen der 1970er-Jahre propagierten – nicht umsonst lautete einer ihrer bekanntesten Slogans: Sisterhood is powerful! Aber Schwesterlichkeit ist mehr als Networking, mehr als weibliche Solidarität. Es ist eine politische Praxis. Julia Korbik setzt sich mit dem Prinzip der Schwesterlichkeit auseinander, will verstehen, wie sie aussehen kann – und was sie verhindert. Sie hinterfragt den Feminismus der letzten Jahre und erforscht dieses Thema anhand persönlicher Anekdoten, Beispiele aus Literatur, Popkultur, Geschichte und Gesellschaft inspirierend, nuanciert und neugierig.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
CK
aus Raum Stuttgart
5/5
24.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weibliches Miteinander:…
Weibliches Miteinander: "Schwesterlichkeit kann vieles sein. Muss vieles sein." Julia Korbik hat mit „Schwestern: Die Macht des weiblichen Kollektivs“ ein kluges und interessantes Buch geschrieben, in dem sie einen umfassenden Überblick auf feministisches Denken, feministische Sichtweisen und auf die „Schwesternschaft“ unter Frauen gibt. Anhand persönlicher Erlebnisse sowie mit Beispielen aus der Gesellschaft und Geschichte, Literatur und des Feminismus erforscht sie das Thema der weiblichen Solidarität und des weiblichen Miteinander. Sie zeigt aber auch auf, weshalb genau das oft fehlt, wieso wir im Patriarchat als Frauen nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten. „Schwestern“ ist ein wichtiges und positives Buch, das ich allen Menschen ans Herz legen möchte. Es ist allerdings kein Buch, das einfach Antworten gibt – aber das hatte ich auch nicht erwartet. Vielmehr ist es ein Buch, das vieles aufzeigt und uns auffordert, Fragen zu stellen, an sich selbst, an die Gesellschaft. Und viel Stoff zum Nachdenken bietet. Veränderung ist nur möglich, wenn wir im Kleinen beginnen, also bei uns selbst. "Es mag sein, dass Schwesterlichkeit als Begriff und Konzept auf den ersten, flüchtigen Blick nicht über umfangreiche Mythen und Bilder verfügt - allerdings nur, wenn man Brüderlichkeit als Referenz benutzt und Schwesterlichkeit allein danach bewertet, wie ähnlich sie dieser ist. Frauen sind von der Geschichte systematisch "vergessen" und aus ihr herausgeschrieben worden, ihre Rolle darin wurde kleingeredet: Warum also messen wir etwas mit männlichen Maßstäben, wenn die Ausgangsbedingungen vornherein so unterschiedlich sind?" "Schwesterlichkeit, das ist nicht einfach Brüderlichkeit in weiblich. Und sie besitzt sehr wohl eigene Bilder, Geschichten, Mythen. Eine eigene Vorstellungswelt. Aber man muss genauer hinschauen, intensiver suchen, um diese zu finden und offenzulegen." "Und, es muss noch einmal gesagt werden: Schwesterlichkeit ist nicht einfach Brüderlichkeit in weiblich, denn ihr Ziel ist nicht Einheitlichkeit: Sie ist kein enthusiastisches "Wir Frauen" oder "Eine für alle, alle für eine", sondern ein politischer Kampfbegriff. Schwesterliche Solidarität basiert nicht auf einer gemeinsamen "weiblichen Erfahrung" oder auf dem Geschlecht - sie basiert auf einem gemeinsamen politischen Engagement für die feministische Bewegung, für eine gerechtere, gleichberechtigtere Gesellschaft." "Wenn ich an Schwesterlichkeit denke, denke ich an Hände: Hände, die als Fäuste in die Luft gereckt werden, als Geste des Protests. Hände, die klatschen, die anderen Beifall spenden und Unterstützung bieten. Vor allem aber denke ich an Hände, die ausgestreckt, die anderen gereicht werden. Eine ausgestreckte Hand ist ein Angebot, eine Einladung. Sie steht für Offenheit, dafür, sich trotz aller Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten anzunähern. Aufeinander zuzugehen. Eine ausgestreckte Hand ist ein Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts. Sie ist eine schwesterliche Geste."
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
24.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weibliches Miteinander: "Schwesterlichkeit kann vieles sein. Muss vieles sein."
Julia Korbik hat mit „Schwestern: Die Macht des weiblichen Kollektivs“ ein kluges und interessantes Buch geschrieben, in dem sie einen umfassenden Überblick auf feministisches Denken, feministische Sichtweisen und auf die „Schwesternschaft“ unter Frauen gibt.
Anhand persönlicher Erlebnisse sowie mit Beispielen aus der Gesellschaft und Geschichte, Literatur und des Feminismus erforscht sie das Thema der weiblichen Solidarität und des weiblichen Miteinander. Sie zeigt aber auch auf, weshalb genau das oft fehlt, wieso wir im Patriarchat als Frauen nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten.
„Schwestern“ ist ein wichtiges und positives Buch, das ich allen Menschen ans Herz legen möchte. Es ist allerdings kein Buch, das einfach Antworten gibt – aber das hatte ich auch nicht erwartet. Vielmehr ist es ein Buch, das vieles aufzeigt und uns auffordert, Fragen zu stellen, an sich selbst, an die Gesellschaft. Und viel Stoff zum Nachdenken bietet. Veränderung ist nur möglich, wenn wir im Kleinen beginnen, also bei uns selbst.
"Es mag sein, dass Schwesterlichkeit als Begriff und Konzept auf den ersten, flüchtigen Blick nicht über umfangreiche Mythen und Bilder verfügt - allerdings nur, wenn man Brüderlichkeit als Referenz benutzt und Schwesterlichkeit allein danach bewertet, wie ähnlich sie dieser ist. Frauen sind von der Geschichte systematisch “vergessen” und aus ihr herausgeschrieben worden, ihre Rolle darin wurde kleingeredet: Warum also messen wir etwas mit männlichen Maßstäben, wenn die Ausgangsbedingungen vornherein so unterschiedlich sind?"
“Schwesterlichkeit, das ist nicht einfach Brüderlichkeit in weiblich. Und sie besitzt sehr wohl eigene Bilder, Geschichten, Mythen. Eine eigene Vorstellungswelt. Aber man muss genauer hinschauen, intensiver suchen, um diese zu finden und offenzulegen.”
"Und, es muss noch einmal gesagt werden: Schwesterlichkeit ist nicht einfach Brüderlichkeit in weiblich, denn ihr Ziel ist nicht Einheitlichkeit: Sie ist kein enthusiastisches “Wir Frauen” oder “Eine für alle, alle für eine”, sondern ein politischer Kampfbegriff. Schwesterliche Solidarität basiert nicht auf einer gemeinsamen “weiblichen Erfahrung” oder auf dem Geschlecht - sie basiert auf einem gemeinsamen politischen Engagement für die feministische Bewegung, für eine gerechtere, gleichberechtigtere Gesellschaft."
“Wenn ich an Schwesterlichkeit denke, denke ich an Hände: Hände, die als Fäuste in die Luft gereckt werden, als Geste des Protests. Hände, die klatschen, die anderen Beifall spenden und Unterstützung bieten. Vor allem aber denke ich an Hände, die ausgestreckt, die anderen gereicht werden. Eine ausgestreckte Hand ist ein Angebot, eine Einladung. Sie steht für Offenheit, dafür, sich trotz aller Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten anzunähern. Aufeinander zuzugehen. Eine ausgestreckte Hand ist ein Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts. Sie ist eine schwesterliche Geste.”
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
5/5
01.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Blicke auf weibliches Miteinander
Julia Korbik gelingt hier in „Schwestern“ ein interessanter und wachrüttelnder Blick auf feministisches Denken, auf feministische Sichten, auf die Schwesternschaft. Denn propagieren wir Frauen wirklich diese Schwesternschaft? Meines Erachtens viel zu wenig. Wo Männer Allianzen bilden, sind wir eher gegeneinander eingestellt. Wir funktionieren wunderbar in diesem Patriarchat. Anstatt uns zusammenzuschließen und eine Macht zu bilden, reagieren wir weiterhin nach altbekannten Mustern und funktionieren damit prächtig für dieses Patriarchat und merken darüber nicht, dass dieses Patriarchat uns zerstört, uns klein hält. Genauso könnte man sich fragen, warum reagiert das Patriarchat so? Warum agieren reaktionäre Kräfte vermehrt frauenfeindlich, warum möchten sie uns beschränken? Auch das sollte man sich einmal fragen. Hat das nicht auch etwas mit einer Angst zu tun? Denn wenn Frauen sich zusammenschließen und revoltieren knicken die Herren der Schöpfung dann auch schnell ein. Man blicke da nur nach Island und den Streik der Frauen da in den 70ern.
Nun meckert Julia Korbik hier nicht nur rum, wie ich gerade, sorry. Sondern sie zeigt in ihrem Buch auch Möglichkeiten auf. Und sie transportiert in ihrem Buch „Schwestern“ eine große Hoffnung. Hoffnung auf Besserung. Und diese Hoffnung tut gut. Sie zieht nicht runter wie diese Meckerei. Huch, sorry. Sondern diese Hoffnung, diese Blicke auf ein Vielleicht spenden Kraft. Hier wird kein weltentrücktes, auf einer Wolke schwebendes weibliches Kollektiv präsentiert. Sondern hier wird eine Schwesternschaft ermöglicht, in der nicht jede Schwester gleich ticken muss. Hier wird eine Schwesternschaft beschrieben, die natürlich auch Unterschiede und darin begründete Reibungspunkte enthält. Aber maybe. Gibt es ja bei Schwestern in der Familie auch. Und manche Reibung ermöglicht schlussendlich eine Veränderung. Veränderungen, die wir dringend nötig haben und die auch im politischen Kontext eine immer größere Bedeutung bekommen. Wenn ich an die Rückkehr der nationalistisch tickenden Reaktionären denke. Mädels, wacht auf. Denkt an Polen und diese so starke Beschneidung weiblicher Selbstbestimmtheit. Nichts anderes wollen diese feinen Herren und Damen nämlich, wenn sie an der Macht sind, wird der dünne Schafspelz abgeworfen und darunter kommt das eigentliche machtbesessene und patriarchal denkende Ungetüm zum Vorschein. Ich habe bewusst keinen Wolf als Bild benutzt. Was soll auch dieses wunderschöne Tier mit diesen Reaktionären zu tun haben?
„Schwestern“ von Julia Korbik ist ein richtig erhellendes und absolut positives Buch, ein wichtiges Buch und ein Buch, welches genau zur richtigen Zeit kommt. Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche. Denn eine Veränderung zu einer dualen und wirklich gleichberechtigten Gesellschaft haben wir mehr als nötig. Und etwas positive Klänge tun in diesen dunklen Zeiten sehr gut. Also Mädels, ran an die „Schwestern“. Hmpf. Ihr Jungs natürlich auch.
Denise
3/5
28.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geschichtsstunde ohne Inspiration für heute
"Schwestern" ist ein tolles Buch, wenn man mehr über die Geschichte des Feminismus lernen möchte. Ich bin froh, es gelesen zu haben, da Korbik mit guter Struktur und passenden Beispielen die verschiedenen Wellen des Feminismus aufgezeigt hat, mit besonderem Fokus auf deren damalige Schwierigkeiten.
Vom Titel hätte ich jedoch viel mehr Eigenleistung erwartet, als die nüchterne Abhandlung von bereits Vergangenem. Wie können Frauen es heute schaffen, gemeinsam Großes zu erreichen? Für diese Frage hätte ich mir Inspiration gewünscht, doch nur sehr wenig davon gegen Ende des Buches gefunden.
Cha
aus Baden-Baden
5/5
02.02.2024
eBook (ePUB 3)
Empfehlung!
Ein richtig wichtiges Thema, über das ich bisher noch viel zu wenig gelesen habe und ich fand es auch sehr interessant und anschaulich dargestellt. Ich mochte die historischen Bezüge, die Vergleiche zu ähnlichen Worten in anderen Sprachen und Konzepten. Insgesamt fand ich auch die Mischung aus Ideen, Fakten und geschichtlichen Infos. Vor allem, da das direkte Thema "Schwesterlichkeit" nicht oft besprochen ist, war viel Neues und interessantes für mich dabei.
Große Empfehlung.
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4/5
14.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liberté, Égalité, Sororité
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - wer kennt ihn nicht, den Leitspruch der französischen Revolution. Aber wo bleiben da eigentlich die Frauen? Französische Feminist*innen haben den Slogan ihrer Republik in "Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit" umgedichtet. Julia Korbik erforscht in "Schwestern" die Geschichte der Schwesterlichkeit und beschreibt die Macht, die Frauen im Kollektiv haben können. Sie beschreibt aber auch die Probleme der feministischen Bewegung, die Ausgrenzung, die besonders Women of Color und queere Frauen oft erfahren und erfahren haben. Das Buch bietet einen guten Einstieg in den intersektionalen Feminismus und die Probleme des historischen Feminismus, aber auch Perspektiven und Hoffnung für die Zukunft.
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