Boston, 1974. Die Stadt kocht. Künftig sollen schwarze Kinder mit Bussen in weiße Schulen gebracht werden und vice versa. Angst geht um und Hass. Eines Nachts kehrt Mary Pat Fennessys 17-jährige Tochter Jules nicht nach Hause zurück. Mary Pat beginnt Fragen zu stellen, stößt auf Schweigen und Widersprüche, bis sie versteht: Man hat ihr das Letzte genommen, was ihr in dieser Welt Halt gab. Außer sich vor Schmerz macht sie sich auf, um Rache zu nehmen an den Verantwortlichen – und um ihre eigene Schuld abzutragen. Um jeden Preis.
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Rachethriller
Heidrun aus Klingenberg am 28.07.2024
Bewertungsnummer: 2254764
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Roman spielt vor den Hintergrund von Rassenunruhen. Ein schwarzer Junge wird in einen weißen Viertel ermordet. Gleichzeitig verschwindet ein weißes Mädchen. Hauptakteure sind Mary Pat, die Mutter des verschwundenen Mädchens, und der Polizist Bobby, der im Mordfall ermittelt. Als Mary Pat erfährt, dass ihre Tochter tot ist, beginnt sie einen Rachefeldzug. Bobby versucht die Umstände des Mordes herauszufinden, scheitert aber an der Mafia.
Das Buch ist ein Rachethriller, aber auch eine Milieustudie der USA in den Siebzigern. Nur hat sich bis heute nicht viel geändert, was beängstigend ist. Das Buch ist verstörend und brutal. Dem Autor gelingt es bis zum Ende die Spannung hoch zu halten.
Wer Wert auf Politische Korrektheit legt, sollte bedenken, dass 1974 das N-Wort gebräuchlich war.
Das Buch ist einer der besten Rachethriller, den ich gelesen habe. Von mir gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Im Jahr 1974 brodeln in…
Mikka Liest aus Zwischen den Seiten am 23.04.2024
Bewertungsnummer: 2854551
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Jahr 1974 brodeln in Boston die Unruhen, befeuert von der Desegregationskrise der öffentlichen Schulen; durch den Austausch von schwarzen und weißen Schulkindern per Bus soll Integration erreicht werden. Schwarze Kinder sollen nun auf überwiegend weiße Schulen gehen, weiße Kinder auf schwarze Schulen. So gut gemeint das auch klingen mag, so heftig ist doch der Widerstand; der Aufruhr ist bösartig, rassistisch, rabiat. Als wäre das nicht schon genug, um diese Krise zu einem Schandfleck der Bostoner Geschichte zu machen, befindet sich nicht nur die Unterwelt fest im Griff des Verbrecherbosses James »Whitey« Bulger (hier umgenannt in Marty Butler). Inmitten dieses Chaos ist Mary Pat Fennessy auf der Suche nach ihrer vermissten Teenager-Tochter Jules, die eigentlich auch bald auf eine schwarze Schule gehen soll, aber kurz davor einfach nicht mehr nachhause kommt. Zeitgleich wird Augustus »Auggie« Williamson, ein schwarzer junger Mann, tot aufgefunden, und Augenzeugen sagen, er wurde von vier weißen Jugendlichen gejagt … Dennis Lehane nimmt uns mit an einen Brennpunkt der amerikanischen Geschichte; es entspinnt sich eine Geschichte der rassistisch motivierten Hetze, der Polizeigewalt, des organisierten Verbrechens. Und des beiläufigen, teils unbewussten Alltagsrassismus von Menschen wie Mary, die sich tagtäglich am Rande der Armut abkämpfen, in ihrer freudlosen Existenz keinen Lichtblick mehr sehen – und einen Sündenbock dafür suchen. Dass Lehane einer irischstämmigen Bostoner Familie entstammt, verleiht dem Buch sicher einen großen Teil seiner bestechenden Authentizität, insbesondere seiner ebenfalls irischstämmigen Protagonistin Mary. Er nutzt das historisch aufgeladene Setting, um tiefgehende gesellschaftliche Fragen zu erforschen. Mary ist durchaus ein Charakter, mit dem Lesende mitfühlen können. Sie hat viel verloren in ihrem Leben: ein ermordeter Ehemann, der Ganggewalt zum Opfer fiel. Ein Sohn, der lebend aus Vietnam zurückkehrte, nur um dann an einer Überdosis Heroin zu sterben. Und nun soll sie einfach akzeptieren, dass ihre Tochter weg ist? Niemals. Sie sucht Rückhalt bei ihrer Community – und muss ernüchtert erkennen, dass sie vor vielem die Augen verschlossen hat. Mary hält sich selbst nicht für rassistisch, obwohl sie sich manchmal beklommen bei Gedanken ertappt, die arg nach Rassismus klingen. Immer dann, wenn sie sich hilflos fühlt, wenn sie Angst hat, wenn sie nicht weiter weiß. Aber sie ist doch gut befreundet mit ihrer schwarzen Kollegin Dreamy, nicht wahr? Schrecklich, dass es ausgerechnet deren Sohn Auggie war, der tot da lag … da lag, wo ihre Tochter zuletzt gesehen wurde … So verbunden sich Mary manchmal auch wähnt mit «den Schwarzen», letztlich ist diese Verbundenheit eben nur das: Ein Konstrukt, mit dem sie sich besser fühlen kann, obwohl sie keine konkreten Taten walten lässt, um Solidarität zu zeigen. Doch inmitten des Schmerzes und der Angst erlebt Mary durchaus ein inneres Wachstum, hinterfragt den Rassenwahn ihrer Community – und ihren eigenen. Sie ist eine harte Frau, die diese Härte nun auf sich selbst richtet, um ihre eigenen Ansichten nicht länger zu entschuldigen. Dennis Lehane gelingt es, dass ich beim Lesen mitfühlte und mitfieberte mit dieser kettenrauchenden, verbitterten kleinen Frau, die zu spät versucht, sich aus dem Morast freizukämpfen, den sie erst jetzt als solchen erkennt. Sie wagt es, ihre Tochter über den Schweigekodex der Nachbarschaft zu stellen, und doch bleibt ihr nichts mehr übrig als Rache. Auch andere Charaktere werden von Dennis Lehane mit feinem Gespür für deren komplexes, oft zwiespältiges Innenleben geschildert; wie Mary ist zum Beispiel auch Detective Bobby Coyne im Grunde ein gebrochener Mensch. Doch im Gegensatz zu ihr sieht er immer noch Gründe dafür, weiterzuleben, es besser zu machen – und Sekunden der Gnade walten zu lassen, auch wenn diese meist kaum mehr bewirken als Tropfen auf dem heißen Stein. Obwohl es sich hier nicht um einen klassischen Thriller handelt, sorgt die geschickte Verknüpfung von persönlichem Drama und politischem Konflikt dennoch für einen straffen Spannungsbogen, dem ich mich beim Lesen kaum entziehen konnte. Der Schreibstil ist direkt und wirkungsvoll, macht die sozialen Spannungen der Zeit auf jeder Seite spürbar. In Dialogen, die durchwegs authentisch und realistisch wirken, erweckt Lehane auch zwiespältige Charaktere zum Leben. Problematische Ansichten werden dadurch zwar keinesfalls entschuldbar, aber im Kontext ihrer persönlichen Geschichten und sozialen Umstände ein Stück weit verständlicher. Der Roman bietet Spannung und Unterhaltung, aber auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen und sozialen Themen. Lehane zeigt Hass als umfassendes System, das Grausamkeit und Gewalt gegen Außenseiter richtet, während es gleichzeitig bereit ist, Freunde und Nachbarn zu opfern. Kein Buch, das man schnell nebenher lesen sollte, aber definitiv ein lohnendes Buch, das ich weiterempfehle.
Meinung aus der Buchhandlung
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1974 Rassentrennung in Amerika. Die Dinge sollen sich bald ändern, es wurde beschlossen, die einst getrennten Schulen zu mischen. Diese Reglung gefällt vor allem den Eltern nicht, die sorgen sich nämlich um ihre Kinder. Dazu gehört auch Mary Pat Fennessy. Die alleinerziehende Mutter meistert die Herausforderungen des Lebens für ihre Teenie Tochter Jules. Trotz aller Widrigkeiten hat sie ein Zuhause geschaffen. Doch es kommt zu einem Verbrechen. Die Leiche eines jungen schwarzen Mannes wurde gefunden und anscheinend zeitgleich verschwindet Jules. Der grausame Fund beherrscht die Nachrichten aber für Mary Pat zählt nur ihre Tochter. Was ist passiert? Verzweifelt wendet sie sich an zwielichtige Typen in ihren Viertel. Die Leute, von denen sie sich Unterstützung erhofft hatte, helfen ihr aber nicht ganz im Gegenteil. Darum hilft sie sich jetzt selbst.
Ein Krimi über die Suche nach der Wahrheit, Vergeltung und blutige Rache.
Das hier ist mein erster Lehane und es wird sicher nicht mein letzter sein. Hervorragende Spannung und gut durchdachte Dialoge.
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Lehanes Romane werden zwar gemeinhin als Krimis gehandelt, sind allerdings viel mehr als das. Da bildet auch sein neuestes Buch keine Ausnahme.
Lehane erzählt die Geschichte einer Mutter auf der Suche nach ihrer vermissten Tochter, die bald in einen Rachefeldzug umschlägt, als sie merkt, wer alles darin verwickelt ist.
Lehane erzählt dies vor dem Hintergrund eines historischen Versuches, die Trennung von weißen und schwarzen Vierteln künstlich per Bustransfers zu durchbrechen. Eine klassische Entscheidung seitens der Regierenden, die über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden wurde und selbstverständlich für Unmut sorgt und Aufstand anstachelt - die Stadt als Pulverfass.
Dass Lehane schon seit langem auch als Drehbuchautor tätig ist, merkt man der sehr anschaulichen Schreibweise gut an, automatisch entstehen die Szenenvor dem inneren Auge.
Sollten Sie noch kein Buch von Lehane kennen, so ist dieses hier ein sehr guter Einstieg. Da es voraussichtlich sein letztes sein wird, können Sie sich dann rückwärts durch seine Titel arbeiten und anschließend noch sämtliche Verfilmungen anschauen. Das alles lohnt sich ungemein.
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