Johanna ist keine gute Tochter. Um sich zu retten, hat sie die Familie verlassen. Jetzt, dreißig Jahre später, ist sie wieder zu Hause. Sie sucht Nähe, sie will den Kontakt zur Mutter erzwingen, doch die verweigert sich kühl jeder Annäherung. Heimgesucht von den Erinnerungen an die Kindheit zieht Johanna sich in eine einsame Hütte am Fjord zurück, wo es an ihr ist, die Verhältnisse zu ordnen und sich aus den familiären Zwängen zu befreien.
Vigdis Hjorth erzählt in »Die Wahrheiten meiner Mutter« drastisch von unseren zerrütteten Beziehungen, von Sehnsucht und Enttäuschung und davon, wie man der Vergangenheit begegnet, ohne sich selbst aufzugeben.
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Eindringlich
S.J. am 16.11.2025
Bewertungsnummer: 2655339
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrucksvolle Beschreibung einer schmerzhaften Mutter-Tochter Beziehung. Intensiv bis zur Schmerzgrenze setzt sich die Protagonisten mit dem Verhalten ihrer Mutter auseinander.
Ein Monolog der auf mich eine Sogwirkung ausgeübt hat.Nachvollziehbar beschreibt die Autorin welche Verletzungen die Erfahrung des nicht gesehen werdens auslösen kann.
Eine von uns
Nina am 10.12.2023
Bewertungsnummer: 2085653
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Familie können wir uns nicht aussuchen. Wir werden hineingeboren – mit all den Wünschen, Erwartungen und Schmerzen, die Familienmitglieder auf uns projektieren. Dagegen können wir uns nur in gewissen Maßen wehren. Kommt es zum Äußersten, bleibt uns zunächst der Rückzug – und am Ende nur der Kontaktabbruch.
Johanna, die Protagonistin, die uns in „Die Wahrheiten meiner Mutter“ an ihren Gedanken teilnehmen lässt, hat vor dreißig Jahren den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen. Den vorgegebenen Weg ihrer Eltern – das Jurastudium, eine Hochzeit, die sie nicht als ihre eigene Hochzeit anerkennen kann – Johanna ist gefangen in den Plänen, die ihre Eltern für sie haben. Als sie beschließt, aus ihrer Ehe auszubrechen, ihrer großen Liebe nach Amerika zu folgen und sich dort nicht als Juristin, sondern als Künstlerin zu verwirklichen, entsteht ein Riss mit ihrer Familie.
Dieser Riss wird mit der Zeit größer, es entwickelt sich ein unüberwindbarer Krater. Johannas Kunst beschäftigt sich mit der Mutter-Kind-Problematik – und sorgt in ihrer alten Heimat für Unruhe. Als ihr Vater stirbt, erfolgt der endgültige Bruch: Johanna kommt nicht zur Beisetzung.
Nun, dreißig Jahre nach ihrer Flucht nach Amerika, zieht Johanna zurück in ihre alte Heimatstadt. Frisch verwitwet, der Sohn gerade flügge geworden, will sie sich vor Ort auf eine Ausstellung in ihrer Heimatstadt vorbereitet. Doch statt mit ihrer Kunst beschäftigt sich Johanna mit ihrer Vergangenheit. Sie sehnt sich nach Kontakt zur Mutter, nach Antworten auf die Fragen, die sich Johanna seit Jahrzehnten stellt.
Ihre zunächst vorsichtigen Versuche, Kontakt mit ihrer Mutter aufzunehmen, werden von dieser konsequent unterbunden. Johanna fängt an, ihre Mutter heimlich zu beobachten, versucht ihr nahe zu sein. Kurz gesagt: Johanna fängt an, ihre Mutter zu stalken. Die New York Times betitelte die eigene Buchbesprechung passend mit „Digging Through Her Mother’s Trash, Looking for Love” – “durch den Müll ihrer Mutter wühlend, auf der Suche nach Liebe“.
Genau das macht diesen Roman von der vielfachen norwegischen Bestsellerautorin Vigdis Hjorth so besonders: Die Mischung aus einer durchaus sympathischen Protagonistin, deren Bedürfnisse absolut nachvollziehbar sind, sie durchaus als „Grundbedürfnisse“ bezeichnet werden können. Deren Verletzungen und deren Erwartungsdruck wir alle mehr oder weniger aus unseren eigenen familiären Beziehungen kennen („lern doch erstmal etwas sicheres“, „ich freu mich schon, Oma/Opa zu werden“, „Du musst aber unbedingt auch deine Cousine dritten Grades zu Deiner Hochzeit einladen“ etc. pp.), die einem beim Lesen des Romans durchaus ans Herz wächst. Gleichzeitig sind die entstehenden Handlungen zuwider, die Hoffnung auf ein glückliches Wiedersehen bleiben dennoch.
Der fast durchgehende Monolog der Protagonistin ist gut zu lesen, mir gefällt besonders der Spiel mit den sichtbaren Pausen. Durch wenige Zeilen auf einer Seite wird das Buch zwar auf 400 Seiten aufgeblasen, ein kurzer Absatz auf einer einzelnen Seite wirkt dafür umso intensiver.
Ich freue mich darauf, weitere Romane von Vigdis Hjort zu lesen. Immerhin zehn Romane sind bereits ins Deutsche übersetzt.
Meinung aus der Buchhandlung
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Das norwegische Original von Vigdis Hjorths neuem Roman lautet Er mor død (Mutter ist tot). In der von Gabriele Haefs wie immer vorzüglich geleisteten Übertragung wirkt der Titel weitaus vielschichtiger und passt auch irgendwie besser zu dem heiklen Mutter-Tochter-Thema, da es hier eben nicht um den leiblichen Tod der Mutter geht. Eine Mutter stirbt nie, zumindest nicht die Mutter in uns. Das Buch ist streckenweise schwer auszuhalten – nicht trotz sondern wegen seiner literarischen Qualität, seiner bedrückenden Intensität, mit der beim Lesen immer wieder unwillkürlich auch die eigene Mutter-Kind-Erfahrung heraufbeschworen wird. Ein aufwühlender, aufrüttelnder Text, der auch nach Beendigung der Lektüre nicht loslässt. Nicht unbedingt als Muttertagsgeschenk geeignet.
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Eine Mutter-Tochter Beziehung, die unter die Haut geht
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vigdis Hjorth hat eine Geschichte von erschütternder Direktheit geschrieben. In einer sehr direkten und drastischen Sprache, erzählt sie uns von dem zerrütteten Verhältnis zwischen Johanna und ihrere Mutter. Sie durchleuchtet scharfsinnig die vielleicht schwierigste alles Beziehungen - die der Mütter und Töchter. Beim Lesen möchte man sagen: redet doch einfachmiteinander und habt Verständnis für die Sichtweise des jeweils anderen.
Vigdis Hjorth gehört zu den ganz großen norwegischen Autorinnen und der Roman ist für den International Booker Prize 2023 nominiert. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man weshalb.
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