Johanna ist keine gute Tochter. Um sich zu retten, hat sie die Familie verlassen. Jetzt, dreißig Jahre später, ist sie wieder zu Hause. Sie sucht Nähe, sie will den Kontakt zur Mutter erzwingen, doch die verweigert sich kühl jeder Annäherung. Heimgesucht von den Erinnerungen an die Kindheit zieht Johanna sich in eine einsame Hütte am Fjord zurück, wo es an ihr ist, die Verhältnisse zu ordnen und sich aus den familiären Zwängen zu befreien.Vigdis Hjorth erzählt drastisch von unseren zerrütteten Beziehungen, von Sehnsucht und Enttäuschung und davon, wie man der Vergangenheit begegnet, ohne sich selbst aufzugeben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Wortschätzchen
aus Kreis Heidelberg
4/5
30.09.2023
Hörbuch-Download (MP3)
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Johanna ist nach 30 Jahren wieder in ihre alte Heimat gekommen und sucht nun Kontakt zu Mutter und Schwester. In einer einsamen Hütte am Fjord macht sie sich ihre Gedanken um ihre Kindheit, die Familie, die Geschehnisse. Immer wieder blockt die Schwester ab und Johanna ist sich sicher, die Mutter würde sehr gern mit ihr reden. Sie lässt nicht locker.
Zunächst ging ich davon aus, dass Johanna Unrecht getan wird, doch dann kommen schnell ein paar Infos, die mich nachdenken und irgendwann wütend werden lassen. Je mehr Johanna erzählt, desto mehr frage ich mich, wer sich hier die Wahrheiten so zurechtlegt, wie sie passend scheinen. Wirklich sympathisch ist sie mir deshalb nicht. Und doch funktioniert die Story! Denn genau so läuft das Leben. Man bekommt Wahrheiten erzählt und muss sondieren, ob sie so denn auch für einen selbst stimmen oder eben doch nicht. Insofern ist es auch mal richtig und wichtig, die Hauptperson gar nicht zu mögen.
Johanna plappert endlos vor sich hin, macht sich Gedanken, die sich verselbständigen und vieles ist nur das, was sie glaubt, dass geredet und gedacht wird von ihrer Mutter und ihrer Schwester. Dazwischen kommen dann reale Erinnerungen an ihre Kindheit. Die war, zugegeben, nicht perfekt, doch sicher auch keine gar so schlechte. Johanna war kein einfaches Kind. Nicht alle Sanktionen waren aus heutiger Sicht vertretbar, ganz klar. Dennoch frage ich mich, ob das Rechtfertigung für das ist, was sie erzählt. So wird Johanna irgendwann zur Stalkerin und hier verstehe ich ihre Gedanken dann schon gar nicht mehr. Sie redet, als wären nur ein paar Tage statt dreißig Jahren vergangen und das irritiert mich enorm. Dazu kommen die Zeitsprünge, die sie gedanklich macht, wenn sie erzählt. Da muss man ganz genau aufpassen, um nicht durcheinander zu kommen. Ganz langsam kommen Dinge zu Tage, die Johanna nie sehen wollte bzw. schlichtweg verschwiegen hat. Immer öfter musste ich fassungslos den Kopf schütteln.
Mich schockiert dieses Buch zutiefst. Aber ich erkenne an, dass Vigdis Hjorth das enorm gut hinbekommen hat. Vier Sterne!
Wortschätzchen
aus Kreis HD
4/5
30.09.2023
Hörbuch-Download (MP3)
Der Apfel fällt nicht weit…
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm Johanna ist nach 30 Jahren wieder in ihre alte Heimat gekommen und sucht nun Kontakt zu Mutter und Schwester. In einer einsamen Hütte am Fjord macht sie sich ihre Gedanken um ihre Kindheit, die Familie, die Geschehnisse. Immer wieder blockt die Schwester ab und Johanna ist sich sicher, die Mutter würde sehr gern mit ihr reden. Sie lässt nicht locker. Zunächst ging ich davon aus, dass Johanna Unrecht getan wird, doch dann kommen schnell ein paar Infos, die mich nachdenken und irgendwann wütend werden lassen. Je mehr Johanna erzählt, desto mehr frage ich mich, wer sich hier die Wahrheiten so zurechtlegt, wie sie passend scheinen. Wirklich sympathisch ist sie mir deshalb nicht. Und doch funktioniert die Story! Denn genau so läuft das Leben. Man bekommt Wahrheiten erzählt und muss sondieren, ob sie so denn auch für einen selbst stimmen oder eben doch nicht. Insofern ist es auch mal richtig und wichtig, die Hauptperson gar nicht zu mögen. Johanna plappert endlos vor sich hin, macht sich Gedanken, die sich verselbständigen und vieles ist nur das, was sie glaubt, dass geredet und gedacht wird von ihrer Mutter und ihrer Schwester. Dazwischen kommen dann reale Erinnerungen an ihre Kindheit. Die war, zugegeben, nicht perfekt, doch sicher auch keine gar so schlechte. Johanna war kein einfaches Kind. Nicht alle Sanktionen waren aus heutiger Sicht vertretbar, ganz klar. Dennoch frage ich mich, ob das Rechtfertigung für das ist, was sie erzählt. So wird Johanna irgendwann zur Stalkerin und hier verstehe ich ihre Gedanken dann schon gar nicht mehr. Sie redet, als wären nur ein paar Tage statt dreißig Jahren vergangen und das irritiert mich enorm. Dazu kommen die Zeitsprünge, die sie gedanklich macht, wenn sie erzählt. Da muss man ganz genau aufpassen, um nicht durcheinander zu kommen. Ganz langsam kommen Dinge zu Tage, die Johanna nie sehen wollte bzw. schlichtweg verschwiegen hat. Immer öfter musste ich fassungslos den Kopf schütteln. Mich schockiert dieses Buch zutiefst. Aber ich erkenne an, dass Vigdis Hjorth das enorm gut hinbekommen hat. Vier Sterne!
S.J.
5/5
16.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringlich
Eindrucksvolle Beschreibung einer schmerzhaften Mutter-Tochter Beziehung. Intensiv bis zur Schmerzgrenze setzt sich die Protagonisten mit dem Verhalten ihrer Mutter auseinander.
Ein Monolog der auf mich eine Sogwirkung ausgeübt hat.Nachvollziehbar beschreibt die Autorin welche Verletzungen die Erfahrung des nicht gesehen werdens auslösen kann.
Edith Berger
aus Graz
5/5
14.02.2025
Buch (Taschenbuch)
Großes Leseerlebnis
30 Jahre ist es her, seit Johanna ihre Heimat verlassen hat. Geflüchtet vor einem Leben mit ihrem frisch angetrauten Mann. Vor einem, von ihren Eltern für sie vorgesehenen Lebensentwurf. Vor allem aber vor ihrer Mutter. Kontakt hat es in dieser Zeit nur anfangs gegeben. Nun kehrt sie als erfolgreiche Künstlerin zurück. Sie möchte die Sprachlosigkeit zwischen sich und ihrer Mutter überwinden. Sie will herausfinden, was hinter den ganzen Verletzungen und der Ablehnung liegt.
„Marguerite Duras schreibt irgendwo, dass jede Mutter in jeder Kindheit den Wahnsinn darstellt. Dass die Mutter der seltsamste Mensch ist und bleibt, dem wir jemals begegnet sind“
Bewertung
5/5
13.08.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein faszinierendes Buch
Die Wahrheiten meiner Mutter – Vigdis Hjorth
aus dem Norwegischen übersetzt von Gabriele Haefs
„Wenn man wüsste, wenn man in jungen Jahren verstünde, wie entscheidend die Kindheit ist, würde man niemals wagen, selbst Kinder zu bekommen.“
Die Erzählerin kehrt nach 30 Jahren in ihre Heimat Norwegen zurück. Der Kontakt zur Familie war abgebrochen, als sie sich aus Liebe zu ihrem Mann und der Entscheidung für ihre Kunst zu leben, von ihrer Heimat und ihrer Vergangenheit löst.
„Aber das Schlimmste von allem: Vater starb, und ich kam nicht zur Beerdigung.“
Sie möchte den Kontakt zu Mutter und Schwester wiederherstellen
In eindringlicher Sprache reflektiert die Erzählerin ihre Kindheit sowie die Verlogenheit der Eltern, im Besonderen das problematische Verhältnis zu ihrer Mutter. „Mutter war von ihren wahren Gefühlen abgeschnitten, sie lernte in allgemeinen Redeweisen zu kommunizieren, in Floskeln und konventionellen Gesten.“
Die Entfremdung zwischen Mutter und Tochter ist tragisch „…die Mutter ist ein Spiegel, in dem die Tochter sich selbst in der Zukunft sieht, und die Tochter ist ein Spiegel, in dem die Mutter ihr verlorenes Ich sieht…“ und zurück bleibt ein Kind mit einem gebrochenen Herzen.
Während die Erzählerin versucht, Kontakt zur Mutter herzustellen, stellt sie sich vor, wie die Mutter jetzt lebt. Es ist ein liebevoller, versöhnlicher Blick auf die alte Frau, gepaart mit dem Wunsch einer Aussprache.
Der Wunsch nach einer realen Begegnung wird zur Obsession und so beobachtet sie minutiös ihre Mutter und deren Leben, solange, bis sie endlich Ruhe findet.
Die Norwegerin Vigdis Hjorth, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der norwegischen Gegenwartsliteratur, hat ein eindringliches Buch über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung geschrieben. Ich bin im gleichen Jahr wie die Autorin geboren und kann die Härte und Kälte dieser Elterngeneration nachvollziehen, Kinder und Jugendliche, die sich aus der Enge der Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Zwänge befreien müssen. Es gelingt der Autorin nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich diesen Konflikt zu bewältigen.
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5/5
12.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aufwühlend und aufrüttelnd
Das norwegische Original von Vigdis Hjorths neuem Roman lautet Er mor død (Mutter ist tot). In der von Gabriele Haefs wie immer vorzüglich geleisteten Übertragung wirkt der Titel weitaus vielschichtiger und passt auch irgendwie besser zu dem heiklen Mutter-Tochter-Thema, da es hier eben nicht um den leiblichen Tod der Mutter geht. Eine Mutter stirbt nie, zumindest nicht die Mutter in uns. Das Buch ist streckenweise schwer auszuhalten – nicht trotz sondern wegen seiner literarischen Qualität, seiner bedrückenden Intensität, mit der beim Lesen immer wieder unwillkürlich auch die eigene Mutter-Kind-Erfahrung heraufbeschworen wird. Ein aufwühlender, aufrüttelnder Text, der auch nach Beendigung der Lektüre nicht loslässt. Nicht unbedingt als Muttertagsgeschenk geeignet.
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5/5
10.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Mutter-Tochter Beziehung, die unter die Haut geht
Vigdis Hjorth hat eine Geschichte von erschütternder Direktheit geschrieben. In einer sehr direkten und drastischen Sprache, erzählt sie uns von dem zerrütteten Verhältnis zwischen Johanna und ihrere Mutter. Sie durchleuchtet scharfsinnig die vielleicht schwierigste alles Beziehungen - die der Mütter und Töchter. Beim Lesen möchte man sagen: redet doch einfachmiteinander und habt Verständnis für die Sichtweise des jeweils anderen.
Vigdis Hjorth gehört zu den ganz großen norwegischen Autorinnen und der Roman ist für den International Booker Prize 2023 nominiert. Wenn man das Buch gelesen hat, weiß man weshalb.
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