Sommer 1947. Das an den Klippen Cornwalls malerisch gelegene Hotel Pendizack wird durch einen Felssturz verschüttet, und alle, die sich im Haus befanden, liegen unter den Trümmern begraben. Nur diejenigen, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks zu einem Fest am Strand versammelt haben, sind verschont geblieben. Kann das Zufall sein?
Eine Woche zuvor ist das heruntergekommene Herrenhaus, das die verarmten Pendizacks zum Hotel umfunktioniert haben, um die Ausbildung ihrer Söhne zu finanzieren, noch fast ohne Gäste. Nach und nach treffen Urlauber ein, unterschiedlichste Menschen, die sich ein einziges Badezimmer teilen müssen: die fünfköpfige Familie Gifford mit ihren besonderen Ansprüchen, die kapriziöse Schriftstellerin Anne Lechene und ihr Chauffeur, der furchteinflößende Geistliche Mr Wraxton mit seiner Tochter Evangeline. Ein jeder von ihnen, wie auch die Pendizacks, das lebenskluge Dienstmädchen Nancibel und die anderen Bediensteten, schlägt sich mit geheimen Sorgen herum und hat etwas zu verbergen. Vor der herrlichen Kulisse des offenen Meers bahnen sich Freundschaften, Romanzen, Fehden, Feindschaften an. Alles gipfelt in der Feier am Strand - und in der Frage, wer daran teilgenommen hat, um wie durch ein Wunder der Tragödie zu entgehen.
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Ein Sommer in Cornwall
Bewertung am 03.08.2023
Bewertungsnummer: 1993226
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman ist ideal für die Urlaubszeit. Die Autorin erzählt von verschiedenen Menschen, die ihre Sommerfrische an der Küste Cornwalls verbringen. Die Sprache ist präzise und schnell bekommt man als Leser/in eine Vorstellung von den Urlaubsgästen und ihren Wünschen. Warum der Felssturz, welcher das Hotel verschüttet ,nicht alle Hotelgäste in den Tod reisst, wird zu einer interessanten Frage die sich den Leser/innen nach und nach erschliesst.
Ein unterhaltsames Fest der Literatur
Christian1977 aus Leipzig am 05.07.2023
Bewertungsnummer: 1974647
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Cornwall, im August 1947: Im etwas heruntergekommenen Hotel Pendizack trifft sich eine bunte Mischung von Personen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Da ist beispielsweise die sehr arme Witwe Mrs. Cove, die mit ihren drei Töchtern sogar im selben Zimmer wohnt, um nur eines bezahlen zu müssen. Da ist Kanonikus Wraxton, ein zorniger Mann, dessen Tochter Evangeline offenbar an "Hysterie" oder Ähnlichem leidet. Oder die schwer kranke Lady Gifford, die sich mit ihrem Mann und den vier Kindern am Meer ein wenig von ihren Leiden erholen will. Sie alle eint nur eine einzige Sache: Sie haben sich in einem Hotel eingenistet, das dem Untergang geweiht ist. Denn in wenigen Tagen wird ein Felssturz das Gebäude unter sich begraben und nur diejenigen verschonen, die sich an jenem Abend zu einem Fest am Strand versammelt haben.
Wer glaubt, dass mit diesem Hinweis schon zu viel gesagt wurde, liegt falsch, denn schon das genial umgesetzte Cover, das in einem einzigen Bild den gesamten Klappentext darstellt, setzt den Felssturz und das dazugehörige Unglück als bekannt voraus. Vielmehr geht es um die Frage, wer überlebt und wer stirbt - und natürlich, wie es überhaupt zu diesem Unfall kommen konnte? Oder ist es vielleicht gar kein Unfall gewesen?
"Das Fest" von Margaret Kennedy (1896 - 1967) stammt ursprünglich bereits aus dem Jahre 1950. Nun ist es bei Schöffling & Co. in der deutschen Übersetzung von Mirjam Madlung erschienen. Der Verlag bezeichnet es im Klappentext als "nostalgischen Sommerkrimi aus England". Vielleicht ist es aber sogar noch mehr: ein hochspannender Pageturner, das Porträt einer vom Zweiten Weltkrieg gezeichneten Gesellschaft - oder einfach nur ein Fest der Literatur.
Denn Kennedy gelingt es nahezu spielend leicht, die Leserschaft hineinzuziehen in diese merkwürdige Ansammlung von Figuren und das drohende Unheil, das wie ein Damokles-Schwert über den Hotelgästen schwebt. Kennedy setzt dabei vor allem zu Beginn des Romans auf unterschiedliche literarische Stilmittel wie Briefe, Tagebucheinträge und erzählende Passagen. Das sorgt einerseits für Abwechslung und spielt andererseits mit zahlreichen Perspektivwechseln, so dass die Leser:innen gezwungen sind, ihre vorgefertigten Meinungen im nächsten Kapitel schon wieder zu überdenken, weil eine Figur plötzlich in einem ganz anderen Licht erstrahlt. Die Sprache, die sie dafür verwendet, verzichtet nahezu komplett auf literarische Spielereien und strahlt dennoch eine gewisse Eleganz aus. Das sorgt dafür, dass sich "Das Fest" unglaublich flüssig und unterhaltsam lesen lässt, ohne jedoch jemals in die Banalität abzurutschen. Denn dafür ist der Roman viel zu gewitzt und klug konzipiert. Margaret Kennedy fesselt ihr Publikum nicht nur durch die sich stetig und langsam aufbauende Spannung, sondern begeistert zwischendurch auch immer wieder mit sprachlichem Witz und Komik, die allerdings fern davon ist, sich über die Figuren lustig zu machen.
Ohnehin ist die Figurenkonzeption ein weiteres Plus des Buches. Obwohl es keine klassische Hauptfigur gibt, gelingt es der englischen Autorin, eine Bande zu den lieb gewonnenen Charakteren wie Zimmermädchen Nancibel oder den drei Cove-Töchtern zu knüpfen, die immer stärker wird, so dass man sich mehr oder weniger klammheimlich wünscht, dass diese doch vom Felssturz verschont bleiben mögen und stattdessen andere dran glauben sollen. Das ist clever, auch weil man sich als Leser:in moralisch hinterfragen muss: Ist es legitim, der einen oder anderen Figur den Tod zu wünschen, damit eben Nancibel davon verschont bleibt? Kennedy erreicht dies durch Empathie zu ihren erkennbaren Lieblingen, die sich in berührenden zwischenmenschlichen Szenen auf die Leserschaft übertragen.
Ausgerechnet im letzten Viertel des Buches schwächelt "Das Fest" erstmals ein wenig. Die Bewohner:innen ergötzen sich in Diskussionen über die britische Nachweltkriegspolitik, die für das damalige zeitgenössische Publikum sicherlich interessanter gewesen sein dürften als für uns heute. Zudem fehlt dem Finale - trotz eines eingefügten sehr gelungenen Nervenkitzels - vielleicht der ganz große Überraschungseffekt, da man bei der Lektüre mit der Zeit doch ein ganz gutes Gespür dafür bekommt, wer wohl zu den Todesopfern zählen wird. Letztlich haben mich diese kleineren Schwächen aber nicht besonders gestört.
Was den Roman für mich nämlich noch lesenswerter macht, ist, dass ich ein Faible für Geschichten habe, die entweder in Hotels oder in Zügen spielen, wie beispielsweise zuletzt "Was geschieht in der Nacht" von Peter Cameron, "Das perfekte Grau" von Salih Jamal oder "Ein Hummerleben" von Erik Fosnes Hansen. Ein Hotel erlebt so viele unterschiedliche Menschen und deren persönliche Schicksale, dass wohl nahezu jedes von ihnen selbst Schriftsteller werden könnte. Auch das Pendizack wüsste von den dunklen Geheimnissen seiner Bewohner und Besitzer zu berichten - wenn es nicht durch den Felssturz für immer schweigen müsste...
Meinung aus der Buchhandlung
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" Das Fest" ist witzig und tragisch mit einer genauen Kenntnis der menschlichen Seele erzählt.
Die unterschiedlichsten Menschen treffen 1947 in einem kleinen Hotel an der Küste Cornwalls aufeinander.
Es entwickeln sich Liebesbande, aber auch die Selbstsucht und Boshaftigkeit einiger Bewohner und Gäste tritt immer stärker zutage. Alles gipfelt in einem Fest am Strand, das auf Betreiben der Kinder stattfindet und einer Katastrophe, als das Hotel unter herabstürzenden Felsenmassen begraben wird. Vom Prolog an weiß man, dass ein einige Personen dabei umkommen werden und die Spannung steigt im Laufe des Romans, weil man wissen möchte, um welche es sich dabei handelt. Der Roman lebt überwiegend durch die Dialoge zwischen den Personen. Kennedy hat einen genauen Blick auf die seelischen Vorgänge in den Menschen. Eine wunderbare Urlaubslektüre, wenn das eigene Hotel nicht gerade unterhalb irgendwelcher Felsen liegt.
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